Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 1. L. -^00 erhöht. Ueberdies wird für die eventuelle Errichtung «aes weiteren temporären Bethauses außer den bereits besäenden, die diesbezügliche Reserve von L 2000 auf K 4000 erhöht. Das Kapitel „Subventionen an Bethausvereine" weist g^enüber dem Vorjahre eine Erhöhung von rund L 18.OOO aus. Für das Badhaus (Mikwah) waren im Vorjahre für außerordentliche Herstellungen und als Reserve zusammen K. 12.000 eingestM. Die großen Schwierigkeiten, welche der Mrichtung einer neuen Mikwah entgegenstehen und welche es als unwahrscheinlich erscheinen lassen, daß diese Aktivierung noch im Laufe des Jahres 1906 erfolgen wird, weiters das Besuchen. das Budget möglichst den Tatsachen entsprechend aufzustellen, haben es bewirkt, daß der obige Betrag per K 12.000 im diesjährigen Budget nicht eingestellt wurde. Für eventuelle Vorarbeiten ist durch die Einstellung einer Post per K 2000 vorgesorgt. Der Abschnitt „Unterrichtsangelegenheiten" weist im wesentlichen keine besonderen Aenderungen aus. Die Einnahmen betragen K 38.078-28, die Ausgaben K 303.049*28, so daß ein Zuschuß von K 264.971 sich als erforderlich darstellt. Hervorzuheben ist nur: Die Erhöhung der Reserve zur Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt von K 1000 aus K 5000, dann die um rund K 5000 vermehrten Ausgaben für die Bibliothek; letztere sind teils außerordentlicher Natur — durch die UebersiMuug in das Gemeindehaus, II., Ferdinandsstraße 23 — teils bleibende, infolge der Erhöhung der Dotation für Bücherankauf und der größeren Miete. Die Einnahmen aus dem Titel ..Friedhof- und Beerdigungs- Angelegenheiten" wurden um rund L 120.000, ebenso die Ausgaben um rund K 70.000 höher eingestellt. Es entsprechen diese Anstellungen mehr oder weniger den tatsächlichen Verhältnissen des Jahres 1905. Die Erhöhung der Einnahmen ergibt sich insbesondere aus der Mehreinstellung für Einnahmen an Taxen; Hand in Hand damit mußte eine Vermehrung der Ausgaben erfolgen. Eine wesentliche Mehrausgabe verursacht das Kapitel „Alte Friedhöfe" durch die neu hergestellte gärtnerische Anlage am Währinger Friedhofe. Außer den Herstellungskosten für diese Anlage, welche noch mit einem Betrage von K 4543 aushasten, erfordert die Pflege alljährlich einen größeren Betrag und sind hiefür K 4000 eingestellt. Des weiteren sind für die Restaurierung des alten Friedhofes in der Seegasse und für andere Auslagen Reserven im Gesamtbeträge von K 5400 vorgesehen. Das Spital erfordert für das Jahr 1906 einen Zuschuß von rund K 195.000 aus Gemeindemitteln. Die israelitische Bersorgungsanstalt von rund K 95.000. Die Ausgaben für „Armen- und Wohltätigkeits-Angelegenheiten" sind, wie dies alljährlich der Fall ist wieder, und zwar um rund K 17.000 gestiegen. Doch ist die Annahme, daß auch mit dieser Summe das Auslangen nicht gefunden werden wird, angesichts der stets zunehmenden Armut leider berechtigt. Das Institut für jüdische Krankenpflegerinnen ist in den Ausgaben mit K 10.000 enthalten durch Zuwendungen im Gesamtbeträge von K 125.000 steht ein Zinsenerträgnis von rund K 4800 jährlich zur Verfügung. Der Vorstand ist ernstlich damit beschäftigt, die Angelegenheit einer gedeihlichen Erledigung zuzuführen. Die Kultussteuern wurden mit K 1,220.000 budgetiert, das ist um K 70.000 mehr als im Vorjahre. Das Kapitel „Häuserverwaltung und -Erhaltung" erfährt durch den nunmehr zur Gänze erfolgten Ankauf des Hauses, I., Seitenstettengasse 2, eine Aenderung, indem die Einnahmen und Ausgaben aus diesem Hause, an welchen bisher die Kultusgemeinde nur zu einem Drittel partizipierte, vollständig auf die Gemeinde fallen. Endlich ist zu dem Abschnitte „Fonde und Anstalten" noch zu erwähnen, daß die Aushilfskassa für das Spital der KuÜusgemeinde durch die Spende des Herrn Baron Albert tz7.Ro t h s ch i ld aus dem Nachlasse des Herrn Baron Nathaniel «..Rothschild per K 250.000 eine sehr bedeutende Förderung erfahren hat. Sollten von den geehrten Herren weitere Aufklärungen zu. einzelnen Positionen gewünscht werden, bin ich gerne bereit, dieselben zu erteilen. Im Namen des Vertreterkollegiums ersuche ich um Genehmigung des vorliegenden Voranschlages. Oberfinanzrat Dr. R a p p a p 0 r t: Das vorliegende Budget trägt den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung und trotz des ausgewiesenen Defizites von 182.000 K wird es durch Reduzierung der Ausgaben und dadurch, daß erfahrungsgemäß ein großer Teil der Reserven nicht konsumiert wird, möglich sein, das Gleichgewicht herzustellen. Der neue Kurs in der Verwaltung hat manches Ersprießliche zutage gefördert, das Vertreterkollegium arbeitet rasch, es gibt nicht so alte Restanzen wie früher, und es würde noch rascher gehen, wenn die Geschäftsordnung genau gehandhabt würde. Die Kommissionen wirken nicht nur retardirend ans den Geschäftsgang, sondern auch erhöhend auf das Budget, da jede einzelne ihre Agenden zu fördern bestrebt ist. Im Unterrichtsbudget wäre zu bemängeln, daß die Supplentnren für alte und leidende Lehrer zu viel Geld kosten, und es wäre vielleicht hier eine strengere Kontrolle am Platze. Im Spirale, das erfreulicherweise Heuer eine größere Zahl von zahlenden Patienten auswies, sind die Kosten für das Ambulatorium auf 36.000 K. gestiegen. Das sei unbedingt eine zu hohe Summe, aber es komme auch sonst in keinem Spitale vor, daß den ambulanten Kranken Verbandstoffe und Medikamente gratis mitgegeben werden. Die Auslese der wirklich Armen könne auch im Spitale nicht so gut getroffen werden, und darum würde es sich vielleicht empfehlen, bezüglich der Verteilung von Medtkamenten und Verbandstoffen mit der Chewra Kadischa ein Einvernehmen zu pflegen. Die allgemeine Administration werde besonders dadurch verteuert, daß, wiewohl die Gemeinde einige ausgezeichnete Beamte besitzt, ein großer Teil derselben doch nicht seinen Aufgaben gewachsen ist. Vizepräsident Dr. K 0 h n unterbricht den Redner mit der Konstatierung, daß die Gemeinde mit ihren Beamten zufrieden sein könne und die Behauptung, daß ein großer Teil seinen Aufgaben nicht gewachsen sei, den Tatsachen nicht entspreche.. Obersinanzrat Dr. R a p p a p 0 r t: Meilte Ansicht darüber ist eine verschiedene. Es sind auch manche Stellen mit Beamten besetzt, die durch Diurnisten vollkommen ausgesüllt werden könnten und durch allmälige Läuterung des Beamtenstandes würden große Ersparnisse erzielt werden. Auch eine neue Schematisierung sei notwendig, da jetzt mancher Diener einen Beamten mit gleichen Dienstjahren an Gehalt übertreffe. Schließlich empfiehlt Redner, in der Buchhaltung die kamerale Buchführung, statt der gegenwärtigen doppelten Buchführung einzuführen, wodurch gleichfalls Arbeitskräfte erspart würden. Herm. Eltbogen gratuliert dem Vertreterkollegium zur weisen Verwaltung, hält aber trotzdem das ausgewiesene Defizit nur für ein Abschreckmittel, damit die Gemeindemitglieder nicht bei Ausbleiben desselben größere Anforderungen stellen. Redner plaidiert dann für Einführung der 5 fl. Steuer und Erweiterung des Wahlrechtes und führt darüber Klage, daß die Bethausvereine beim Vorstande wohl finanzielle Unterstützung finden, jedoch nicht jenes Ansehen genießen, das ihnen vermöge ihrer großen Arbeitsleistung gebührt. Nach Anerkennung der großen Verdienste des I. Vizepräsidenten Dr. Kohn auf dem Gebiete des Unterrichtswesens tadelt Herr Eltbogen, daß die ganze Verwaltung vom Vertreterkollegium besorgt werde. Das sei für die einzelnen Vorsteher eine Ungerechtigkeit in der Ausübung ihrer Mandate. Der Schwerpunkt der Arbeit müsse in den Kommissionen liegen, wo die Männer sitzen, die über das nötige Fachwissen verfügen. Dr. Spitzer bedauert die verspätete Zusendung der Budgetvorlage und wünscht, daß den einzelnen Vorstehern das Recht eingeräumt werde, an den Budgetberatungen im Vertreterkollegium mit konsultativer Stimme teilzunehmen. Die Anschauung des Oberfinauzrat Dr. Rappaport bezüglich der Kommissionen werde von einem großen Teil des Vorstandes gewiß nicht gebilligt werden. Auf die Details eingehend, anerkennt Redner die tüchtige Arbeit der 2. Kommission und begrüßt mit Freuden, daß Aussicht vorhanden ist, schon im nächsten September das so überaus dringende Seminar für Religionslehrer zu eröffnen.