Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit. Leite 5. bald eine heftige LiebesLeidenschaft zu einer seiner lieblichen Töchter, zu Maria. Diese Liebe wuchs noch durch häufigeren Verkehr, und nur nach schwerem Kampfe stand Jesus davon ab, Maria zum Weibe zu begehren. Denn — so schrieb der Bund vor — „Weib und Kind hemmen die Wege zum Werke an der Zeit". Fortan blieb er mit der Geliebten in treuer Freundschaft verbunden. Bald darauf, nach Josefs Tode, begann Jesus seine öffentliche Wirksamkeit, indem er die Taufe des Johannes annahm. ..Und er wollte die göttliche „Bathkol" hören, d. h. das heilige Orakel, welches den Willen Gottes deutet und darin besteht, daß der Prophet oder Täufer die Begebenheiten auszulegen weiß, welche bei der Taufe sich ereignen. Nun erhob sich während dieses Aktes ein Gewitter, der Sturm rührte den Jordan auf und der Blitzstrahl scheuchte eine Taube auf aus dem nächsten Gebüsch, wo viele Tauben leben; ängstlich fintierte sie um Jesus Haupt. Dies nahm Johannes als Zeichen. „Höre!" rief er, „Du bist der Geweihte Gottes, an dem Gott Wohlgefallen hat!" Am folgenden Tage pries er vor allem Volke Jesus als den Messias, den „Stifter den neuen Königreiches Israels". Um diese Zeit suchte der hohe Rat mit Jesus Verbindung. ..Sie hätten es gerne gesehen, wenn ein Mann aufgestanden wäre von Kraft und Klugheit und Anhang", um die Juden vom römischen Druck zu befreien. Ihr Abgesandter, Sadoc, unternahm es, Jesus für diese Pläne zu gewinnen. Zwar traute er eigentlich einem Galiläer so kühne Sinnesart nicht zu. Wenn er jedoch sähe, daß Jesus Wunder verrichten und die Dämonen beschwören könne, so wollte er ihm die Hände bieten. Jesus aber ging aus nichts ein. Er wies das Ansinnen zurück, als Zeichen göttlicher Fähigkeit aus Steinen Brot zu machen oder sich ohne Gefahr von des Tempels Zinne herabzustürzen. Erwies auch die Aufforderung Sadoks ab, selbst an die Spitze eines Volksaufstandes zu treten und „Herr zu werden über das ganze Land". Fortan zürnte ihm Sadoc und hielt ihn für einen „Schwärmer". Jesus aber erbat sich die Einwilligung des Bundes zu seinem öffentlichen Auftreten und zog davon mit Johannes und Andreas, dessen Bruder Simon gleichfalls gewonnen ward. Simon aber ..hatte Mut und Festigkeit wie ein Fels". Ueber die nun folgende Wirksamkeit berichtet das im bisherigen kurz wiedergegebene Dokument nichts, sondern bricht ab. Der sieben Jahre nach Jesu Tode in Jerusalem geschriebene Brief schildert in gleicher, doch kürzerer Weise Jesu Kindheit und Jugend, um sodann — dazwischen findet sich im Original eine große Lücke — aus die Geschichte seines Todes einzugehen. Die Hauptpunkte sind folgende: Das Kreuz Jesu wurde in die Mitte, zwischen die beiden Verbrecher, gepflanzt, um anzudeuten, daß seine Schuld am größten sei. Darum hatte man seinem Kreuze auch eine besondere Form gegeben. „Denn obwohl sie immer so gebaut wurden, daß der ausstehende Stamm nicht über den Querbalken hinausragte, so war Jesu Kreuz gerade der Art, daß der Stamm hoch oben überragte und der quere Stamm über der Mitte befestigt war." Während des Bindens ruhte der Leib auf einem kurzen Pfahl, „der an jeglichem Kreuze ist". Hände und Füße ..bis zur Hälfte des Beines" wurden so fest gebunden, „daß alles Leben in den Rumpf zurückfliehen mußte", und durch die Hände schlug man dicke eiserne Nägel. „Aber durch die Füße wurde kein Nagel geschlagen, weil es nicht Brauch ist." Ueber das Kreuz häugten die Römer aus Spott eine Tafel, welche Jesus in vier Sprachen „König der Juden" natmte. Als am Nachmittage ans der Stadt die Neugierigen und die Priester kamen, war auch Kaiphas, zu Pferde und mit großem Gefolge, darunter. Und alle spotteten des Gekreuzigten. Erst bei Dunkelwerden verlies sich das Volk. Nur Jesu Jünger und Freunde und die Nettesten der Essäer blieben zurück; auch galiläische Frauen und Jesu Mutter. In seinem größten Schmerze ries Jesus laut die Worte des 22. Psalmes. Ein Erdbeben, das gegen Abend eintrat, flößte den Juden und dem römischen Centurio abergläubischen Schrecken ein; und der Römer tröstete Jesu Mutter, die von Johannes nahe ans Kreuz getragen war. Auch Josef von Arimathia, ein stiller Anhänger des Bundes, und Nikodemus, ein heilkundiger „Therapeut", waren dort. Als diese den Leichnam untersuchten, bemerkten sie, freudig überrascht, noch Leben in ihm. Sie wußten aber, daß Jesus verloren war, wenn ihm — wie üblich — die Beine gebrochen würden. So setzten sie es durch Bitten bei Pilatus durch, daß dieser ihnen — wie er zuweilen tat — den Leichnam zur Bestattung überließ. „Denn Pilatus hielt viel aus Joses und fühlte heimlich Reue über die Hinrichtung." Zur Feststellung des Todes stieß ein Soldat einen Speer in den Körper, oberflächlich, über der linken Hüfte, um zu sehen, ob er noch zuckte: und er zuckte nicht. An dem „blutigen Wasser", das aus der Wunde rann, erkannten die Freunde, daß Jesus nach lebte. Behutsam nahmen sie ihn vom Kreuze und behandelten ihn mit flüssigen und stärkenden Salben, deren Zusammensetzung Essäergeheimnis war. Man brachte ihn sodann in die Felsenhöhle, die Josef zu seiner eigenen Grabstätte ausersehen, und räucherte hier mit Aloe und anderen Reizstoffen. Vor das Grab ward ein essäischer Noricius im weißen Festgewande als Wache gesetzt, und als gegen Morgen abermals die Erde erbebte, da glaubten die Knechte, die Kaiphas mißtrauisch zur Beobachtung des Grabes gesandt, ein Engel sei erschienen, und entflohen in abergläubischer Furcht. Dreißig S t u n d e n n a ch s e i n e m v e r m e i n t l i ch e n Tode erwachte Jesus. 24 Essäer des obersten Grades suchten ihn in der Höhle aus und halfen bei der Flucht. Man verbarg ihn zunächst in einem Essäerhose nahe Golgatha Den Frauen aber, die an das leere Grab eilten, sagte man in kluger Vorsicht: „Jesus ist auserstanden! Sucht ihn nicht hier, sondern sagt seinen Jägern, daß sie ihn in Galiläa finden werden!" Doch Jesus trieb es, den Freunden Mut einzusprechen, und da er ohne Kleider war, so gab man ihm in der Eile das Arbeitskleid eines Essüers, so daß er einem Gärtner ähnlich sah. So erblickte ihn Maria, die ihn liebte, erkannte ihn jedoch anfangs nicht, „denn er sah sehr leidend und schwach aus". Erst an der Stimme ward sie inne, daß er es sei. Er aber trat zurück und sagte: „Rühre mich nicht an!" Denn er hatte große Schmerzen und fürchtete die heftige Umarmung, In der Stadt verbreiteten sich währenddem viel wundersame Gerüchte über diese Ereignisse, und Kaiphas — die Volkserregung fürchend — ließ aussprengen, der Leichnam sei von seinen Anhängern gestohlen, damit sie sagen könnten, er sei auferstanden. Jesus selbst aber zog, durch sorgsame Pflege gestärkt, von den Brüdern gesegnet und heimlich beschützt, in kleinen Tagereisen nach Obergaliläa. So schwach war er aus diesem Wege, daß man ihn streckenweise tragen mußte, und er litt viel Schmerzen. Auch stellten ihm bereits feindliche Kundschafter nach. So mußte Jesus, auf den Rat der Brüder, zu seiner Sicherheit in die einsame Essäergemeinde bei der Burg Massade zurückkehren, wo er einst gelebt. Hier suchten ihn die Brüder gesund zu pflegen. Noch einmal zeigte sich Jesus am Fuße des Berges Karmel seinen in großer Zahl herbeigeeilten Anhängern und belehrte sie, wie sie leben sollten und die Lehre verbreiten in seinem Namen. Auch setzte er die Taufe ein, die geschehen solle, nachdem der Mensch überzeugt sei, und viele äußere Zeichenentlehn teer den Gebräuchen desBundes. Und was er sagte, schlug Wurzel in den Herzen, so daß auch viele der Essäer aus der Einsamkeit in die Oeffentlichkeit traten, wie Jesus forderte; denn — so meinte er — „auch vor der Welt kann der Weise Weisheit üben!" Im Grunde war seine Lehre nämlich keine andere, als die ess ä is ch e, so r tg eerb t in den A e l t e st e n des Bundes. Aber nicht alle verstanden ihu, und das Volk ging zu Rate, wie es Jesus zum weltlichen König ausriefe. Dies alles und auch eine zunehmende Schwäche des Körpers bewog Jesus, sich nun ganz in die Einsamkeit zurückzuziehen und damit den ursprünglichen Vorschriften des Bundes zu genügen. Noch einmal nahm er zu Jerusalem auf dem Oelberge feierlichen