Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 38 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite 8. -Die Wahrheit Skr. 38. Die Leistungen einzelner Juden, die sich körperlich hevortun, kommen außerdem der Gesamtheit säst gar nicht zugute. Soweit ffe aus persönlichem Ehrgeiz öffentlich auftreten, pflegen sie keinen Wert darauf .zu , legen, als Juden bekannt zu werden. Es kommen daher nur jüdische Organisationen sowohl für die körperliche Uebung der Juden durch eine wirkungÄMe Propaganda, als auch für die Wandelung der öffentlichen Meinung, die'mit der allmählichen Besserung Hand ist ,'Hand "gehen wird, in Frage. Aufgabe der jüdischen Presse durfte es aber nicht sein, durch Bemäntelung der bestehenden Schäden und durch abfällige Bemerkung dieser notwendigen Arbeit Schwierigkeiten in den Weg zu legen, sondern vielmehr die Bewegung zu unterstützen und dem Gedanken der körperlichen Uebung des jüdischen Volkes unter ihren Lesern Anhänger zu gewinnen. H. Urrschirdene Nachrichten. Wie«. (Israelitische Kultus g em eind e.) Tie Einschreibungen in die Bibelschüle für Mittelschüler werden Monlag und Dienstag, den 2. und 3. Oktober l. I., von 1/a6 Uhr abends in der „Religionsschule", L, Seitenstettengasse 2, II. <Btod, vorgenommen. Der Unterricht ist sowohl für die untere Abteilung — Schüler, der II. und HL Klaffe der Mittelschulen — als auch für die obere Abteilung — Schüler der IV. und V. Klasse der Mittelschulen — Sonntag in den Vormittagsstunden. Die Unterrichtsstunde selbst wird den Schülern einer jeden Abteilung Leun Einschreiben bekanntgegeben. — Die Einschreibungen in die Talmud- und Bibelschule im H. Bezirke, Tempelgaffe 3, werden Dienstag und Mittwoch, den 17. und 18. Oktober d. I., von 5—6 Uhr nachmittags, im Beth-ha-Midrasch-Lokale IL, Tempelgaffe 3, Parterre, stattfinden. Wie«. (Gemeinderat Donat Zifferer.) Samstag, den 30. d. M., begeht Gemeinderat Stadtbaumeister Donat Zifferer das 60. Geburtsfest. Einer streng-religiös veranlagten mährischen Familie entstammend, verstand es Herr Zifferer, durch seine Fachkenntnis sowohl in Äollegeukreisen, sowie infolge seiner ausgebreiteteu humanitären und philanthropischen Wirksamkeit in der großen Öeffentlichkeit sich einen glänzenden Namey zu machen. Im Gemeinderate ist Herr Zifferer namentlich während der Budgetdebatten auf seinem Platze; seine trefflichen Ausführungen über die Gebarung der derzeit herrschenden Majorität, nicht minder aber die in der „Neuen Freien Presse" zu öfterenmalen erschienenen Aufsätze bekunden stets die vollste Beherrschung der Fragen durch Zifferer, der auch bei der letzten Landtagswahl in seinem Wahlbezirke als Kandidat nominiert war, wegen der bekannten Vorfälle jedoch seinem Gegner unterlag. Herr Zifferer, der aus dem L Wahlkörper des DL Bezirkes in die Gemeindestube entsendet wurde, vertritt dessen Jnteresie in vorzüglicher Weise. Er ist Obmann des „Vereines zur Beförderung der Handwerker unter den inländischen Israeliten", mit welchen Zifferer die stete und innigste Verbindung hat; ferner ist er Mitglied des Kuratoriums der „Baron Hirsch'schen Schulstistung für Galizien", Vorstandsmitglied der „Jsraelitschen Allianz zu Wien", des „Philanthropischen Vereines" und sind es beinahe sämtliche humanitäre und wohltätig wirkende Vereine der Residenz, die Herrn Zifferer zu ihren Mitgliedern zählen können. Das Geburtsfest welches diesesmal auf den ersten Tag des israelitischen Neujahres fällt, wird dem fich allseits berechtigter Hochachtung und Beliebtheit erfreuenden Jubilar Ovationen in Hülle und Fülle erbringen. Emil Jelinek. Wie«. Der Oberinspektor im Eisenbahnministerium/ Herr Moriz Steiner, der als hervorragende Kapazität im Eisenbahnwesen gilt und wegen seiner außerordentlichen Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit von Vorgesetzten und Untergebenen geachtet und geschätzt wird, wurde vor kurzem von Sr. Majestät dem Kaiser zum Regierungsrate ernannt. Diese Auszeichnung ist ein neuerlicher Beweis dafür, daß wahres Verdienst auch ohne charakterlose Fahnenflucht an allerhöchster Stelle gebührend gewürdigt wird. Wie«. Donnerstag, den 21. d. M., verschied hier nach kurzem Leiden der Primararzt am Krankenhause Rudofsstiftung und k. k. Regimentsarzt in der Landwehr, Dr. Ludwig Winternitz, im 52. Lebensjahre! Der Heimgang dieses Mannes, der mit seiner ganzen Persönlichkeit fich seinem edlen Berufe widmete und der sich bei seinen Patienten und in Aerztekreisen einer seltenen Beliebtheit erfreute, hat allseits große Teilnahme hervorgerufen. Das Ehrenleichenbegängnis, das ihm die Kultusgemeinde bereitete, fand Sonntag, den 24. d. M., vom Zentralfriedhofe aus statt. Wie«. Die Ferien sind vorbei! Nach einigen Wochen der Erholung gehen die glücklichen Kleinen wieder frohgemut zur Schule. Wie viele hundert armer und unglücklicher Geschöpfe, die den heißen Sommer in dumpfer Stadtluft zubringen mußten, sehen indes bang den Herbst und Winter herankommen. Frierend und hungernd werden sie ihre Pflichten ebenso erfüllen müffen, wie jene anderen Glücklichen. Umso segensreicher wirken die humanitären Unternehmungen, welche ihre Fürsorge den armen Schulkindern zuwenden. Der Ausspeisungsverein für die Bezirke XU, XIII, XIV und XV hat mit Schulbeginn seine Tätigkeit ebenfalls ausgenommen. Mehr als 20.000 Portionen wurden im letzten Vereinsjahre verabfolgt, und neuerdings haben die Anmeldungen zur Ausspeisung in erschreckender Weise zugenommen. Bei den vorhandenen Mitteln, insbesondere wegen Raummangels aber, ist es dem Vereine nicht möglich, mehr als 80 Kst/der aufzunehmen. Es ist indes zu hoffen, daß derrührigejunge Verein, der anläßlich des Ablebens des Herrn Nathaniel Freiherr«, von R o t h s ch i l d ft A. mit einer Spende von -K 2000 bedächt würde, und der sich einer großen Anzahl von'Gönnern, Mitgliedern und Freunden erfreut, durch deren andauernde Unterstützung bald in der Lage sein wird, sein Programm in vergrößertem Maßstabe zur Durchführung zu bringen». Wre«. Sonntag, den 24. d. M., 4 Uhr nachmittags fand im 'Gemeindetempel des 18. Bezirkes, Schopenhauerstraße Nr.'39 die Trauung des Fräulein Elisabet P e t e r s e l k a> Tochter des I. Kantors Herrn Max Peterselka, mit Herrn Simon W e i ß statt. Die außerordentliche Beliebtheit,, deren sich der Brautbater in Folge seiner langjährigen, musterhaften Amtswirksamkeit im Bezirke selbst sowie in weiteren Kreisen der Kultusgemeinde erfreut, manifestierte sich in der ungewöhnlich großen Zähl der Hochzeitsgäste. Der Tempel war fast zum Erdrücken voll und bemerkten wir unter .den Anwesenden den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn. Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Bethausvorsteher Wasserv o g e l, den gesamten Bethausvorstand des XVIII. Bezirkes, viele Rabbiner,. Kantoren, Religionslehrer und Beamte der Wiener isräel. Kultüsgemeinde, an der Spitze der letzteren Herrn Sekretär Dr. Adler, zahlreiche Gemeindemitglieder rc. Die Trauungsgesänge exekutierte I. Kantor Serebrenik, der im Vereine mit dem unter persönlicher Leitung des- Chormeisters Professor Sulz er stehenden, verstärkten Chore eine höchst beachtenswerte musikalische und liturgische Leistung bot, und den Trauakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, der in einer geist- und gemütvoll ausgestatteten Ansprache mit seinem einschmeichelnden, überaus sympathischen Organ dem Brautpaare und den Hochzeitsgästen so recht: zum Herzen sprach. Orlau. Sonntag den 10. d. M. fand hier die feierliche Einweihung des neuen Tempels statt. Im Saale des Herrn Lindner versammelten sich die zahlreich erschienenen Gäste, unter denen wir außer den Abordnungen mehrerer Knltnsgemeinden und Tempelvereine auch viele Honorationem. bemerkten. Hier hielt Herr Rabbiner Dr. Mehrer aus Freistadt eine .gediegene Rede, deren Gedankengang zeigen sollte, daß auch in einem Gotteshause, die Thora, das Heiligtum der jüdischen Religion, die gleiche bleibe und bleiben müsse. Von hier bewegte sich'der Zug, der aus vielen vielen: Köpfen bestand nach dem neuerbauten Gotteshause. Vor dem Eingänge erfolgte die Schlüsselübergabe durch Frl. Eichenwald. Nach dem feierlichen Einzuge trug Herr Kantor David Kratka, der nicht nur über ein sympathisch wohlklingendes Organ, sondern auch über eine schöne Vortragsweise verfügt, begleitet von einem gemischten Chore das 34a tauwu von Lewandowski wunderbar vor. Nach der Schlußsteinlegung wurde das ewige- Licht angezündet, sodann übergab Herr Salomon Blumenthal als Vorsteher,, der sich mit aufopferndem Fleiße im Vereine betätigt, den Tempel der Obhut der Kultusgemeinde Freistadt, worauf Herr Dr. Mayer als Kultusvorsteher sich in gewählten Worten bedankte. Darauf folgte-die Festrede, gehalten von Prof. Tr. Leimdörfer, Rabbiner aus Teschen. Jn-gehobener, von patriotischer Tendenz getragener Rede, behandelte Herr Dr. Leimdörfer den Zweck des neuen Gotteshauses, worauf Herr Kantor Kratka im Vereine mit dem Chore das Aus-und Einheben in geradezu ausgezeichneter Weise zur Geltung brachte. Besonderes Lob verdient hier auch Herr Kantor David Meisel, Beamter der isr. Kultusgemeinde M. Ostrau, der den Chor dirigierte und ein gut Stück zum Erfolge beitrug. Nach Schluß der Einweihung fand ein gemütliches Fest, .verbunden mit Tanzkränzchen statt, wo Jung und Alt bis in die frühe Morgenstunde weilte. . Czernöwitz. Der Kaiser hat den Präses der Knltusgemeinde Czernowitz, Reichsratsabgeordneten Dr. Benno Straucher, zum Mitglied des Landesschulrates für die Bukowina ernannt. Visegrad a. d. Drina. (T e mp eleinweihung.) Am 12. d. M.. wurde hier der von der vereinigten sefardischen und österreichisch-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde erbaute Tempel feierlich eingeweiht. Den: Weiheakt vollzog Rabbiner Dr. Weszel aus Sarajewo, welcher in Begleitung des greisen Präsidenten der Sarajewoer sefardischen Gemeinde,. Herrn S a l o m, und einer Depution am Tage vorher hier antraf. Ein berittenes Banderium holte die Festgäste ein, die fünf Kilometer von der Stadt entfernt vom Bürgermeister Suljaga Osmanagic nebst einigem 'Gemeinderäten, von der jüdischen Gemeinde und vom serbisch-orthodoxem Erzpriester Popen N i k o l a erwartet und begrüßt wurden. Dr. Weszel. . fuhr an der Seite des Erzpriesters ein. Die Einweihung des Gotteshauses fand in Anwesenbeit des Bezirksvorstehers Besarovic, des Stationskommandanten Major Frieszl, des Offizierskorps, der Beamtenschaft,, des Sektionsingenieürs Denk, der städtischen Behörden und eines allen Ständen und Konfessionen angehörigen Publikums statt. Es war auch die moslimische und die serbisch-orthodoxe Geistlichkeit erschienen. Der Rabbiner hielt die Festrede aus dem Psalmtexte „Wenn Gott das Haus nicht erbaut, ist vergebens der Bauleute Mühe." An den Kaiser wurde nach der Feier eine Huldigungsdepesche, an Reichsfinanzminister Baron Burian, Landeschef Baron Älb ori und Kreisvorsteher Dr. Baron Mollinary ’ wurden Begrüßungsdepeschen gerichtet. Am Nachmittage fand im „Hotel Schreiber" ein gemeinsames Mahl statt, während dessen ein Gratulationsschreiben des Sektionschefs Hörmann an die, Kultusgemeinde eintraf.. Das beste Getränk u.Nahrungsmittel fürfiebernde Kranke ist Ceres-Apfelsaft ,der NährmiN'elwerke„GERES,/Aussig