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Die Wahrheit · 1905-09-22 · Heft 37 (22.9.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 37 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Wahrheit Sir. 37. Grabe geleiret. Sein Andenken wird in den weitesten Kreisen geehrt sein, und dieses Bewußtsein möchte die trauernde Familie in ihrem großen Schmerze trösten! Wien. (V e r e i n K i u d e r h e i m.) In der Anstalt dieses Vereines für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession in Laa bei Neulengbach gelangen wieder sieben Freiplätze zur Besetzung und sind diesbezügliche Gesuche an die Kanzlei dieses Vereines, II., Obere Donaustraße 65, zu richten. Zur Aufnahme gelangen schwache, krüppelhafte oder rekonvaleszente Waisenkinder, oder solche von ganz unbemittelten Eltern, im Alter von 6—12 Jabren, welche jedoch bewegungsfähig sein müssen. Dieser wahrhaft segensreich wirkenden Institution wurden von Herrn Baron Albert von Rothschild aus dem Nachlasse seines Bruders K 20.000 zugewiesen. Es wäre im Interesse der sich zahreich meldenden Petenten zu wünschen, daß dieses edle Beispiel in weiteren Kreisen Nachahmung finden würde, wodurch eine weitere Ausgestaltung der Anstalt ermöglicht werden könnte. Wien. Der Tempeldiener auf der ersten Frauengallerie des Stadttempels, Herr Jakob Nessel, beging vorige Woche das gewiß seltene Jubiläum seiner 50jährigen ununterbrochenen Amtstätigkeit bei der Wiener Kultusgemeinde und wurde aus diesem Anlasse dem wackeren Jubilar, der trotz seiner 76 Jahre seinen Dienst noch immer tadellos versieht, seitens des Kultus- und Bethausvorstaudes ein Anerkennungsschreiben mit einem Ehrengeschenk übermittelt. Samstag, den 16. d. M., wurde Herr Nestel beim Hauptgottesdienste im Stadttempel zur Thora gerufen und durch einen besonderen Mischeberach geehrt. Im Laufe des Tages erschienen in der Wohnung des Jubilars zahlreiche Gratulanten. Wie«. Der ehrwürdige Rabbi Benjamin W i d a l E d o befindet sich gegenwärtig hier als Sendbote aus Jerusalem, um für das dortige israelitische Blindeninstitut, das sich in sehr bedrohter pekuniärer Lage befindet, Geldspenden zu sammeln. In Anbetracht des äußerst humanen Wirkens dieses Institutes, das sich als ein wahrer Segen bisher erwiesen hat und von allen Besuchern der hiesigen Stadt uneingeschränktes Lob findet, ist es zu wünschen, daß Rabbi Widal von den hiesigen Glaubensgenosten reichlich unterstützt werde. Wie«. Im Gemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, findet Sonntag, den 24. d. M., 4 Uhr nachmittags, die Trauung des Fräulein Elisabeth.P e t e r s e l k a, Tochter des I. Kantors der Wiener Kultusgemeinde. Herrn Max P e t e r s e l k a, mit Herrn Simon Weiß statt. Wien. (Erster Wiener jüdischer Turnverein.) Das Damenturnen hat am 20. September d. I. begonnen, und zwar wieder in denselben Zeiten wie im Vorjahre. Das Herrenturnen findet Montag und Donnerstag abend statt. Das Kinderturnen beginnt am 1. Oktober d. I. Auskünfte werden an den Turnabenden in dem Bereinslokale, Wien, I, Mölkerbastei 5, bereitwilligst erteilt. Brüuu. (Installierung des neuen Rabbiners.) Am 17. d. M. fand hier die Einführung des neuen Rabbiners Dr. L. L e w y in der üblichen Weise statt. Beftemden erregte, daß zu diesem immerhin wichtigen Akte der Sonntag, und nicht der Sabbath gewählt wurde. Die Abwesenheit des Kultusvorstehers ist wohl hiefür keine genügende Entschuldigung. Warum wurde diese Installierung übrigens nicht vom früheren Rabbiner Dr. Placzek vorgenommen? Oder sollte hier nicht alles klappen? Die Gemeindemitglieder haben wohl das Recht, zu verlangen, über diese und andere Vorgänge in der hiesigen Gemeinde Aufklärung zu erhalten. Wagstadt. Sonntag, den 24. September, findet im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Kantor Markus Lö w enros en aus Freiberg mit Fräulein Jda Fischer statt. Cfsegg. Freitag, den 8. und Samstag, den 9. d. M., hielt Herr Oberkantor Jakob S ch e ch t e r aus Czernowitz in der hiesigen Synagoge einen Probevortrag, und seine auffallend schöne, klangvolle Tenorstimme, sowie sein weihevoller Bortrag fanden so großen Beifall, daß er am folgenden Tage sofort zum Oberkantor unserer Gemeinde gewählt wurde. Oberkantor Schechter, der die königl. Ungar. Landes-Musikakademie und das Wiener Konservatorium besucht hat, besitzt Zeugniste der hervorragendsten Musikkapazitäten über seine glänzenden stimmlichen und musikalischen Fähigkeiten, und kann sich die Essegger Kultusgemeinde zu dieser Wahl nur gratulieren. Czernowitz. Ueber Initiative und Einladung des Herrn Dr. Straucher fand Montag, den 21. v. M. im Sitzungssaale der hierortigen israelitischen Kultusgemeinde eine mehrstündige Besprechung von Delegierten der Judenschast des ganzen Landes statt. Den Gegenstand der Beratung bildete die Begründung einer die gesamte Judenschaft der Bukowina umfastenden einheitlichen Organisation. An dieser Beratung nahmen Delegierte aus allen jüdischen Kultusgemeinden der Bukowina teil; fast aus allen größeren Orten des Landes waren Vertreter erschienen. Im ganzen waren 70 Delegierte anwesend. Eine größere Anzahl eingeladener Vertrauensmänner waren am Erscheinen verhindert, begrüßten aber mit vollster Wärme die Begründung einer solchen Organisation und schickten teils briefliche teils telegraphische Zustimmungskundgebungen. Nach einem eingehenden Referate des Herrn Dr. Straucher und einer lebhaften Diskussion wurden die Anträge Dr. Straucher einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Es wurde ein zwanziggliedriges Komitee zur Ueberreichung des von Dr. Straucher verfaßten und in der Versammlung angenommenen Organisationsstatuts eingesetzt. Leipzig. (Synagogen-Jubiläum.) Am 10. d. M. fand in Leipzig das Jubiläum des 50jährigen Bestehens der Hauptsynagoge statt. An den Feierlichkeiten beteiligte sich ein großer Teil der Leipziger Gemeinde. Die Synagoge wurde 1655 eingeweiht. Sie galt als Hauptsehenswürdigkeit unserer Stadt. Ihr erster Rabbiner war der bekannte- Prediger Jellinek, nachmaliger Rabbiner in Wien. Die Synagoge war die erste des Königreiches Sachsen und die Leipziger Gemeinde damalsdie einzige. Doch gab es schon um 1200 in Leipzig Juden. Aus de« Chroniken erfahren wir, daß unweit der Bartfußmühle schon 1250 eine Betstube, die sogenannte „Judenschule", bestanden hat. Diese damalige „Gemeinde Lipsk" wurde aber später vom Markgrafen von Meißen aufgehoben, der auch das Gebäude der „Judenschule" einem seiner Hofleute schenkte. Kurze Zeit später wanderte in Leipzig ein Jude, namens Abrahamein. Dieser, mit Freibriefen von Fürsten und „Bürgermeister" ausgerüstete Many stand bei Hofe in hoher Gunst. Er gründete eine Privat-Synagoge, die vom Stadtrat Leipzigs privilegiert wurde. Aber wie die Mücke, die um die Lampe fliegt, der Flamme immer näher und näher kommt un^ von ihr schließlich verbrannt wird, so ging es auch Abraham, der sich a« der Flamme der Hofgunst erwärmte, und dann von ihr verzehrt wurde. Abraham wurde später seiner Güter beraubt und des Landes verwiesen. Warum? Darüber gibt die Chronik keinen Aufschluß. Bon da ab durfte sich kein Jude mehr ansässig machen, und doch wurde, als 1447 die schwarze- Pest ausbrach, dies den Juden in die Schuhe geschoben, da sie die- „Brunnen vergiftet" hätten. Nur zur Messe durften sich später einzelne Juden vorübergehend in Leipzig aufhalten. Es gab daher „geduldete"^ Betstuben. Erst 1832 sprach die sächsische Ständekammer das Wohnrechtallen Juden zu und erst 1872 wurden die Juden in Ausführung der Bestimmungen der Reichsverfastung für politisch' gleichberechtigt geachtete Das bezügliche Gesetz wurde vom damaligen König Johann von Sachsen unterzeichnet. 1847 wohnten nur 60 Seelen, 1855 bereits an 400 Seele« in Leipzig, die die Synagoge bauten. Heute zählt die Leipziger Gemeindemehr als 6000 Mitglieder, ca. die Hälfte der Juden des ganzen Königreiches Sachsen. Feuilleton. ZLriefe eines UngtückLichen. Bon Jda Böck. (Schluß.) Und sie kam. Diesmal wollte sie flehen. Ich habe nie mehr mit solch innigem Tone bitten gehört. Anfangs vermochte ich die Worte nicht zu verstehen. Erst als sie lauter und dringender wurden, als öas Zürnen wieder durchbrach, drang jede Silbe wie ein schneidendes Messer in mein Ohr: „Des Knaben wegen soll sie also dieses Riesenopfer bringen? Des Knaben wegen müßte sie sich verleugnen? Mit welchem Rechte stellt Ihr diese Forderung? Ist dieses Kind berechtigter, mehr von. seiner Mutter zu heischen als Euer Kind von Euch? Und ist diese Mutter bemüssigt, mehr Selbstverleugnung zu üben als Jhr? Ihr habet Eure Tochter in unerhörter Weise Eurer Willkür geopfert und könnet die Stirne haben, von dieser selben Tochter zu verlangen, daß sie um des Kindes willen eine saftübermenschliche Entsagung übe? Um ihres Kindes willen, dessen Leben und Gesundheit Euch vor seinem Werden so gleichgiltig. war, daß Ihr es nicht der Mühe wert fandet, einen Arzt zu. Rate zu ziehen, ehe Ihr einer Generation den Weg bahntet,. die Euch vielleicht fluchen wird. Ich beschwöre Euch wieder,. Juda Kohn, höret auf mich, auf die Stimme der Vernunft, der Einsicht, auf die Stimme Gottes. Ja, Gott spricht zu Euch, er schickt Euch einen Fingerzeig, indem er dieser Verbindung den Zwist beigesellt, er will Euch warnen, Euch behüten. Verschließet Euer Auge, Euer Ohr nicht und Ihr werdet es sehen, werdet seine milde Stimme hören. Weiset mir nicht auf die rosigen Wangen des einen Kindes hin. Danket vielmehr dem Allgütigen, daß er Euch bisher bewahrt hat. Nicht zweimal wiederholt sich leicht dasselbe Wunder. Lächelt nicht so überlegen, Reb Juda,, nicht so ironisch, ich kenne die traurige Krankengeschichte Eurer Familie, haltet ein, haltet ein, unterlasset es, sie mutwillig zu vergrößern. Jetzt könntet Ihr Euer Vorgehen noch gut machen, füget kein zweites hinzu und kein drittes." ..Frau Wand, Sie werden mich von meinem Entschlüsse nicht abbringen. Ich kann weder Ihrer noch der Überspanntheit meiner Tochter nachgeben. Es bereitet mir Herzleib, daß sie nicht zufrieden ist, aber ich bin überzeugt, daß sie sich mit der Zeit in ihr Los schicken wird. Und wer bürgt mir, daß Fanni bei ihrem Zartgefühle mit einem-andern Manne besser fortgekommen wäre, besser fortkommen würde? Im übrigen verharre WQtez&'&'-z? . st jmwh

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