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Die Wahrheit · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 1. N'wtn ~ j* u.+‘ -_*s:üs;i^- »-J-ig . .-..** v'aL4ö‘-»*e£nÄZ.i~_'-T. Af3;^-Jv€Ä3SEaiKiS.i3i<r^^-Li:t35»h!®2Sc-"02i'2^fj??i2^V'V!-V^t .';’ '*.: Seite 8. Die Wahrheit namens des Vorstandes und gewiß aller Vereinsmitglieder, Herzinnigen Dank aüsspreche, das Wort geprägt: Max Fleischer \ sprengt jeden Nekrolog! — Ich möchte dieses Wort variieren itnö sagen: Max Fleischer sprengt jede Tagesordnung. Und deshalb werden die geehrten Anwesenden, und insbesondere der verehrte Delegierte der Kultusgemeinde mir es zu gute halten, wenn ich zunächst die Pflichten der Courtoisie außer acht lasse Mid vorerst den Manen Fleischers ein Blatt des Gedenkens widme. Hier auf diesem Territorium werden wir ja ganz besonders an den Heimgegangenen edlen Toten gemahnt. Diesen lieblichen Saal hat er mit Meisterhand geschaffen, daß wir daselbst über das Wohl der Gemeinde beraten. Blicken wir hinaus, so steht links das monumentale Tempelgebände, das Erste welches er geschaffen und: welches den Grundstein seiner späteren Erfolge, seines Ruhmes als Tempelerbauer (ein Beiname, auf welchen er besonders stolz gewesen) bildete. Rechts vor uns steht der ita klassischesten Style erbaute Eingang zu unserem Besitze, welches Kunstwerk er erst in der letzten Zeit seines Lebens errichtete. Wie sehr ihm die Erbauung neuer Gotteshäuser am Herzen lag mrd wie hoch er es anschlug, wenn ihm seitens einer Gemeinde ein diesbezüglicher Antrag gestellt wurde, soll der kleine Zug aus den letzten Tagen seines Lebens beweisen, daß er seiner Gattin auf das bestimmteste auftrug, in Begleitung seines treuen Mitarbeiters Miedl, der Schlußsteinlegung des demnächst seiner Vollendung entgegengeheuden Tempels in Brünn anzuwohnen. Aber nicht nur durch seine Bauten werden wir an ihn erinnert. Wenn wir die Protokolle der Versammlungen dieses von ihm so sehr geliebten Vereines durchblicken, so ist auf jeder Seite, in jeder Zeile sein Feuergeist bemerkbar, der ihn und uns durch ihn erwärmte. Und wenn wir die heutige Versammlung zwu Gegenstände der Betrachtung machen, so schwebt uns wiederum sein Bild vor, wie er diese Versammlungen stets zu Mem Festabend gestaltete und mit der ganzen Wärme seines Herzens und mit den Blitzen seines Geistes auf ein hohes Niveau emporzubringen bestrebt war. Allüberall demnach Erinnerung an ihn, den Unvergleichlichen! Und diese Erinnerung, dieses Gedenken an ihn, es soll nicht so bald aus unserem Gedächtniß entschwinden. Wir wollen auf der Warte stehen und dafür Sorge tragen, daß nicht nur wir, sondern auch unsere Nachfolger im Amte in Würden sein Andenken hoch halten, welches gesegnet sei für jetzt und alle Zeiten!" Herr Ignaz Klein stellt die Anfrage, warum man die Leiche des verewigten Präsidenten nicht vor dem Tempel vorbeigefirhrt und warum die Kultusgemeiude keine Parte in den Zeitungen ausgegeben habe. Dr. Engel gibt die entsprechende Anftlärung, mit welcher sich der Interpellant zufrieden erklärt. Hierauf begrüßt der Vorsitzende den als Vertreter der Kultusgemeinde anwesenden Kultusvorsteher, Herrn Salo Cohn, die Damen Frau Dr. Taglicht, Frau Therese König, Frau Johanna Bauer, Frau Dr. Engel als Delegierte der Frauenvereine, Herrn Dr. Carl L ö w y für den Humanitütsverein im VI. und VH. Bezirk, und die Vertreter der jüdischen Presse Dr. S. Bloch und Dr. M. L ö w y. Nach Verlesung des Protokolles der Generalversammlung pro 1904 durch den Schriftführer Herrn Herm. Liebermann erstattet der Vorsitzende den Bericht über das abgelaufene Berwaltuugsjahr, der in den einleitenden Worten gleichfalls des unvergeßlichen verewigten Führers Baurat Max Fleischer, des früheren Heimganges seiner Gattin, weiters der verstorbenen Vereinsmitglieder Richard Schüller. Bernhard Fried, Wilhelm. Meller und Adolf W e l d l e r und auch der unglücklichen Opfer der russischen Judenmassakres gedenkt. Nach Hinweis auf die wichtigsten Ereignisse im abgelaufenen Jahre konstatiert der Bericht die freudige Opferwilligkeit der Bereinsmitglieder, die sich in den zahlreich eingelaufenen Spenden manifestierte. An Stiftungsspenden sind uns in diesem Jahre zugekommen: eine Maskier- und Jahrzeitstiftung per K 3000 in Form eines Legates unseres unvergeßlichen Kollegen Albert Janowitzer und die schon erwähnteJahrzeitstiftungper K. 400 als letztwillige Verfügung der verehrungswürdigen Gattin unseres Heimgegangenen Präsidenten, Regina Fleischer. An Naturalspenden , sind uns im.Laufe, dieses Jahres zugekommen von Frau Sofie und Herrn Victor Heim: ,2 silberne Girandols zur Benützung bei dem Wochentags-Gottesdienste; von Frau Cäcilie Eisenberger eine reichgestickte Thoramappe anläßlich der Barmizwah ihres Enkels Erich Georg Eisenberger. Mit Wehmut und inniger Dankbarkeit müssen wir hier der letzten hochherzigen Spende unseres Heimgegangenen teueren Präsidenten gedenken. Es sind dies vier reich ornamentierte kostbare Glasmalerei-Fenster an der Längsseite und das große Fenster an der Stirnseite dieses Saales. Der Schönheitssinn des Künstlers hat es schwer empfunden, daß diesem herrlichen Saale dieser Schmuck gefehlt und da er dem Vereine diese beträchtliche Ausgabe ersparen wollte, opferte er freudigen Herzens die in seinem Heime befindlichen Fenster zur Zierde dieses Raumes und veranlaßre auch unseren verehrten Kollegen und allzeit großmütigen Förderer Herrn kaiserl. Rat Josef To ffler gleichfalls ein solches Fenster zu widmen. Wir sagen ihm hierfür au dieser Stelle unseren verbindlichsten Dank und bringen den Manen unserer großen Toten den Zoll herzlichster Dankbarkeit dar. In diesem Berichte, der leider von so vielem Traurigen zu erzählen weiß, wollen wir mit Freude und Genugtuung zweier Tatsachen Erwähnung tun, die wahrlich Lichtblicke in unserer diesjährigen Chronik sind. Es sind heute genau 40 Jahre, seitdem unser allverehrter Senior, Herr Friedrich Pollak, ununterbrochen als Vorstandsmitglied unseres Vereines fungiert und, wie wir mit besonderer Genugtuung hinzusetzen, wirklich für unseren Verein tätig ist. Diese eine Tatsache allein sagt Ihnen ja deutlich, was uns dieser Mann ist, welche Anhänglichkeit und Treue er unserem Vereine stets bewiesen hat; wir haben leider keine Ehrenmedaille für 40jährige, treue, an einem und demselben Unternehmen bezeugte Tätigkeit zu vergeben. Aber gewiß sprechen wir in Ihrem aller Namen, wenn wir sagen: Gott, erhalte uns noch viele Jahre unseren wackeren Senior! (Allgemeiner Beifall.) Und heute ist es gerade ein Vierteljahrhnndert, daß wir einen anderen Herrn Friedrich Pollak mit Stolz den unseren nennen; wir sind glücklich, daß wir, um die Verdienste dieses Mannes für unseren Verein zu kennzeichnen, nicht vieler Worte bedürfen; von ihm sprechen die Ziffern und die Zahlen, die er ja so meisterhaft zu gruppieren und Ihrem Verständnis näher zu rücken versteht, eine deutliche Sprache. Was er uns während dieses langen Zeitraumes gewesen, das ist ja in den Annalen der Geschichte unseres Vereines fast auf jedem Blatte verzeichnet. Wir glauben unsere Glückwünsche anläßlich seines silbernen Vereinsjubiläums nicht besser zum Ausdruck bringen zu können, als indem wir dem herzlichsten Wunsche Ausdruck geben, es möge ihm und uns vergönnt sein, ihn zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum des Mariahilfer Tempelvereines begrüßen zu können. (Allgemeiner Beifall.) Geehrte Versammlung! Wie wir an der Spitze dieses Berichtes unseres verklärten Führers gedenken mußten, so weilen auch unsere Gedanken jetzt bei ihm, wo wir diesen Bericht zum Abschlüsse bringen. Er hat es nie unterlassen, denselben mit einem herzlichen Appell an den verehrten Delegierten der Kultusgemeinde zu beschließen, mit dem Versprechen für alle Zeit treue Glieder der großen Muttergemeinde zu sein und zu bleiben. Auch wir wollen dies tun und bitten den geehrten Herrn Delegierten, dem Kuttusvorstande zu berichten, daß wir das heilige Erbe das er uns überlassen, in seinem Sinne und Geiste fortführen wollen, worin wir uns gewiß einig fühlen mit allen unfern Mitgliedern und mit allen, die sich je an unserem schönen Gottesdienste erhoben und für den Lebenskampf gestärkt haben. — Wir schließen mit den Worten eines großen Mannes anläßlich eines traurigen Ereignisses: der Kurs bleibt der alte! Nach Erstattung des Jahresberichtes ergreift der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Salo Cohn, das Wort und erklärt, daß es ihm schwer falle, seinen Empfindungen und Gedanken Ausdruck zu leihen, da er befangen sei von der Erinnerung an den verewigten Präsidenten und von dem ganzen

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