Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1905-10-06 · Heft 39 (6.10.1905) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 39 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063265-3063304--03889-3070685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 39. Die Wahrheit Seite 7. Sache, selbst in die Hand zu nehmen. Professor Schatz ist auch im Kunstgewerbe ein Fachmann im besten Sinne des Wortes; er hat schon in Bulgarien durch ein gleiches im Aufträge der Regierung ausgeführtes Werk sich ein bleibendes großes Verdienst um das Land erworben. Auch hat er sowohl wie andere -Künstler dem Unternehmen eine große Kollektion künstlerischer und kunstgewerblicher Vorwürfe, Bilder, Skulpturen, Gravüren, Antiquitäten, Bücher rc. schenkweise zur Verfügung gestellt. Benutzen wir also die selten günstige Gelegenheit! Zn beginnen wäre nach Professor Schatz' Vorschlägen mit der Einrichtung einer Kunstgewerbeschule sowie von Abendkursen für Handwerker zur Erhöhung der Qualität und damit auch des Wertes ihrer Arbeit. Außerordentlich zukunftsreich ist vor allem die systematische Einführung der Teppichknüpserei in Palästina sowie verschiedener kleiner Hausindustrien. Um die Arbeit beginnen und drei Jahre durchführen zu können, sind nach sorgfältiger Berechnung etwa 40.000 Mark erforderlich, von denen 10.000 Mark bereits gesichert sind, und -es ist begründete Aussicht vorhanden, daß ein beträchtlicher Teil der noch fehlenden Summe durch Vereine beigesteuert werden wird, falls wir erst die Hälfte des nötigen Fonds beisammen haben werden. Im Falle des Gelingens wird sich das Werk nach drei Jahren entweder selbst erhalten können, eventuell mit regelmäßigen Zuschüssen der Vereine, oder es wird mit Hülfe der bis dahin ansgebildeten Kräfte in kaufmännischer Weise weiter geführt werden, wozu die Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg und die Anglo-Palestine-Co in Jaffa und Jerusalem schon ihre Mitwirkung zngesagt haben. Für jeden, der jüdisches Interesse mit sozialem Verständnis verbindet, ist hier eine schöne Gelegenheit nutzbringender Arbeit gegeben. Es soll nicht ein Almosen sein, das man mit abgewendetem Blicke hingibt, um einer augenblicklichen Not zu steuern, sondern es soll eine lebenskräftige Organisation entstehen, die ans sich selbst heraus die Kräfte des gesunden Wachstums entfalte^ eine Orgapisatipn, in deren Schutze binnen kurzer Zeit Tausende, hoffentlich Zehntausende, aus nutzlosen Bettlern zu freien in Arbeit versittlichten Bürgern emporsteigen können. Hier die erste Hilfe zu gewähren ist Pflicht und sollte Freude sein. Beiträge sind mit der Bezeichnung „Bezalel" an das Bankhaus Meyer Cohn, Berlin "W., U. d. Linden 11 zu senden. Genauere Auskünfte über das Projekt stehen zur Verfügung. Anfragen sind zu richten an Prof. Dr. O. Marburg, Berlin W., Uhlandstraße 175. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde.) Es wird hiemit den P. T. Gemeindemitgliedern des XIX. Bezirkes zur Kenntnis gebracht, daß der Vorstand der israel. Kultusgemeinde anläßlich des diesjährigen Sukkotfestes einen Gottesdienst im provisorischen Bethause, XIX.. Döbling, Hofzeile 20, veranstaltet. — Am „Sch'mini Azereth", Samstag, den 21. Oktober d. I., veranstaltet der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien, anläßlich der Maskir-Andacht im Hotel „Post", I., Fleischmarkt Nr. 16 und im „Nestroyhof", II., Praterstraße 31, feierliche Gottesdienste, zu welchen nach Maßgabe des Raumes der Eintritt ohne Karten gestattet ist. Beginn des Gottesdienstes 1I29 Uhr morgens. Wien. Dem Gemeinderat, Herrn StadtbaumeisterDonat Z isferer, wurde zu seinem 60. Geburtstage am 2. Oktober seitens der israelitischen Stadtgemeinde Holleschau das Diplom als Ehrenbürger überreicht. Die Deputation bestand aus dem Rabbiner Dr. I. F r e i m a n n, dem Bürgermeister Jos. Baum garten und dem Ehrenbürger Albert L ö w. Herr Dr. Freimann richtete pietätsvolle Worte an den würdigen Jubilar, überbrachte die herzlichsten Grüße und Wünsche von Holleschau, wo die Ahnen und Urahnen Zifferers stets die hohen Festtage in religiöser Weise gefeiert und dieser Gemeinde anhänglich waren. Wien. Freitag, den 29. September, ist der Banquier Philipp Thorsch nach kurzem Leiden im 74. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene, der als Chef des Hauses M. Thorsch Söhne in der Finanzwelt pine hervorragende Stellung einnahm, war trotz seiner anerkannt sozialen Position ein Mann von überaus einfachem und bescheidenem Wesen und in seiner Brust schlug ein edles Herz. Mit großer Freigebigkeit hat er sich jederzeit auf dem Gebiete privater Wohltätigkeit und in aller Stille betätigt, und auch für allgemeine Zwecke hat er große Summen gespendet. Sein Heimgang wird von vielen dankbaren Herzen beklagt werden, denen er ein Retter in der Not gewesen ist. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 2. Oktober, vormittags, unter großer Beteiligung statt. Im Trauerhanse, Landstraße, Reisnerftraße Nr. 51, hatten sich ungesunden: der griechische Gesandte Manos, L-ektionschef Freiherr von Odelga, Gouverneurstellvertreter Theodor Ritter von Taussig, David Ritter v. Gutmann, die Hofräte Professor Dr. Chrodak, Professor Dr. Gomperz und Professor Dr. Grünhut, Bizegouverneur v. Lieben, Hofrat Ritter v. Hahn, der Präsident der Börsekammer Miller v Aichholz mit dem Generalsekretär Franz Lick, Negierungsrat Dr. Ludwig Calligaris, die Vizepräsidententen der israel. Kultusgemeinde Gustav Kohn und kaiserl. Rat Hirsch, Vorstandsmitglied Salo Cohn und I. Sekretär kaiserl. Rat Lieben mit dem II. Sekretär Tr. Adler, die Prokuristen ^-tiedry, Emil Horner und Kantor vom Bankhause S. M. v. Rothschild, die Generalräte Friedrich Sueß und Klein, Architekt Professor Max Freiherr v. Ferstel, die Direktoren Lohnstein und Schuschny und Direktor-Stellvertreter Kraus von der Länderbank, Professor Karl König, Professor Dr. Leopold Königstein, Hofschauspieler Ritter v. Sonnenthal, akademischer Maler Seligmann, Dozent Dr. Dreier, eine Deputation der israel Kultusgemeinde in Mödling, die Großindustriellen Mautner v. Markhof und Seybl, die Beamten und viele Freunde des Hauses. Um 11 Uhr brachte Oberkantor Bela Gutmann die Trauerpsalmen zum Bortrage. Dann wurde der Sarg auf die Straße getragen. Der Kondukt setzte sich nach dem Zentralfriedhofe in Bewegung: in der Zeremonienhalle der israel. Abteilung hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann einen warmen Nachruf, worauf die Beisetzung erfolgte. — Der Verblichene hat testamentarisch 840.000 X für wohltätige Zwecke gewidmet. Wien. Anläßlich seines 40jährigen Kantor- und 25jährigen Amtsjubiläums wurde I. Kantor I. 2 ch i l l e r am 2. Roschhaschonoh-Tage feierlich zur Thora gerufen, wobei der Chor den „Hallelujah" sang und I. Kantor Don Fuchs einen zu diesem Anlasse verfaßten Mischeberach für den Jubilar vortrug. Im Laufe des Tages erschienen in der Wohnung des Jubilars zahlreiche Gratulanten, Einzelpersonen und Deputationen, . die herzliche Glückwünsche und sinnige Geschenke widmeten. Unter letzteren seien besonders erwähnt: das prachtvolle Silbergeschenk des Bethausvorstandes, das Geschenk des Chorpersonales, der von den Kindern des Jubilars gewidmete silberne Kranz und sehr viele Blumenspenden. Am Nachmittage erschien eine Deputation der Wiener Kantoren unter Führung des Präsidenten des Kantoren-Vereines, wobei letzterer eine Ansprache an den jubilierenden Kollegen hielt und namens der Wiener Kantoren einen silbernen Becher überreichte. Unzählige Glückwünsche und Telegramme langten von Freunden und Kollegen ein. Wien. Mittwoch, den 4. Oktober feierte Herr Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck & Söhne, k. u. k. Hoflieferanten, seinen 60. Geburtstag. Aus allen Kreisen der Bevölkerung gingen dem Jubilar Glückwünsche zu und auch der Josefstädter Tempelverein, dessen Präsident Herr Hermann Beck seit vielen Jahren ist. nahm Anlaß, in einer im Sitzungssaals des Josefstädter Tempelgebändes abgehalteneu Festsitzung den Jubilar besonders zu ehren. Herr Beck wurde von zwei Vorstandsmitgliedern aus seiner Wohnung abgeholt und bei seinem Erscheinen im Sitzungssaale lebhaft akklamiert. Namens des gesamten anwesenden Vorstandes begrüßte ihn der Vizepräsident Architekt Modern in herzlichster Weise, worauf der Schriftführer des Vereines, Herr Dr. Sigm. Goldberger, in einer Festrede die langjährigen Verdienste des Jubilars um den Josefstädter Tempel, wie auch die seines ebenfalls anwesenden Vaters rühmend hervorhob und ihm eine vom Gesamtvorstand gewidmete, künstlerisch ausgestattete Adresse überreichte. Nach dem Vortrage eines Festchores, exekutiert vom Männerchor des Tempels, gratulierte Herr Rabbiner Dr. Bauer dem Jubilar in besonders schwungvollen Worten, schilderte an der Hand eines Bibelverses aus der laufenden Sidra die Wirksamkeit des Herrn Beck und schloß mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar gegönnt sein möge, sein segensreiches Wirken bis an die äußersten Grenzen menschlichen Daseins fortzusetzen. Tiefbewegt dankte der Jubilar für die ihm dargebrachten Ovationen. Wien. Bei seinem mehrtägigen Aufenthalt in Wien zwecks Uebernahme des Bureaus hielt der Präsident des zionistischen A.-C. Herr W o l f f s o h n mehrere Sitzungen mit den Herren aus dem ehemaligen A.-C. zur Abwicklung der Geschäfte ab. Die nächste Sitzung des engeren A.-C. wird der Feiertage wegen erst Ende Oktober in Köln stattfinden. Ueber die „Welt", die verlegt wird, wird in der nächsten Sitzung des engeren A.-C. definitiv beschlossen, und zwar über Zeitpunkt und Ort. Wien. Montag, den 2. d. M. fand die Beerdigung des Herrn David Kohn, Matrikelamts-Oberoffizial der israel. Kultusgemeinde, statt. Der Verstorbene erfreute sich allseits besonderer Wertschätzung, die auch in der zahlreichen Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke kam. Unter Führung des ersten Sekretärs Herrn kais. Rates Dr. Lieben waren sämmtliche Beamten der israel. Knltusgemeinde erschienen. Rabbiner Dr. Bach hielt den Nachruf, in welchem er den besonderen Pflichteifer des Verstorbenen hervorhob. Kantor Smotritzky exekutierte die Tranergesänge in erhebender Weise. Wien. (Erster Wiener Jüdischer T u r n v e r e i n.) Das Damenturnen dieses Vereines hat am 20. September d. I. wieder begonnen, und zwar wieder zu den im Vorjahre üblichen Stunden. Das Herrenturnen findet Monrag und Donnerstag abends statt. Beginn des Kinderturnens am 2. Oktober d. I. Auskünfte werden an den Turnabenden im Bereinslokale, Wien, I., Mölkerbastei 5, jederzeit bereitwilligst erteilt. Lundenburg Unter imposanter Beteiligung der Bevölkerung von Lundenburg und Umgebung fand am 2. d. M. nachmittags das Leichenbegängnis des Großindustriellen und Altbürgermeisters der hiesigen Stadtgemeinde, Hermann Edlen v. K u f f n e r, statt. Um 1j24t Uhr setzte sich der Trauerzug vom Hauptplatze aus in Bewegung. Die Feuerwehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.