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Die Wahrheit · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5. Tie Wahrheit;eite 7. „Zweck und Aufgabe der Königsbergsichen Stiftung ist, armen Mädchen israelitischer Konfession in der Anstalt selbst, in welcher sie von ihrem Eintritte bis zu ihrem Austritte ans derselben unentgeltliche Verpflegung und Wohnung, sowie Unterricht erhalten, eine solche Erziehung und Heranbildung zu gewähren, daß sie befähigt sind, auf Grund des genossenen Unterrichtes, sowie ihrer religiösen und sittlichen Durchbildung, nachdem, sie die Anstalt verlassen haben, sich einen anständigen und selbständigen Lebensberuf zu wählen, damit sie dereinst zu ebenso frommen, als tugendhaften Ehegattinnen sich qualifizieren." Der Stifter selbst bemerkt in seinem Testamente unter anderem Folgendes: „Das Wohl einer jeden Familie, selbst eines ganzen Volkes hängt viel von der guten und tugendhaften Erziehung der Frauen ab. . . ". Weiters: „Ich wünsche und hoffe vieles Gedeihen nub guten Erfolg diesem wohltätigen Institute, überzeugt, daß mehrere reiche. Männer sich Gattinnen aus diesem Institute wählen und ans Dankbarkeit ihr Schärfchen Lur Vegrvßernng desselben, sowie andere edle Menschenfreunde -durch Testamente beitragen werden." Das Institut verpflegt derzeit 18 Zöglinge. Die Räumlichkeiten, in welchem das Institut gegenwärtig untergebracht ist, sind in jeder Beziehung unzulänglich geworden. Aus diesem Grunde hat der Knltusvorstand, welchem stiftbriefgemäß die Leitung des Institutes obliegt, in der Plenarsitzung vom 12. März 1905 den Beschluß gefaßt, das Institut in andere geeignete Lokalitäten zu verlegen und zu diesem Zweck dem Institute, dessen Mittel, bei Aufrechthaltung des Standes von 18 Zöglingen die Bezahlung eines höheren Mietzinses als des bisherigen nicht gestatten würden, eine größere jährliche Subvention bewilligt. Diese Subvention erwies sich jedoch im Hinblicke auf den hohen Zins, welcher für geeignete Räumlichkeiten verlangt wurde, als unzulänglich; andererseits war eine entsprechende Erhöhung der bewilligten Snbventionnicht durchführbar. Das Mitglied des vom Kultusvorstande zur unmittelbaren Leitung des Institutes entsendeten Kuratoriums, Herr Salo C o h n, hat in Würdigung der ausgezeichneten Erziehungsresultate dieses Institutes und um die Angelegenheit einer gedeihlichen Lösung zuzuführen, ein im H. Bezirk, Valeriestraße gelegenes Haus käuflich erworben, dem Institute die im Hoch- und Tiefparterre dieses Hauses gelegenen, in jeder Beziehung vollkommen geeigneten Lokalitäten statt um den normierten jährlichen Mietzins von K 7400 gegen Entrichtung einer Jahresmiete von K 5000 überlassen und diese, in Form einer Zinsermäßigung gewidmete hochherzige Zuwendung als eine bleibende erklärt. Weiters hat Herr Salo Cohn zu den Kosten der teilweisen Neueinrichtung des Institutes einen Betrag vou K 4000 gewidmet und dem Institute eine ansehnliche Bibliothek gespendet. Durch diese bedeutsamen Zuwendungen wird es ermöglicht, daß das Institut bereits im Mai 1906 ein neues Heim bezieht. Die obigen Mitteilungen werden von der Plenarversammlung mit lebhafter Genugtuung begrüßt und Herrn Vertreter Salo Cohn für seine Munifizenz der wärmste Dank votiert. Gleichzeitig wird in teilweifer Abänderung des Plenarbeschlusses vom 12. März 1905 beschlossen, dem Institute aus dem Erträgnisse der für israelitische Wohltätigkeits-Institute in Wien, vorzugsweise Lehranstalten bestimmten Dr.H. S. Goldschmidtsichen Legates für das Jahr 1906 eine Subvention von K 2000 für weitere fünf Jahre ab 1907 eine solche bis zum Betrage von K 5000 im Falle des Bedarfes zu bewilligen, wobei die Maximalzahl der Jnstitutszögliuge mit 20 angenommen wurde; eine weitere Erhöhung dieser Anzahl könnte nur nach Maßgabe der im Sinne des Testators etwa von dritter Seite diesem fegensreich wirkenden Institute gewidmeter Zuwendungen erfolgen. Dem Obmanne des Stiftungskuratoriums, Herrn Vertreter 1 k. Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, wird bei diesem Anlasse für die ausgezeichnete Leitung des Institutes der Dank votiert, desgleichen dem Vorstandsmitgliede Herrn Architekten Oskar Marmorek für seine in dieser Angelegenheit entwickelte, opferwillige Tätigkeit. Obligatorische Zehnkronen-Steuer. lieber den von Herrn Architekten Marmorek gestellten Äntrag, behufs Studium der Frage der obligatorischen Zehnkronen-Steuer ein besonderes Komitee einzusetzen, hat das Plenum beschlossen, das Vertreterkollegium mit der Vorberatung und Äntragstellung zu bettauen. Dasselbe hat in seiner Sitzung vom 24. Jänner d. I. nach eingehender Beratung den Beschluß gefaßt, dem Plenum zu beantragen, eine Herabsetzung des gegenwärtigen obligatorischen Steuerminimums per K 20.— nicht vorzunehmen, bezw. den Antrag auf Einführung einer obligatorischen Zehnkronen-Steuer abzulehnen. Diese Beschlußfassung wurde seitens des Vertreterkollegiums insbesondere damit begründet, daß im Sinne des Kultusgemeinde-Statutes durch die freiwillige En:- r i ch t u n g e i n e r K u l t u s st e u e r imBetrage von K 10 genau dieselben Rechte erworben werden, wie durch die Entrichtung einer höheren Kultusst euer. Weiters wurde darauf hingewiesen und an der Hand von Berechnungen und statistischen Vorlagen dargetan, daß die Herabsetzung des Minimums der obligatorischen Kultussteuer auf K 10.— mit einer erheblichen finanziellen Schädigung der Gemeinde verbunden wäre, ferner, daß es im Hinblicke auf moralische und administrative Erwägungen mißlich märe, wenn die Kultusgemeinde gegen mit einer Kultussteuer von K 10.— belegte Steuerträger mit Exekution Vorgehen würde, wozu sie besonders in den in Betracht kommenden Kreisen gewiß in zahlreichen Fällen genötigt wäre; endlich wurde darauf hingewieseu. daß der zur Motivierung der Einführung einer obligatorischen Zehnkronen-Steuer in erster Linie angeführte Grund, daß das bisherige angeblich zu hohe Steuerminimum weite, bisher unbesteuerte Kreise daran hindere, ihr Interesse für die Kultusgemeinde zu betätigen, deshalb als nicht stichhältig angesehen werden könue, weil seit der vor vier Jahren erfolgten Einführung der freiwilligen Zehnkronen-Steuer sich nur eine ganz geringe Anzahl von Personen zur Entrichtung dieser Steuerbereit erklärt hat. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Marmorek, Wilhelm Kuffner, Dr. Gustav Kohn, kais. Rat W. Pollak, Dr. Steiner, kais. Rat Hirsch und Dr. Rappaport beteiligter!, wird der vom Vertreterkollegium gestellte Antrag und die Motivierung desselben angenommen; gleichzeitig wird beschlossen, in entsprechender Weise zu publizieren, daß durch die freiwillige Entrichtung einer Kultussteuer v o n K 10.— seitens solcher Personen, welche nicht zu einer höheren Steu erleistun g herangezogen werden, alle im Statute angeführten Rechte als Kultussteuerträger erworben werden können. Nach Gewährung von Gnadengaben im Gesamtbeträge von K 35.967 und periodischen Unterstützungen von K 52.282 für das Jahr 1906 wird die Sitzung geschlossen._. Verschiedene Nachrichten. Wien, iJüdische Toynbee-Halle, XX.. Othmargasse 46.) Wochenvrvgramm: Samstag, den 3. Februar: Konzert (Mendelsohn- Abend). Arrangement: Herr Pros. S. Storch. Sonntag, den 4. Februar: „Was fange ich mit meinen Mußestunden an?" Herr Ernst Aurel Mende. Montag, den 5. Februar: „Die Rechte und Pflichten des Finders." Herr Dr. Gustav L a n g st e i n. Dienstag, den 6. Februar: „Der Anteil der Juden an der modernen Kultur." Herr Dr. Paul L i b e s n y. Mittwoch, den 7. Februar: „Die Lehre vom Menschen." (Fortsetzung.) Herr Professor Dr. Josef Pollak. Donnerstag, den 8. Februar: „Neue Philosophie." (Populär-wissenschaftlicher Zyklus.) Herr Dr. Bernhard W a ch st e i u. Freitag, den 9. Februar: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer I. T o cv. Samstag, den 10. Februar: Konzert. Arrangement: Frau Schmitz. Beginn: ■ An Wochentagen um 1j?ßl Samstag und Sonntag um 7 Uhr abends. — In würdigster Form ist am 27. Jänner der 150. Geburtstag Mozarts in der Toynbee-Halle gefeiert worden. Nachdem der Obmann Herr Dr. S a m u e l y in kurzen Worten Mozarts Leben und Wirken geschildert hatte, brachte Herr Alfred Brecher Grillparzers „Festgedicht zur Enthüllungsfeier der Mozart-Statue in Salzburg 1846"' zum Bortrage. Das hieranschließende Konzert, welches von den Damen: Frau Klara S a m u e l y, Frau Dora Popper und Frl. Grete S a m u e l y (Klavier), Frl. P e t r o f f und Frl. Käthe Singer (Gesang) und Herrn Dr. Diamant (Violine) bestritten wurde, umfaßte durchaus Mozart- Kompositionen. Die vorzüglichen Darbietungen der Vortragenden erregten den lebhaftesten Beifall des zahlreichen Auditoriums. Wien. Sonnrag. den 28. Jänner, sprach Herr Dozent Doftor P a s m a n i k aus Genf, im Saale „Zum goldenen Widder", vor einem überaus zahlreichen Publikum über „die Emigration der russischen Juden".

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