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Die Wahrheit · 1906-01-19 · Heft 3 (19.1.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 3. Die Wahrheit. Es liegt jedoch in der Konsequenz dieser Gesichtspunkte das Wahlrecht für die laufende Wahlperiode allen jenen Personen zu versagen, welche eine Unterstützung im Barem bezw. eine Gratisleistung seitens der Kultusgemeinde in Anspruch genommen haben. Auf diesem Wege dürfte auch am wirksamsten dem Unfug, 0er mit der Inanspruchnahme von Gratisleistungen getrieben wird, gesteuert werden. Andererseits steht zu erhoffen, daß die aus der Wahlbeteiligung dieser Kreise hervorgehenden Vorsteher, wenn sie erst in den Haushalt der Gemeinde Einblick gewonnen haben werden, selbst für die geeignete Heranziehung ihrer Mandatgeber zu den Lasten der Gemeinde eintreten werden, was alsdann ohne auf irgend einer Seite einem Widerstande zu begegnen, vor sich gehen wird. In den Gesichtspunkten dieser Vorschläge scheint es andererseits begründet, daß diejenigen, welche durch namhaste laufende Steuerleistungen einen großen Teil der effektiven Baarerforderniffe der Gemeinde aufbringen, Gelegenheit gewinnen, die finanzielle Gebahrung der Gemeinde zu überwachen. Die Einräumung dieses wohlbegründeten Rechtes darf jedoch keinesfalls dahin führen, den Vertretern dieser Wählergruppe Vorrechte einzuräumen, die sie in die Lage versetzen, in allen im Vorstände obschwebenden Fragen den Ausschlag zu geben, bezw. denselben leichthin majorisieren Lu können. Aus diesem Grunde scheint es mir namentlich in Rücksicht auf die große Zahl der neu hinzutretenden Wahlberechtigten angemessen die Anzahl der Vorstandsmandate auf 48 zu erhöhen, und zwar dergestalt, daß 40 auf die allgemeine, 8 auf die Kurie der Höchstbesteuerten entfallen, die ihrerseits auf die Ausübung eines Doppelwahlrechtes zu verzichten hätten. Der in Vorschlag gebrachte Verteilungsmodus der Mandate war von dem Gesichtspunkte eingegeben, daß die Bildung einer Majorität im Vorstande auch gegen die Stimmen der Höchftbesteuerten im Prinzipe für alle Fälle möglich gemacht werden müsse. Aus der Verwirklichung dieser Vorschläge ist mit größter Sicherheit die Wiedererwachung des Interesses an den- Angelegenheiten der Gemeinde wie des Judentums in allenSchichten der jüdischen Bevölkerung oben und unten, zu gewärtigen. Uerbarrdstag der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschule«. Der Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt Mittwoch, deu 27. Dezember 1905 seinen fünften Verbandstag (Generalversammlung) unter dem Vorsitze des Obmannes, Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, ab. Als Ehrengäste waren erschienen: Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. E. David, der I. Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn. Der Vorsitzende begrüßte alle Anwesenden, dankt für den zahlreichen Besuch und erklärt die Versammlung für beschlußfähig. Hierauf erstattet der Obmann den Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses in der abgelaufenen Vereinsperiode. Hierzu gehört vor allem die Anbahnung der Möglichkeit zur Einführung eines einheitlichen Lehrplanes an allen österreichischen Mittelschulen. Mit Aufwand aller Kräfte wurde dies angestrebt. Vom Ausschüsse des Verbandes wurde für diesen Zweck eine Vorlage ausgearbeitet, die sowohl den Lehrplan, als auch die Instruktionen umfaßte. Die Beratung dieser Vorlage im Ausschüsse war eine sehr sorgfältige und nahm viel Mühe und Zeit in Anspruch. Eine zu diesem Zwecke abgehaltene Enquste verlief in befriedigender Weise. Das Resultat derselben ist der Versammlung aus der vor einigen Tagen an^alle Mitglieder ergangenen Zuschrift bekannt. Auf mancher Leite zeigte sich große Bedenklichkeit. So z. B. wurde geltend gemacht, daß ist zu bedenken, daß auf diese Weise gerade für die verheirateten Gemeindeangehörigen das Wahlrecht illusorisch würde, während die ledigen Leute, die seltener iu die Lage kommen, Gemeindeinstitutionen in Anspruch zu nehmen und denen einen größeren Einfluß auf die Gemeindeverwaltung einzuräumen vielleicht nicht so opportun wäre, in Besitz desselben gelangten. (Die Redaktion.) der Durchführung die Autonomie der Gemeinden und Kronländer im Wege stehe. Die Enquete schloß damit, daß ein Komitee zur neuerlichen Ueberprüfung eingesetzt wurde, welches jedoch bis jetzt noch nicht zusammengetreten ist. Der Ausschuß hatte nämlich vorher ernste und große Arbeiten zu vollbringen, es war die Überreichung einer Petition an die hohe Unterrichtsbehörde. Dieselbe war von 85 Kollegen unterzeichnet und enthielt die wichtigsten Petita und Desideria betreffs des Religionsunterrichtes und der Rechtsstellung der Lehrer. Dieselbe wurde im April Sr. Exzellenz dem früheren Unterrichtsminister Doktor W. v. Härtel, Sr. Exzellenz dem Herrn/Sektionschef Dr. von Berndt und Herrn Hofrat Huemer und dem Herrn k. k. Sektionsrat .Krapp! überreich!. Alle Herren versprachen eingehendes Studium der Bittschrist und tunlichste Berücksichtigung der vorgebrachten Wünsche, soweit dieselben im Wirkungskreise der Unterrichtsverwaltung liegen und nicht einen legislatorischen Akt erfordern. Vor kurzem wurde dieselbe Petition auch dem gegenwärtigen Leiter des Unterrichtsministeriums, Baron Bienerth. sowie dem Präsidenten des niederösterreichischen Landesschulrates, Herrn k. k. Sektionschef Dr. v. Marenzeller, überreicht, worüber in diesem Blatte auch berichtet wurde. Was die Schaffung neuer Lehrbücher betrifft, so war diese bisher leider nicht möglich, da es auch an den nötigen Mitteln hierzu mangelte. Doch wird sich bald Gelegenheit bieten, auch dieser Aufgabe näher zn treten. Wünschenswert, führt der Vorsitzende aus, ist der enge Zusammenschluß aller Kollegen für die ernste Sache. Die Ideale, nach welchen der Lehrer, zumal in der sturmbewegten Gegenwart streben soll und muß, können eben nur mit vereinten Kräften erreicht werden. Schließlich dankt derselbe den Kollegen im Ausschuß für die wertvolle Mitarbeiterschaft, sowie den Kultusvorständen der verschiedenen Gemeinden, insbesondere dem löblichen Wiener Vorstände, ferner der jüdischen Presse. Zum Schluffe dankt er der hohen Unterrichtsbehörde und gedenkt der väterlichen Fürsorge unseres erhabenen Monarchen und schließt mit der Aufforderung, in den Ruf einzustimmen: „Se. Majestät,^ unser geliebter Kaiser, lebe hoch!" (Die Versammlung stimmte begeistert in diesen Ruf ein.) (Schluß folgt.) Perschiedeue Nachrichten. Wien. (Predigt.) Freitag-Abends, den 19. d. M., Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Bortrag aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag, den 25. Jänner 1906, präzise lls8 Uhr abends, findet im Festjaale des Ingenieur- und Architekten-Bereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Dr. E. David statt. Thema: „Buddhismus und Judentum." Eintritt frei. Wien. (Jüdische To y n b e e - H a l l e, XX., Othmargasse 46.) Das am Samstag, den 13. d. M., abgehaltene, von Frau Oskar Stock arrangierte Konzert nahm einen glänzenden Verlauf. Die Darbietungen der Mitwirkeuden, u. zw. der Damen : Frl. Stella Stock (Violine), Frl. Schweiger (Klavier), Frl. N e st o n (Gesang), Frau Stock und Frl. G a r a i (Akkompagnement) und des Herrn Dr. T o d e s k o (Violine) ernteten stürmischen Beifall und immer wieder mußten sich die Künstler zu Zugaben bequemen. Das nächstwöchentliche Programm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 19. Jänner: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer L ö w-B o g l. Samstag, den 20. Jänner: Konzert. Sonntag, den 21. Jänner: „Die Alkoholsrage." Herr Prof. Dr. M. K a s s o m i tz. Montag, den 22. Jänner: „Öesterr. Verfassungsrecht." Herr Dr. Jos. Jerusalem. Dienstag, den 23. Jänner: Literarischer Abend. Mittwoch, den 24. Jänner: „Die Lehre vom Menschen." (III.) Herr Prof. Dr. I. P o l l a k. Donnerstag, den 25. Jänner: „Ueber Milch und deren Verwertung im Haushalte." (Schluß.) Herr Agronom S. Abraham. Freitag, den 26. Jänner: Bibelvortrag. Samstag, den 27. Jänner: Konzert. Mozart-Feier. Die Vorträge beginnen an Wochentagen um lfs8 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Wien. Die diesjährige Wohltätigkeitsakadcmie des Brigittenauer Israel. Wohltätigkeitsvereines, welcher sich durch seine altruistische Tätigkeit im XX. Bezirke außerordentliche Verdienste auf dem Gebiete der offenen Armenpflege Wiens erworben hat, fand Sonntag, den 7. Jänner, in den Ronachersälen statt. Das Fest, welches von einem zahlreichen, distinguierten Publikum besucht war'und in äußerst animierter Weise verlief, muß mit Recht zu den gelungensten Veranstaltungen der heurigen Saison gezählt werden. Eröffnet wurde der Abend durch einen schwungvollen Prolog des Vereinsbeirates Herrn Sekretär Josef Kohn. Sodann folgten die Vorträge hervorragender Kunstkräfte Wiens, die sich in liebenswürdigster Weise in den Dienst der Humanität gestellt hatten. Herr Richard Pahlen, Herr Kammersänger Willy Hesch, Herr Hofmusiker Josef Sulzer, Frl. Charlotte v. Sebeök, k. k. Hofopernsängerin, Herr Arnold Korff, k. k. Hofburgschauspieler und Fräulein Gerda Walde ernteten mit ihren glänzenden

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