Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 2 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. - Die Wahrheit Seite 7. „zitternder Seele den Weg ins Gotteshaus angetreten. Die Stimmung brachte er in das Gotteshaus hinein. Heute begleiten ihn das lärmende Getriebe und die Werktagsgedanken bis ins Gotteshaus. Diese müssen hier erst verscheucht, die Stimmung muß hier erst erweckt werden. Und das sollte durch die Bauart und durch die Lichttönnng eingeleitel und durch Ruhe, Ordnung und Schönheit im Gottesdienste vollbracht werden. Nicht die Sucht nach dem Neuen — er hegte die größte Ehrfurcht vor den altgeheiligten Bräuchen — sondern die Liebe zum Jndentume leitete ihn bei der Erneuerung und Schöngestaltung der gottesdienstlichen Formen. Reformen sind niemals von den Lauen nnd Gleichgültigen, denen die Bequemlichkeit über alles geht, unternommen worden, sondern von den Warmherzigen und Begeisterten, die im Dienste des Judentums den Kampf nicht scheuten, an?,-! 'yrr a’aanb nasn Wer sind die a-aand Wer sind die Welsen a'nyn "jhv. Das sind diejenigen, die ihre Zeit begreifen, die vor den Erscheinungen der Gegenwart ihr Auge nicht verschließen, die den Mut ihrer Ueberzeugung haben und mit ihrer ganzen Persönlichkeit für das Gute einrreten. Zu diesen gehörte Max Fleischer. Wie in seinem Berufe, so war auch hier nicht das Niederreißen, sondern ' das Aufbauen seine Lebensaufgabe. Er .hat diese Aufgabe erfüllt. Seine Bemühungen hatten reichen Erfolg. Den Adel seiner Gesinnung, die Vornehmheit seines Wesens übertrug er auf die Gemeinde. Die Besten und Vornehmsten schloßen sich ihm an und wirkten freudig an seiner Seite. Sie hörten auf sein Wort und ehrten seinen Willen, denn pyaaa von a-a® narr ia wir airr ^a •Don Gottesfurcht und edlem, selbstlosem Streben war sein Wesen durchdrungen, darum fand er Gehör und willige Zustimmung. -Hier war auch die Quelle, aus der er die wahre, große Freudigkeit des Lebens geschöpft hat. Hatte er auch an des Lebens Freuden nur geringen Anteil, aus seinem Wirken floß ihm die Freudigkeit in reichem Maße. So hat er es an sich erfahren: savaaVaiv 21a Besser ein guter Name als gutes Oel. Das Oel wird aufge- .zehrt, die Freuden verrauschen, die Fröhlichkeit verstummt, in ewig neuem Glanze jedoch erstrahlen die guten Werke und erfüllen mit Wonne des Menschen Herz. — Wenn er an Freitagabenden und an den Festtagen sah, daß das Gotteshaus die herbeiströmenden Männer und Frauen kaum zu fassen vermöge, wenn er sah, daß die andern von ihm erbauten Gotteshäuser, das unsrige zum Muster nehmend, gleichfalls segensreich wirken, da fühlte er sich auch belohnt und hochbeglückt in dem Gedanken, daß er zur Ehre Gottes an der Belebung des Tempelbesuches, an der Kräftigung des religiösen Gefühls in hervorragender Weise mitgewirkt hat und daß sein Name fortleben werde. Ja, sein Name wird unter uns fortleben, Aber seine schaffende, belebende, seine anspornende Persönlichkeit wird uns fehlen, mpan „Man wird dich vermissen, "jaüia -ips’ 'a Dein Platz wird leer bleiben". Wer könnte ihn auch ausfüllen! Wer ver- Möchte den Heimgegangenen voll zu ersetzen? Die Seele ist entschwunden. — Kann aber ein Körper ohne Seele leben? Wird nun dieses Werk Weiterarbeiten? — Ja, meine Verehrten! denn die Seele ist unsterblich, Alles, was sich hier unseren Blicken darbietet, der ganze Bau, jede einzelne Form, -jede Linie, jedes heilige Gerät, ist die Verkörperung seiner Gedanken. Der hier herrschende und alles belebende Geist ist Geist von seinem Geiste. Bon seinem Geiste durchdrungen sind auch die Männer, die nun an die Spitze der Gemeinde gestellt, fein Erbe antreten. So wird denn dieses Werk und diese Gemeinde fortleben, eng verknüpft mit dem Namen Max Fleischer, den nachfolgenden Geschlechtern erzählend von seiner Begabung, seiner Meisterschaft, seinem Edelsinn, von seinem dem Guten, Schönen Änd Heiligen geweihten Leben, von dem Manne, an dem sich erfüllt hat die Verheißung: „Ich machte dir einen großen Namen, spricht Gott, gleich dem Namen der Großen auf Erden". Amen! Als die wirkungsvolle Rede beendet war, stimmte der Ghor das „Schiwissi" an und mit dem hieranffolgenden Olenu- und Kaddisch-Gebete schloß die erhebende Trauerfeier, die auf -alle Anwesenden eine nachhaltige Wirkung übte. Sigrmmd Krüdy 1840—1906. Die vielen, von den staatlichen, städtischen, wissenschaftlichen und konfessionellen Gebäuden und gemeinnützigen Anstalten wehenden Trauerfahnen verkünlen in ihrer lautlosen Sprache, daß die ungarische Haupt- und Residenzstadt Budapest einen großen Toten betrauert! Es ist dies der hervorragende Publizist, der munifizente Wohltäter, der edle Mensch, der patriotische Ungar und glaubenstreue Israelit, Herr Sigmund Brvdy, welcher am letzten Sabbathtage nach langem, schmerzlichen Leiden im 66. Jahre seines höchst erfolgreichen Lebens zur ewigen Ruhe eingegangen ist. Brvdy hat — sozusagen — von der Pike auf gedient und hat das Höchste erreicht, was überhaupt ein Bürger zu erlangen vermag. Von Natur ans überaus reich veranlagt, war er schon in seinen Jugeudjahren ein vielgefeierter Poet, dessen formschöne Poesien gerechtes Aufsehen Hervorriesen. Nach beendetem Universitätsstndium wühlte er die journalistische Laufbahn zu seinem Berufe. Anfangs schrieb er bloß in seiner geliebten ungarischen Muttersprache nnd die größten ungarischen Journale brachten Artikel aus seiner brillanten Feder. Später wollte er die große Zahl der deutschsprachigen Magyaren für das Ungartum gewinnen und deshalb wendete er sich der deutschen Presse zu, um durch dieselbe die Flamme des Patriotismus und der glühenden Vaterlandsliebe auch bei den Ungarn deutscher Zunge hell anznfachen und lichterloh aufstackern zu lassen. Brvdy gründete zu dem Behufe zwei deutsche Tagesblätter, vor 35 Jahren das „Neues Pester Journal" und vor 32 Jahren das „Politisches Volksblatt". Beide Blätter bestehen noch und zählen zu den beliebtesten, meistgelesensten, weitestverbreitetsten, aber auch beftredigicrtesten Blättern Utlgarns. Es hat sich schon längst als unwiderlegbare Tatsache herausgestellt, daß B ro d y's Idee, deutschsprachige Zeitungen in Ungarn herauszugeben, eine vollkommen richtige gewesen. Diese Unternehmung brachte dem Lande riesige Erfolge aber auch er erreichte für seine Person Erfolg an Erfolg. Ungesucht stellten sich in reichem Maße eine Fülle von Ehrenbezeugungen ein, die dem verdienstvollen Manne allenthalben gerne und willig als Zeichen wohlverdienter Anerkennung dargebracht wurden. Der Ehre folgte auch der materielle Wohlstand und mit der Zeit sogar enormer Reichtum auf dem Fuße. So hat bei Brvdy durch eigenes Hinzutun, durch eisernen Fleiß, durch kluge Energie, durch ungewöhnliche Genialität und durch reiches Wissen der Erfolg sich einsrellen müsseu und er mußte und konnte auf der Leiter bürgerlicher Ehre die höchste Staffel erklimmen. Selbst des Königs Majestät würdigte die wahrhaft großen Verdienste dieses vortrefflichen Mannes, indem er Brvdy zum lebenslänglichen Mitgliede der Magnatentafel des ungarischen Reichstages ernannte. Ein glänzendes Dreigestirn erleuchtete das B r 6 d y'sche Firmament: das Judentum, das Ungartum und den Menschlichkeit. Er wußte Jude zu sein, und war es auch in des Wortes edelster Bedeutung. Voll freudigstem Stolze bekannte er sich zu einer Religion, welche den Mutter aller zivilisierten Religionen ist, und gerne stand er im heiligen Dienst seiner altehrwürdigen Konfession. Er war Mitglied des vom Baron Eötvös einberufenen Kongresses, war Mitglied der einstigen „Magyar zsidö egylet“ (Ungarischer Judenverein), von welchem Vereine nur noch zwei am Leben sind: Dr. Samuel Kohn und Dr. Moriz Mezei. Er nahm innigen Antheil an den Gemeinde- und an den Chewra Lackigvlia-Angelegenheiten und förderte die Interessen der kultuellen und kulturellen Institutionen seiner Glaubensgenossen. Nicht zu seinen geringsten Verdiensten zählen wir die heutzutage gewiß schwerwiegende Errungenschaft, daß es Brvdy gelungen, dem jüdischen Namen auch außerhalb des Judentums hohe Ehre zu verschaffen. Was er für sein Ungartum getan? Er hat auf dem Gebiete des