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Die Wahrheit · 1905-10-27 · Heft 41 (27.10.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 41 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 41. Budapest. Der außerordentliche Erfolg, welchen die im Henrigen Frühjahr arrangierte israelitische Reisegesellschaft nach dem heiligen Lande hatte, bestimmte das Aktionskomitee, an desten Spitze die Herren Direktor Lang und Dr. Julius Kepp i ch stehen, die Institution der jüdischen Gesellschaftsreisen nach Palästina zu stabilisieren, und so wird in den ersten Tagen des Februar 1906 die zweite Gesellschaftsreise nach dem gelobten Lande augetreten werden. Das Bureau des Aktionskomitees (Budapest, Ligado-ter 1) erteilt bereitwilligst diesbezügliche Auskünfte. Berlin Der Ausschuß des „Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" hat, um vielfach an ihn herangetretenen Wünschen zu entsprechen, sich entschlossen, die Restauflage des Jahrbuches für jüdische Geschichte und Literatur von 1899, 1902 und 1905 allen Rabbinern, Lehrern und Kantoren in Deutschland und Oesterreich zum Preise von 1 Mark pro Exemplar einschließlich Porto, in den anderen Staaten zum gleichen Preise exklusive Porto zu überlasten. Bestellungen bitten wir unter Beifügung des Betrages an Herrn Benas L e v y, Berlin 0 2, Poststraße 9, zu richten. Berlin. Die königliche Akademie der. Künste hat den Wettbewerb nm das Stipendium der ersten Michael Beer scheu Stiftung für jüdische Maler aller Fächer für das Jahr 1906 ausgeschrieben. Der Preis besteht in einem Stipendium von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien und ist zahlbar in vierteljährlichen Raten, deren erste im Betrage von 900 Mark beim Antritt der Studienreise, die ferneren mit je 450 Mark in Italien zur Auszahlung gelangen. Der Stipendiat ist verpflichtet, sich acht Monate in Rom aufzuhalten und über seine Studien vor Ablauf der ersten sechs Monate an die Akademie unter Beifügung eigener Arbeiten schriftlichen Bericht zu erstatten. London. „The Jewish Chronicle" ist der Meinung, daß die Marokkokonferenz sich auch mit der Lage der Juden in dem Scherifenreich beschäftigen sollte. Die marokkanischen Juden seien wiederholt Verfolgungen ausgesetzt gewesen, so daß es nicht mehr als recht und billig wäre, wenn die europäischen Mächte bei der Ordnung der Angelegenheit des nordafrikanischen Sultanats auch ihrer gedächten. Die Zeitung erinnert daran, daß seinerzeit auch die Berliner Konferenz sich mit der Lage der Juden in Rumänien befaßte. Hoffentlich wird die Marokkokonferenz, wenn sie sich mit den Verhältnissen der marokkanischen Juden befassen sollte, mehr Erfolg haben, als die Berliner Konferenz bei ihren Abmachungen über die zuLinftige Rechtsstellung unserer rumänischen Glaubensbrüder. Schavöes am Schiff. Erinnerungen an die Palästinareiseder „Jüdischen Gesellschaft".. Bon Dan Semaj Albachary. Und es kam der Schabbes und zog ein ins Schiff mit allen seinen Glückseligkeiten. Wo bist Du, o Sabbathbraut, so gefeiert worden, wie auf dem Dampfer ..Thalia"? Auf offener See verherrlicht Dich eine große Gemeinde vor Gott und neidisch beobachten die Wellen ihre Vorbereitungen zu Deinem Empfange. Männer, Frauen und Mädchen legen ihre schönen Gewänder an, munteres Treiben herrscht in allen Räumen. Nun ist alles gerüstet; unsere Damen zünden die Kerzen an und weihen den Schabbes ein. Der Chasen betet andächtig und ergreifend und mit ihm die ganze Gemeinde. In dem hellerleuchteten Saale strahlen die Lichter den Sabbathfrieden aus, der seine Reflexe auf die Gesichter aller Anwesenden wirft. Niemand denkt augenblicklich an das Alltagsleben mit seinem hastigen Treiben und ruhig gleitet das Schiff über den glatten Meeresspiegel. Der Gottesdienst ist zu Ende, jeder begibt sich zur Tafel, an der man sich in fröhlicher Sabbathstimmung ergehen läßt. Das Glockensignal ertönt. Die Tafel ist aufgehoben. Es folgt noch ein gemütliches Plauderstündchen, dann begibt sich alles in die Kajüten. Sanfter Schlaf umfängt uns, und wir sehen im Traume, wie sich in der Ferne das Land, das das Ziel unserer Reise ist, so romantisch ausbreitet; wir sehen schon alle seine hohen, waldreichen Berge, die fruchtbaren Täler, die paradisischen Auen. Alle jene großen Helden, die einst dort gelebt, ziehen an uns vorüber; reckenhafte Gestalten mit feuerffirühendem Blicke. Doch plötzlich verschwinden diese schönen Bilder, die prächtigen Landschaften verwandeln sich in Wüsten und Steppen, unsere Riesen in hinkende und gebrochene Greise mit abgehärmten Gesichtern und müde dreinschauenden Augen. Das Herz krampst sich uns zusammen beim Anblicke dieses Jammers; wir möchten aufschreien, doch iuir können nicht. Schwer wie ein Alp lastet es auf unserer Brust. Wieder ändert sich das Bild und abermals erblicken wir die bezaubernd schönen Fluren von früher. Zuerst als kleine gartengleiche Kolonien, in denen sich die Greise verjüngen zu neuem Leben, zu kraftstrotzenden, hoffnungsfrohen Männern, die nun mit dem Spaten in der Hand und der Sense am Rücken friedlich ihres Wegeswandeln. Rasch und mächtig sehen wir die Ansiedlungen sich entwickeln durch die unverdrossene Arbeit der nun wieder Glücklichen. Erleichtert hebt sich unsere Brust, wie von Zentnerlast befreit. So erwachen wir am Sabbathmorgen. Gekräftigt, erfrischt und ftöhlich, in richtiger Sabbathstimmung. Einige der Passagiere,, in Thallessim gehüllt, lesen bereits eifrig Thillim und bald auch stellt man sich zu Schachris. Ein Herr der Gesellschaft übernimmt das Amt des Vorbeters. Es dünkt uns fast, als wärerr wir in einer streng chässidischen Khille und selbst die passiw etwas abseits stehenden modernen Juden fühlen sich angezogeu von der eigentümlichen Sangesweise der Orthodoxen, die von dem Brausen des Meeres begleitet ist. Dieser denkwürdige Schabbes auf der ..Thalia" entzückt unser Gemüt und freudig nehmen wir die „Neschomoh Jetiro" (hohe Begeisterung) in uns auf. In der dem Morgengebete folgenden Pause entwickelt sich eine lebhafte Debatte über religiöse Fragen, während welcher manch sinnreiche und anregende Bemerkung fällt. Besonders eifrig wird die Frage besprochen, warum wir eigentlich am Schabbes ruhen und in dem heißen Wortwechsel dringt die Antwort siegreich durch: „Damit wir an diesem Tage überschauen und ordnen alle unsere. Handlungen der Woche und die Lücken und Mängel regeln, die wir im Laufe derselben nicht bemerken und beobachten konnten im Drange der Arbeit." Das Wetter ist derart herrlich und einladend, daß beschlossen wird, das Mussaphgebet auf Deck zu verrichten; auch geleient wird unter freiem Himmel, Alles folgt mit Andacht bis zum Schluffe. Wir nehmen dann Abschied von unserer heiligen Bibel, die so eigentümliche Gefühle in uns zurückließ, welche schließlich aufflammen in idealer Begeisterung und lautem Gesänge. Wie geläutert' von allem Unreinen, wie verjüngt kommen wir-uns vor, und umso stärker ist die Sehnsucht nach unserem Lande, das wir betreten wollen, frei von dem Tumes des Golus. Beim Mittagstisch hat der Oineg-Schabbes einen solchen Grad erreicht, daß wir auf die guten würzigen Speisen gar nicht achten, sondern uns vielmehr ausschließlich der Wonne und Glückseligkeit hingeben. Natürlich wird dann auch auf das- Sabbathschläfchen Rücksicht genommen, kadin wekaloche (so,, wie sichs gehört), selbstredend nur von Seite der Chassidim, der andere Teil bewundert inzwischen das wogende Meer und. den tiefblauen Himmel. Während wir nun Alle die schöne Natur an uns vorüber--- ziehen lassen und die untergehende Sonne das Meer blutrot färbt, vernehmen wir noch von einem Rabbiner eine Drösche; der eine oder der andere gibt ein gutes Lozele zum besten. Auch mangelt nicht der schöne Gesang einzelner Gruppen der Sephardim,. der Polen, der Deutschen — lauter Juden und jüdischer Gesang. Ach! Wo bist Du, Erez Jisrael? Wir ziehen Dir entgegen. Mit aller Sehnsucht suchen wir Dich! „Es ist ein Ereignis für uns," wie sich der Karszager Rabbiner ausdrückte,, darum sprechen wir die Broche: „Schechionu", und weil es ein selffamer Zufall ist, der uns Juden aus allen Enden der Welt hier zusammen führt, sagen wir: „mechaje hamessim“ und endlich, weil die Passagiere der „Thalia" alle mehr oder minder aus Idealismus in das gelobte Land ziehen, rufen wir aus „ascher challek lonu mechochniosso“ (der uns Weisheit zuteil werden läßt). Das Meer beginnt stürmisch zu werden; wir beeilen uns den schönen Schabbes zu beschließen und beten „Majriw", worauf die „Hawdala" kommt. Und nun verabschieden wir uns mit dem Gebete: ..Gott möge uns so weiter führen, bis wir das Land unserer Sehnsucht erreichen!" Wollu.Seidenkleider reinigt man am besten mit Schicht's Schwan seife (feste Kaliseife) schangt|' WEISSWÄSCHE

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