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Die Wahrheit · 1905-11-24 · Heft 45 (24.11.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 45 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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#■ Leite 9. Mch,^,dHß ev auch, gegen die. Blutbeschpldigung der Juden ge? MrieMt M't^ Üeber seine Bedeutung sei auch auf den schönend Mstfej^vpst' LouA .Wnzberg." im dritM Paude der Jewish. -Encyclöpeßie, dem auch ein Bilbniff Csiajes' öeigegeben ist, hingewiesen. ' Weniger und immer wensgev wexden, sie-, die Männer der alten Zeit, die unser armes, vielgeplilgtes'Ujid vielgeschmähtes Judentum mit jener schrankenlosen Begeisterung liebten, die vor keinem Opfer zurückschreckt, selbst nicht vor dem des eigenen Lehens. Und in Rabbi Lö b Groß, dem langjährigen Vorsteher der Preßburger Rabbinerschule, ist wieder ein solcher dahingegangen. Er hat auf dem Altäre des Judentumes Opfer dargebracht, wie selten jemand, Opfer an nahezu allem Lebensgenuß, aller weltlichen Daseinsfreude. Ein reichbegabter Mann, reich an -Kenntnissen und Fähigkeiten, in jeder Hinsicht geeignet, das Leben zu genießen, glücklich zu sein und zu beglücken, gleich pielen anderen weniger Befähigten im Rabbinatssitze einer Gemeinde ein beschauliches, ruhiges Dasein zu führen, der dennoch fast bis an seines Lebens Ende nur Mühen, Sorgen, Arbeit und Entsagung kannte. Und alles dies im Dienste de Judentumes, alles dies in tiefster Bescheidenheit, alles dies mit jener tiefinneren Seelenfreude, wie sie nur die Begeisterung erzeugen kann. Mühe, Sorgen! Ja, die fand Rabbi Löb Groß in seiner verantwortungsvollen, leitenden Stellung in reichstem Maße. War er doch Jahrzehnte lang die Seese dieser altberühmten Schule mit ihren alljährlich 400—500 Schülern, gingen doch all die kleinen nnb großen Anliegen derselben durch seinen .Fopf, war es doch seine Sorge, sie alle entsprechend unterzubringen, die ärmeren mit Kost und Quartiergeld zu versorgen, ihren Studienfortgang zu überwachen. Man muß ihn nur gesehen haben nach so einem „Verhören", das er an den Anfängern allwöchentlich vornahm, triefend vor Schweiß, zu Tode ermattet, Mit durch übereifrige Schüler zerrissenen Kleidern, und doch strahlend vor Freude, wenn der „Spitz vom Maharam-Schifs" richtig herausgefunden worden war. Man muß ihn gesehen haben stets auf der Lauer, wo er eine Gabe für die armen Schüler erhalten konnte. Keine Stunde war ihm zu spät, kein Wetter zu schlecht, konnte er der Rabbinerschule irgendwie dienen. Und Rabbi Löb Groß war auch ein guter, ein seelenguter Mensch von treuem, edlem Charakter, der allerdings nicht immer von jenen gewürdigt wurde, die seine, übrigens seltene, Strenge zu fühlen bekamen. Unerschütterlich fest hielt er zur Familie des Preßburger Oberrabbiners, die einen treuen Anhänger in ihm verloren hat. Nach Tausenden zählen seine Schüler in allen Lebenskreisen, die ihm eine verehrungsvolle Erinnerung bewahren werden. Möge ihm in seinem Wirkungskreise ein würdiger Nachfolger beschieden sein. —r. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Für die russischen Juden.) Das Ergebnis der von der „Israelitischen Allianz zu Wien" zu Gunsten der Opfer der russischen Judenmassakres veranstalteten Spendensammlung betrug bis zum 21. d. M. zirka 385.000 Kronen, in welcher Summe auch die vorläufigen Sammlungsergebnisse der Filialen der „Israelitischen Allianz" in Prag, Brünn, Bielitz und mehreren auswärtigen Kiiltusgemeinden enthalten sind. Die Sammlung wird mit größtem Eifer und auf der breitesten Basis fortgesetzt, damit die „Israelitische Allianz zu Wien" im Vereine mit den verwandten Organisationen in Deutschland, Frankreich, England und Amerika in der Lage sei, den nach vielen Tausenden zählenden Hinterbliebenen der Ermordeten ausgiebige Hilfe zu bieten und den ungezählten, in nahezu 100 russischen Städten wirtschaftlich zugrunde gerichteten Juden zur Wiederherstellung ihrer Existenz zu verhelfen. Wien. (Predigten.) Freitag-Abend, den 24. d. M., Predigt im Leopoldstädter Tempel und in den Gemeindetempeln XV., Turnergasse mnd XVm., Schopenhauerstraße. Wien. (Sonnenth al-Borlesung.) Zu Gunsten der Gesellschaft für 'Sammlung jüdischer Kunstdenkmäler wird der Vizepräsident dieser Gesellschaft, Herr k. k. Hofschauspieler Adolf Ritter v. Sonnen? t h ä l, Donnerstag, den 30. November, 71/a Uhr abends, im kleinen Musikvereinssaale eine Vorlesung halten. Der Abend ist zur Gänze dem Vortrage von Dichtungen Heinrich Heines gewidmet. Zum Bortrage gelangen: 4-. Jehludä ben Halevy. 2^ Belsazer. 3. Prinzessin Sabbath. 4. Donna Clara. 5. Pferd und Esel. FürFreupde des .Dichters und der Kupst Sonnenthals wird dieser Abend sicherlich eilten großen Genuß 'bringen.' Die Mitglieder der Gesellschaft können die ihnetr zukommenden Sitze Donnerstag, den 23. und Freitage den 24- November, 2—4 Uhr, iur jüdischen WufeuM II-, Pratexstraße 23. beheben. Pan diesem Zeit» unkt angefange'n,' erfolgt der Kartenverkauf zu den üblichen Preisen in er Musikalienhandlung Hugo Kepler, I., Habsburgergasse 2, Ecke stirahen. ‘ Wien. (Verband der israelitischen Religionslehreranden österreichischen Mittelschulen.) Die fünfte Generalversammlung dieses Perbandes findet Mittwoch und Donnerstag, den 27. und 28. Dezember d. I., 10 Uhr vormittags, in der Religionsschule der israelitischen Knltusgemeinde (I., Seitenstettengaffe 2) mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht des Obmannes über die Tätigkeit des Ausschusses in der abgelaufenen Vereinsperiode. 2. Bericht der Kasiaverwaltung. 3. Bericht der Revisoren. 4. Neuwahl des Ausschusses. 5. Neuwahl der Revisoren. 6. Vorträge und freie Anträge. (Die Themen der Borträge, sowie etwaige Anträge sind bis spätestens 10. Dezember beim Obmanne, Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, XVIII., Hofstallgasse 27, anzumelden.) Spezielle Einladungen werden den Herren Kollegen baldigst zugesendet werden. Wien. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" findet Samstag, den 25. November, 7 Uhr abends, im Losesaale des kaufmännischen Vereines. I., Johannesgasse 4, statt. Wien. Im Tempel der türkische» Gemeinde fand Donnerstag, den 16. d. M., ein Trauergottesdienst für die russischen Jude,! statt. Nachdem Oberkantor Bauer Psalm 49 von Jos. Goldstein mit Chor unter Leitung des Dirigenten Kantor L ö w i t vorgetragen, hielt Rabbiner P a p o die Gedächtnisrede. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" wird Sonntag, den 26. d. M., seinen ersten diesjährigen literarischen Nachmittag abhalten. Referent ist Herr Dr. Eg. M. Zweig. Beginn präzise 4 Uhr nachmittags im Kongreßsaale, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der Brigittenauer Beihausverein „Schomer Hadath" veranstaltete Sonntag, den 20. d. M., eine ergreifende Trauerandacht für die Opfer der russischen Maffakres. Die Räume des Vereines waren von Männern und Frauen dicht gefüllt und mährend der Reden des Magid Herrn Schulmann und des Obmannes Herrn Sig. Dickst ein, insbesondere aber als Herr Kantor Josef Grob mit tiefer Empfindung die rituellen Seelengebete rezitierte, flössen reichliche und heiße Zähren. Wien. Im Vereine der Religionslehrer „E s r a", I., Seitenstettengasse 2, 2. Stock, wird Herr k. k. Religionsprosessor Dr. Adolf Weiß, Samstag, den 25. d. M., V28 Uhr abends, einen Vortrag über das Thema „Der Unterricht in der biblischen Geschichte" halten. Wien. Der Verein zur Bekleidung und Unterstützung alter Männer isr. Konfession veranstaltete Mittwoch, den 15. d. M., sein Bekleidungsfest im Festsaale der Fruchtbörse. Unter den Gästen bemerkte man Polizeileiter K e n d e, Bezirksvorsteher N i e b a u e r, die Bezirksräthe Mensch und Neustadl, Armenrat Jos. Pollak, die Rabbiner Dr. Schmiedl, Dr. David, Kultusvorsteher Bezirksschulrat Dr. Mark. Spitzer, Tempelvorsteher W a s s e r v 0 g e l und S ch r a m e k, die Oberkantoren Guttmann und Bauer, Ortsschulrat Jos. Fuchs u. v. A. Die Feier begann mit der Aufführung einer vom Kantor Isidor L ö w i t dem Vereine gewidmeten Festhymne, welche von einem Mänuerchore unter Leitung des Komponisten exakt zum Bortrage gebracht wurde. Hierauf trug Herr Fritz Albert, in Vertretung des erkrankten Schauspielers Herrn Th. Weiß, das von Herrn Rabbiner Dr. Schmiedl gewidmete Festgedicht „Der Traum des Patriarchensohnes" wirkungsvoll vor. Der verdienstvolle und beliebte Obmann des Vereines, Herr Isidor Schwarz, begrüßte die erschienenen Festgäste, dankte insbesondere dem anwesenden Ehrenmitgliede Rabbiner Dr. Schmiedl für seine außerordentliche Teilnahme an den Jntereffen des Vereines und berichtete über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre. Der Leitung ist es in diesem Jahre gelungen, 125 alte Männer zu bekleiden, aber ttotzdem mußten viele Gesuche wegen Mangel an Mitteln abgewiesen werden. Nach einer mit vielem Beifalle aufgenommenen Gesangspiece des Oberkantors B. Guttmann hielt Rabbiner Dr. Schmiedl, stürmisch akklamiert, die Festrede. Kultusvorsteher Dr. Mark. Spitzer dantte hierauf im Namen des Kultusvorstandes der Vereinsleitung für ihr ersprießliches Wirken. Zum Schluffe führte der Chor einen Mendelssohn'schen Psalm auf, in welchem Oberkantor Bauer das Tenor-Solo sang. Wien. Am 15. d. M., 4 Uhr nachmittags, fand in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", Wien, H., Leopoldsgasse 29, eine Trauerandacht erhebendster Art für die grausam hingemordeten Juden in Rußland statt. Im Beisein des gesamten Vorstandes und eines zahlreichen Publikums wurde die Totenfeier mit dem Psalm 49, vom Oberkantor Herrn M. S ch 0 r r und seinem vortrefflich geschulten Chor meisterhaft vorgettagen, eingeleitet. Hieraus bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M a y e r s 0 h n die Kanzel, um all dem Jammer und dem Elende, welche unsere Brüder im Zarenreiche heimsuchten, in erschütterndster Weise Ausdruck zu geben. Mit dem ttänenerstickten Rufe: „U’sseschuwoh, U’thefiUph, U’zedokoh mawirin es raua hagseroh", schloß der Rabbiner seiuer

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