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Die Wahrheit · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 2. Dr. S chorstein gab bekannt, es sei festgestellt worden, daß der Diener des Generaldirektors sich in der Telephonnummer geirrt und einen anderen Arzt angerufen haben. Sein Klient wollte sich mit einer Ehrenerklärung zufrieden geben, doch lehnte dies der Generaldirektor ab, mit den Worten: Eine Geldstrafe spielt bei mir keine Rolle! Der Richter, Gerichtsfekretär Doktor Thöny, verurteilte Generaldirektor Günther zu taufend Kronen Geldstrafe. Der geschilderte Vorfall ist umso bedauernswerter, als der traurige Held der Geschichte der erste Repräsentant einer jüdischen Firma ist und dieser es sich erlauben durfte, seine antisemitische Gesinnung in sofoffenbarer und rüder Weise zu bekunden. Der zahlreiche jüdische Kundenkreis der genannten Firma dürfte gewiß daraus gespannt sein, welche Stellung die letztere zu dieser Affaire genommen hat. * * - * Herr Dr. Lueger, der sich bei verschiedenen Anlässen mit der größten Ungeniertheit als antisemitischer Parteimann, ja sogar als Parteiagitator deklariert hat, hat in einer der jüngsten Gemeinderatssitzungen wieder einmal das Bedürfnis empfunden, sein Selbstlob zu singen und sich als Muster der Unparteilichkeit hinzustellen. In Beantwortung einer Interpellation über die schweren Beschuldigungen der Parteilichkeit, die in einer Vereinsversammlung gegen das gegenwärtige Regime erhoben wurden, sagte Dr. Lueger u. A. folgendes: „Ich kann mir, glaube ich, das Zeugnis ausstellen, daß ich in meiner Eigenschaft als Bürgermeister volle Unparteilichkeit, soweit es überhaupt menschenmöglich ist, walten lasse. Vollkommen ist natürlich kein Mensch. Es wäre lächerlich, wenn das jemand von sich behaupten würde, aber das eine weiß ich, daß ich mich nie von einem anderen Gedanken habe leiten lassen, als dem, der Wohlfahrt meiner Vaterstadt Wien zu dienen und die Rechte jedes einzelnen Bewohners der Stadt Wien zu wahren." Der Herr Bürgermeister Dr. Lueger hat offenbar ein schwaches Gedächtnis. Wir möchten ihm ein wenig zu Hilfe kommen und ihn daran erinnern, daß unter seinem Regime jüdische Lehrer jahrelang vergebens auf Definitivum und Beförderung warten, jüdische Aerzte aus dem kommunalen Dienste geradezu ausgeschlossen werden, jüdische Steuerträger allen möglichen Plackereien ausgesetzt sind und daß er gerade in letzter Zeit den Boykott gegen jüdische Geschäftsleute offen gepredigt hat. Das beweist zur Genüge, daß er nicht nur nicht die Rechte jedes einzelnen Bewohners der Stadt unparteiisch gewahrt, sondern im Gegenteil, einen großen Teil jüdischer Einwohner und Steuerzahler in seinen Rechten verkürzt hat. * * Das „Deutsche Volksblatt" in München und nach ihm das Verganiblatt in Wien zeigte sich wieder einmal als eines der schamlosesten, gewissenlosesten und verlogensten Antisemitenblätter. An der Spitze der Nummer vom 31. Dezember v. I. brachte es einen Artikel, betitelt: „Das politische Programm des Judentums" mit folgenden einleitenden Bemerkungen: Im Jahre 1880 hat der englische Rabbiner John Readcliff eine Rede gehalten, deren Inhalt nicht blos für die Juden selbst von erheblichem Interesse gewesen ist, sondern mehr noch die nichtjüdischen Kreise interessieren muß. Nachdem gerade gegenwärtig wieder mit Hochdruck damn gearbeitet wird, den jüdischen Einfluß zu verstärken, ist es vielleicht nicht unangebracht, an die Programmrede Readcliffs zu erinnern. Ein Vergleich dieses Programmes mit der Art, wie sich das Judentum praktisch betätigt, wird jedermann den Beweis erbringen, daß die Juden mit anerkennenswertem Eifer und sichtlichem Erfolge an der Verwirklichung dieses Programms arbeiten. Wir geben die Rede John Readcliffs in Nachstehendem nach dem Wiener „Deutschen Volksblatt" wieder. Was für ein Bewandtnis hat es mit dieser Rede des „englischen Rabbiners John Readcliff"? Die „Antisemitische Korrespondenz" vom 8. Februar 1891 brachte einen Artikel mit der Aufschrift: „Den Mitgliedern des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" alsAngebinde!" Die Einleitung dieses Artikels lautet: „Wir lenken die Aufmerksamkeit aller der Herren, die „„wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen, noch entschuldigen wollen"", auf eine Rede, die ein G r oß-Rab biner in ein er geheimen Versammlung gehalten hat. Diese Rede wurde einem englischen Werke entnommen, das von John Retcliff unter dem Titel „Rechenschaftsbericht über die politischhistorischen Ereignisse der letzten zehn Jahre" herausgegeben wurde. Dieselbe ist von solcher Bedeutung, daß sie nicht oft genug gelesen werde nkann. Sie ist eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen und gibt uns einen M a ß st a b für die endgültigen Absichten der I u d e n s ch af t." (!!) Es erfolgt nach dieser Einleitung ein Abdruck dieser angeblichen Rede eines Groß-Rabbiners. Allerdings sind darin die ungeheuerlichsten und abscheulichsten Dinge über die Absichten der Juden enthalten. Das Programm dieser angeblichen Rabbiner-Rede ist ^Vernichtungskrieg gegen die C h r i st e n. Durch die Macht des Geldes sollen die Fürsten und Regierungen beherrscht, der Grundbesitz, die einflußreichsten Stellen in die Hände der Juden gebracht werden. Als Aerzte müßten sie in die intimsten Verhältnisse der Familie eindringen und als solche die Gesundheit und das Leben der Todfeinde, der Christen, m Händen haben. „Sind wir einmal — so heißt es u. a. in dieser angeblichen Rabbiner-Rede — die absoluten Herren der Presse, so können wir leicht die bestehenden Begriffe über Ehre, Tugend und Offenheit des Charakters ändern und den ersten Stoß gegen die geheiligte Institution der Familie führen und deren Vernichtung vollenden." Die Juden müßten sich enthalten, Frauen ihrer heiligen Religion als Maitressen zu nehmen, für diese Rolle können sie unter den christlichen Jungfrauen wählen u. s. w. „Das Proletariat — so schließt die ungeheuerliche, freche und widerwärtige „Rede" — werden wir für die Juden in Stimmung erhalten und es jenen unterwerfen, in deren Händen sich Geldmittel befinden. Wir werden dasselbe zu Umwälzungen, zu Revolutionen treiben, und jede solcher Katastrophen bringt uns in unserem Streben um einen großen Schritt vorwärts und nähert uns unserem einzigen Ziele, auf der Erde zu herrschen, wie solches unserem Vater Abraham versprochen worden." Das Bureau des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" forschte sofort nach: W e r i st d e n n d i e s e r G r o ß- Rabbiner? Wie heißt er? Wo hat er gelebt? Wo und wann hat er diese niederträchtige Rede gehalten? Ist er wirklich ein lebendiger Mensch von Fleisch und Blut gewesen? Nichts von alledem! Diese Rede, die nach Nr. 130 der „Antisem. Korresp'" ein Groß-Rabbiner in einer geheimen Versammlung „gehalten hat" (!!), ist n i ch t s als eine widerliche, aus derLust gegriffene @rfindung, aus einem Roman niedriger Gattung, der unter dem Titel: „Gaöta, Warschau, Düppel" in Berlin im Jahre 1868 erschienen ist. Der Verfasser dieses Romanes ist der aus dem Prozeß Waldeck wohlbekannte Zeuge, Rechnungsrat Hermann Goedsche, welcher als Romanschriftsteller den Namen John Retcliff führte. In diesem Roman im ersten Bande befindet sich ein Kapitel: „Auf d e m I u d e n k i r ch h o f in Prag." Es wird dort der Verlauf eines erdichteten Sanhedrin geschildert, welches alle hundert Jahre einmal an dem Grabe des Rabbi Simeon Ben Jehuda in der Nacht stattfinden „soll". Nach dem Gödscheschen Roman hatten sich dort dreizehn Vertreter eingefunden, als — so heißt es in dem Roman — „der letzte Schlag der Mitternachtsstunde vom Turm her durch die Nacht zitterte und ein gespenstiger blauer Lichtschein aufflackerte, gleichsam aus dem Steinhaufen, dem Grabe des alten Kabahlisten, dringend,, und die 13 weißen verhüllten Gestalten umdämmerte, die um. das Grab her kauerten." Die ganze Schilderung der geisterhaften Szene auf dem Prager Judenklrchhofe trägt den Stempel einer phantastischen Erfindung eines erhitzten, fanatischen Antisemiten an sich. Was.

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