Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 49 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4S. ''-DirMahMt Seite- ------: —.—.—— : : : _ ...- _i_ ~,r— -——-- ■ „, —. —. religiöse Leben und das gedeihliche- Schaffen und- Wirken der arbeitenden .Juden in -den Kolonien wirkten lebhaft und mächtig auf die den Saal füllenden Zuhörer. Die markanten Stellen des Vortrages. wurden von dem Auditorium mit Beifallskundgebungen aufgenommen und am Schluffe dem Vortragenden selbst eine Ovation dargebracht.- . i Wien. Laut Beschluß des zionistischen Aktionskomitees wird das offizielle Partei-Organ „Die Welt", ab 1. Jänner 1906 in Köln, dem nunmehrigen Sitze des Aktionskomitees, erscheinen. Wien. An der Talmud-Thora-Volksschule findet am Dienstag, den 26. d. M., um 4 Uhr nachmittags, im dortigen Bethause die Chanukafeier mit den üblichen Festgesängen, einer Ansprache des Oberlehrers .Jakob Ko h n und Borträgen in deutscher und hebräischer Sprache von -Seite der Schüler statt. Gäste willkommen. Wien. (Generalversammlung des Brigittenauer Tempelvereines.) Montag, den 18. d. M-. fand in den Räumen des „Cafe Neptun", XX., Mathildenplätz 7, die diesjährige Generalversammlung des Brigittenauer TeMpeloereines statt. Präzise 8 Uhr abends eröffnete der Obmann, Herr Kultusvorsteher Herrmann Eltbogen, die Versammlung, begrüßte die Zahlreich erschienenen Mitglieder sowie die beiden Delegierten der israel. Äultusgemeinde, die Vorsteher Herren Siegmund K anders und Salo Landau aufs herzlichste und widmete hierauf den in diesem Jahre aus dem Leben geschiedenen Mitgliedern Adolf Kummermann, Jakob Otte und Julius Winkler ehrende Worte des Gedenkens, welche von der- Versammlung stehend angehört wurden. Hierauf warf Herr Eltbogen einen Rückblick auf das abgelaufene Dezennium, seit welchem er an der Spitze des Brigittenauer Tempelvereines stehe, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die in der Vergangenheit geleitete Arbeit vorbildlich für die Zukunft sein möge. Das vor 10 Jahren von ihm aufgestellte Programm, die Schaffung eines würdigen Gotteshauses für die Brigittenauer Judenschaft, die moderne Ausgestaltung des Gottesdienstes und die intensivste Pflege der Wohltätigkeit in diesem von den ärmsten Schichten der Wiener -jüdischen Bevölkerung so zahlreich bewohnten Bezirke, diese drei Grundpfeiler jüdischen Gemeinsinnes und jüdischen Zusammenwirkens, sollen auch fernerhin Ziel und Streben des Vorstandes wie der gesamten Mitgliederschaft sein. Unser herrliches Gotteshaus, so führte der Redner weiter aus, wird bald eine Erweiterung seiner Hallen erheischen, um all' die Andächtigen, die ihm an Sabbathen und Feiertagen zuströmen, fassen zu ckönnen. Unser musterhafter Gottesdienst ist unvollständig dadurch, daß noch immer eine Persönlichkeit fehlt, die berufen ist, der Gemeinde das Gotteswort zu verkünden; und was die öffentliche Wohltätigkeit anlangt, wird wohl durch die bestehenden Bruder- und Schwestervereine Ersprießliches geleistet; aber immer noch nicht so viel, um der überhandnehmenden Armut -wirksam zu steuern. Ein wunder Punkt ist aber auch die mangelhafte Pflege des jüdischen Schrifttums. Trotz der großen Opfer, welche die israelitische Kultusgemeinde für den Religionsunterricht bringt, es werden -jährlich 260.000 Kronen hiefür verausgabt, reichen die zwei Stunden Religionsunterricht wöchentlich in der Schule keinesfalls aus, um wahre, das Schrifttum beherrschende Inden heranzuziehen. Ich habe bereits die .Konzession für eine Bibelschule in diesem Bezirke erwirkt und werde auch das Jnslebentreten einer solchen ermöglichen. Zum vorliegenden Rechenschaftsbericht bemerkte Redner, daß das Budget per X 23.000 gedeckt werden konnte dank dem großen Zuspruche, deffen sich unser Tempel >an den hohen Feiertagen erfreute, und dem Umstande, daß die löbl. israelitische Kultusgemeinde über seine Intervention statt wie bisher eine Subvention von X 2000 in diesem Jahre eine solche von X 6000 bewilligt hat; und er freue sich konstatieren zu können, daß noch ein Kassastand von ungefähr X 8000 per Saldo resultiere. Was schließlich die aktuelle Rabbinerfrage anlangt, so blieben leider alle bisherigen Bemühungen, die Muttergemeinde zu bestimmen, ein Rabbiner für die Brigittenau zu bestellen, ohne positiven Erfolg. Ein prinzipieller Beschluß der Kultusgemeinde, bis auf Weiteres die Zahl der Gemeinderabbiner nicht zu vermehren, zwingt uns, vorläufig mit einem Provisorium vorlieb zu nehmen. Aber auch diese Schwierigkeit hofft Redner ehebaldigst zu überwinden und diese brennende Frage zu einem allgemein befriedigenden Abschlüsse bringen zu können. In der hierauf durchgeführten Debatte betonten insbesondere die j Herren Dr. Heinrich S ch r e i b e r und Sekretär Josef K o h n mit rhetorischem Schwung und überzeugender Kraft die Notwendigkeit eines Seelsorgers in der Brigittenau und die Pflicht der Knltusgemeinde, einen solchen anzustellen. Ueber Antrag des Herrn Weiß wurde dem Gesamtvorstande einstimmig das.Absolutorium erteilt. Auch die beiden Delegierten der Kultusgemeinde drückten ihre Sympathie der Brigittenauer Gemeinde -aus.und versprachen, dieselbe nach , jeder Richtung zu fördern. Mit einem ausgezeichneten Resumö seitens des Obmannes schloß der erste Teil der Tagesordnung. Es erfolgte sodann die Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern und 12 Vertrauensmännern. Die Herren Herrmann Eltbogen, Adolf Schreiber, Dr, Rosenthal und Dr. Weiffenstein. deren Mandate erledigt waren, wurden wiedergewählt. Ebenso die früheren Vertrauensmänner, die wir in unserem vorjährigen Berichte namentlich angeführt haben. In vorgerückter Stunde fand die würdige Versammlung ihren Abschluß. N Ch. Wien. Das Bekleidungsfest von 100 Schulkindern seitens des Vereines „R u d o l f s b u n d" fand am 16. d. M. im Saale des „Hotel Central" statt. Erschienen waren: die Bezirksvertretung des II. Bezirkes unter Führung des Vorstehers N i e b a u e r, viele Abordnungen von Vereinen und Korporationen und zahlreiche andere Gäste. Der Eröffnungsrede des vielverdienten Obmannes Josef P o l l a k folgten die vom Oberkantor Bauer mit dem Chore exekutierte Volkshymne, welche stehend angehört wurde, und ein stimmungsvoller vom Chordirigenten J. L ö w i t exakt dirigierter Choral, in welchem Oberkantov B'au e^ das Solo sang. Nach dem rührenden Dankgedichte zweier Kinder (Worte von Nascher) sprachen unter, lauten Beifallskundgebungen die Herren: Gemeinde- und Ortsschulrat Klebinder, namens der Bezirksvertretung Direktor Q u i e x, ferner die Herren Dr. B r a d y und Profi. Nascher. Im anschließenden Vortragsabend ragten die Leistungen des Duetts Frl. W o l m u t, Herrn Becker vom Karltheater und das Tanzdivertissement der Geschwister Finkler besonders hervon Herr und Frau Cafetier Krämer .bewirteten, wie alljährlich, die beschenkten Kleinen.in.hochherziger Weise. ... - : Wien. (Jüdischer Bildungsverein „Ra s ch i^>' Die regelmäßigen Lehrvorträge und Kurse dieses Vereines, dessen Aufgabe es ist, das Studium der Bibel, der jüdischen Geschichte und der späteren jüdischen Literatur zu pflegen, beginnen Dienstag, a m 2. I ä n n e r 1906, um 8 Uhr abends, im Bereinslokale, IX., Glasergasse 24, I. Stock, wo auch die bedeutendsten Journale und Zeitschriften ausliegen. Beitrittserklärungen der ordentlichen Mitglieder (Monatsbeitrag 60 Heller) und der Gönner (Jahresbeitrag 10 Kronen) sind an obige Bereinsadreffe zu richten. Wien. („I ahr markt für Großund Klei n.") Zu einem fröhlichen Feste hatte für Sonntag das Mädchen-Komitee „Die Jugend für die Jugend", welches sich die Ausgabe stellt, armen skrophulosen Kindern den Aufenthalt in einem Jodbade zu ermöglichen, das Wiener Publikum geladen, und in Hellen Scharen sind Groß und Klein erschienen, um die in der humorvollen Einladung verheißenen. Herrlichkeiten zu schauen und zu genießen. Die Räume d«'s „Hotel Kontinental" waren für diesen Tag unter der kundigen Leitung des Herrn Ober-Inspizient Fried der k. k. Hofoper in einen veritablen Jahrmarkt verwandelt worden. Ein buntes, reges Treiben entwickelte sich schon in den frühen Nachmittagsstunden und der Besuch steigerte sich alsbald derart, daß der Einlaß zeitweilig sistiert werden mußte. Beim Eintritte wurden die Besucher allsogleich zur Besichtigung eines „Klassischen Museums" eingeladen, deffen gelungene Expositionen lebhafte Heiterkeit erweckten. Ein „Wiener Wursteltheater" (Leiterin: Frl. Grete Turezany) bildete das Ergötzen der Kleinen, und im großen Hauplsaale, woselbst auch ein abwechslungsreiches Programm geboten wurde, regten mannigfache, geschmackvoll arrangierte Buden die Kauflust an. Im „Kunstzelt zum goldenen Krauthäuptel" (Frau Pepi Glöckner-Kramer, Frl. Lilli T a u s s i g und Frl. Mizzi Klei n), sowie in der „Hagen-Bude" (Frl. Else Wolf) gab es eine reichliche Auswahl von Gemälden und Nippes. Die Zelte: „Zum Zinnsoldaten" (Frl. Natalie Laut er st ein), „Fischfang" (Frl. Amelie Turcsany), „Zum Naschkätzchen" (Frl. Gerda Walde, Frl. Helene Löwy), „Glückshafen zum Sautrag" (Frl. Irma Heiduska), sowie die „Handarbeitsbude" (Frl. Steffi T a u s k y) zogen viele Kunden an. Ein veritabler „Naschmarkt" (Sofferl: Frl. Ada Kelsen) war im Wintergarten etabliert und hatte ebenso wie die „Konditorei" (Frl. Emma Zins) und die „Bodega" (Frl. Lueie L i s s l, Frl. Nelly Fuchs) glänzenden Zuspruch. Auch das „Kinderkaffeehaus" (Frl. Jenny Kaiser) war stets überfüllt. Nebst den vielen reizenden Komiteedamen, die in geschmackvollen Kostümen mit großem Eifer als Helferinnen in den einzelnen Zelten ihres Amtes walteten, gab es viele originelle Einzelfiguren, die im Umherziehen ihre Waren feilboten. Es seien genannt: Der ambulante Maronimann (Frl. K o d i ö e k), der Bretzelbub (Frl. Fritzi Zins), eine fesche „Krowotin" (Frl. Emmi K o h n), eine „Holländerin" (Frl. Irma Klei n) rc. Während das „Jung-Wiener-Quartett" seine heiteren Weisen in den Nebenräumen erklingen ließ, erntete im Hauptsaale die kleine Wolf vom Theater a. d. Wien, Kartenmanipulator Siems und die Musik-Excentriks H o m b e r t und R e n a r d o vom Koloffeum, sowie die zwei kleinsten Balleteusen der Hofoper großen Beifall. Ein füntzigstimmiger Kinderchor, dirigiert von Frau Olga v. Tür k-Ro h n, sang, lebhaft akklamiert, Kinderlieber, die Herr Dr. Wilhelm S t e ck l für dieses Fest komponiert hatte, und ein Tunzdivertisiement von Julius Singer: „Eine Kindertanzstunde" wurde von den Geschwistern Finkler allerliebst ausgeführt. Den Abschluß dieser gelungenen Veranstaltung bildete ein „Fünfkreuzertanz". Dem rührigen Komitee gebührt für das geschickte Arrangement des Festes, deffen Wiederholung vielfach gewünscht wird, volles Lob. Wien. Der literarische Geielligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a" veranstaltet Sonntag, den 24. d. M.. eine intime Chanukafeier, bei der Herr Dr. Viktor K n r r e i n über das Thema: „Der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte", sprechen wird. Beginn Sl/a Uhr nachmittags, im Kongreß-Saale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Jglau. (Fünfzigjähriges Jubiläum.) Am 1. Jänner 1906 werden es 50 Jahre sein, daß Herr Kantor Karl Brunner, der Bruder des rühmlichst bekannten Wiener Schuldirektors und pädagogischen Schriftstellers Philipp Brunner s. A. sein Amt u. zw. 15 Jahre in seiner Heimatsgemeinde Pohrlitz in Mähren und 35 Jahre in Jglau bekleidet und sich während seiner ein halbes Jahrhundert umfassenden Wirksamkeit nur Freunde erworben hat. Die zahlreichen Freunde des Jubilars in unserer Gemeinde und außerhalb derselben rüsten sich zur Begehung dieses seltenen Festes. Wir sehen hier wieder, wie der Träger eines Amtes dieses selbst heben und zu einem besonders ehrenvollen gestalten kann, wenn ihm Eifer, Tüchtigkeit, religiöse Begeisterung und ein vorzüglicher Charakter, was alles der Jubilar in reichem Maße besitzt, innewohnen. Wir alle bringen schon jetzt, zum bevorstehenden Chanukafeste, dem verehrten Jubilar und seiner geschätzten Gattin und Familie die besten Wünsche dar. ’ A—. Kattowitz (Wohltätigkeits-Konzert.) Für die Hinterbliebenen der russischen Judenverfolgungen wird Ende Januar ein großes