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Die Wahrheit · 1906-02-16 · Heft 7 (16.2.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 7. Die Wahrheit. und erfüllte die Gemüter mit dem Glauben an ein besonderes Ereignis. Durch alles dies wurde der Machthaber Herodes aufmerksam, „und da er alt, krank und argwöhnisch war, wollte er im Zorne das Gerücht ausrotten mit einem Schlage"., Vox dem Morde unschuldiger Kinder bebte er nicht zurück, „da er selbst aus Argwohn drei eigene Kinder, sein Weib und dessen Bruder hatte ermorden lassen". So ließ er auch zu Bethlehem, nachdem er durch Magier den Aufenthalt des Knaben ausgekundschaftet, alle Kinder hinschlachteu. Glücklicherweise gelaug es den Eltern Jesu, mit dem Kinde zu flüchten- Am 5. Tage kamen sie noch Rhinocura, westlich vom Berge Casius, und trafen dort — zufällig — mit einer zahlreichen essäischen Gemeinde zusammen, der schon vorher von den Brüdern zu Jerusalem geheime Weisungen über dje Flüchtlinge zugegangen waren. Die Essäer führten ein Leben der Emtxacht und brüderlichen Liebe; sie pflegten eine wahrhaftige, von Hochmut freie Gesinnung, und da sie sich selten vermählten, so ergänzten sie sich vielfach aus Kindern, die dem Orden irgendwie— etwa durch uneheliche Geburt — nahestanden. Aus gleichem Grunde bat der Gemeindeälteste jetzt Josef um Ueberlassung des Kindes, lehrte ihn Gruß und Erkennungszeichen des Bundes und sandte den noch Unschlüssigen nach He Napolis, wo alle drei in einem essäischen Hause gastfreundliche Aufnahme fanden. Dort wuchs das Kind auf „in Gesundheit und Kraft" uud lernte umzugehen „mit allerlei Menschen", Juden wie Heiden. Josef erzog ihn, so heißt es, „zur Ausdauer und Verständigkeit" und „die essäischen Brüder gaben dem Knaben desgleichen gute Beispiele". Schließlich kehrte die Familie in die Heimat zurück. Unterwegs, am Berge Casius, empfing Jesus vom Nettesten den Segen des Bundes, der lautet: „Lieber Sohn, gehe hin, nach Jehovas Willen.Werde ein Geweihter des Allmächtigen, kämpfe für die Tucend und Wahrheit und nütze, was Du findest, im Leben für alle Deine Brüder." Hiermit geschah nur etwas selbstverständliches. „Denn da er eines essäischen Mannes gezeugter Sohn war, gehörte er auch der Brrckerschaft und dem heiligen Glauben der Gemeinden an." In Nazareth fand Josef .feine zurückgelassene Habe wieder und arbeitete in seinem Gewerke". „Und da die Bruderschaft mit stiller Klugheit darauf gewirkt hatte, daß Josef Weisheit gehört in Egypten und mitbringen sollte die Kenntnis von den wahren Dingen, damit er seinen Sohn unterrichte und die Schwärmerei seiner Mutter in ihm frühzeitig bändige, so ging auch dieses nach des Bundes Willen in Erfüllung. Oft auch schickte die Bruderschaft Brüder hin, daß sie von ungefähr dem Knaben begegneten und auf seine Fragen Antwort gaben-nach dem höheren Wissen der Gemeinschaft. Und so lernte Jesus auch viäe essäische Geheimnisse der Erde und Sonne und der Pflanzen und Steine." Vom fünften Jahre machte ihn . Josef mit dem jüdischen Gesetze bekannt. Die Mutter aber füllte sein Gemüt mit den Verheißungen der Propheten und ließ ihn in dem Glauben aufwachsen, des Volkes berufener Befreier zu sein. Vom Aeußeren des Knaben sagten essäische Brüder, ..daß er offene, freie Augen habe, mit mildem Blick, eine hohe Stirn, einen freundlichen Mund, der mehr lächelte, als ernst war; und er hatte eine hohe Gestalt, die viel älter erschien, als sie wirklich alt war. Und seine Sprache war sanft und er konnte leicht heftig werden im Zorn über Unrecht und bösen Willen." Als der Aufruhr des Judas Gaulanires ausbrach, flohen die Eltern mit ihm nach Jerusalem. Er empfing zum erttenmale die gewaltigen Eindrücke des Tempelgottesdienstes, fand jedoch in der kleinlichen Gesetzesauslegung der Schriftgelehrten nicht die Erhebung, die er suchte. Ermuntert durch den Rabbi Euphanias (der sich „von Ramath" nannte und sein Vater war), gewann sein Geist an Reife und lernte den Unterschied begreifen -zwischen der Lehre der Priester und der reineren des Bundes. Sieben Tage lang ließ er sich von Euphanias belehren. Als er am achten endlich wieder seine Eltern suchte, fand er sie nicht mchr vor. Sie waren eilends nach Jutha abgereist, weil durch des Zacharias Tod Elisabeth Witwe geworden war. Da nun Männer und Weiber in getrennten Haufen reisten, glaubte jedes der Eltern, Jesus sei im Haufen des andern. Als sie den Irrtum bemerkten, kehrten sie in Sorge um und fanden ihn endlich nach dreitägigem Suchen in der Versammlung der Sopherim. „Und Maria umarmte den Sohn und liebte ihn in ihren Vorwürfen." . In Jutha entstand ein lebhafter Verkehr zwischen Elisabeth Und Maria einer-, Johannes und Jesus anderseits. „Johannes war in strengen. Sitten ausgewachsen und seine Seele hatte sich in der Einsamkeit nach innen gekehrt." „Er hatte weniger Lust an der Schönheit als Jesus, und war auch ernster und schwermütiger." So kam die Zeit, wo das essäische Bundesstatut erfüllt lperden sollte. Der Aelteste der großen Essäergemeinde im Gebirge bei Jutha, unweit der Felsenburg Massada, näherte sich den Fremden auf ihren Wanderungen, prüfte ihren Sinn und forderte Jesus zum Eintritt auf. Jetzt vernahm dieser auch von Josef das Geheimnis seiner Herkunft und die Pflicht, welche er gegenüber dem Bunde auf sich genommen. Am Abend des Neumondes unterwarfen er und Johannes sich, der Aufnahmezeremonie. Das Gebet aber, das hierbei gesprochen ward, lautete: „Gott, Vater im Himmel, Dein Name werde verherrlicht. Dein Reich wollen wir größer machen durch geweihte Seelen. Mache uns zu Boten Deines Willens im Leben, wie ihn erfüllen die Heiligen im Himmel. Nicht Reichtum ist unsere Bitte, sondern Arbeit, gebe uns das tägliche Brot zur Notdurft. Unsere Pflicht sei Sanftmut und Eintracht und Nachsicht, wie auch Du, Allmächtiger, Nachsicht hast mit uns, wo wir sündigen. Reinige unser Herz von sträflicher Lust und versuche uns nicht stärker, als wir vermögen zu überwinden/ In der Gemeinde herrschte Gütergemeinschaft. Es gab nicht Herren noch Knechte. Um des Bundes willen sollte man, tat es not — Vater und Mutter verlassen, ja, das Leben .opfern. Vor dem Volke hatten die Brüder „Wahrheit zu sprechen und Laster zu enthüllen". Werder Wahrheft wegen gemartert wurde, durfte nichtum Erbarmen flehen oder Schmerzen äußern. . Schwören sollten sie nicht mit Eiden, sondern einfach sollte ihre Rede sein. (Schluß folgt.) Uerschirdene Nachrichten. Wien. Am 10. d. M. beging Frau Hofrat Emilie von Pfeiffer ihren 70. Geburtstag. ®ie alte Dame steht seit Jahrzehnten dem Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Vereine, feruer dem Mädchen-Waisenhause und anderen Wohltätigkeitsvereinen mit unvergleichlicher Hingebung und Opferwilligkeit vor. Frau Hofrat von Pfeiffer wie auch Frau Baronin Charlotte Königswarter gelten wegen ihrer Menschenfreundlichkeit und Güte als die wohltätigsten Frauen Wiens. Wien. Am 10. d. M. wurde im Stadttempel der Jahrzeittag des fel. Herrn Max Freiherrn von Spri n g er begangen. Der Prokurist des des Hauses Springer, Herr kais. Rat Leopold Sachs, wurde zur Thora gerufen und spendete aus diesem Anlasse namhafte Beträge zu wohltätigen Zwecken. Im Tempel hatte sich auch der Direktor des Springer'schen Waisenhauses, Herr Alex. Hecht, mit einer Anzahl von Zöglingen eingefunden, die für den Verblichenen das Kaddischgebet verrichteten. Wien. Samstag, den IlX d. M., fand im Bethause H., Fugbachgasse 7, anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Vereinsobmannes, Herrn Ad. S ch r a m e k, ein feierlicher Gottesdienst statt. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner I. L. Abeles, iu welcher er die hervorragenden Verdienste des Jubilars um den Verein und das Bethaus hervorhob und sein konziliantes Wesen und seine allbekannte Wohltätigkeit pries. Eine Deputation des Bethausvorstandes hatte tags zuvor seinem Obmanne das Diplom als Ehrenmitglied überreicht, ebenso war von der Wiener isr. Kultusgemeinde ein ehrendes Anerkennungsschreiben an denselben gelangt. In Vertretung der Kultus gemeinde erschienen die Herren Vizepräsident kaif. Rat M. Hirsch und Baurat, Wilhelm Stiaßny, für den Tempelvorstand die Herren Carl Lemberger, Dr. Hermann Löwi, S. A. Wasservogel, die Bethausvorstände Heinrich Weiner, Markus Bondi, L. Kohen, L. Ulman, ferner die Herren Rabbiner Dr. E. David, Oberkantor Bauer, Oberkantor Bsla Gutmann u. m. a. Dem Jubilar kamen von allen Seiten Gratulationen und Glückwünsche zu. Wien. (Jüdische Toynbee-Hall e,lX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: an Wochentagen um 1/28, an Sonn- und Feiertagen und Samstag um 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Freitag, den 16. Februar: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag, den 17. Februar: Heine-Feier und Konzert. Sonntag, den 18. Februar: Literarischer Abend. Herr Schriftsteller Iork-Steiner. Montag,, den 19. Februar: „Bilder aus der *) Die „Therapeuten" bildeten eine höhere Ordensklasse der Essäer.

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