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Die Wahrheit · 1905-09-29 · Heft 38 (29.9.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 38 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Cantoren dringend ersucht, den Zlbonnementsbetrag für das am 1. Hktoöer beginnende 4. Huartal umgehend einznsenden und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Isaak Schiller. Erster Kantor der Wiener Kultusgemeinde. Am ersten Oktober werden es 40 Jahre, seitdem Isaak Schiller zum ersten Male als gottesdienstlicher Funktionär vor Len Altar des Herrn getreten, und 25 Jahre sind seit seinem Amtsantritte in der Wiener Knltnsgemeinde verflossen. Ein solcher Jubeltag bildet nicht nur für die enge Umrahmung der Amtswirksamkeit, sondern auch für den weiten Kreis kantoraler Betätigung einen bedeutungsvollen Markstein, dem jeder Kantor achtungsvolle Wertschätzung entgegenbringen muß. 40 Jahre Kantor! Ein bedeutendes Wort,! Welche Summe von Arbeit muß in demselben vereinigt sein, und welche Wandlungen hat mittlerweile der jüdische Gottesdienst erfahren' Als Isaak Schiller, der noch Gelegenheit hatte, den sangesgewaltigen alten Meistern des Chasonus zu lauschen, die ersten Schritte in seinem Berufsleben machte, war der Kampf zwischen der alten Tradition und der modernen, durch Snlzer gegebenen Richtung noch nicht ausgefochten, und in der harmonischen Einigung der beiden Strömungen, der so viele ausgezeichnete Schüler und Jünger Sulzers ihre ganze Kraft widmeten, sah -auch Isaak Schiller sein Ideal. ..-Der Schauplatz seiner Amtswirksamkeit, und dies mag dem Jubilar gewiß nur zur Anerkennung dienen, beschränkte sich nur auf wenige Stationen: Kojetein, Holics, Leipni! — Wien. Gewiß war es keine geringe Ehre, die dem Leipniker Kantor zu Teil wurde, als er vor 25 Jahren nach Wien berufen wurde, um Len nicht mehr ganz funktionstüchtigen Altmeister Snlzer zeitweilig zu vertreten, und die Summe seiner stimmlichen und fachlichen Fähigkeiten mag einen Gradmesser darin finden, daß damals Namen von Klang den Einladungen des Wiener Kultusoorstandes Folge geleistet hatten. Wenn auch die hochfliegenden Pläne und Hoffnungen, die I. Kantor Schiller an seine Berufung nach Wien knüpfte, sich nicht voll verwirklichten, so muß dennoch die Amtswirksamkeit, der er besonders nach dem Ableben des unvergeßlichen Adolf Fischer in der Seitenstettensynagoge und an anderen Stätten seiner beruflichen Tätigkeit musterhaft und tadellos oblag, die Achtung und Anerkennung der weitesten Kreise wachrufen. Sein gemütvoller Vortrag, seine weiche Stimme prädestinierten ihn zum Scheliach Zibbur und so hat er, täglich im Dienste des Ewigen stehend, Tausende und aber Tausende zur Andacht geführt. Möge es dem verehrten Kollegen vergönnt sein, noch viele, viele Jahre jugendstark und geistesfrisch zu wirken und zu schaffen, zu singen und zu sagen. — Das ist unser Festgruß zu seinem Jubeltage. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Herausgeber der „Korrespondenz Kulka" wurden dem verantwortlichen Redakteur unseres Blattes, Herrn Alois Kulka, vielfache Ehrungen zuteil. Ihre königliche Hoheit Gräfin Stephanie Lonyay widmete dem Jubilar eine kostbare Busennadel, welche ihm der Sekretär ihrer königlichen Hoheit. Herr kais. Rat A. Fische r, mit einem überaus schmeichelhaften Begleitschreiben überschickte. Der Generalvikar der Erzdiözese Wien, Weihbischof Doktor Godfried M a r s ch a l l, beglückwünschte ihn schriftlich in warmen Worten. Hofrat Heinrich R. v. K a m l e r, der Vorstand der Post- und Telegraphen-Direktion, überraschte ihn mit seinem (des Hofrates) in Bronze ausgeführten Plakette-Porträt. Die bekannte Malerin Frau Manzi Ke sie l- Bauer bereitete dem Jubilar eine besondere Freude mit seinem vor- | trefflich von ihr gemalten lebensgroßen Porträt. Namens des Verbandes | der Zeitungskorrespondenzen fanden sich vormittags die Herren Präsident , Alfred Pappenheim und Schriftsteller M. Weil ein. die eine i künstlerisch ausgestattete.Glückwunsch-Adresse überreichten. Im Laufe des j Tages wurde dem Jubiiar noch eine besondere Ehrung und Freude be- ’j reitet. Es erschienen korporativ der Präsident und Vizepräsident des I österr.-ungar. Kantorenvereines, die Herren Oberkantoren Josef Singer! und Jakob Bauer, zugleich mit den Vorstandsmitgliedern des Vereines, - den Herren Oberkantoren M. S ch o r r und Bela Guttmann, sowie der; Chefredakteur der „Wahrheit," Herr Dr. M. Löwy. Oberkantor Singer > hielt namens des Kantoren-Vereines eine warmempsundene, die Ver-! dienste des Jubilars würdigende Ansprache und überreichte ihm einen! prachtvollen Silber-Pokal. Chef-Redakteur Dr. Löwy beglückwünschte ihn - namens der Redaktion und überreichte ihm ebenfalls ein sinniges Jubiläumsangebinde. Tief gerührt dankte er beiden. Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgememde, Herr Landesschulrat Dr. Gustav Äohn, ehrte denselben durch llebersendung eines anerkennenden Schreibens. Ein prächtiges Jnbiläumsangebinde überreichten die Herren I e l l e tz und Kühner namens des Chorpersonals für den großen Musikvereinssaal. Ferner kamen teils schriftliche, teils telegraphische Sympathiekundgebungen vom Direktor der k. k. Theresianischen Akademie in Wien Sektionschef Dr. Freiherr von Pidoll, Hofrat Carl P a r s ch und Regierungsrat Franz L u m b e, beide vom k. k. Oberstkämmereramte, Oberkantor Professor Adolf Lazarus (Budapest), Professor Dr. S e b e r i n y, Superintendent der evangelischen Gemeinde A. B. (Wien), Hofschauspieler Georg Reimers und A r n a u, vom Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde und des Konservatoriums in Wien. Regierungsrat Ludwig Koch. Weitere Glückwünsche kamen von den Schriftstellern Karl C o st a und Benjamin S ch i e r. vom bekannten Komponisten Thomas K o s ch a r und Hofpfarrkapellmeister Christian Eder, von den kaiserlichen Räten Dr. Theodor Lieben und Ernst P i ck, dem Sekretär der Genossenschaft bildender Künstler kais. Rat K l o b a s s e r, Fregattenkapitän Emil F a t h (Marine-Sektion in Wien), Vermögensverwalter zu Sankt Stefan kais. Rat H o st n i g. Es gratulierten ferner die Rabbiner Dr. U n g e r (Jglau) und Dr. L. Hirsch und Gemahlin (Krumau), Dr. med. Max Neumann (Wien), die Kantoren I. Schiller, I. Löwit, I. Wittmann, Philipp Bassel, Schönfeld (Tab), sowie Chordirigent I. H e i m a n n und viele andere. Mähr. - Ostrau. (Leichenbegängnis.) Sonntag nachmittags um 2 Uhr fand sich eine außerordentlich zahlreiche Menschenmenge vor dem Sterbehause des Freitag verstorbenen Herrn Samuel Spitzer. Leiter der ifrael. Volksschule der Kultusgemeinde und Religionslehrer des II. Bezirkes ein, um ihm das letzte Geleite zu geben. Zuvörderst begaben sich der Präsident Herr Dr. Alois Hilf mit den beiden Vizepräsidenten Hermann Friedländer und Dr. Max Böhm zu den trauernden Hinterbliebenen, um denselben im Namen der israel. Kultusgemeinde zu kondolieren, außerdem waren die Tempelvereine von Oderfurt, Witkowitz, Oderberg und Zabreh durch Abordnungen vertreten. Ebenso hatten sich Frau Lina K r a s n y als Präsidentin des Frauenvereines mit den Mitgliedern desselben, Herr Direktor Moriz Krasny als Obmann, und Herr Ignaz Schmelz als Ehrenpräsident des Bikur Cholim- Vereines emgefunden. Ferner bemerkten wir die Herren k. k. Polizeirat V o l m o u t, k. k. Bezirks-Kommissär Dr. Viktor v. Geschmeidl er, k. k Polizei-Kommissär Dr. Kunz, sämtliche Direktoren der hiesigen Volks- und Bürgerschulen und noch viele andere Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Einwohnerschaft ohne Unterschied des Glaubens. Außer den Schülern der israel. Volksschule nahmen an dem Zuge auch die Schulkinder der II. städt. Volksschule unter Führung des Herrn Oberlehrers T u t s ch teil. Als der außergewöhnlich lange Zug auf dem israel. Friedhofe angelangt war, bildeten die Schulkinder Spalier und es wurde die Bahre mit dem Entseelten daselbst niedergestellt. Nun stimmte Herr Oberkantor Löwy unter Quartett-Begleitung mit ergreifendem Ausdrucke und künstlerischer Verve das Hazur tomim an. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Spira einen tiesenipfundenen Nachruf, in welchem er den erschütternden Eindruck, welchen die Nachricht von dem Ableben des Dahingegangenen in allen Kreisen unserer Stadt hervorgerufen hat, schilderte. Redner betonte in zutreffender, gleichnisreicher Rede den edlen Beruf des Lehrers, tröstete mit warmen Worten die tiefgebeugte Witwe und die Familienangehörigen, und empfahl den schmerzlich Vermißten dem freundlichen Gedächtniffe der Kultusgemeinde, sowie aller, die ihn lieb gehabt. Nun wurde von den Herren Kantor Kläger, G o l d m a n n, M e i s e l und Goldberger das Schiwisi ergreifend zu Gehör gebracht und dann sang Herr Kantor Kläger mit tiefer Innigkeit und stimmungsvoll den Psalm 91. Sodann erfolgte die Beisetzung im Grabe, wobei kein Auge trocken blieb. Schulkinder waren es, welche dem Verstorbenen die letzten Grüße in die Mutter Erde nachsandten. Die israel. Kultusgememde bat in dem ihr nun Entrissenen einen vortrefflichen Lehrer und Sachwalter, die trauernde Familie einen fleißigen treusorgenden Vater und die Einwohnerschaft einen wackeren Mitbürger verloren. — — r. Ung.-Brod. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr Kantor Maier Körner aus Lanöut, einstimmig als Oberkantor gewählt und hat derselbe bereits seinen Posten angetreten.

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