Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 4. den höheren Klassen der Mittelschule in seine Bestrebungen nach Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes mit aufnehmen. Er wolle aus seiner Mitte ein Komitee erwählen, dessen Aufgabe es sei, ein Lehrbuch der systematischen jüdischen Religions- und Sittenlehre zu verfassen, dessen Grundlage das Werk des Oberrabbiners Dr. Güdemann „Das Judentum in seinen Grundzügen" bilde und sich zu diesem Zwecke eventuell auch mit dem Herrn Oberrabbiner ins Einvernehmen setzen. Der Obmann dankt dem Vortragenden für seine schönen Ausführungen, an die sich nun eine lebhafte Debatte knüpft. Rabbiner Dr. David und Prof. Dr. Weiß sprechen sich für den Vorschlag des Vortragenden sympathisch und znstimmend aus. Der erstere betont, daß für die Oberstufe der Mittelschulen ein Lehrbuch der systematischen Religionslehre unbedingt notwendig sei, wie ein solches in Deutschland bereits geschaffen wurde, welches den richtigen Standpunkt gegenüber der Philosophie und Naturwissenschaft einnehmen muß. Prof. Kanitz schließt sich diesem Anträge gleichfalls an und weist darauf hin, daß dem systematischen Religionsunterrichte früher unverdienter Weise ernster Widerstand eutgegengebracht worden sei. Prof. Dr. Grünfeld, Brünn, möchte den systematischen Unterricht von der ersten Klasse erteilt wissen im Anschlüsse an die Bibellektüre. Nachdem noch Pros. Dr. Goldhammer und Rabb. Dr. Mandl zu dieser Sache gesprochen haben, wird auf Antrag des Rabb. Dr. Lazarus in Göding folgende Resolution einstimmig angenommen : ..Der Verbandstag spricht es als eine Notwendigkeit aus, daß der systematische Religionsunterricht in den obersten Klassen der Mittelschulen zu behandeln sei und zwar auf Grund der Lektüre und eines dem Zwecke dienenden besonderen Lehrbuches." Zum Schlüsse kommen folgende Anttäge zur Sprache: Den von Dr. Biach in Brüx gestellten Anttag wegen der Herausgabe einer Verbandszeitschrift behält der Ausschuß im Auge; derzeit könne derselbe leider nicht ausgeführt werden. Prof. Kanitz beantragt, eine besondere Petition an die Unterrichtsbehörde zu richten, dahingehend, daß für alle Religionslehrer, die nicht definitiv werden können, entsprechend gesorgt und ihnen im Falle der Arbeitsunfähigkeit eine gesetzliche Pension zugefichert werde. (Einstimmig angenommen). Ein zweiter Anttag des Prof. Kanitz geht dahin, daß an solchen Mittelschulen, an denen kein interner Religionsunterricht erteilt wird oder werden kann, die von einem autorisierten Lehrer außerhalb der Anstalt gegebenen Noten vollwerüg anerkannt werden und wie alle anderen Noten den gesetzlichen Einfluß für das Zeugnis haben mögen. Herr Bize-Präsident Dr. Gustav Kohn begrüßt die anwesenden Herren seitens des Kultusvorstandes und bedauert, infolge Zeitmangels den Beratungen nicht beiwohnen zu können. Zum Schlüsse stattet der Obmann der Versammlung den Dank ab für das von ihr bewiesene Interesse und sagt: Wir haben heute unsere Aufgabe ganz und voll erfüllt und können mit Genugtuung auf diese Stunden zurückblicken. Wir werden ttachten dm gegebenen Anregungen gerecht zu werden und in der nächsten Periode noch Segens- und Erfolgreicheres zu leisten für das Interesse des Unterrichtes und das Wohl der Lehrer (Beifall). Hierauf wird die Versammlung geschlossen. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Predigt.) Freitag-Abends, den 26. d. M., Predigt im Stadttempel und im Tempel, XV., Turnergasie 22. Wie«. (Vortragszyklus aus der Geschichte der Inden in Deutschland und Oesterreich.) Donnerstag, den 1. Februar 1906, präzise ^8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieuruud Architekten-Vereines, I., Eschenbachgaste 9, ein Bortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema: „Aus der Proselyten-Geschichte." Mt Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei. Wie«. Das Ergebnis der von der „Israelitischen Allianz z» Wien" zu Gunsten der Opfer der russischen Judenmassakres bettägt bis heute zirka K 820.000.—. In den letzten Tagen liefen folgende größere Spenden ein: Agram K 9700.—, Lemberg: „Bnai Brith" K 6440.—, Kultusgemeinde K 414.70, Mährisch-Osttau 2423.33> zusammen K 5773.33, Czernowitz K 1000.—, zusammen K 1765.—, Pohrlitz K 902.—, Kömggrätz K 637.—, Prag K 605.71, zusammen K 67.489.07, Nachod K 479, zusammen K 8479.—- Turn X 365.—, Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen K 317.—, zusammen K 3979.20, Brzeczany K 315.—, Strakonitz K 300.—, Kositscha a. Elbe K 234.40, Krems K 206.—, Postelb erg K 205.—, Tysmieuica K 200.—, Gewitsch K 200.—. Um für die fernere Unterbringung und Verpflegung der in der Nähe der russischen Grenze angesammelten Flüchtlinge Vorkehrungen zu treffen und mit den lokalen Komitees die Grundsätze der notwendigen Sichtung zu vereinbaren, haben zwei Delegierte des Vorstandes der „Jsraelitischeu Allianz" während der verflossenen Woche Oderberg, Krakau, Lemberg und- Czernowitz besucht. In Lemberg wurde zu diesem Zwecke auch, eine Konferenz unter Beteiligung der Vertreter von Brody, Stanislau und Tarnopol abgehalten. Es werden derzeit für Rechnung der „Allianz" in Krakau 890, in Oderberg in einer besonders adaptierten Baracke 150, in Czernowitz über 500 Flüchtlinge erhalten, die . nach Wiederkehr der Ruhe in Rußland zur Rückreise in die Heimat unterstützt werden sollen, da von den gesammelten Geldern,, welche für das Hilfswerk in Rußland selbst kaum/ ausreichen, nach dem Beschlüsse sämtlicher großen Organisationen, für Auswanderungszwecke nichts bewilligt werden kann.. Wien. lJ ü bische Toynüee-Halte, XX., Othmargaste 46.) Wochenprögramm: Freitag, den 26. Jänner: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Löw-Bogl. Samstag, den 27. Jänner: Konzert (Mozart-Feier.) Sonntag, den 28. Jänner: „Wolfgang Amadäus Mozart." Herr Dr. Isidor S a m u e l y. Montag, den 29. Jänner: „Bilder aus der Volkswirtschaft." Dienstag, den 30. Jänner: Literarischer Abend. Mittwoch, den 31. Jänner: „Der Arzt in der Literatur." Herr Dr. Heinrich Grün. Donnerstag, den 1. Februar: „Die Entstehungsgeschichte des Geldes." Herr Sekretär Guido Fuchsgelb. Freitag, den 2. Februar: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Isidor Oehler. Samstag, den 3. Februar: Konzert (Mendelsohn- Abend). — Samstag, den 20. Jänner, fand in der Toynbee-Halle eitt: Konzert statt, das den Mitwirkenden, dank ihrer besonderen künstlerischen: Leistungen, lebhaftesten Beifall, den Besuchern einen sehr genußreichen: Abend brachte. Das Programm des Abends wurde von den Damen Selmcr Libowitz (Klavier), Grete Oesterreicher (Gesang), Edith Kl e in (heitere Deklamationen) und Herrn Opernsänger Michael S t r i k s bestritten. In das Akkompagnement teilten sich Frl. Daniela Schwarz, und Herr M. Rosenstech. Eine Kinderjause, welche Sonntag, den 21. Jänner, stattfand, vereinigte nahezu 300 der ärmsten Kleinen zu einem fröhlichen Nachmittage. Wien. Die 30. ordentliche Generalversammlung des israel. Tempelvereines für den X. Bezirk Wiens, findet den 30. Jänner d. I., präzise 8 Uhr abends, in Oczeret Restauratton, X. Keplergasse 7, statt. Wien. Sonntag, den 28. Jänner 1906, präzise 5 Uhr abends, findet im Bethauslokale H. Bezirk, Fugbachgasse 7, die 29. ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines am. „Volkert" statt. Wie«. Am 19. d. M. vormittags fand in Anwesenheit der engsten Familienmitglieder sowie einiger Freundinnen und Freunde die Exhumierung der im Vorjahre verstorbenen Frau. Charlotte Lichtblau auf dem Zeytralfriedhofe statt. Unter dem von Kantor L ö w y exekutierten rituellen Gesänge und im Beisein des Stadtphysikus Dr. Theodor Szongott wurde der bisher provisorisch beigesetzte Sarg gehoben, nach der Gruft des kaiserlichen Rates Adolf Lichtblau getragen und daselbst beigesetzt. Hier ergriff Rabbiner Dr. Leopold Heinrich Reich das Wort, um in formvollendeter Weise die Vorzüge der Verstorbenen zu würdigen und zu betonen, was sie als Vizepräsidentin des Frauen-Wohltätigkeitsvereines Wieden-Margareten und überhaupt in humanitärer Beziehung geleistet. Nach Dr. Reich hielt Präsident Adolf Hofmann an die versammelten Trauergäste eine Ansprache, indem er namens des Tempelvereines der Verewigten den Dank zollte. Wie«. (Ludwig Zwieback.) Das Prototyp eines Self-mademan in des Wortes edelster Bedeutung wurde am 24. d. M. unter außerordentlicher Teilnahme der Leidtragenden und dies waren nicht bloß seine engeren Verwandten, sondern aller, die ihn kannten, im Alter von 61 Jahren zu Grabe getragen. Nachdem Oberkantor Singer unter Assistenz der Kantoren Jnrberger und Schiller das Hazzur tomin wahrhaft ergreifend vorgetragen hatte, schilderte Oberrabbiner Doktor Güdemann den inhaltreichen Lebenslauf des Verblichenen, der sich vom kleinen Anfänger zur geachteten, allseits angesehenen Stellung emporgeschwungen hat. Die Frage, wie dem kleinen Manne zu helfen sei, welche derzeit die Regierung und politische Bertretungskörper besonders in Atem hält, hat er fast spielend gelöst, indem er den Genossen seines industriellen Unternehmens als väterlicher Freund treu zur Seite stand und voll freudigen Rückblickes auf seine Tätigkeit konnte er ohne die Qual eines langen,. 1 schmerzlichen Krankenlagers getrost sein Leben beschließen, mit dem Patriarchen Jakob sprechend: Mit meinem Stabe, das war sein Selbst- und Gottvertrauen, habe ich mein Ziel erreicht, und in der Vollkraft des-