Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 7 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063316-3063323--04110-3070923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 5. für die verübten Scheußlichkeiten sich als freche Lüge erwiesen hat: Der Pristav-Gehilfe ist nicht von einem Juden, sondern von einem christlichen Arbeiter erschossen worden! Ein Uetter Heinrich Heines. In den letzten Tagen ist das Andenken an Heinrich Heine vielfach erweckt worden, nnd da dürfte es den geschätzten Lesern dieses Blattes wohl willkommen sein, von einer sehr interessanten Grabschrift des Onkels Heiners, welcher in Rom im Jahre 1831 gestorben ist, Kenntnis zu erhallen. Dieser Onkel hieß Herrman Heine und dessen Vater war Salomon Heine. Die betreffende Inschrift, die wir nachfolgend wiedergeben, haben wir dem verdienstvollen Dr. A. Berliner zu verdanken und hat folgenden Wortlaut: psn nan an nnawaa-aibi mna mutn Wien wn by n*i rnaaitn n'v nsv '«2 bmar n'a 'a'acp'. naw a'npjn ynw ra’ vnn va"n a"n iaa? natp8 trnnb raa nx?n -rpa nan ptn ma ML' D'anm pnaa asnn uarpnn 2D aaw nwK aipan na ras na1?®1? n'aan . iD'3 w-in bn*a ara na napn naan Kiaa 'm .a”nn ninata pbn araa arvaa ^b wy maai Dieser Herrman Heine ist, wie bemerkt, im Jahre 1831 zu Rom, wo derselbe eine Zeit hiedurch Aufenthalt pflegte, gestorben und daselbst auch auf Wunsch seines Vaters beerdigt worden. Albert Löw. Ielus und die Offner-Orden. Von Dr. Georg Lourer Vor mir liegt ein Buch betitelt: „Wichtige historische Enthüllungen über die wirkliche Todesart Jesu. Nach einem alten, zu Alexandrien gefundenen Manuskripte von einem Zeitgenossen Jesu aus dem heiligen Orden der Essäer." (Braunschweig, Verlag von Christian Horneyer.) Als Anhang enthält es einen Nachtrag, welcher „Enthüllungen über die wirklichen Ereignisse der Geburt und Jugend Jesu" bringt. (Leipzig, Verlag von Christian Ernst Kollmann. 1849.) Der Häuptteil ist, heißt es, „aus einer lateinischen Abschrift der Originales", der Nachtrag „aus einer wortgetreuen Abschrift des alten Originales" übersetzt. Um nun den Quellenwert und überhaupt die Frage der Echtheit dieser Schriften erörtern zu können, ist es wichtig zu wissen, wie sie an die Oeffentlichkeit gelangten, wer sie herausgab, und welche Aufnahme sie seinerzeit fanden. Sicher ist jedenfalls, daß sie im Revolutionsjahr 1849 erschienen, in kürzester Zeit sechs Auflagen erreichten, und daß erst durch die Beschlagnahme der 1851 erschienenen 7. Auflage ihrer weiteren Verbreitung Einhalt geboten wurde.*) Ueber die anderen Punkte gibt uns das Vorwort einige, leider keineswegs zureichende Aufschlüsse. Das ursprüngliche Dokument soll in Alexandrien in der vergessenen Bibliothek eines alten, früher von griechischen Mönchen bewohnt gewesenen Gebäudes gefunden worden sein. Archäologische Forschungen ergaben dann, daß der betreffende Platz zur Zeit der Römerherrschaft und so zur Zeit Christi Eigentum des Essäer-Ordens gewesen sei, und daß die gefundene Pergamentrolle aus dem Nachlaß eben dieser e s s ä i s ch e n Kolonie herstamme. Gefunden sein soll sie durch „ein Mitglied der abessinischen Handelsgesellschaft", während die Entzifferung einem „zufällig anwesenden französischen Gelehrten" gelang. (Leider ist kein Name genannt!) Dieser Gelehrte versuchte den Urtext, wie es heißt, in den Besitz der französischen Akademie zu bringen. Es ist aber fraglich, ob ihm dies gelungen ist; denn von Anfang an wurde von intriguanten Angehörigen der Jesuitenmission in Egypten darauf hingearbeitet. möglichst jegliche Spur der Dokumente zu vernichten. Aus gleichem Grunde stellten sich auch der Anfertigung einer Abschrift bedeutende Schwierigkeiten in den Weg, deren Ueberwindung den Franzosen schließlich nur durch den ..Schutz sehr einflußreicher *) Dies letztere nach einer Mitteilung von buchhändlerischer Seite. abesiinischer Handelsherren" und eines „angesehenen Triester Kommissionärs" gelang. Diese Abschrift nun ist durch die Vermittlung „pythagoräischer Gesellschaften" gerettet worden und gelangte auf freimaurerischem Wege „mehr zufällig als absichtlich" eine Zeitlang in deutschen Besitz. In dieser Zeit soll die deutsche Uebersetzung entstanden sein, und in der Tal deuten einige Einzelheiten im Aeußeren des Buches aus einen freimaurerischen Herausgeber, womit selbstverständlich die Möglichkeit noch nicht bestritten werden soll, daß es sich trotz dieser guten Bürgschaft für die bona fides des oder der Herausgeber um — etwa unbeabsichtigte — Täuschung handeln kann. Das Fehlen genauer Namen und Datenangaben allerdings braucht nicht in diesem Sinne gedeutet zu werden. Es kann seinerzeit einfach eine Vorsichtsmaßregel gewesen sein, um einer eventuell^ Entwendung so wichtiger Dokumente, wie der vorliegenden, vorzubeugen. Sicher scheint mir jedenfalls, daß das Schriftchen sich augenblicklich nur noch in ganz wenigen Händen befindet. Einesteils aus diesem Grunde und um es einen größeren Publikum zugängig zu machen, andernteils um eine Diskussion über die Frage der Echtheit und sich daraus ergebende Konsequenzen anzuregen, glaube ich richtig zu handeln, wenn ich die Kernpunkte des Buches herausgreife. Indem zunächst auf den „Nachtrag". sodann auf den Hauptteil eingegangen sei, gestaltet sich der Tatsacheninhalt des Buches wie folgt:*) Maria war die spätgeborene Tochter des Joachim und der Anna, beide zu Nazareth. Die Eltern starben früh, und Maria weihte sich, „bis ein Mann sie suche", dem Herrn Israels, wurde Nasiräerin und zog zu Elisabeth, der Frau des alten Priesters Zacharias in Juda, einer Blutsverwandten der Estern. Hier wurde sie Schülerin des einen und Freundin der anderen. Hier lernte sie sich leidenschaftlich einen Sohn wünschen, der der Retter des Volkes aus seiner nationalen Not werden möchte. Ihre intensive religiöse Schwärmerei steigerte sich noch durch eine Reise nach Jerusalem, wo sie Josef, einen Freund ihrer Eltern und älteren Mann, wiedersah. Diese Begegnung führte zum Verlöbnis. Maria war zweifellos eine derNorm nicht entsprechende Natur. So heißt es einmal (S. 15), ..sie glaubte die Nähe des Herrn zu fühlen und in ihrer Entzückung fiel sie in einen Traum mit wachen Augen" und S. 17: „Wie es sich ereignet bei stürmischer Seele, daß sie vor die Augen Bilder zeichnet, und Wunder geschehen aus dem eigenen Schauen, so hatte auch Maria vielerlei Visionen, und alle, die sie gekannt haben, gaben Zeugnis von ihrer starken Einbildung." In einem solchen Zustande religiös-sinnlicher Ekstase wurde sie zu Nazareth von dem Essäer Euphanias verführt, und nur ihre völlige Ahnungslosigkeit von dem wirklich Geschehenen — sie erzählte Josef von der Erscheinung eines Engels — ließ den Bräutigam Mitleid mit ihr haben. „Denn er konnte nicht den Gedanken mit sich tragen, daß Maria ihn betrüge, und lieber" redete er sich ein, daß ein heiliges Wunder geschehen sei an ihrem Leibe." Die Reise nach Bethlehem war ihm daher ein guter Vorwand, um den Leuten in Nazareth die zu vorzeitige Geburtsftunde geheim zu halten. In einer Felsenhöhle bei Bethlehem fand die Niederkunft ganz unerwartet statt. Von Marias religiöser Ekstase (..denn sie war wundersüchtig und voll heiliger Einbildung", S. 23) fortgerissen, verkündete die Seherin Hanna aus Jerusalem den Hirten auf dem Felde, die in einem zwischen sie fahrenden Blitze Jehovas Boten zu erkennen glaubten, die Geburt „von Israels Retter", dem „König der Juden". Der Essäer Zaron, wohnhaft zu Bethlehem, hat alles dies miterlebt. Auch andere, national denkende Juden glaubten an die Bestimmung des Knaben. So kam es, daß sich im Lande das Gerücht verbreitete, eine arme Galilüerin habe einen Er st geborenen, der von den Hirten angebetet und im Tempel gesegnet sei, und es heiße von ihm, er sei der prophezeihte König. Zugleich erschien um diese Zeit ein Komet am Himmel *) Die Originale sollen griechisch abgefaßt gewesen sein. Der Hauptteil enthält den brieflichen Bericht eines Essäer-Aeltesten zu Jerusalem, der Augenzeuge des Lebens und Sterbens Jesu war, an die efsäischen Brüder in Alexandrien. Der Nachtrag ist eine ganz selbständige, gleichfalls efsäische, am selben Orte gefundene Darstellung der Geburt und Jugend Jesu.