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Die Wahrheit · 1905-11-03 · Heft 42 (3.11.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 42 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42. Die Wahrheit Seite 7. anderen Bürgern die Lasten des Dienstes in der Nationalgarde getragen haben und noch tragen, daß sie also der Sache der Freiheit mit Eifer gedient haben, daß die Aufführung, deren sie sich stets befleißigt haben, die Tugenden, die, wie man weiß, sie im Verborgenen üben, und daß die Beweise, die sie als gute Bürger und Brüder für ihre ganze Hingebung an das öffentliche Wohl gegeben haben, im höchsten Maße zu ihren Gunsten sprechen; in Erwägung weiter, daß-viele Inden, die seit einer Reihe von Jahren in Paris wohnen, sich in dieser großen Stadt ein Wohlwollen erworben haben, das seinen Grund hat in ihrem Eifer, die Bürgerpflichten zu erfüllen, ihrer Zuverlässigkeit in den geschäftlichen Verpflichtungen, ihrem exemplarischen Verhalten und ihrer Betätigung während der augenblicklichen Revolution u. s. w." Das Wort führte der Vorsitzende des Gemeinderates, der Abbs Mnlot, dem lebhafter Beifall gespendet wurde. Aber die Versammlung war mit anderen Fragen beschäftigt, und der Antrag wurde wieder vertagt. Am 9. Mai 1791 richteten die Inden von Paris ein neues Gesuch an die Versammlung, in welchem sie baten, definitiv über ihr Schicksal zu entscheiden. Endlich nach allerlei weiteren Verschleppungen wurde in der Sitzung vom 27. September 1791 der Beschluß gefaßt, durch welchen alle in Frankreich geborenen und wohnenden Inden naturalisiert wurden. Und eben emanzipiert zeichnen sie sich durch ihre Tätigkeit und ihre Begabung aus. Während der nun folgenden schrecklichen Jahre, der Schreckenszeit, nahmen sie Stellungen ein in der Miliz, in den städtischen Körperschaften u. s. w. Aber nicht ein Jude befand sich im Sicherheitsausschuß, nicht einer im Mevolutionstribunal. Da wir die Denkweise der Antisemiten aus Erfahrung -genau kennen, wissen wir auch, daß sie sagen werden: Seht Ihr, da sind die Juden wieder im Revolutionslager, hier wie in Rußland, wie überall. So ist es denn doch nicht. Die Juden sind hier wie in 'Rußland, wie zur Zeit der Revolution in Amerika, genau wie alle Anderen in beiden Lagern zu finden. Bon der geringen 'Anzahl Juden, die es damals in Paris gab, sind sechsundvierzig als „verdächtig" in Haft genommen und neun sind zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Zwei Söhne Lifmann Calmers starben auf dem Schaffot und ihre Schwester Sarah hatte das -Glück, im Gefängnis vergessen zu werden, und der 9. Thermidor rettete sie vor der Guillotine. Den Finanzen der Republik kamen die Juden mit Geldopfern zu Hilfe, und als der Feind das Vaterland bedrohte, verdoppelten sie ihre Gaben. Im Interesse der nationalen Verteidigung plündern sie ihre Synagogen. Sie greifen zu den Waffen, organisieren Freischaren und sie eilen an die Grenze, das Vaterland zu verteidigen. Als die Revolution vorüber war, widmeten sich die Juden, deren es damals dreitausend in Paris gab, der Wissenschaft und nützlichen Berufen und mehrere erlangten Ruf und Bedeutung. Unter Napoleon hatten die Juden anfänglicki die Aufhebung ihrer Gleichberechtigung zu befürchten. Er war ihnen, nach dem Verfasser der Artikelserie im „Hnivsr8 iZraölits^, der wir obige Daten entnommen haben, feindlich gesinnt und aus dieser Gesinnung heraus berief er eine Versammlung der Juden, die am 26. Juli 1806 im Rathause zusammentrat. Als diese ihre Aufgabe beendet hatte, berief der Kaiser eine neue Versammlung, das große Sanhedrin. Als die Versammlung ihre Arbeiten beendet hatten, baten die jüdischen deputierten um eine Audienz beim Kaiser, der sie aber nicht empfangen wollte. Bald erließ er auch Dekrete, die keinen Zweifel zuließen, daß er nicht gut auf die Juden zu sprechen war. Das schlimmste dieser Dekrete war das vom 17. März 1808, welches auf die Dauer von zehn Jahren die Handelsfreiheit der Juden arg beschränkte und nur die Juden in der Gironde und noch in einem anderen Bezirk davon ausnahm. Da schrieb der Minister des Innern Crötet an den Kaiser und bat ihn, auch den Pariser Juden die Vergünstigung zuteil werden zu lassen. Das Schreiben ist sehr bemerkenswert. „Eure Majestät," " es in demselben, „werden sehen» daß das Betragen d uden zu keiner Art von Unzufriedenheit L . ß gegeben hat. Der Herr Polizeipräfekt bemerkt, da n 2543 Juden, die in der Hauptstadt wohnen, nur viel sich mit Wuchergeschäften abgegeben haben, indem sie gegen Wechsel und Pfand Geld liehen. Mehr als 150 Pariser Juden dienen in diesem Augenblick in Eurer Majestät Armee entweder als F r e i w i l l i g e, als Konskribierte, oder als Stellvertreter. Man kennt nicht einen Deserteur unter ihnen, nicht einen Ungehorsamen, mehrere sind zu Offizieren befördert, mehrere mit dem Kreuz der Ehreale g i o n dekoriert worden. Fast zweihundert jüdische Kinder sind in diesem Augenblick in der Lehre bei verschiedenen Handwerkern. Man weiß von einigen, daß sie sich dem Studium der Medizin, der Jurisprudenz, der Malerei, der Kupferstecherkunst, der Uhrmacherkunst widmen." Auf Grund dieses Schreibens wurden denn auch die Juden von den Bestimmungen des oben erwähnten Dekrets vom 17. März ausgenommen. So viel, was im Hinblick auf die augenblickliche Lage der Juden in Rußland in Erinnerung gebracht zu werden verdient. Es scheint uns nicht zu viel verlangt, daß man in Rußland im XX. Jahrhundert endlich tue, was man im XVIII. Jahrhundert in Frankreich getan, und so unerträglichen und für ganz Rußland verderblichen Zuständen ein Ende mache. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dem Chefredakteur des „Fremdenblatt", Hofrat Doktor Marcell Frydmann, und dem Großindustriellen Bernhard Wetzler, Generalrar der Anglo-öfterr. Bank, wurde das Komturkreuz des Franz Josrfs-Ordens verliehen. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde.) Die Einschreibungen für den Unterricht der Bibelfchule der israelitischen Kultusgemeiilde, 11., Rembrandtstraße 34, finden Mittwoch, den 1. November d. I., von 2-4 Uhr nachmittags und Sonntag, den 5. November, von 10—12 Uhr vormittags im Schullokale, II., Rembrandtstraße 34, statt. Wien. Wie alljährlich wurde auch heuer nach dem Ablaufe der Feiertage in festlicher Weife der Beginn des Jugend-Gottesdienstes begangen. Samstag, den 28. Oktober, 3 Uhr nachmittags, fand sich im Stedttempel ein zahlreiches Publikum ein. Alle Räume des in festlicher Beleuchtung erstrahlenden Gotteshauses waren dicht besetzt von Schülern sowie deren Eltern und Angehörigen. In erhebender Weise exekutierte Herr Oberkantor Singer das „Äs. towu“, worauf dann nach Einheben der Thora vor geöffneter Bundeslade die Volkshymne gesungen wurde. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann eine erhebende Ansprache an die Schuljugend, die tiefen Eindruck hervorrief. Wien. Unser geschätzter Mitarbeiter, HerrAdolf Steinschneider, II., Rembrandtstraße 32, begeht am 18. d. M., mit seiner gleichfalls an Geist und Körper rüstigen Gattin das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Dem wackeren Jubelpaare wird es aus diesem Anlasse sicherlich an mannigfachen Ovationen nicht fehlen. Wien. Dienstag, den 31. Oktober, ist hier Frau Betty S t r a s s e r, geb. S o r e r. die Witwe nach dem anfangs dieses Jahres verstorbenen Vanquiers Herrn Michael S t r a s s e r, nach längerer Krankheit, im 79. Lebensjahre verschieden. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 2. November, 10 Uhr vormittags, vom Trauerhause, IX., Frankgaffe Nr. 4, statt. Wien. (R a b b i n e r w a h l.) Der Vorstand des Bethausvereines „Am Volkert", II., Fugbachgasse 7, hat in seiner am 25. Oktober stattgehabten, durch Heranziehung von Vertrauensmännern verstärkten Sitzung Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner I. L. A b e l e s, Vater des Gemeinderabbiners Dr. A b e l e s, Schwiegervaters des Josesstädter Rabbiners Dr. Bauer, mit stimmeinhelligem Beschlüsse zum Rabbiner gewählt. In verschiedenen Predigten und Vorträgen, welche Herr Rabbiner Abeles seit dem letzten Peffachfeste in dem genannten Bethause abgehalten, hat sich derselbe nicht nur als gewandter Homiletiker, sondern auch als tüchtiger Kenner des talmudischen und rabbmischen Schrifttums erwiesen, der die Erwartungen und Anforderungen des auf konservativer Grundlage stehenden Fugbach-Bethausvereines sicherlich nicht täuschen wird. Schon während seiner bisherigen Wirksamkeit als Bereinsrabbiner der „Spiegelschul" hat sich Herr Rabbiner Abeles, der ein Schüler der beiden Talmudkoryphäen „Kstab Sofer" und Rabbi Mayer Perls und ein Enkel des Rabbi Moses Perls ist, durch sein bescheidenes, konziliantes Wesen zahlreiche Freunde und Gönner zu erwerben gewußt. Die feierliche Amtseinführung des neuen Rabbiners findet Samstag, den 11. November, bei dem Mussaph-Gottesdienste statt. Wieu. (Erster Wiener jüdischer Turnverein.) Mitte September wurde der volle Turubetrieb wieder ausgenommen und weist der Besuch der Turnstunden eine erfreuliche Zunahme der Turner und Turnerinnen auf. Turnstunden für Herren sind Montag und Donnerstag von 7V2 Uhr bis 9 Uhr, das Damenturnen findet Mittwoch und Samstag von 7 Uhr bis 8lL Uhr abends statt. Das Kinderturnen wird am

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