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Die Wahrheit · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Admiiiisti ation: Wien, II/, Novaragasse 27. Telephon Nr. her Druckerei 15302. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnemeulsu. Jniertionsbeträ>le sind in Wie» zahlbar und klagbar. Unabhängige Heitfchrift für jüöifche Iniere^en^' Erscheint jeden Kreilag. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Kezugspyeis: Ganzjährig . . . K. 12.— Halbjährig . . . K. 6.— Für Cllltusbeamte: Ganzjährig ... ft. io — Für Ausland: Ganzjährig ... 8 Mar t 6 Rubel oder l« Fcs. Ar. 2. Wien, 12. Immer 1906. Inhalt: Aus der Woche. — Lemberger Brief. — Trauerfeier für weil. Banrat Max Fleischer. — Sigmund Brödy. — Moses Kapsali und seine Zeitgenossen. — Verschiedene Nachrichten. — Fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. — Feuilleton: Zurückgefunden. An unsere Leser I Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken »den Kampf nach Ruhen fuhrt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache halt. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interesse für die erhadenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichtenzu wecken, seftgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leven in allen seinen Erscheinungen zu pstegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde- und Verrinsleben mit mahvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Ruhen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Rbonnierung unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: ganzjährig Kr. 12.—. Vierteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, Probenummern stehen zur Verfügung. Die Wsdaktion. Aus der Woche. Die am 4. d. M. in Frankfurt a. M. betreffs der russischen Hilfsaktion stattgefundene gemeinsame Konferenz der großen jüdischen Woltätigkeits-Organisationen, über welche wir an anderer Stelle ausführlicher berichten, hat nach eingehender Prüfung der Verhältnisse den Beschluß gefaßt, daß man, da die durch die Sammlungen aufgebrachten Mittel lange nicht für die Unterstützung der Opfer in Rußland ausreichen, an eine Emigration im großen Stile mangels der nötigen Kapitalien gegenwärtig nicht schreiten könne. Dieser Beschluß wird wohl auf vielen Seiten nicht befriedigen, aber da er einmal gefaßt und für die Verwendung des größten Teiles der Sammlungen maßgebend ist, wird man mit demselben auch rechnen müssen. Es wäre daher Aufgabe der Presse im Allgemeinen wie auch der jüdischen Blätter, namentlich von den ziel- und planlosen Auswanderungen ohne jede Barmittel mit allem Nachdruck abzuraten, zumal sich schon in Galizien, in Wien und in anderen westeuropäischen Zentren viele hunderte Emigranten befinden, deren Beförderung den betreffenden Komitees große Schwierigkeiten bereitet. * * * Eine nicht alltägliche Ehrenbeleidigungsklage, die auf die in Wien leider noch immer so oft zu Tage tretende gesellschaftliche und konfessionelle Hetze ein grelles Licht wirft, beschäftigte jüngst das Bezirksgericht Josefstadt. Am 12. v. M. ließ der Generaldirektor Adolf Günther der Kohlen-Engrosfirma D. Bert seinen langjährigen Hausarzt Dr. Ferdinand Kornfeld telephonisch zu sich bescheiden. Der Diener Günthers besorgte die telephonische Verständigung und meldete seinem Herrn, der Arzt sei nicht zu Hause, dessen Dienstmädchen habe jedoch den Auftrag entgegengenommen. Man wartete, allein der Arzt kam nicht. Erft Tags darauf fand er sich-in der Wohnung Günthers ein. Man empfing ihn sehr kühl und reserviert und der Generaldirektor machte ihm wegen seines Verhaltens Vorstellungen. Dr. Kornfeld beteuerte, daß er telephonisch gar nicht verständigt worden sei. Generaldirektor Günther geriet in große Erregung, bezeichnete das Verhalten des Hausarztes als F r e chh ei t und wies ihm die Tür. Dr. Kornfeld begab sich aus dem Salon in den Vorsaal der Wohnung, wo der Kutscher gerade sein Mittagmahl verzehrre. Günther, dessen Gattin und dessen Schwiegersohn folgten ihm auf dem Fuße, wobei letzterer rief: „Papa hat ganz recht, er hat telephoniert und Sie sind nicht gekommen!" Der Arzt replizierte, das fei unrichtig. Darauf schrie der Generaldirektor in höchstem Zorne: „Lump, jüdischer Lump, heraus aus dem Haus \“ Dr. Kornfeld gab zurück: „Aber, Herr Direktor, Sie vergessen sich'. Wie können Sie einem Arzt in Gegenwart des Kutschers so insultieren?" Günther erhob die Hand zum Schlage, und schrie: „Was Kutscher, Sie sind der Kutscher, hinaus, Lump!" Um weiteren Insulten auszuweichen, verließ der Arzt das Haus. Beim Fortgehen rief ihm die Frau des Direktors nach: „Schicken Sie sogleich die Rechnung." Der Arzt klagte nun den Generaldirektor wegen wörtlicher und tätlicher Ehrenbeleidigung. Zur Verhandlung war der Geklagte nicht erschienen. Der Klageanwalt

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