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Die Wahrheit · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit. Seite 5. alles Gute, Schöne und Edle erfüllt war, bei dem sich Künstler- \ stolz und Mannesmut mit edler Bescheidenheit harmonisch verj einigten, ist mit Fleischer dahingegangen. Hier an dieser Stelle geziemt es sich in erster Linie hervorzuheben, was der Verewigte! als Jude war, ziemt es sich die Größe des Verlustes zu erj messen, den unsere Gemeinde durch sein Hinscheiden erlitten hat. Innig verknüpft mit seiner Persönlichkeit, mit seinem Namen 'ist die Geschichte unserer Gemeinde, deren religiöse und humanitäre Institutionen Fleischer durch seine hohe Kunst gefördert hat; doch nicht allein durch seine Kunst; tiefe aufrichtige Glaubenstreue adelte sein Wirken, seine Künstlerschaft, die er mit oft entsagungsvoller Hingebung, mit seltener Uneigennützigkeit vorwiegend im Dienste unserer heiligen Religion betätigte. Aufrichtige Herzensgüte, allumfassende Menschenliebe vervollständigen sein Bild, das Bild eines edlen, vortrefflichen Menschen. Das Andenken unseres lieben treuen Kollegen Fleischer wird immerdar ein gesegnetes sein!" Der Vorsitzende verfügt unter Zustimmung der Versammlung, welche sich zum Zeichen ihrer Trauer von den Sitzen erhoben hat, die Einverleibung dieser Kundgebung in das Protokoll. Im Einlaufe besinden sich: Beileidsschreiben anläßlich des Hinscheidens des Vorstandsmitgliedes Baurat Max Fleischer, und zwar von: dem Vorstande der Kultnsgemeinde in Brünn, dem Vorstande der Kultusgemeinde in Proßnitz, dem Bethausvereine „Chewra Beth-Hatfilah", dem Tempelvereine im VUL Bezirke, dem Bethausvorstande und der Chewra Kadischa in Ottakring und dem Herrn kaiserl. Rat Salomon Kohnberger. Weiters eine Zuschrift des Herrn Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Jakob Engel als Testamentsvollstrecker nach dem seligen Herrn'Baurat Max Fleischer mit der Mitteilung, daß derselbe nachstehende Legate der Kultusgemeinde vermacht habe: K 6000.— mit der Widmung, aus dem Erträgnisse dieser Summe die auf dem Zentralsriedhofe befindliche Gruft für immerwährende Zeiten in gutem Zustande zu erhalten; X 2000.— zur Errichtung einer „Regine Fleischer Ausstattungsstiftung"; X 1000 zur Vergrößerung der bereits bestehenden „Max Fleischerffchen Stiftung für Handels- und Gewerbetreibende". Die in seinem Besitze befindlichen Hebraica hinterließ der Verewigte der Bibliothek der Kultusgemeinde. Weiters befinden sich im Einlaufe: Ein Dankschreiben des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und des Herrn kaiserl. Rat Salomon Buber in Lemberg für ben als Beitrag zu einer zu errichtenden Raschi-Stiftung bewilligten Betrages von X 500.—. Ein Dankschreiben der Witwe nach dem verewigten Großrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn, für die bekundete Teilnahme des Kultusvorstandes. Ein Dankschreiben des Herrn Adolf und der Frau Charlotte Steinschneider für die ihnen anläßlich ihrer goldenen Hochzeit ausgesprochenen Glückwünsche des Kultusvorstandes. Nach Bekanntgabe der eingelaufenen Spenden berichtet Herr Vorsteher Salo Cohn, daß er wie seit 15 Jahren auch der kürzlich stattgehabten Generalversammlung des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau als Vertreter des Kultusvorstandes beigewohnt habe. Er habe in dieser Versammlung, welche mit einer Trauerkundgebung für den unvergeßlichen Präsidenten des Tempelvereines, Herrn Baurat Max Fleischer sel. And., eingeleitet wurde, der Sympathien des Kultusvorstandes für diesen in jeder Beziehung mustergültigen Verein Ausdruck gegeben und ihn des Wohlwollens des Vorstandes versichert. Der Bericht wird genehmigend zur Kenntnis genommen und Herrn Vorsteher Salo Cohn für die Vertretung des Kultusvorstandes der Dank ausgesprochen. Bei diesem Anlasse berichtet der Sekretär, daß auch über den würdigen Verlauf der Generalversammlung des Tempelvereines im XX. Bezirk seitens der hierzu vom Vorstande zur Vertretung delegierten Vorstandsmitglieder Sigmund Kauders und Salo Landau Bericht erstattet wurde, welcher demnächst vorgelegt werden wird. Zum Mitgliede der Bezirkskommission HI und XI wird Herr Moriz Schwarz, Metallwarenhändler, XI., Hauptstraße 80, berufen. j Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben berichtet in Angelegenheit j der seit längerer Zeit geplanten Errichtung eines jüdischen Kankenpflegerinnen-Jnftitutes, daß der Vorstand die Beratungen! hierüber wieder ausgenommen habe. Diese Angelegenheit hat i in letzterer Zeit durch eine Spende des Herrn Baron Nathaniel von Rothschild per X 100.000 —, ferner durch eine Spende des Herrn Philipp Frankl im Betrage von X 25.000.— eine bedeutsame Förderung erfahren, welche den in weiten Kreisen seit langem gehegten Plan seiner endlichen Verwirklichung näher bringt. Noch immer aber seien die Schwierigkeiten, welche der Aktivierung eines derartigen Institutes sowohl in finanzieller als auch in organisatorischer Beziehung speziell in Wien entgegensiehen, sehr groß, und wird zur Behebung derselben ein größerer Zeitraum nötig sein. Aus diesem Grunde wurde an Herrn Philipp Frankl, welcher an seine Spende die Bedingung der Aktivierung des Institutes bis Ende des Jahres 1905 geknüpft haue, das Ersuchen gerichtet, diesen Termin zu verlängern. Herr Frankl ist diesem Ersuchen in bereitwilligster Weise nachgekommeu. Die Mitteilung wird mit Dank zur Kenntnis genommen. Hieraus wird in die Tagesordnung eiugegangen, welche hauptsächlich die Erledigung einer größeren Anzahl von Personalien und eine Vorberatung des Voranschlages für das Jahr 1906 umfaßt. Schluß der Sitzung 1'.,10 Uhr abends. Oeffentliche Sitzung. Der Vorsitzende erteilt dem I. Vizepräsidenten kais. Rat M. Hirsch als Finanzreserenten das Wort zur Erstattung des Generalberichtes. Kaiserlicher Rat M. Hirsch: Meine Herren? Der Ihnen heute zur Beschlußlassung vorliegende Voranschlag für die Gemeindebedürsnisse für das Jahr 1906 weist eine Gesamteinnahme von X 2,441.340-11 aus. Diesen steht an ordentlichen Ausgaben ein Betrag von X 2,483.934-51 gegenüber, so daß sich aus der ordentlichen Gebarung ein Defizit von X 42.594-40 ergibt. Rechnet man hiezu die außerordentlichen Ausgaben im Betrage von X 140.300. so ergibt sich für das Jahr 1096 ein Defizit von insgesamt X 182.894-40. Bevor ich aus die einzelnen Abschnitte des Budgets übergehe, will ich über die Bedeckung dieses Defizites nur bemerken, daß dieselbe angesichts des Ueberschusies, den die Gebarung des Jahres 1905 aufznweisen hat, ein leichtes gewesen wäre, wenn dieser Ueberschuß nicht durch Ankauf der Nachbar-Realität des Gemeindehauses, I., Seitenstettengasse 2, ansgebraucht worden wäre. Die Ausnahme eines Darlehens zur Deckung des Defizites wird, so hoffe ich, jedenfalls vermieden werden können, denn ich rechne zuversichtlich daraus, daß durch außerordentliche Sparsamkeit in den Ausgaben, durch Erreichung, eventuell Erhöhung der in das Budget eingestellten Einnahmsposten sich der Abschluß günstiger gestalten wird, als der Voranschlag. Im Nachfolgenden werde ich die wichtigsten Aenderungen der Vorlage gegenüber dem Budget des Jahres 1905 hervorheben. Der Abschnitt ..Bethäuser und rituelle Angelegenheit" weist eine Einnahme von X 202.871, eine Ausgabe von X 636.029 aus. Der Zuschuß betrügt daher X 433.158, um rund X 32.000 mehr als der im Voranschläge pro 1905. Unter den Ausgaben sind an außerordentlichen Auslagen: Für das Gemeindebethaus, I., Seitenstettengasse, zur Anschaffung eines neuen Harmoniums X 2500, für Herstellungen. Renovierungen und als Reserve zusamnun X 6000, mit Rücksicht aus die in Aussicht genommene durchgreifende Aenderung der Heizanlage. Im Gemeindebethause, H., Tempelgasse, für Anschaffung eines neuen Harmoniums X 4000, als Reserve für die Errichtung der geplanten Stiegenhäuser aus den Gallerten des Tempels und firr andere notwendige Arbeiten X 110.000. Im Kapitel „Temporäre Bethäuser" wurde aus Grund der bisher gemachten Erfahrungen, die Post für Betsitze zur Gratisverteilung um mehr als das Doppelte, das ist auf

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