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Die Wahrheit · 1905-12-08 · Heft 47 (8.12.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 47 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«Bat'- sJir. 47. Die Wahrheit Seite 7. Aus der Wiener Knllnsgemeinde. ^Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 3. Novenrber 1905, unter dem Vorsitze des I. Bizepräsidenten Herrn Dr. Gustav Ko h u. Beginn 10 Uhr vormittags.) Zu Beginn der Sitzung berichtet der Vorsitzende, daß das Befinden des erkrankten Präsidenten Dr. Stern sich wohl gebessert habe, ihm jedoch noch nicht die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit gestatte. Im Einlaufe befinden sich Dankschreiben der Herren Dr. Alfred Stern, Prof. .Dr. Ehrmann und der Frau Elise G e r s o n für die bekundete Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich von Tranerfällen in ihren Familien. An Spenden sind eiugelaufen: Alfred Meißner für die russischen Juden (Sammlungsergebnis) X 913. Bethausverein „Beth Hachnethelh" als Ergebnis einer Sammlung für die Hinterbliebenen der ermordeten russischen Juden K 448‘IS. K. k. Bergrat Max Ritter v. Gut m a n n als Stipendium für die Schüler der Bibel- und Talmudschule des Bet-ha-Midrasch X 400. Bethausvorstand Ottakring als Ergebnis einer Sammlung für die russischen Juden X 320. Rudolf A u s p i tz für den Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder X 200. Sigmund Landauer für die russischen Juden X 200. Doktor Alfons Thors ch als Stipendium für die Schüler der Bibel- und Talmndschule des Bet-ha-Midrasch X 200. Sammlungsergebnis im Tempel XV. Turnergasse für die russischen Juden X 174.60. Sammlungsergebnis der Humanitären Tischgesellschaft „Lloydhof", II. Praterstraße 13 X 164. Entnahme der Sammelbüchsen im Tempel, II., Temvelgasse, für die Armenanstalt X 44.29, für die Chewra-Kadischa X 63.37, zusammen X 107.66. Familie K a l l m a n n anläßlich des Sterbegedächtnistages der sel. Frau Charlotte Kallniauu für verschämte Arme in Wien X 100. Heinrich Knust a d t spendet das ihm für das Schofarblasen im Stadttempel zukommeude Honorar an Arme X 100. „Anonymus" für fünf leidende Wöchnerinnen X 100. Bernhard Reicher für russische Juden X 50. Siegm. Geiringer für den Erhaltuugsfond der Bersorguugsanstalt X 50. Alois H o f m a n n zur Anschaffung von Heizmaterial X 40, für die Talmud-Thora X 10, zusammen X 50. Bethausverein „Chassidim" für die russischen Juden X 26. Dr. Julius Bach, Gemeinderabbiner, als Ergebnis einer Sammlung für die russischen Juden X 21. Emil B o n d y für einen würdigen Armen X 20. Edmund H e r z f e l d und Oberingenieur Fuchs zum Andenken, an sesnen verstorbenen Bruder rcsp. Neffen, für den Verein zur Unterstützung Brustleidender auf dem Lande X 20. Wilhelm N eu m a nn für das israelitische Spital X 20. R. N. für die russischen Juden X 20. Unter „Am Todestage des Vaters" für die russischen Juden X 10. Frau F. B. für die Brigittenauer Schulküche X 10. Josef Matejker als Kranzablösungsspende für Herrn Tobias Wiesel für Arme (Sammlungsergebnis) X 8.40. „Anonymus" für einen Notleidenden X 6. S. H. für die russischen Juden X 4. Frl. Berta Pappenheim, Frankstrrt a. M., 1 Kraukenfahrstuhl für das Versorgungshaus. Frau K o w a n i tz für die Versorgungsanstalt: 1 Eisenbett, 1 Fauteuil, 1 spanische Wand und mehrere Krankenutensilicu. Im Sinne der durch den Vorstand der Chewra-Kadischa vorgenommenen Wahl wird an Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Isidor Schnabl Herr kais. Rat Leopold Sachs zum Vorftandsmitgliede der Chewra-Kadischa einhellig ernannt. Zum Mitgliede der Bezirkskommission für den I. Bezirk wird Herr Eduard Schwarz berufen. Es gelangt die Zuschrift vom 17. Juli d. I. zur Kenntnis, wonach Herr Baron Albert v. Rothschild als Universalerbe nach seinem verstorbenen Bruder. Herrn Baron Nathaniel v. Rothschild, aus dem von letzterem für wohltätige und gemeinnützige Anstalten testierten Betrage von zwei Millionen Kronen folgende Beträge der Kultusgemeinde zugewiesen hat: K 250.000 zugunsten eines Fondes für arme Rekonvaleszente des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die Zinsen dieses Fonds unter separater Verrechnung als „Nathaniel Freiherr v. Rothschildscher Rekonvaleszentensonds" nach Ermessen der Spitalsdirektion im Sinne des von der Spitalsdirektion entworfenen und von Herrn Baron A l b e r t v. R o t h s ch i l d genehmigten Regulativs Verwendung zu finden haben; K 100.000 für das von der israelitischen Knltusgemeinde zu errichtende Kaiserin Elisabeth-Institut für israelitische Pflegerinnen in der Erwartung, daß durch diese Zuwendung das genannte Institut im Anschlüsse an das Spital der israelitischen Kultusgemeinde nunmehr einer baldigen Aktivierung entgegengehe; L 12.000 zugunsten der Altersversorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, zum Zwecke der Kreierung eines „Nathaniel Freiherr v. Rothschildschen Stiftbettes" an dieser Anstalt. Die Zuwendungen werden mit dem wärmsten Danke zur Keuutnis genommen. Frau Ernestine T h o r s ch hat von jenem Betrage, der anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Philipp Thor s ch, für Wien bestimmt wurde, die Summe vou L 551.000 der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu verschiedenen Zwecken übergeben. Für diese hochherzige Zuwendung wird der Frau Ernestine Thorsch der wärmste Dank votiert. Die Mitteilung des Vorsitzenden, daß der in der Plenarsitzung vom 5. November 1905 beschlossene Ankauf des neben dem Gemeindehause befindlichen Gebäudes, I., Seitenstettengasse Nr. 2, perfekt geworden sei, wird zur Kenntnis genommen. Die Note der Statthalterei, womit der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu einer in der niederösterreichischeu Statthalterei stattfindenden unverbindlichen Besprechung mit dem Vorstande der Floridsdorfer Kultusgemeinde in Angelegenheit der eventuellen Einverleibung der Knltusgemeinde Floridsdorf zur Knltusgemeinde Wien eingeladen wird, wird zur Kenntnis genommen und werden die Herren I. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, II. Vizepräsident kais. Rat Moriz Hirsch und Herr Vertreter Wilhelm K u s s n e r zu dieser Besprechung delegiert. Im Sinne des Antrages der Unterrichtskommission wird beschlossen, an das Unterrichtsministerium das Ansuchen zu j stellen, für die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes j an Mittelschulen, im Erkrankungsfalle eines Religionslehrers,! durch Bestellung von Supplenten Sorge zu tragen. In das Kuratorium der Freiherrlich v. Rothschildscheu Künstlerstiftung werden die Herren Moriz Edler v. Kusfner und Baurat Max Fleischer, in das Kuratorium der Adolf und Therese Sternschen Ausstattungsstistung Herr kais. Rat Moriz Hirsch wiedergewühlt. Für die von dem Gelehrten Salomon Rub er in Lemberg proponierte Raschi-Stiftung, deren jährliche Erträgnisse zur Förderung eines literarischen Zweckes verwendet werden sollen, wird ein Beitrag bewilligt. Nach Erledigung von Personalien und Bewilligung von Subventionen an humanitäre Vereine wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. Zur Jage der Inden in Knsftsch-Polen. Von einem Mitarbeiter unseres Blattes, einem Kultusbeamten in Mähren, wird uns ein Schreiben zur Veröffentlichung überlassen, das er von seiner in Russisch-Polen lebenden Schwester erhalten hat und das ein ergreifendes Bild der Leiden bietet, denen unsere Glaubensbrüder in Rußland ausgesetzt sind. Es hat folgenden Wortlaut: „Liebster Bruder! Mit bebendem Herzen und zitternden Händen greife ich zur Feder, dir in kurzen Umrissen eine Schilderung von unserer gegenwärtigen Lage zu geben. Wie das Vieh in der rohen Hand des Metzgers, so ist unser Leben in der Macht unserer Bedränger. Es fließt unser Blut wie Wasser und rötet den frischgefallenen Schnee. Unser Mut ist gebrochen, unsere Lebenskraft ermattet; wir zittern und wissen nicht, wie und von wo Hilfe für uns kommen wird. Der Kriegszustand ist, wie dir bekannt sein wird, auf alle zehn Gouvernements des Zarentums Polen verhängt. Wer nach neun Uhr abends seine Wohnung verläßt, wird rücksichtslos niedergemacht, und am Morgen geht man mit Angst daran, die Türen wieder aufzuschließen. Bald untersagt man den Bäckern zu backen, bald heißt es wieder, wir müssen frisches Brod bereit haben. Man kommt, man nimmt, und wir stehen wie starr, wie versteinert da und sind noch froh, daß man uns nicht das elende, zur Qual gewordeue Leben noch nimmt. Ein ewiges Schreien und Schießen durchgellt die öde gewordenen Gassen; wir begraben unsere Toten ohne Lärm, ohne Klage, fügen uns ohne Wider-

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