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Die Wahrheit · 1905-11-10 · Heft 43 (10.11.1905) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 43 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 43. alter Männer" im Saale der Produktenbörse, II.. Taborstraße 15, mit folgendem Programme statt: 1. Präludium, Herr Willi 8 ö nj.it 2. Festchor, komponiert und dem Vereine gewidmet vom Kantor und Chordirigenten I. L ö w i t, gesungen von den vereinigten Männerquartetten des Leopoldstädter und türkischen Tempel-Chores, unter .gefälliger Mitwirkung des Chordirigenten Herrn Julius Heim an n. Solo: Herr Oberkantor Belo G u t t m a n n. 3. „Der Traum des Patriarchensohn." Fest-- j gedicht anläßlich des Bekleidungsfestes, verfaßt vom Ehrenmitgliede unseres! Vereines Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmied l, gej sprachen von Herrn Th. Weiß, Mitglied des Deutschen Vvlkstheaters. 4. Begrüßung durch den Präsidenten Herrn Isidor Schwarz. 5. Festrede, gehalten von Sr. Ehrwürden Dr. Adolf Schmied!. 6. Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Bela G u t t m a n n. 7. Schlußgesang yon Herrn Oberkantor Jakob Bauer und dem Männerchor. 8. Ausspeisung der 125 Greise. (Mit Ausschluß der Oeffentlichkeit). — Verteilung der Kleider au die armen alten Männer. — Das Harmonium wurde von der Firma Bernhard K o h n in munifizenter Welse beigestellt. Znaim. Sonntag, den 5. November feierte der hiesige Israel. Frauenwoh ltärigkeits-Verein sein 25-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlasse erschienen vormittags bei der allseitig beliebten verdienstvollen Präsidentin, Frau Louise Brüll, die Vorstandsdamen,um ihr eine kunstvoll ausgestattete Ehrenadresse feierlichst zu überreichen. Die Vize- Präsidentin, Frau Julie Pisker, gratulierte im Namen des Ausschusses, daraufhin verlas die Schriftführerin, Frau Dr. Helene Kahan, die Adresse. Nachmittags 1j.A Uhr fand ein Festgottesdienst statt. In dem festlich beleuchteten Tempel erschienen der Gesamtvorstand der Kultusgemeinde mit dem Vorsteher Herrn Herrmaun Steiner an der Spitze, der Vorstand der Ehewra Kadischa mit semem Obmanne Herrn Jakob S chidlosf. In dem dichtgefüllten Tempel waren sämtliche Mitglieder der Kultusgemeinde, alle Mitglieder des Frauenvereines, sowie viele illustre Gäste anwesend. Nach feierlichem Empfang der Präsidentin wurde sie von den Vorstandsdamen während eines Orgel-Präludiums zu ihren: dekorierten Sitz geleitet. Mit einem Fcstchor von Sulzer begann die erhebende Feier. Hierauf hielt Rabbiner Dr. I. Kahau eine gehaltvolle Festrede, in der ec so wunderbar auszuführen wußte, wie unsere Religion über Israel, über die Frauen und über die Wohltätigkeit denkt. Mit großer Begeisterung lauschte die Festversammlung seinen Worten, die einen Widerhall in den Herzen der Zuhörer fanden. In den Festchören sang Kantor S. Handgriff mit schönem Vortrag die Solis, wobei seine angenehm klingende Baritonstimme voll zur Geltung kam. In besonderer Liebenswürdigkeit sang Frau Adrienne Spitzer mit ihrer mächtigen, schönen Stimme in den Chören mit, die dem gut geschulten Damenchor zum Erfolge verhalfen. Zum Schluffe würdigte Herr Vorsteher Herrmann Steiner die Verdienste des Vereines und der Präsidentin, gedachte in rührenden Worten zweier verdienstvoller verstorbener Borstandsdamen, Frau Babette Pisker und seiner Gattin Frau Laura Steiner, welche durch viele Jahre Schriftführerin des Vereines war. Seine Rede klang in ein Hoch aus unseren erhabenen Monarchen aus, worauf der Chor die Volkshymne sang. Damit schloß die schöne Feier, die uns noch recht lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Frau Dr. Helene Kahan, in deren Händen das ganze Arrangement der so gelungenen Feier lag, wurde allseitig zu dem großen Erfolge beglückwünscht. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß der Verein anläßlich des Jubiläums alle Armen der Gemeinde beteiltc und 1000 Kronen stiftete, deren Zinsen alljährlich zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet werden sollen. Lemberg. Der vakante Rabbinatsstuhl in Lemberg wird von vielen Rabbinen umworben, allein maßgebende Persönlichkeiten halten nur eine Kandidatur, u. zwar die des berühmten Talmudisten Rabbiner Dr. Horo witz aus Stanislau, als die allein mögliche und würdige. Rabbiner Horowitz, der nicht nur ein hervorragender Talmudist, sondern auch mit großem profanen Wiffen ausgestattet und ein vorzüglicher deutscher Redner ist, entstammt einer Rabbinerfamilie, welche hunderte Jahre den Rabbinatsstuhl in Stanislau innehatte. Allein diese Persönlichkeit ist zu selbstbewußt, um zu kandidieren, sie müßte vielmehr vom Kultusvorstande Lembergs eingeladen werden. Eine Lösung der Rabbinerfrage in diesem Sinne würde nicht nur das Ansehen des altehrwürdigen Lemberger Rabbinates aufrecht erhalten, sondern auch viel zur Kräftigung des Judentums und der jüdischen Lehre in unserer Gemeinde beitragen. Mailand. Auf seiner Besitzung bei Reggio ist Baron Raymondo Franchetti, einer der reichsten Grundbesitzer und Industriellen Italiens, gestorben. Er hat ein Alter von 67 Jahren erreicht und war seit 1858 mit Freiin Luise v. Rothschild, einer Schwester des Baron Albert Rothschild, verheiratet. Der Emigrant. Bon M. Markstein.- (Fortsetzung.) Als der Flüchtling seine Erzählung beendigt hatte, wischte er sich seine Stirn und Augen ab, drückte sein Töchterlein, sie hieß Anna, noch fester an seine stürmisch bewegte Brust und bat nun um Rat, wie er nun seine weite Reise übers Meer machen und was er mit seiner Anna beginnen solle. Jakob und Marie, von Mitleid gerührt, erboten sich, da sie selbst kinderlos seien, die kleine Anna an Kindesstelle zu übernehmen, sie zu pflegen und zu erziehen, und ihn ermunterten sie, ungestört und ungehindert die Reise nach Amerika zu unter-- nehmen. Sie versahen ihn hierauf mit Reisekarten, gaben ihm weise Verhaltungsmaßregeln mit und begleiteten ihn auch späten zur Bahn. Unter Tränen nahm er Abschied von seinem Kinde und seinen neuen Eltern, denen er seine Dankbarkeit zu bezeugen jetzt nicht imstande war, aber er versprach, das dereinst von. ganzem Herzen zu tun. Mit schwerem Herzen reiste er endlichab und langte nach einer mehrwöchentlichen Fahrt glücklich undwohlbehalten in Amerika an, von wo er, bis auf einen Briefe nicht mehr schrieb und nichts mehr von sich hören ließ. Die kleine Anna gewöhnte sich bald an ihre Pflegeeltenn die sie auch mit besonderer Zärtlichkeit liebten. Anna entwickeltesich herrlich, nahm an Körper und Verstand zusehend zu, undnach Verlaus dreier Jahre konnte sie schon die Schule besuchen.. Sie war hier fleißig und brav und machte schöne Fortschritte,, was auch Marie unendlich freute, deren größtes Vergnügen: nach vollendeter, schwerer Tagesarbeit war, sich mit der Kleinen, zu beschäftigen und ihr bei den Aufgaben behilflich zu sein. Auch Jakob war nicht minder erfreut beim Anblicke seiner Pstegetochter, die täglich an Schönheit gewann und sich zn einem reizenden Mädchen entwickelte; er sah mit Stolz auf sin und war glücklich zu vernehmen, daß sie zu den besten Schülerinnen gezählt wurde. Nach vollendetem vierzehnten Lebensjahre hatte sie die- Schule beendigt, und war in jeder Beziehung eine vollkommen entwickelte Jungfrau. Niemand hätte geglaubt, daß sie in diesem Alter stand, und ihre auffallende Schönheit lockte beizeiten schon so manchen jungen Mann in Jakobs wohlbekanntes, gast-- freundliches Haus, wo Anna einem Engel gleich hauste. Sie wan von schlankem Wüchse, besaß eine edel geformte Taille, einen üppigen Busen, veilchenblaue Augen, schwarze Locken, die auf ihren milchweißen Nacken Herabflossen, und einen kleinen Rosenmund mit zwei Reihen blitzender Perlen. Dabei war sie ein bescheidenes, sanftes, seelengutes Mädchen, folgsam, arbeitsam und behilflich bei jeder Arbeit ihrer Pflegeeltern, deren alleiniges Sinnen und Denken auf das Wohl ihrer Pflegetochter gerichtet war- Die Zusammenkünfte und Teeabende im Hause Jakobswaren jetzt häufiger und interessanter und brachten auch manchen. Freier, der sein heißes Verlangen nach der reizenden Anna richtete, die kaum den Kinderschuhen entwachsen war. Allein das juuge Herz des unschuldigen Kindes fing trotz der strengen Aufsicht der Pflegemutter Feuer und erwiderte die Gegenliebe eines jungen, herrlichen Mannes, eines Akademikers, namens Orlof,. der aus Rußland sich nach Oesterreich geflüchtet hatte, um nach der Schweiz zu fahren und dort seine Studien zu vollenden- Orlof war der einzige Sohn sehr wohlhabender Eltern in Rußland, die alles aufboten und keine noch so großen Opfer scheuten, um nur nicht ihr Kind in der russischen Soldatenuniform sehen, zu müssen. Der junge Mann wurde in das Haus Jakobs ein,, geführt, der sich besonders gegen Russen, seine einstigen Landsleute und Leidensbrüder, leutselig und zuvorkommend benahm: und auch Orlof aufforderte, recht häufig zu kommen, was diesen auch mit der größten Bereitwilligkeit tat. An einem Nachmittag, als Jakob bei der Feldwirtschaft und Marie im Garten beschäftigt waren, saß Anna ganz allein zu Hause beim Stickrahmen. Da erschien Orlof unerwartet^, verneigte sich höflich und reichte Anna die Hand mit einem freundlichen Gruße, welcher durch einen warmen Händedruck' erwidert wurde. Beide sahen sich lange schweigend an, endlich legte sie die Arbeit weg und lud ihn zum Sitzen ein. Orlof merkte, daß in ihrem Innern etwas vorgehe, denn ihr schönes Gesichtchen wurde bald blaß, bald färbte es sich schöner als je- (Fortsetzung folgt.) 038 bebte Getränk u.Nahrungsmittel fürfiebernde Kranke isj Ceres-Apfelsaft der N ä h r m i fte I w e r k e „ C E R ES" A u ssi g

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