Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 44 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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;h'r. 44. Seite 10. Die Wahrheit mitGeistlichen an derSpitze. zogen in den Tempel und | feierten mit den Inden die Verbrüderung im jüdischen Tempel. Ich kann es noch immer nicht glauben, nicht fassen, daß das alles kein Traum ist, denn ich war vor einigen Tagen in Warschau und. habe buchstäblich Hunderte Meuschen ermordet und verstümmelt aus den Straßen herumliegen gesehen!" 8. London ^Aktion für die russischen Jude n.) Am 14. d. M. fand unter dem Vorsitz Lord Roths ch i l d s eine Konferenz statt, in der über die Art der Verteilung der für die notleidenden russischen Juden g e s a m m e l t e n Gelder beraten wurde. Die Konferenz beschloß, mit den Ueberweisungen an Baron G L n s b e r g, der für die Verteilung der Gelder sorgen soll, fortzufahren, ferner die Entsendung einer ans drei Mitgliedern bestehenden Kommission vorzunchmen, die die von den Unruhen betroffenen Städte besuchen soll. Ferner wurde beschloffen, ein Zentral-Jnformationsburean in Berlin zu errichten, das detaillierte Meldungen über die Bedürfnisie jeder Ortschaft sammeln soll, um eine den Verhältnissen entsprechende Verteilung zu sichern. Jedes Komitee aus dem Kontinent soll die Kontrolle über die Gelder, die es ausgebracbt hat, beibehalten, aber anordnen,' daß der gegenwärtige Ueberschuß aller Gelder durch das Bankhaus S. M. Rothschild Sons überwiesen oder zur Verfügung dieser Firma gehalten werde. Newyork. Das amerikanische Hilfskomitee hat die erste Million zur Unterstützung der russischen Juden nach Europa abgesendet. Feuilleton. Ier Emigrant. Von M. Markstein. (Fortsetzung.) Auch er war nicht minder aufgeregt, das Blut rollte ihm stürmisch durch die Adern und er fühlte sein Herz heftig pochen. Endlich faßten sie sich beide, sie wurden etwas ruhiger und Orlof begann mit bebender Stimme die Empfindungen seines Herzens und die reine Liebe, die er schon lange für sie hege, zu offenbaren. Sie fei sein Ideal, sein Alles, und er habe den festen Entschluß, um ihre Hand anzuhalten, und hoffe, daß ihre Eltern ihm dieselbe gewähren werden. Er beabsichtige nicht mehr ins Ausland zu gehen, denn ohne sie irgendwo zu weilen, wäre für ihn ewige Nacht, sie sei die Sonne seines Lebens. Er werde seine reichen Eltern bewegen, ihm so viel Feld und Acker anzukaufen, daß er ihr ein sorgenloses Leben bereiten und auch ihren geliebten Eltern den Abend ihres Lebens werde reichlich entlohnen können. Anna ergriff seine Hand und sprach mit wehmutsvoller Stimme: ..Deine Liebe hat lange schon aufrichtige Gegenliebe in meinem Herzen erweckt, die ich Dir in dieser ernsten, feierlichen Stunde gestehen muß, aber bedenke und erwäge, daß ich eine arme Waise bin, die in der zartesten Kindheit ihre Eltern verlor. Meine arme, unglückliche Mutter ging in Sibirien elend zu Grunde, mein Vater ist seit dreizehn Jahren nach Amerika ausgewandert und bis nun gab er kein Lebenszeichen von sich. Diese meine Eltern sind blos meine Pftegeeltern, die sich meiner erbarmten, mich zu sich nahmen und erzogen, denen ich mein Alles zu verdanken habe. Ich bin daher eine arme, nur auf Gnade angewiesene Waise, die Dir nichts mehr bieten kann, als ein für Dich warm schlagendes Herz. Du hingegen hast reiche, angesehene Eltern, bist ihr einziges Kind, für welches sie gewiß auch ein reiches, von vornehmer Familie stammendes Mädchen bestimmt haben, und daher werden sie wohl zu Deinem Herzensbündniffe ihre Einwilligung nicht geben. Sollte es aber der glückliche Zufall fügen, daß Du Erhörung bei Deinen Eltern findest, dann erst halte um meine Hand an, die ich Dir auch mit Freuden reichen werde." Orlof bedeckte ihre Hand mit heißen Küssen, drückte dieselbe an seine stürmisch bewegte Brust und sprach: „O, Du holdes, süßes Wesen, das durch Schönheit und noch mehr durch Weisheit strahlt, Du gibst mir Hoffnung und weisen Rat, den ich befolgen und gleich in Ausführung bringen werde. Heute noch schreibe ich an meine Eltern, und mit Gottes Hilfe wird der Erfolg ein guter sein." Der glückliche Jüngling verabschiedete sich herzlich von Anna, ging nach Hause und schrieb an seine Eltern einen langen, ausführlichen Brief, in welchem er ihnen ein klares Bild seiner Herzensangelegenheit entwarf, seinen unabänderlichen Entschluß mitteilte und flehentlich bat, ihm ihre Einwilligung und ihren Segen zu seiner Brautbewerbung zu geben. Orlofs Eltern fielen beim: Durchlesen des Schreibens ihres Sohnes wie . aus dem Wolken. Er war kaum 23 Jahre alt, hatte die juridischem Studien . zu beendigen, und nun wollte er dieselben, aufgeben und sich der Agrikultur ziuvenden, um sich auf österreichischem Boden ein Heim zu begründen und ein armes, elternloses Mädchen zu freien. Anfangs konnten die Orlofs sich gar nicht, mit diesem Vorhaben vertraut machen, aber nach längerer, reifer Ueberlegung siegte die Elternliebe zu ihrem einzigen Kinde über jedes Bedenken und Hindernis. Sie gaben ihre Einwilligung, zur bevorstehenden offiziellen Verlobung ihres Sohnes und der Vater richtete an Jakob folgenden Brief: „Lieber Freund und braver Landsmann! Der Gott unserer Väter hat es auf wunderbare Weise gefügt, daß mein einziger Sohn Deine reizende Pflegetochter kennen lernte, in Liebe für' sie entbrannte, ihr Herz bereits gewonnen har und sein einziges Verlangen und Streben jetzt ist, sie ganz und auf ewig zu besitzen. Ich gebe meine Einwilligung dazu, daß mein geliebter Sohn um die Hand seiner Auserkorenen freie. Das Glück meiner Kinder, daß sie frei von Nahrungssorgen und anständig werden leben können, werde ich mit Gottes Hilfe begründen. Auch werde ich Alles anwenden, um persönlich diese so wichtige Angelegenheit zu ordnen, meine liebe Anna an der Seite ihres glücklichen Bräutigams und dessen nunmehr zweite Eltern sobald als möglich kennen zu lernen. Mit diesem innigen Wunsche^ begleitet vom herzlichsten väterlichen Segen, rufe ich Euch Allen aus weiter Ferne Glück auf und viele Grüße zu. David Orlof, Kaufmann erster Gilde in N." Wie glücklich war Jakob nach Erhalt dieses Briefes! Er frohlockte über das unerwartete Glück seiner Pflegetochter, diesich vor Freude kaum fassen konnte, ihrer Mutter um den Halsfiel und ihr mit heißen Tränen für die bis nun so reichlichempfangeuen Wohltaten dankte. Die Freude im Hause Jakobe wurde aber noch größer, als der glückliche Orlof, der ebenfallsein Schreiben von seinem Vater erhalten hatte, abends mit einem schönen'Blumenbouquet in der Hand, festlich gekleidet m die Hütte trat und bei Jakob und Marie um die Hand ihrer Tochter warb, die ihm nun huldvoll gewährt wurde. Jetzt erst trat er zu Anna heran und begrüßte sie aufs innigste. Freudestrahlend, im Glücke einer Königin gleich, deren Schönheit! jeden bezaubern mußte, bot sie ihm lächelnd ihre Hand, dievon nun an ihm auf ewig angehöreu sollte. Bald darauf luden Jakob und Marie ihre Freunde und gewöhnlichen Gäste zu sich ein, und die Verlobung ihrer Tochter mit dem jungen Orlof wurde diesmal nicht blos mit einem einfachen Tee, sondern mit einem reichlichen Mahle gefeiert, das erst spät um Mitternacht ein Ende nahm. Die Hochzeit der Verlobten wurde auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben und man wartete die Dinge ab. die noch folgen sollten, besonders war die von Orlofs Eltern in Aussicht gestellte Herkunft von großer Wichtigkeit und Bedeutung. Die Verlobten und Verliebten verbrachten einstweilen die Zeit in ungetrübter Freude. Anna ging ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nach und Orlof lernte die Feldwirtschaft unter der Leitung Jakobs, der ihm seine väterliche Sorge und weisen Lehren auf jedem Schritt und Tritt angedeihen ließ. (Schluß folgt.) „Punsch-Malender 1906." (Verlag der Hofbuchhandlung M. P e r l e s. Herausgeber: C. S ch ö u w a l d.) Seit 37 Jahren begrüßt in witziger heilerer Form der „Punsch-Kalender 1906" als Neujahrsgabe das herankommende Jahr mit interessanten Beiträgen von beliebten, Schriftstellern, wie: Julius Stettenheim, Julius Bauer, Vinzenz. Chiavacci, Moriz B o u d, Julius L ö w y, E. Nascher und Anderen. 37 Jahre immer heiter, immer anregend, wohl eine Erscheinung, die auf einen großen Kreis von Freunden berechtigten Anspruch erheben darf. Das sehr hübsch ausgestattete Jahrbuch ist um den geringen Preis von 80 Hellern durch alle Buchhandlungen zu beziehen. 035 beste Getränk u.Nahrungsmiltel fürfiebernde Kranke ist Ceres-Apfelsaft ,der Nährmittelwerke „GER ES" Aussig