Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Die Wahrheit Seite 9. reicher anderer Vereine und Korporationenbemerkten. Der größte Teil des Publikums, so der Kultusvorstand, der Vorstand der Chewra-Kadischa rc., zu denen sich noch viele neue Hochzeitsgäste gesellten, verblieben im Gotteshause, um auch der unmittelbar daraus folgenden Trauung des Oberoffizials der Wiener Kultusgemeinde Herrn Emil Engel mit Fräulein Dicha Kraus beizuwohnen. Den Trauuugsakt vollzogen bei beiden Trauungen Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und Oberkantor Singer. Wien. Sonntag, den 18. d. M., fand im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Adolf H a s s a n, Mitchef des bekannten Teppich- Großhandlungshauses Brüder Hassan, mit Frl. Hilda K o h n, Tochter des Banquiers Herrn Max K o h n aus Salzburg statt. Unter den Gästen bemerkte man Exzellenz Assim Bey, Chukri Pascha, den Militär-Attachee, die Botschaftssekretäre Saly Bey und Tefik Bey, den Vorstand der Gemeinde, Cäsar Danon, kais. Rat Dr. Krüger, Oberkantor Guttmanuu. v. A. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Papo und Oberkautor Bauer unter Assistenz des Chores, welcher unter Leitung des Dirigenten Löwit stand Wien. Sonntag, den 25. Februar, 3 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Selma Schwarz, Tochter des Präsidenten des Vereines zur Bekleidung alter Männer, Herrn Isidor Schwarz, mit Herrn Julius Klar aus Brünn statt. Wien. Dem Brigitttenauer israel. Unterstützuugs- Verei n sind von Freunden und Gönnern weiters die nachfolgenden Spenden (Schluß) zu Händen seines Obmannes Herrn Adolf Schreiber, XX., Klosterneuburgerstraße 19, zuzegangen und sagt derselbe allen edlen Spendern namens der Bereinsleitung herzinnigsten Dank. — Jg. Eisler X 10, Dr. Karl Nathansohn X 4, Gabriel Böhm X 6. Dr. Hornig X 2, Hch. Böhm X 10, Baron Max Springer X 100, Bondi & Mayer X 6, Gottlieb Taussig X 10. kön. Rat Beruh. Rosenfeld X 3, Goldmann & Salytsch X 2, kais. Rat Ad. Lichtblau X 5, Cbarlotte Przpbram X 10, A. Stern & Sohn X 10, Dr. Alfred Pollak X 10, Dr. Alfred Berger X 10, E. Braun & Co. X 2, Arnold Grünfeld & Co. X 1, Isidor Bachrich X 3, H. Friedjung X 2, Lichtensteru & Zweiger X 10, Emil Fürth X 5, Anonym unter „Ungenannt sein wollend" X 50, dto. X 4, Otto Deutschendorf X 10, Max Platschek X 2. Staub X 10, Freudenthal ■& Bachwitz X 2, Josef Toch X 5, Hugo Herzfelder X 10, S. Fluß X 5, Duschwitz Iv 10, Dr. Ludwig Vogler, Reichsrats-Abgeordneter, X 10, Döwy & Schnitzler X 2, Rosa Bernfeld X 4. Moritz Back X 3, M. Gnth X 10, Adolf Spitzer X 10. Sigm. Kauitz X 5, Th. R. v. Taussig X 10, Ludwig Fürth X 5, Heiur. Scharf-Leipuik X 10, Dr. Sigm. Dürrmaul X 3, Mich. Winkler & Sohn X 2, Sigm. Blau X 10, Dr. Daniel Bachrach X 5, Friedr. Pollak X 5, Adolf Wellisch X 2, Brüder Schwadron X 5. Jos. Taussig in Kischitz X 4. Dr. Josef Breuer X 25, unter „iselr kemathnath judoi“, Budapest, X 2, Max Gelbart X ö, Jg. Wassermann X 4, Arnstein in Kolin X 6. Jakob Goldner X 25, Jul. Herzog X 3, kais. Rat Jonas Weil X 10. Jg. Schreiber X 10, Alois Lemberger X 100, Bunzl & Biach X 5, kais. Rat Friedr. Pollak X 10, K. Berger X 2, Gustav Bamberger X 4, Jakob Prick-Nachod X 10, Hch. Birnbach X 3, Sim. Heller X 10, Mor. B. Eisler X 20, kais. Rat Gustav Schweinburg X 10, Hrinr. & Fritz Mendl X 10, H. Südfeld & Co. X 4, Jos. Bruckner & Sohn X 4, Kultusgemeinde Jägerndorf X 10, Isidor Mauthner X 5, Richard Patzau X 20, Dr. S. Natzler X 4, kais. Rat Leop. Sachs X 20, B. Wetzler X 6, Sim. Stein-Zwittau X 5, Jos. Fischer-Toporanz X o, H. L. X 2, Hofrat Ritter v. Hahn X 20, Fr. Regina Sommer X 3, Leop. Weinwurm-Malaczka X 10, Roth-Brünn X 4, Alb. v. Boschan X 5. Wien. Der „I. österr. Rechtsschutzverein für Hausierer" in Wien bringt allen befugten Hausierern zur Kenntnis, daß er ein Aktionskomitee, bestehend aus mehreren hervorragenden, hochherzigen Persönlichkeiten, ins Leben gerufen hat, welches sich zur Aufgabe gemacht, alle Interessen der Hausierer zu vertreten, insbesondere ihnen in jeder Hinsicht hilfreich bei- .znstehen. Nachdem aber das Aktionskomitee die Absicht hegt, diese Wohltaten ausschließlich nur Mitgliedern des obgenannten Vereines angedeihne zu lassen, ergeht der Aufruf an alle befugten Hausierer, sich ehestens in ihrem eigenen Interesse als Mitglieder eintragen zu lassen. Zu diesem Zwecke hält die Vereinsleitung in ihrem Bureau II., Taborstraße 59 jeden Sonntag von 3 bis 5 Uhr nachmittags öffentliche Sitzungen ab, in .welchen Mitglieder ausgenommen, Beschwerden entgegengenonimen und Ratschläge erteilt werden. Außerdem finden auch dortselbst früh und abends zu der jeweilig bestimmt und ersichtlich gemachten Zeit Sprechstunden statt. Der Jahresbeitrag beträgt K 2.— fürs ganze Jahr. Brünn. (Stellenvermittlung des Vereines zionistischer Handelsangestellter „E m u n a h", Brünn, Rennergaffe 18.) Wir machen die jüdische Bevölkerung auf die Stellenvermittlung dieses Vereines aufmerksam und ersuchen die jüdischen Kaufleute, Gewerbetreibende frei werdende Posten nur durch obgenannte Stellenvermittlung zu besetzen. Jüdische Angestellte wollen ihre Offerte an den Verein richten. Bielitz. Herr Rudolf K e st e l, Privatier in Bielitz, feierte am 10. d. M. im Kreise feiner Fanulie den 70. Geburtstag und wurde aus diesem Anlasse als Obmann des jüdischen Haudwerkervereines seitens der israelitischen Kultusgemeinde, von den Mitgliedern des israelitischen Handwerkervereines, von dem Vorstand der Chewra-Kadischa u. s. w. herzlichst beglückwünscht. Möge es dem Jubilar, welcher den Armen stets ein opferwilliger, wohltätiger Vater ist, vergönnt sein, noch viele Jüyre im Kreise seiner Familie und seiner Mitbürger zu leben. Czernowitz. Se. Majestät der Kaiser hat den Präsidenten der hiesigen Kultusgemeinde. Reichsratsabgeordneten Dr. Benno Straucher, .zum Mitglieds des Landesschulrates für die Bukowina aus die Dauer der nächsten sechsjährigen Funktionsperiode ernannt. Oesterreichische Friedeusgesellschaft. Das berühmte, in alle Kultursprachen übersetzte Buch „Die Waffen nieder!", eine Lebensgeschichte von Berta von Suttner, ist durch finanzielle Unterstützung von Friedensfreunden soeben in Piersons Verlag als billige Volksausgabe erschienen und durch dieösterreichische Friedensgesellschaft, Wien, I.* Spiegelgasse 4, für nur X 1.60 (einschließlich Porto) elegant gebunden, zu beziehen. Die Zusendung erfolgt gegen Einsendung des Betrages (X 1.60) oder gegen Nachnahme. Auszüge ausden Urteilen derPresse über obiges Werk. Als in diesem Jahr die schönen stillen Herbsttage waren, saß ich in einem Walde bei Krieglach und las ein Buch: Die Waffen nieder! von Berta von Suttner. Ich las zwei Tage daran und diese zwei Tage sind ein Ereignis in meinem Leben. Als die Lektüre zu Ende war. harte ich den einen lebhaften Wunsch, dieses Buch möchte in alle Kulturspracheu übersetzt, in alle Büchereien ausgenommen, in alle Schulen eingeführt werden. Es gibt Gesellschaften zur Verbreitung der Bibel; möge sich auch eine Gesellschaft bilden zur Verbreitung dieses merkwürdigen Buches, welches ich geneigt bin ein epochemachendes Werk zu nennen. (P.-K. Rosegger, „Heimgarten", November 1891.) Das herrliche Werk wird, ich bin überzeugt, ein Standardwerk werden. Seit Fran von Stael haben wir keine so mächtige weibliche Feder auszuweisen. (Friedrich von Badenstedt.) Das ist nicht nur ein Buch, das ist ein Ereignis! (Heinrich Hart, „Tägliche Rundschau".) Petersburg. Die „Petersb. Ztg." schreibt: Der einst vielgenannte Antisemit Herr P. K r u s ch e w a n wird aus Grund des Art. 1531 des Strasgesetzkodex zu gerichtlicher Verantwortung gezogen. Der betreffende Artikel lautet: „Für Verführung einer Unverheirateten durch feierliches Eheversprechen unterliegt der Schuldige" usw. Herr Powolaki Kruschewan stellt übrigens, wie wir den „Birsh. Wed." entnehmen, seine Kandidatur für die Reichsduma auf. Zurückgefunden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Der junge Mann, ein vielgewandter Redner, betrachtete mit Blicken der höchsten Bewanderung das anscheinend so einfache Mädchen, welches einen solch gewagten, aber nichtsdestoweniger zutreffenden Vergleich anstimmte. Er mußte ihr in jedem Punkte Recht geben. Die eine Entgegnung, die ihm aus den Lippen schwebte, unterdrückte er aus einem natürlichen Gefühle von Hochachtung gegen die furchtlose Sprecherin — daß bei beiden, bei der deutschen Sprache sowohl, als bei dem jüdischen Volke, Ueberhebung im Spiele, was Anlaß zu der gegen beide in anderen Ländern herrschenden Antipathie gibt. Unter eifrigem Gespräche waren sie den damals noch ungeebneten Weg durch die Gürberei-Vorstadt bis hinauf zu den Festungswerken, die heute schon einer ebenen, guten Straße Platz gemacht haben, gekommen, und als sie das altertümliche Stadttheater erreicht hatten, blieben sie stehen, um sich hier von einander zu verabschieden. „Fräulein!" sagte der Doktor, „sollen wir so voneinandergehen, ohne uns während meiner Anwesenheit nicht noch zu begegnen?" „Auch mir wäre dies sehr leid, Herr Doktor, jedoch wüßte ich nicht, wie eine Zusammenkunft zu ermöglichen wäre.". „Denken Sie darüber nach, Fräulein, vielleicht ließe sich eine solche doch bewerkstelligen. Gehen Sie heute^ Abend ins Theater zur Festvorstellung'?" „Wo denken Sie hin? Der enge Raum unseres Theaters faßt kaum einen Teil der hier weilenden fremden Gäste, da konnten an die Einheimischen ja keine Eintrittskarten, vielweniger noch auch Sitzplätze verabfolgt werden. Dafür wird bei Eintritt der Dunkelheit die ganze Stadt illuminiert werden, natürlich mit Ausnahme der Wohnungen von Lehrern, Geistlichen und staatlich besoldeten Beamten, denn die Feier hat einen antiklerikalen und antidynastischen Charakter." „Nicht so, Fräulein, sie hat einen rein nationalen Charakter. Wenn aber Staat und Klerus Hindernisse in den Weg gelegt haben, so tragen sie allein die Verantwortung, nicht w i r. Aber lassen wir die Politik ruhen und sinnen Sie lieber nach, auf welche Weise eine Zusammenkunft möglich zu machen ist." „Wie lange bleiben Sie hier, Herr Doktor?" „Wenn es auf meinen eigenen Willen ankäme, so bliebe ich länger hier, immer," sagte er mit einem zärtlichen Blicke I auf seine Begleiterin. „Aber ich muß mich der Verabredung mit! meinen Reisegefährten fügen. Morgen Abend besuchen wir den! Festball, bleiben einige Stunden dort und fahren dann mit dem > Zuge, der nach Mitternacht nach Wien abgeht, fort. Sie be- I suchen doch auch den Ball?"