Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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‘Jir. 4. Die Wahrheit Seite 9. -Schaffens, welches ihm selbst und den Seinen zum Segen, dem Judentum .zur Ehre gereicht, schied er von hinnen und sein Andenken bleibt gesegnet. -Hierauf widmete Rabbiner Dr. Tag licht dem allzufrüh Abbcrufenen Worte der Würdigung, gleichzeitig den Hinterbliebenen ergreifende Trostworte bietend. Am Grabe würdigte der Sekretär der Genossenschaft der Konfektionäre H. Löffler, beu Gemeursinn und die Kollegialität des zu rasch entrissenen Obmannes; ebenso namens des fast vollzählig erschienenen Personales sprach in rührenden Worten Herr Buchhalter H a m m e r s ch l a g, Her die seltene Herzensgüte ihres stets humanen Chess gebührend hervorhob und dem Wunsche Ausdruck gab, daß alle wie bisher in seinem Geiste fortwirken möchten. Mit kurzem Gebete und einem vom Chore vorgetragenen Trauerchoral schloß die erhebende Trauerfeier. — n. Wien Am 16. d. M. verschied hier Frau Fanni Kan n, Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen verdienstvollen Borstandsmitgliedes des 'Tempelvereines im IX. Bezirke, des sel. Herrn Leopold Kann. Unter cher großen Schar der Leidtragenden, die für die Wertschätzung der edlen 'Verblichenen zeugte, befanden sich der Gesamtvorstand des Tempelvereines im IX. Bezirke mit seinem Präsidenten Gottlieb Bettelheim, der Gesamtvorstand des Vereines „Frauenhort", der Vorsteher der ChewraKadischa .Jakob Kann, der Obmann des Bethauses im XV. Bezirke S. Steiner. Lektor Friedmann u. v. A. Gemeinderabbiner Dr. G e l b h a n s hielt der Dahingeschiedenen einen rührenden Nachruf, in dem er mit zu Herzen gehenden Worten die hohen Vorzüge der Verblichenen, ihren Edelsinn und ihre werktätige Menschenliebe pries. Oberkantor Kläger brachte mit Thorbegleitung unter Assistenz des Kantor Pekarnik die Trauerpsalmen in ergreifender Weise zum Bortrage. Wien. Am 19. d. M. ist hier der Seniorchef der bedeutenden Weinhandlungsfirma Leopold Wolfs Söhne, Herr Ignaz Wolf, im -64. Lebensjahre gestorben. Dem Wunsche gemäß wurde der Verblichene nach Eisenstadt überführt, wo die Beerdigung am 21. d. M. stattfand. St. Pölten. (Jüdischer Literaturverein.) Sonntag, den 28. d. M., S1/^ Uhr abends, hält Herr Rabbiner Dr. B a ch aus Wien in unserem Vereine einen Vortrag über „Die größten Welteroberer 4n ihrem Verhältnisse zu den Juden". Prag. Das Stadtverordneten-Kollegium beschloß, die im -Josefstädter Assanieruugsrayon gelegenen Großenhof- und .Zigeuner-Synagogen behufs Demolierung anzukaufen. 'Anstatt dieser Synagogen wird eine neue in der Jerusalemsgasse gebaut. Die Großenhof-Synagoge liegt knapp an der neuen St. Niklasstraße an der Ecke der Schächtergasse gegenüber den ehemaligen Josefstädter Fleischbänken und trägt die 'Nr. 201/2. Sie war zum größten Teile Eigentum der Josefstädter Fleischergenossenschaft. Ans dieser Stelle hatte im .'XVI. Jahrhunderte die reiche jüdische Familie Nosek ein Hans; .vordem stand hier das Hadlsche Haus mit einer Mälzerei, ein weitläufiges Gebäude, das bis in die Rote Gasse reichte, mit einem großen Hof. daher die Benennung „im großen Hof". Von diesem Hause wurden dann einzelne Bauparzellen abverckaust. Der ganze Platz hieß damals ..Hinter den Juden" (Retro -Judaeos) nnd die ganze Umgebung..Großenhosgasse". — Die Zigeuner-Synagoge wurde von einem gewissen „Zigeuner" gegründet; der Name wurde dann ins Tschechische mtt „Cikanskä ^synagoga“ übersetzt. Doch hatte hier in dieser Gasse ein .jüdischer Schächter Namens Moses Cikan ein Haus. Die Synagoge hat ihren Eingang durch das Haus Nr. 181/33 und steht im Hofe der Häuser 178 und 277/31. Friedek-Mistek. Am 15. d. M. ist hier Herr Hermann Löw aus Colloredow zu Grabe getragen worden. Bei dem Heimgange dieses edlen Mannes könnten wir die Worte anführen von dem Patriarchen .Jakob rnä*? bsruir nr innp’i. Es naheten die Tage Jakobs zn sterben. Nur die Tage sterben, nicht aber die Frommen. Sein Wirken und Schaffen wird fortleben. Durch 27 Jahre stand Hermann L ö w der Jsraelitengemeinde Friedek-Mistek als Vorsteher vor. Er war Ehrenbürger und Mitglied des Ortschnlrates. Der Vorstand fühlte sich trotz seiner vielen Auszeichnungen, welche demselben von der Umgebung ohne Unterschied der Religion zu teil wurden, als treuer Jude. Als Fabrikant stand Hermann Lö w zufolge seines biederen Charakters kn hoher Achtung. Nun tst dieser brave Mann, beweint und betrauert von seiner liebevollen Gattin, von seinen zärtlich-liebevollen Kindern, in ein besseres Jenseits gezogen, wo kein Schmerz und kein Leid waltet. Möge sein Andenken ein gesegnetes bleiben! Albert Löw. Saaz. Bei der Konstituierung der neugewählten Vertretung der Saazer israelitischen Knltusgemeinde wurde als 'Vorsteher der Advokat und Stadtrat Dr. Ad. Anspach einstimmig wiedergewählt. Dr. Anspach bekleidet bereits durch fünf Wahlperioden dieses Ehrenamt. Ferner wurden gewählt kais. Rat Sigmund Lederer zum Vorsteherstellvertreter, Siegfried K o h n zum Tempelvorsteher, Moritz R i n d s k o p f zum Tempelvörsteherstellvertreter, Karl Schwager zum Kassier, Sigmund Weiner zum Rechnungsführer und Leopold Bechert, -Gustav Brod, Dr. Eugen Grünseld, Eduard Kohn, Eduard Löbl, Sigmund Löwy, Heinrich Melzer, Jul. Sommer zu Mitgliedern des Vorstandes. Pisek. In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde fand am 14. d. M. die Neuwahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden in den Vorstand die Herren: M. S p i tz (Präses), Dr. L. B l o ch (Präses-Stellvertreter), I. F a n t l, Äd. H a h n jun., Tempelvorsteher, M. Klein, E. B. Jg. Adler, G. R o n b i c e!, L. Kafka, Z. W o d i c k a und I. Vogl. Bielitz-Biala Samstag den 20. d. M. ist das Vorstandsmitglied der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Baurat Karl Koru, Architekt und Baumeister in Bielitz, nach langem und schweren Leiden im 54. Lebenswahre gestorben. Mit Karl Korn scheidet aus dem Leben der Städte Bielitz- Biala ein Mann, dessen reiche Initiative und schaffensfreudrge Energie weit über das Gebiet eines Privatmannes hinaus in beiden Schwesterstädten zur Geltung gekonrmen ist. Karl Korn war nie Gemeinderat; zahlreichen Beschlüffen der Ratsversammlungen beider Städte jedoch hat er bei ihrem Zustandekommen nahegestanden und noch mehr derselben har er ausgeführt. Dre Zeugen seiner Arbeit sind die vielen öffentlichen und privaten Bauten, die er hier und auswärts ausgeführt hat. Seine der Bürgerschaft und dem Staate selbstlos gewidmete Tätigkeit auf dem Gebiete des Bauwesens hat auch die Allerhöchste Anerkennung durch die Berleihurig des Titels eines k. k. Baurates gefunden. Daß Karl Korn seinen Mitmenschen ein stets hilfsbereiter Manu war, wissen wir alle. Der Verewigte war ein Mann der Tat, und wollte nicht, daß die Glocke läutete, wenn er Gutes tat. Arme Schulkinder, die er bekleidete, Studenten, die er unterstützte, wer vermag aufzuzählen alle die, welche ihm zu Danke verpflichtet sind, weil er ihre Not und ihren Kummer zu stillen wußte? In aller Erinnerung ist seine aufopfernde Hilfe, die er in der Wassernot den Anwohnern der Weichsel brachte, sowie für seine Fürsorge gegen die Schrecken des Feuers, die er durch eine eigene Feuerwehr zu mildern bestrebt war. Aus dem Gebiete der Arbeiterfürsorge har Baurat Korn im Kcankenkassenwesen große Opferwilligkeir bekundet nnd die Wohlfahrtseinrichtungen für seine Arbeiter sind inustergiltig. Baucat Korn gehörte zn jenen selbständigen Naturen, welche ihre eigene Meinung haben und ihre eigenen Wege gehen, welche in ihrer Offenheit und Gradheit auch derb werden, ohne daß man ihnen ernstlich böse sein kann, weil ihr gutes Herz und redlicher Sinn überall herausleuchtet. Dort, wo Karl Korn gerne mittat, war er mehr als em geschätzter Mitarbeiter. Was der Verblichene, der eine schwergebeugte Gattin, Frau Paula Korn, geb. Tugend hat, und drei würdige Söhne, Felix, Ortv und Fritz, hinterläßt, seiner engeren Famile gewesen ist, läßt sich aus seinem öffentlichen Wirken ermessen. Möge die allgemeine Teilnahme mir dazu beitragen, den Schmerz der Hinterbliebenen zu lindern. Das Andenken Carl Korns wird in Ehren bleiben allezeit. Sonntag, den 21. d. M., veranstaltete der Kultusvorstand eine Trauersitzung für den Heimgegangenen, der ihm viele Jahre hindurch ein eifriges und opferwilliges Mitglied gewesen ist. Das Leichenbegängnis fand Montag unter außergewöhnlicher Beteiligung statt. Die Leiche wurde in den Tempel, welcher bis auf das letzte Plätzchen besetzt war, getragen, wo Herr Rabbiner Dr. Steiner dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf hielt. Unter der unabsehbaren Zahl der Leidtragenden bemerkte man den Präses der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Salomo» Pollak, mit dem Kultusausschuffe. Ferner Herrn Bürgermeister Steffan, Herrn Vizebürgermeister Gutwinski, den Präses der Lipnik-Bialaer Gemeinde mit dem Kultusausschuffe, den Herrn k. k. Bezirkshauptmann, Herrn Bürgermeister Gürtler von Biala, die Schule, die Feuerwehr und die ganze Elite der Schwestecstädte Bielitz und Biala 2c. re. In der Leichenhalle nahm der Herr Präses Salomon Pollak namens des Vorstandes Abschied von dem Verstorbenen. Ruhe und Friede seiner Asche! Burovar (Silberne Hochzeit.) Der ob seiner seltenen Wohltätigkeit in weiten Kreisen hochgeschätzte Präses unserer Kultusgemeinde, Herr Viktor Baum, feierte mit seiner Gattin Jsabella Baum, der trefflichen Präsidentin unseres Frauenvereines, am 11. d. M., das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Obgleich diese Feier, nach dem Wunsche des hochverehrten Jubelpaares, in aller Stille und Zurückgezogenheit stattfinden sollte, ließen es sich die Kultusgemeinde und ihre Vereine nicht nehmen, dem verdienstvollen Präsidenten die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. In herzlichen Worten verdolmetschte ihre Glückwünsche an der Spitze einer imposanten Deputation, Herr Bernhard O b e r s o h n, als Bizepräses der Kultusgemeinde. Nachher gratulierte im Namen des Frauenvereines Frau Bertha O b e r s o h n und überreichte namens des vollzählig erschienenen Ausschusses eine herrliche Blumen» spende. Hierauf würdigte Herr Oberrabbiner Dr. I. Diamant in einer feierlichen Ansprache die besonderen Verdienste und rühmlichen Tugenden des Jubelpaares, dem er sowohl als geistliches Oberhaupt der Gemeinde, wie auch als Dolmetsch der Gefühle des Beamtenkörpers herzlichft gratuliere. Er wisse wohl, daß es dem hochgeschätzten Jubelpaare erwünschter wäre, wenn er seinen innigsten Gefühlen in einem warmen Händedruck stummberedeten Ausdruck verliehe; allein es freue ihn. am heutigen Tage seine ganz besondere Freude darüber auszusprechen, daß das Familienleben des allgemein hochverehrten Jubelpaares bis auf den heutigen Tag immer ein Musterbild der rührendsten Liebe und der schönsten Harmonie war. Mit gerechtem Stolze erfülle es ihn, darauf hinzuweisen, daß der Präses seiner Gemeinde sowohl im häuslichen wie im konfessionellen Leben mit vollem i Rechte als leuchtendes Vorbild hingestellt werden kann. Denn die Wohltätigkeit, auf deren Altar das Jubelpaar ununterbrochen die herrlichsten r Opfer darbringt, wird in unserem Schrifttum als die höchste Blüte aller