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Die Wahrheit · 1905-12-22 · Heft 49 (22.12.1905) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 49 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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;eite 4. Die Wahrheit Nr. 49. Der Territorialismus, derHt Mraeh Z g.n g A i lH einer^ so ausgezeiHneteMFühxM chesLM E MsischE"' Greuel auMin Hesteür-ypH HvieHAnhäEr Muttßen Mt, stoßt jetzt iwiMn^Meisen -W eiHlisäM jüdWen HotcDlu auf^ großen Widerstand: So '"erließ ^jrk Komitees an dessen Spitze' Lord Rothschild steht und denMauch die Herren^ Samuel Montagu, David L. Alexander, N. S. Joseph, Claude G. Montefiore, Leonhard L. Cohen, Benjamin L. Cohen und Stuart M. Samuel angehören, einen Aufruf in heu englischeu Blättern, in dem nicht nür gegen' die Änsiedlung in Palästina, sondern überhaupt auch gegen eine solche Kolonisation, -wie stein Aussicht genommen wurde, und die auf Gründung eines jüdischen Staates hinausläuft, Stellung genommen wird. Mit Bezug auf Palästina wird gesagt, daß, abgesehen von der Weigerung des Sultans, diesen Teil seines Reiches abzutreten, dort auch nur für eine ganz beschränkte Zahl Raum zur Niederlassung geboten wäre. Was nun die Nichtzionisten betrifft, die die andere Art von Kolonisation in Aussicht genommen haben, so mußte ein Gebiet gefunden werden, um Raum für Millionen von Luden zur Ansiedlung zu finden. Wenn dies auch gelänge, so wäre doch an die Kolonisation nicht zu denken. Die Kolonisation eines solchen Landes sei eine schwierige Aufgabe, die nur junge, tatkräftige Leute unternehmen können und es würden Jahrzehnte vergehen, ehe das erworbene Land eine Zufluchtsstätte für eine große Zahl von Menschen bieten würde. Der Gedanke, einen eigenen Staat zu bilden, bedeute außerdem nichts anderes, als ein großes Ghetto zu schaffen, mit seinen besonderen Gesetzen nnd Verordnungen. Als ob die Gesetze des freien England und seiner freien Kolonien nicht genügten, den unglücklichen russischen Juden, die jetzt tatsächlich vogelfrei erklärt sind, eine Zufluchtsstätte zu bieten. Der ganze Plan laufe außerdem daraus hinaus, daß die Juden sich a b s ch e i d e n und sich nicht mit der übrigen Welt vermischen wollten, was den wirklichen Tatsachen widerspreche. Außerdem zögen diese Kolonialenthusiasten nicht die Kosten in Berechnung, die eine solche Ansiedlung mit sich bringen würde und die für den Kopf jedes einzelnen Ansiedlers mit nicht weniger als 50 £ (1000 $fll, angeschlagen werden kann, was, wenn man auch nur eine Million der russischen Juden ihrem Schicksal entreißen wollte, 50 Millionen Pfd. Sterling, 1000 Millionen Mark erfordern würde, ein Betrag, der nicht aufzubringen sei. Worum es sich handle, sei, in erster Reihe Hilfe zu schaffen, um die Not zu lindern, die unter den russischen Juden infolge der letzten Ausschreitungen ausgebrochen, und für die Witwen und Waisen und für die vielen Männer, Frauen und Kinder zu sorgen, die für ihr ganzes Leben verstümmelt und erwerbsunfähig geworden seien. Demnach müsse die Auswanderung in großem Maßstabe organisiert werden, die, entgegen der befürworteten Koloniegründuug, weit weniger Kosten verursacht und nicht mehr als 6 £ pro Kopf betragen würde, um die Verfolgten nach Kanada oder Argentinien zu schaffen, wo sie gerne willkommen geheißen würden. Für diese Hilfeleistung wendet sich nun der Ausschuß an die mitleidige Welt und bemerkt, daß der richtige Weg zur Lösung der Judenfrage darin liege, jeden möglichen Einfluß zur Geltung zu bringen, der endlich in Rußland dazu führt, den Juden die bürgerliche Gleichstellung und damit auch den Schutz der Person und des Eigentums zu sichern, so daß für die Juden die Notwendigkeit entfiele, ein anderes Heim ^außerhalb der Grenzen Rußlands zu suchen. Nach den neuesten Nachrichten aus Rußland scheint uns diese Hoffnung noch in weite Ferne gerückt und das Stref.. der Territorialisten zeitgemäßer als je. 1 c Kanrat Mar Kleis,er. 1 Schlicht und einfach wie der Sarg, der nunmehr die irdischen Reste des edlen Menschen und genialen Künstlers birgt, war die ganze große Persönlichkeit Max Fleischers, der Montag, den 18. d. M. im 65. Lebensjahre gestorben ist. Es ist AM^^^iEal so^mancheki ihr Gang durchß ,LybM sich nicht Moeat. und wie FleischMUufstiH( zur HöHe..MleEunWrischtzMSchaffens, zu aÜMneineK An^^mung -uMMhrMg seHns Mner Mitbürger sich JiHeMstetiMMürter Weit Vollzog,ihm auch das Scheiden aus diIem Jammertale nichtleicht gemacht. Ein schweres Leidem zehrte an seinem Marke Mv-weÄitterte seine letzten Lebenstage, so daß ihm der Tod als willkommener Erlöser-erscheinen mußtz^ iffcv!i ‘.e «. r.-sW-,»- I! Max ' Fleischersder seine Studien an der technischen Hochschule und an'der Akademie der bildenden Künste in Wien absolvierte, war ein Lieblingsschüler des Dombaumeisters Friedrich Schmidt und wurde dessen Mitarbeiter bei dem Baue des Wiener Rathauses, wo er als Bauführer fungierte. Welch schweres Herzleid muß es später dem für alles Edle und Gute begeisterten Künstler bereitet haben, wenn er sah, wie in dem herrlichen Baue, den er mitgeschaffen und in welchem sein Lehrer und Meister ihm durch Anbringung seiner Büste auf dem Schlußstein des Rathauseinganges ein ewiges Denkmal gesetzt hat, der rüdeste Glaubenshaß sich breit .machte, der seinem Wesen so fremd war. Sein tiefreligiöser Sinn führte seine Kunst in den Dienst des Höchsten und als treuer Sohn seines Glaubens schuf er herrliche Gotteshäuser, die den spätesten Geschlechtern Kunde von seinem künstlerischen Wirken und Schaffen geben werden. Eines der schönsten dieser jüdischen Andachtsstätten, der Tempel für den VI. und VII. Wiener Gemeindebezirk, lag ihm besonders am Herzen und dem Mariahilfer Tempelvereine, dem er durch Jahrzehnte bis an sein Lebensende als Präsident angehörte, widmete er mit besonderer Liebe seine ganze Kraft. Wie er diesen Verein von kleinen Anfängen zu seinerjetzigen Bedeutung emporhob, wie er durch sein alle Gegensätze ausgleichendes, patriarchalisches Walten ein festes Band um Alle schloß, immer neue Anregungen zur schönsten Betätigung jüdischen Gemeinsinnes gab, und ihm zum Lohne dafür alle Herzen in Liebe und Verehrung entgegenschlugen, ist in diesen Blättern schon wiederholt geschildert worden, mag aber nochmals als erhebendes Beispiel gemeinnützigen Zusammenwirkens, das von der Persönlichkeit Fleischers wohltuend ausstrahlte, für alle Zeiten festgelegt werden. Baurat Max Fleischer, für jeden hilfbereit, der an-diesen ernsten, im Leben so oft hart mitgenommenen, aber trotzdem mit einem geradezu kindlich reinen und liebevollen Gemüte ausgestatteten Mann appellierte, war auch viele Jahre hindurch Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde und nahm mit seinem reichen Wissen und Können an dem aufstrebenden Werdegang dieses großen jüdischen Gemeinwesens hervorragenden Anteil. Sein allzu frühes Hinscheiden wird auch hier allgemein schmerzlich empfunden und das Andenken an ihn unvergeßlich bleiben. Die Erde sei ihm leicht! rvm'jj'j'n Die Krage des einheitlichen israelit. Religionsunterrichtes an den österreichischen Mittelschnlen. Mit Rücksicht auf den demnächst stattfindenden Verbandstag versendet der „Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen" ein Kommuniquö, das in Anbetracht des allgemeinen Interesses, das der darin behandelte Gegenstand verdient, im Nachstehenden wiedergegeben werden soll: Seit dem Bestehen des „Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen" ist auf jedem Verbandstage über die Mannigfaltigkeit der Lehrpläne für den Religionsunterricht Klage geführt und die Forderung nach Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes für diesen Religionsunterricht nachdrücklich erhoben worden. In der letzten Generalversammlung (27. und 28. Dezember 1903) erhielt der Verbandsausschuß durch einen damals gefaßten Beschluß den direkten Auftrag, dieser Frage nüherzutreten und ihre Lösung anzubahuen.

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