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Die Wahrheit · 1905-12-15 · Heft 48 (15.12.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 48 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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■n .iJ '■-M ius »Kr. 48. Die Wahrheit Seite 9. gehende Leistungen. An die Borträge schloß sich ein Tanzkränzchen an. Änter der Fülle hübscher Damen bemerkte man die Fräulein Julie Grünwald, Geschwister Frommer, Berta und Rosa Schwätzer, Jda Schidlof, Julie Sinai, Therese Schnabel, Geschwister Kohn, Frau Wicki Tauber, Hermiue Wcinwurm, Laura Dnldner u. a. Dem Feste wohnte Herr Rabbiner Dr. Rosenmann samt Gemahlin bei. J. Schw. Wiener-Neustadt. Sonntag, den 10. b: M., 4 Uhr nachmittags, fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Rosa Landau, Tochter unseres Oberkantors und Sekretärs Herrn Markus Alexander Landau, mit Herrn Med. Dr. Oskar Wilder statt. Es war eine erhebende Feier, wie sie hier noch nicht gesehen wurde und die deutlich Zeugnis gab von der Beliebtheit des Herrn Landau, der mehr als zwölf Jahre segensreich in der Gemeinde wirkt. Im festlich geschmückten und hell erleuchteten Tenipel, wo der gesamte Vorstand als Ordnerkomitee fungierte, sah man dicht gedrängt fast sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde und außerdem viele der vornehmsten Christen. Während das Brautpaar und die Festgäste einzogen, spielte Herr Regenschori Mauritius Kern ein Präludium von Händel mit Violinsolo, das in musterhafter Weise Herr Paul Saborsky ans Wien zu Gehör brachte. Die kantoralen Funktionen hatte in liebenswürdigster Wehe der Vize-Präsident des österr.-ungar. Kantorcnvereines Herr Oberkantor Bauer vvul türkischen Tempel in Wien, ein intimer Freund des Hauses Landau, übernommen Md entzückte alle mit seinem schönen Tenor. Die Chorgesänge besorgten Schüler und Schülerinnen des Herrn Landau, unter denen besonders die Fräulein Weil, W e i s k o p f und die Herren Wolf und Danzig, die ein Streich-Quartett arrangiert hatten, zu erwähnen wäreni Den Trauungsakt vollzog der Onkel der Braut, Herr Dr. Dobschütz ans Skotschau in Schlesien, der eine formvollendete Rede an das Brautpaar hielt. Die Kethuba verlas der Seelsorger Herr Benjamin W e i ß. Im Sitzungssaal der Gemeinde versammelten sich dann alle Besucher, um der Familie zu gratulieren. Im Hause des Herrn Landau hatten sich dann die Verwandten und Freunde an der reich geschmückten Tafel eingefünden, wo sie in animierter Stimmung bis spät abends beisammen blieben. Es waren Hultuspräsident Herr S ch i s ch a samt Tochter und Schwiegersohn, Herr und Frau Ingenieur H o f m a n n, Vorstand der Chewra Herr Weiskopf samt Frau und Töchtern, Seelsorger Weiß und Frau, die Herren Wolf und Saborsky erschienen; aus Wien die Herren Oberkantor Bauer, Dr. K u r r e i n, Dr. Landes berg, Fritz Krakauer samt Frau und viele andere. Rabbiner Dr. Dobschütz, dessen reizendes Töchterchen ein schönes Festgedicht vortrng, Herr Oberkantor Bauer und Herr Doktor Kurrein brachten gelungene Trinksprüche aus, worauf Herr cand. jur. A. H. Landau auf die Damen toastierte. Znm Schlüsse rezitierte Herr Oberkantor Bauer das Tischgebet. Es waren über 100 Telegramme und ebensoviele schriftliche Gratulationen eingelangt. Das Brautpaar erhielt außerdem viele prächtige Geschenke. Olmütz. Herr Otto Friedländer wurde von der hiesigen Kultusgemeinde als Kantor akzeptiert und hat derselbe seinen Posten bereits angetreten. Grotz-Meserrtsch Anläßlich der beklagenswerten Ereignisse in Rußland fand am Sonntag, den 3. Dezember l. I., um 4 Uhr nachnnittags, in dem mit Trauer-Emblemen dekorierten Tempel in Anwesenheit der gesamten Kultnsrepräsentanz und unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder und deren Damen ein Trauergottesdienst statt. Nachdem die üblichen Trauergesänge mit Choralbegleitung exekutiert worden waren, hielt Herr Oberkantor Steiner eine ergreifende Trauerrede, welche auf alle Anwesenden tiefsten Eindruck übte. Mit dem Rezitativ von ^Nenrcehc» nechono“, „Schiwissi“ und „Kaddisch Jossum“ fand die Tranerfeier ihren Abschluß. Karlsbad. Der bisherige, vielfach verdiente Präsident unserer Kultnsgemeinde, Herr Ludwig Moser, der bereits 30 Jahre das Ehrenamt eines Vorstehers versieht, wurde einstimmig wiedergewählt. Bielitz. (Jubiläumsfeier des B.-B. Israelitischen H a n d w e r k e r v e re i n e s.) Vor 25 Jahren hat der damalige hochverdiente Rabbiner von Bielitz, Herr Dr. L e f s e r im Vereine mit den Herren Louis Sachs, Dr. Markusfeld und Rudolf Kestel den israelitischen Handwerkerverein ins Leben gerufen. In den ersten Vorstand wurden außer ihnen noch die Herren Adolf Schrenk, Leopold Freund und Max Pollitzer gewählt. Die Genannten bemühten sich alle in reichem Maße um das Gedeihen des humanitären Vereines, Herr Rudolf K e st e l, der jetzige Obmann, bis auf den heutigen Tag. Der Vereinszweck, arme jüdische Knaben ein Handwerk lernen zu lassen, und sie in einer guten Lehre unterzubringen, wurde immer im Auge behalten und erfüllt. So mancher Knabe, für den der Verein dem Lehrherrn oder in einer Werkmeisterschule jährliche Beträge von 100 K und mehr gezahlt hat, verdankte es dieser Unterstützung, daß er sich eine Position schaffen konnte Der Verein hat auch einen Religionsunterricht für die Lehrlinge eingeführt und verteilt alljährlich im Dezember Kleidungsstücke an die Bedürftigsten. Die Jubiläumsfeier/die im schönen Saale des jüdischen Gemeindehauses stattfand, versammelte ein zahlreiches Publikum aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung unserer Städte. Rabbiner Dr. Steiner hielt eine Ansprache, in welcher er des hochverdienten Gründers des Vereines und seiner schönen Intentionen gedachte. Die Arbeit sei es, welcher die gebührende Förderung und Anerkennung gezollt werden sollte, und in dieser Richtung habe der Verein ein viel Verdienstliches geschaffen. Herr Rudolf Ke fiel gab hierauf einen Rückblick auf die, Geschichte des Handwerkervereines und gedachte mit warmen Dankesworten der Unterstützung, die demselben immer zuteil ward. Der laute Beifall, mit dem die Rede des Herrn Kestel ausgenommen wurde, bewies ihm, daß man seine Verdienste zu würdigen weiß. In Worten sprach dies auch Herr Tugendhat namens der israelitische» Kultnsgemeinde aus, nach ihm einer der Lehrlinge. Es sprach noch Herr Rabbinowitz, der auf die Wichtigkeit jüdischer Organisationen hinwies. Einer von diesem Redner gegebenen Anregung, die Verteilung der Gabe» unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorzunehmen,' akkommodierte sich die Versammlung. Es erhielten an 20 Lehrlinge Kleidungsstücke und Schuhe. Budapest. (Neue Barone.) Se. Majestät hat die Grundbesitzer Ludwig und Ruoolf Schosberger de Tornya durch Verleihung der ungarischen Baronie ausgezeichnet. Das diesbezügliche kön. Handschreiben wird in einer der nächsten Nummern des Amtsblattes publiziert werden. Budapest, 12. Dezember. Eine überaus glänzende Hochzeitsfeierlichkeit wurde heute mittags in der herrlichen Rombachsynagoge im Beisein einer vornehmen Gästeschaar vollzogen. Der Tuzlaer Rabbiner Herr Dr. Heinrich Urbach reichte dem Fräulein Sarah Feld mann, der liebreizenden Tochter des Moses F e l d m a n n, Rabbiners der Pester isr. Religionsgemeinde, die Hand zum Nimmerwiederlaffen. Dem Trauakte wohnten im festlich beleuchteten Gotteshause an: Der Gesamtvorstand der Pester lsr. Großgemeinde unter Führung seines Präsidenten Hofrat Sigmund Kohner und des Vizepräsidenten Hofrat Dr. Philipp Weinmann, das Gesamtrabbinat der Pester Kultnsgemeinde, das Prosessorenkollegium der Landes-Rabbinerschule unter Führung seines Direktors, des greisen Professors Mose Bloch, der Gesamtvorstand der Pester Chewra Kadischa unter Führung seines Präsidenten Jakob Boschan, die RcUgiousprofessoren, die Beamten und der Lehrkörper der Pester Israel teugemeinde unter Führung des Generalsekretärs Dr. Julius Welßburg, Konsul Emerich Birnbaum. Dr. Emil Farkas, Moriz Rosenberg, Schuldirektor Nathan Halasz, der gesamte Tempel- und Synagogenvorstand, Abordnungen der hiesigeir Humanitätsvereine, des Bndapester Talmudvereines, der Talmud- Thora u. A. Kantor Jakobowits verrichtete den Mincha-Gorresdienst und besorgte den kantoralen Teil der Feier. Rabbiner Dr. Samuel Kohn, der Freund und Amtsbruder des Brautvaters, richtete an die Brautleute eine vom Herzen kommende, wirklich gehaltvolle Ansprache, welche eine mächtige Wirkung erzielte. Hierauf verrichtete Rabbiner Feldmann die vorgeschriebenen Benediktionen und vollzog den eigentlichen Trauakt. Rabbiner Tr. Kohn „als anspruchsloser Cohen" spendete hierauf den Neuvermählten den ahronidischen Segen, worauf die schöne Feier endete. Nach der Trauung war große Gratulationscour im Hause des Rabbiners Feldmann. Beim Festmahle trug der Kischenewer Oberkantor Tkats einige Gejangspiecen brillant vor. D. H. S. Paris Freitag, den 8. Dezember, 4 Uhr nachmittags, ist der Großrabbiner von Frankreich, Zadok Kahn, infolge einer Erkaltung, die er sich vor einigen Monaten zugezogen hatte, gestorben. Mit ihm scheidet eine mit seltenen Geistes- und Herzensgaben ausgestattete Persönlichkeit aus dem Leben, ein Mann, der als Prototyp des wahren Priesters galt und nach jeder Richtung würdig war. an der Spitze des französischen Judentums zu stehen. Es erscheint fast tragisch, daß er gerade in dem Momente seine irdische Laufbahn vollendete, da infolge der Trennung von Staat und Kirche in Frankreich der weitere Bestand der bisher staatlichen Institution des Großrabbinates von Frankreich in Frage gestellt ist. Zadok'' Kahn war am 18. Februar 1839, im Elsaß geboren. 1856 begann er seine theologischen Studien, die er in Paris beendete. Bald darauf wurde er Leiter der Talmudschule. 1862 bestand er die Prüfungen, für die Stellung eines Großrabbiners. 1867 wurde er zum Gehilfen des damaligen Großrabbiners von Paris, Isidor, gewählt. Als dieser Großrabbiner von Frankreich wurde, wurde Zadok Kahn sein Nachfolger. Da er jedoch damals noch nicht 30 Jahre alt war, mußte er bis 1868 warten, bis das Dekret der Regierung vollzogen wurde. Nach dem Tode Isidors wurde er 1890 Großrabbiner von Frankreich. Durch seine Intervention wurden in Frankreich die Komitees zur Unterstützung der> russischen Juden gebildet. Seit 1879 war er Ritter der Ehrenlegion. 1901 wurde er zum Offizier dieses Ordens ernannt. Bukarest. Herr Bernhard Wladowsky, der ausgezeichnete erste Kantor des Tempels in der Strade Synagoga in Bukarest, zelebrierte Samstag, den 26. November, 4 Uhr nachmittags, ein Requiem zum Andenken an die zahlreichen Opfer der Revolution in Rußland. Herr Wladowsky rezitierte einige Kapitel aus dem Talmud, sodann ein Gebet für den König, die Königin und die königliche Familie, ein Gebet für die Seelenruhe des Grafen von Flandern und znm Schluffe ein Gebet für die in so unmenschlicher Weise abgeschiachteten Opfer in Rußland. Der große Tempel, die Damengalerie, wie auch der Hof, waren von einem zahlreichen den besten Kreisen angehörenden Publikum dicht besetzt. Herr Kantor Wladowsky erzielte durch seine Vortragsweise und seine würdevolle sympathische Stimme einen hier nur selten gesehenen Erfolg. In vielen Augen sah man Tränen der Rührung und Begeisterung zugleich. Nach Beendigung des ReMiems wurde Herr Wladowsky von den Anwesenden auf das lebhafteste beglückwünscht. Schicht* feste Spezialität für Wolle und Seide. Gibt auch die schSnste WeiBwäsche

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