Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 49 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 4S. DieWahrheit Wohltätigkeits-Konzert church Herrn Oberkantor <3 .i n g e arrangiert^ gebe» hiesigen Kunstkräften-wirk»zwei hervorragende WienerKünstlerinnen mjtMld kommt außer iutereßanteu althebräischen Gesängen auch die große hebräische Melodiensymphonie „Babylon" von Hermann Zivi zur Aufführung. Budapest. (Trauerfeierlichkeiten für die Opfer der russisch en Judenverfolgungen.) Die Ofener israelitische Kultusgemeinde veranstaltete im Haupttempel einen Trauergottesdienst zum Andenken an die in Rußland unschuldig hingemordeten Juden. In dem schwarzdrapierten Tempel hatte sich ein zahlreiches Publikum, an der Spitze der Kultusvorstand und die Präsidenten der Wohltätrgkeitsvereine, Ungesunden. Nachdem der vom Oberkantor Weiß im Vereine mit dem Chore vorgetragene Trauerpsälm verklungen war, hielt Oberrabbiner Dr. Arnold K i s s eine ergreifende Trauerrede, die in ein inbrünstiges Gebet für die gefallenen russischen Juden ausklang. In der Synagoge der Pester aut. orth. Jsraelitengemeinde wurde ebenfalls eiu Traüergottesdienst abgehalten. Oberrabbiner Koppel Reich, «in hinreißender Redner, hielt eine mächtig ergreifende Trauerrede, und appellierte an den bekannten Wohltätigkeitssinn seiner Gemeindemitglieder. Außerordentliche Fälle erfordern auch außerordentliche Taten. Oberkantor Hart mann verrichtete das Dl mole rachamims®e6et, womit die erschütternde Trauerfeier ihr Ende erreichte. Auch im Tempel des Budapester Talmudvereines fand eine erhebende Trauerfeier statt. Das dichtgedrängte Trauerpublikum war tief ergriffen von der gedankenreichen Trauerrede des Vereinsrabbiners Michael Herskovits, welcher sich durch seine überaus gelungenen gottesdienst- »chen Borträge immer mehr und mehr in die Gunst seiner Vereinsmitglieder hineinredet. v. H. 8. Budapest. Im großen Tempel in der Tabakgaffe reichte vor einigen Tagen Herr Eugen Weiß, Teilhaber der hauptstädtischen Groß- Handtungsfirma Armin Weiß & Sohn, dem Fräulein Regina Hecht, Tochter des Hausbesitzers Moriz Hecht, die Hand zum ewigen Bunde. Das geräumige Gotteshaus war gefüllt von den erschienenen Festgästen, die zumeist dem Kaufmanusstande angehörten. Wir bemerkten die Vertteter der Großindustrie und der Großkaufleute, und unter ihnen auch den Vizepräsidenten der ungarischen Kaufmannshalle, kömgl. Rat Ladislaus Fürst de Maroth, die Advokaten Dr. Josef Spitzer und Dr. Armin Taub rr. A. Den Trauatt vollzog Rabbiner Dr. Julius Fischer, welcher eine ehaltvolle Ansprache an die Neuvermählten richtete. Den kulturellen Teil er Feier besorgtt Oberkantor Professor Adolf Lazarus mit gewohnter Meisterschaft. Budapest. (Land es-RabbinenseMinar.) Der Unterrichtsminister hat für die im leitenden Ausschüsse erledigten Stellen folgende Mitglieder ernannt: die neuen Rabbiner der Pester israelitischen Religionsgemeinde Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Hevesi, die Rabbiner Dr. Leopold Kecskemäti (NagyvLrad), Dr. Jakob Steinherz (Szäkesfehervär) und Dr. Eduard Neumann (Nagykanizsa), ferner als weltliche Mitglieder: den Präsidenten der israelitischen Landesfanäle! Dr. Moriz M ez e i, den Sekretär der israelittschen Laudeskanzlei Dr. Franz Mezey, den Direktor der israelitischen Lehrerpräparandie Dr. Josef Banöczy und den Präsidenten des israelittschen XXTT. Distritts Dr. Jzsö v. Rosa (Szcgedini. Außer den neuernannten Mitgliedern gehören dem leitenden Ausschüße an: Jakob B o s ch k n, Samuel Deutsch, Prof. Dr. Ignaz G o l d z i h e r, Dr. Samuel K o h n, Hofrat Sigmund K o h n e r, kön. Rat Martin Schweiger, Dr. Josef Simon als Budapester Mitglieder, ferner Josef v. H atv any - D euts ch (Hatvan), Baron Bilmos G u t m a n n (Nagykanizsa), Rabbiner Dr. Moriz Klein (Nagybecskerek), Alexander Leopold (SzegzLrd), Rabbiner Dr. Alexander Rosenberg (Arad), Ignaz Schreiber (Györ), Rabbiner Dr. Adolf Szidon (Bersecz) und Solomon Sternthal (Temesvär) als Provinzmitglieder. Budapest. Die PesterChewra-Kadischa hielt unter Vorsitz des Präsidenten Jakob B o s ch ä, n eine außerordentliche Generalversammlung, welche, sehr besucht gewesen. Nach der Eröffnungsansprache des Präsidenten unterbreitete Sekretär Dr. Franz M e z e i die Vorschläge des Ausschusses über den Ankauf der Baugründe für ein Heim chronischer Kranker, für das Heim der Krankenpflegerinnen und für die GratiswohnuUgen. Die um K 155.509 angekauften zwei Gründe umfaßen 6237 LMadrattlaster. Die Grundstücke befinden sich auf der Amerikastraße in der Nähe der elektrischen Bahn. Das Heim chronischer Kranker wird für solche Kranke bestimmt sein, welche in Spitälern keine Aufnahme finden. Im Heim der krankenpflegenden Schwestern, wie es solche auch in Deutschland gibt, sollen jüdische Krankenwärterinnen ausgebildet werden. Die Gratiswohuungen sollen solchen ehrbaren, verarmten jüdischen Familien Unterürnft bieten, welche nicht imstande sind, die Kosten für ein Obdach aufzubriugen. An die Gratiswohnungen werden Werkstätten angebaut, in welchen arme Gewerbetreibende ihre Arbeiten verrichten können. In Verbindung mit diesen Institutionen soll eine Volksküche und ein Tempel erbaut werde». Die Ausführung dieser Anstallen, d. h. deren Aufbau und Einrichtung, wird wohl noch einige Jahre auf sich warten lassen, aber dann wird die Chewra-Kadischa einen Reichtum an Wohltätigkeitsinstituten besitzen, wie sie keine Chewra-Kadischa der Welt aufzuweisen vermag. Ja, nur wenige Großgemeinden könuen sich rühmen, Wohltätigkeitsatte in so großem Style auszuüben, wie dies die einzigartige Pester Chewra-Kadischa ttü. Dr. Franz Mezei verlas einen herzergreifenden Jammerbericht über das unsagbare Unglück, das über unsere unschuldigen russischen Brüder, ihres erhabenen Glaubens wegen, in noch nie dagewesenem Maße hereingebrochen ist. Die Generalversammlung genehmigte den Vorstandsbeschluß, wonach die Chewra-Kadischa K 5000 dem russischen Hilfswerk zuwendet. Die Generalversammlung genehmigte auch obige Unterbreitung einhellig und votierte dem Präsidenten B o s ch an und dem Sekretär Dr. M ezen für ihre Mühewaltung Dank. D. H. S. : Budapest Die Besetzung des verwaisten Oberkantorspostetrs än der Rombach-Synagoge ist nicht so leicht, als so- Mancher sichs wohl denken mag, und es kommt beinahe einem Wagnis gleich, nach eirlem. B ach mann daselbst die Funktion zu übernehmen und zur allgemeinen Zuftiedenheit ausfüllen zu wollen. Aber trotzdeyl müssen wir ganz oHn und ehrlich und voll Freude, gestehen, daß wir in dem Kischinewer Oberkantor Israel Tkats einen sangeskundigen Stimmriesen gesunden haben,, lvelcher äls' Chäsau Vorzügliches , leistet. Als er. im Sommer hier zur Probe borbetete,. waren die hervorragendsten und ausschlaggebendsten Männer, denen die Gemeindeleitung anvertraUt ist, von hier abwesend, aber Alle, die ihn hörten, waren von ihm geradezu begeistert. Der Borstand lud hierauf den Oberkantor Tkats ein, an den hohen Festtagen den Hauptgoltesdienst zu zelebrieren, und stellte ihm, für den voraussichtlichen Fall seines Erfolges, eine Akzeptatiön in sichere Aussicht. T käts konnte jedoch darauf nicht eingehen, weil feine Gemeinde ihn nicht frei-- geben wollte. Nun schrieb der Gemeindevorstand einen Konkurs aus, in dem cs hieß, daß nUr ungarische Staatsbürger auf den vakanten PosteU komptieren können. Es meldeten sich wohl genügend ungarische Kantoren,, aber der Nachfolger eines B a ch m a n n fand sich leider nicht unter ihnen,, und der Vorstand war bemüssigt, einen neuen Konkurs auszuschreiben, welcher es auch Ausländern ermöglichte, sich an der Konkurrenz zu beteiligen. So kam es, daß letzten Freitag abends und Samstag Vormittags- Israel Tkats den Gottesdienst zelebrierte. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Stadt und der Andrang des Publikums war ein solch großer, daß Polizisten vor und in der Synagoge die Ordnung aufrecht erhalten mußten. Tkats hat also gesungen und — gefallen! Und das im vollsten Sinne des Wortes. Das Publikum zollte seinem brillanten Bortrag wohlverdiente Anerkennung; viele der Anwesenden begingen aber die Taktlosigkeit, am Schlüße des Abend-Gottesdienstes sich auf die Bänke zu stellen, zu applaudieren Und Eljen zu rufen!.. . Unserer Ansicht nach dürfte somit schon heute der stimmgewaltige Israel Tkats, der von vielen hiesigen und ausländischen Blättern so oft torgesagte Kischinewer Oberkantor, der Nachfolger des unvergeßlichen B a ch m ann werden. v. II. 8. Budapest. Der Vorstand der Pester israelitischen Religions-- gemeinde errichtete am Grabe seines vor einigen Monaten dahingeschiedenen Rabbiners LUdwig Poll ak ein Grabdenkmal, deßen feierlich« Enthüllung Donnerstag, den 14. d. M., vormittags 1l Uhr, stattfand. Trotz des stürmischen Wetters hatte sich auf dem Kerepeser Gräberselbe eine zahlreiche Traüergemeinde versammelt. Von der Familie waren anwesend die Kinder, die'Enkelkinder und der einzige Bruder des Verewigten. FerNer bemerkten wir den.Kultuschef Ludwig Adler, den Präsident«» der Altosner Jsraelitengememde Samuel Ehrlich, die Tempelvorsteher' Julius Adler, Berthold Herzmann und Dr. Wilhelm Grauer, die Vorsteher der Chewra-Kadischa Em. I. Weiß und Moriz LindenbäUM, die Synagogenborsteher Nag ler und Ko hu, den Rabbiner Moses Feldmann, den General-Sekretär Dr Jul. Weißburg, die Ge- MerndeäUsschußmitglieder Dr. Emil Farkas und Moriz R o f e n b e r g, Abordnungen der königlich ungarischen Rabbinerschule, der Ofner und Altofner israelitischen Kultusgemeinde, des israelitischen Landes-Lehrervereines,- Ver Beamten der Pester israelittschen Religionsgemeinde und vieler israelitischer Humanitätsvereine, die Talmudisten Hermann Rosenberg- Goldberger und Mayer Freund, die Synagogenkantoren Keller und Jakobovits u. A. Die Feier eröffnet« ein stimmungsboller Trauerchoral, den Oberkantor Prof. Adolf Lazarus höchst wirkungsvoll mtoNierte, wobei ihm der Männerchor des großen Tempels und der Rombach-Synagoge assistierte. Hierauf bestieg Rabbiner Dr. Julius Fisch er die vor dem Grabmale Po ll a ks errichtete schwarzdrapiette Kanzel und hielt eine mächtig ergreifende Denkrede. Oberkantor La za rus fang noch einen Trauerpsalm, worauf die Talmudisten den Kaddisch derabanan und der einzige Sohn des Verewigten, Jakob P o l 1 a k, den Laddisott jossaum verrichteten, womit die pietatsvolle Feier ihr Ende fand. — Am selben Tage, abends 4 Uhr, fand in der Rombach-Synagoge,, an der Rabbiner Pollak 33 Jahre hindurch seines heiligen Amtes waltete, ein solenner Trauergottesdienst statt. Budapest. Der ungarische israelitische Handwerks- und Ackerbau- Verein hielt unter Vorsitz des Hofrates Armin N e u m a n n eine Ausschußsitzung. An Spenden sind eingelaufen , von Ludwig Agoston L 1000 als Stiftung, von Frau Berthold Klein, Frau Jakob Fürst de Maroths Frau Jakob Schwarz und Karl Popper! Naturalienspenden zur Ausstattung des Lehrlingsheims mit Wäsche, zu welchenk Behufe auch das Damenkomitee K 500 spendete. Der Ackerbauminister hat dem Vereine 30 komplete Serien, seiner landwirtschaftlichen Bücherausgaben behufs Verteilung an die Ackerbauzöglinge zur Verfügung gestellt. Zur Vorlage gelangte der Bericht des Ackerbaukomitees in Angelegenheit der zu errichtenden Schulgärtnerei und auf begründeten Anttag des Komiteepräsidenten Hosrat Berthöld Weiß wurde das Präsidium ermächtigt, den Ankauf eines geeigneten Territoriums durchzuführen und zur teilweisen Beschaffung der Kosten eine Sammlung einzuleiten. Begeisterung erregte die Meldung des Sekretärs, daß die Präsidentin des Damenkomitees, Frau Jakob Fürst de Maroth,, zur Errichtung der geplanten Gärtnereianlage die erste Stiftung im Betrage von K 2000 erlegte. Sodann wurde die feierliche Verabschiedung von 34 freigesprochenen Handwerkszöglingen vorgenommen und auf Antrag des Exekutivkomitees die Neuaufnahme von 98 Handwerkszöglingen genehmigt. Schließlich wurde die Veranstaltung einer Chanukafeier beschloffen.