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Die Wahrheit · 1905-09-15 · Heft 36 (15.9.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 36 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36. Die Wahrheit Sette 7. -Skale und noch ein Gebilde enthält,*) nachdem sie in einer 'bequemen künstlerischen Weise die glänzenden Momente der heiligen Prozession der rvrnn nPap und die ganze Erhabenheit dieser -großen historischen Handlung am Berge Sinai, und seine Bedeutung für die ganze Zukunft Israels musikalisch breit illustriert hatten, bis sie den Klimax ihrer freudigen Phantasie auf der Phrase „Kol haAsclioino t’hallel joh. Halleluja!“ erreicht haben. Und im Nu wechselten sie ihre Dur-Skale m. den Noll- Nisckelieracli-Steiger auf weal jede awodecho kothuw lemor. Wie der Inhalt des „Atto nigleitho“ ein Bild der glänzenden Vergangenheit darstellt, so ist der Inhalt des „weal jede awodecho“ ein Bild der Hoffnung für eine glänzende Zukunft, und ihre allgemeine Interpretation fordert unbedingt für die Zukunft, die wir noch zu erwarten haben, eine ernstere Skala, als für die Interpretation einer gewissen Tat der Vergangenheit. Sie wechselten abermals die Skale bei „H'wjoiu simcliatcliem“, um die Freude der Feiertagezeremouien der Vergangenheit in dem Jekum Durkau - Steiger auszudrücken, um gleich darauf von „Ki Atto schomea“ bis zum Endwort -der Dbxologie „deracttaruiiu", welches abermals Hoffnung .aussprichl, in der Llisckeberack-Noll-Skala zu schließen. XII. Unsere großen Gebete im allgemeinen sind ein Gemisch von verschiedenen Phrasen und Themen, eine Kompilation von 'Versen verschiedenen, oft entgegengesetzten Inhaltes, ein Konglomerat, worin Freude und Leiden. Klagen und Hoffnung, Vergangenheit und Zukunft zusammengewoben sind, und machen daher die engere Interpretation unmöglich. Es muß unsere Aufgabe sein, die Allgemeinheit des Inhaltes, die Quintessenz des Ganzen gesanglich zu interpretieren, ohne Rücksicht auf Silben, Wörter und auch ganze Phrasen, deren enge Interpretation zum Schaden des Ganzen dienen würde. Eine zu enge Interpretation unserer großen T/philoth würde nicht nur der Solidarität der Melodie verderblich sein, sondern zumal gar ein Mißverständnis zwischen Wort und Ton bringen. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Alois K u l k a.) Samstag, den 23. d. M., begeht der verantwortliche Redakteur unseres Blattes. Herr Alois K u l k a, sein fünfuudzwauzigjähriges Jubiläum als Herausgeber der „K o r r e s p o nüenz Kult a". Der wackere Jubilar hat sich nicht nur durch seine journalistische Tätigkeit allgemeine Sympathien erworben, sondern besitzt auch von seinem früheren kautoralen Berufe her, dem er übrigens bis zum heutigen Tage noch treugeblieben ist, zahlreiche Freunde und Verehrer, und wie wir vernehmen, sind ihm zu seinem Jubeltage mannigfache Ehrungen zugedacht. Wien. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hatte in den -letzten Tagen den Heimgang zweier Mitglieder seines Kollegiums zu betlagen, die beide in verhältnismäßig jungen Jahren gestorben sind. Der eine, med. Dr. Moriz Schnabl, wurde erst im Vorjahre in den Kultusvorstand gewählt, hatte sich aber schon früher durch sein vielseitiges gemeinnütziges und humanitäres Wirken allgenieine Sympathien erworben; und -er zweite, Herr Salamon Rosner, vormals Vorsteher der Kultusgemeinde Hernals-Ottakring, gehörte seit Vereinigung der Vorortegemeinden mit der Wiener Kultusgemeinde ununterbrochen dem Kultusvorstande an, woselbst er in verschiedenen Sektionen eine eifrige Tätigkeit entfaltete. Beiden Männern wird die Gemeinde ein ehrendes Andenken bewahren. Wien. Am ersten Tage Roschhaschonoh (1. Oktober) begeht der I. Kantor der Wiener Kultusgemeinde, Herr Jsak Schiller, sein fünfundzwangzigjähriges Amtsjubiläum in der hiesigen Gemeinde und gleichzeitig sein 40jähriges Kantorjubiläum. Wien. Anläßlich des am 6. d. M. erfolgten Ablebens der Frau Julie Theumann kamen dem Gatten und der Familie der Verblichenen zahlreiche Beweise aufrichtiger Teilnahme zu. Welch hoher Wertschätzung sich die Verstorbene in weitesten Kreisen erfreute, das kam in der ungewöhnlich starken Beteiligung am Leichenbegängnisse, das Freitag, den S. d. M., vom Trauerhause, II., Taborstraße 32 aus stattfand, zum Ausdrucke. Die kantorale Trauerfunktion versah Oberkantor B a u e r mit einem *) In der neuen russischen Ausgabe Dr. Riemans Lexikon, der in der russischen Sprache in Moskau mit vielen Vermehrungen erscheinen wird, sind die synagogalen Steiger, bei Schreiber dieser Zeilen ganz ausführlich systematisiert nach der echten synagogalen Tradition. Doppelquartette in besonders erhebender Weise, und Rabbiner Doktor Schmied l hielt einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die hohe» Tugenden der Verblichenen pries. n Wien. Oberkantor Guttmann wird Freitag, den 15. d. M., abends, seine durch längere Zeit unterbrochenen Funktionen im Leopoldstädter Tempel wieder aufnehmen. Wien, (herein Adass Jisroel.) Der Unterricht an der vom Vereine erhaltenen Privat-Religionsschule für Knaben und Mädchen beginnt Sonntag, den 17. September. Die Einschreibung findet statt: Mittwoch, den 13. September, von 9—12 Uhr vormittags, Donnerstag, den 14. und Freitag, den 16. September, von 10 Uhr vormittags bis V21 Uhr nachmittags. Weiterhin Sonntag von 3—12 Uhr vormittags, Mittwoch von 2—7 Uhr nachmittags im Schullokale, II., Negerlegasse 2. Wien. Das innerösterreichische Distrikts-Komitee teilt mit, daß auch Heuer während der hohen Feiertage ein Gottesdienst in allen Räumen des Kongreßbureaus, IX., Türkenstraße 9, stattfinden wird. Die V. T. Gesinnungsgenossen und ihre Damen werden höflichst eingeladen, die gewünschten Plätze rechtzeitig zu belegen. Nähere Auskünfte erteilt Herr T e i t e l b a u m im Kongreßbnreau und nimmt Anmeldungen entgegen. Bad Hall. Dienstag, den 29. August d. I.. fand im hiesigen Kursalon ein von der Badearztensgattin Frau Mathilde P o l l a k veranstaltes Wohlrütigkeitskouzert statt, das dank dem trefflichen Arrangement ein zahlreiches, vornehmes Publikum vereinigte und sowohl künstlerisch wie materiell den lobenswertesten Erfolg zu verzeichnen hatte. Eingeleitet wurde der Abend durch Klaviervorträge des Frl. Frida Ezaczkes, welche lebhafte Auerkenuung fanden und au die sich Gesangsvorträge der Altistin Frl. Amalia T a s s i reihten. Auch dieser Künstlerul wurde lebhaftester Beifall zuteil, der seinen Höhepunkt erreichte, als Herr Erster Kantor Don Fuchs aus Wien Opernarien und Lieder zum Bortrag brachte. Ein Biolinvortrag des Herrn Konzertmeisters Reich bildete die Fortsetzung des Programms. Humoristische Borträge und Kouplets vom Mitglied« des hiesigen Kurtheaters Herrn S ch ö n t h a l vorgetragen, entfesselten wahre Lachstürme und bildeten den Abschluß des genußreichen Abends. Bon dem Reinerlrügnisse wurde die Hälfte der Sttophuloseukolome des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim", die andere Hälfte dem Reisefonds für arme Kurgäste ohne Unterschied der Konfession zugeführt. Budapest. Der königl. ungarische Kultusimd Uuterrichtsminister hat kürzlich eine merkwürdige Entscheidung bezüglich der Zirkumzision getroffen Der jüdische Fabriksdirektor F. Trebitsch in Kesmark ließ a» seinem Sohne die Zirkumzision nicht vornehmen. Im vorigen Schuljahre wurde der Knabe in die dortige evangelische Schule eingeschrieben, wo er durch den Religionslehrer Heinrich Deutsch über Weisung des orthodoxen Rabbiners vom Religionsnnterrichte ausgeschloffen wurde. Trebitsch führte hierüber Klage beim Schulinspektor, der die Angelegenheit an das Unterrichtsministerium leitete. Der Minister hat nun, mit Berufung auf den ß 11 des G.-A. XXXVII1 1868 und den G.-A. XXXI1 1904 den Schulinspektor aufgefordert, dafür zu sorgen, daß dem Knaben der israelitische Religionsunterricht zuteil werde. Der Minister beruft sich auch auf das Gutachten der israelitischen Landeskanzlei, wonach die Zugehörigkeit zur jüdischen Konfession, bezw. die Teilnahme am Religionsunterrichte, Zirkumzision als conditio sine qua non nicht abhängig sei. Beszprvm. Herr Kantor I. W e i s z aus Sopron wurde nach mit großem Beifalle hier abgehaltenem Probevortrag einstimmig als Oberkantor gewählt und hat seine Stelle bereits am 1. September angetreten. Frankfurt a. M. In der Sommerfrische Borkum ist im vorigen Monat ein jüdischer Bilderhäudler, der dort eine Bilderausstellung mit Verkauf veranstaltet hatte, durch den ortsansässigen und ortsfremden antisemitischen Pöbel gewaltsam zum Verlassen der Insel gezwungen worden. Aus diesem Anlasse ging der „Franks. Ztg." nachfolgender Protest einiger Kurgäste aus Borkum zu: „Wenngleich es allerwärts bekannt ist, daß seit Jahren auf der Insel Borkum eine jeder zivilisierten Nation unwürdige Judenhetze geduldet wird, so wollen wir dennoch nicht unterlassen, nochmals auf diese bedauernswerten Zustände hinzuweisen. Wir haben uns während unseres hiesigen Aufenthaltes persönlich überzeugen können, daß die antisemitische Strömung auf Borkum die Grenzen alles dessen, was man kurzweg als anständig zu bezeichnen gewöhnt ist, überschritten hat. Nicht allein, daß alltäglich in den größten Hotels des Ortes abstoßende Spottlieder auf die Juden angestimmt werden, u. zw. von den Hotelgästen, unter Begleitting von Musikkapellen, nicht allein, daß jedem Juden, der die Insel betritt, der Aufenthalt daselbst ohne triftigen Grund untersagt wird (also eine direkte Verletzung der Gesetze), nicht allein, daß Zettel mit ungebührlichem Text, wie: „Raus mit den Juden" in den Straßen zur öffentlichen Bekanntmachung angebracht werden, sondern das auf diese Weise systematisch gepflegte Radau-Amüsement eines tit. „gebildeten" Pöbels hat kürzlich dazu geführt, daß ein auf die Insel gekommener jüdischer Gemäldehändler durch gröbliche Angriffe vom Orte vertrieben worden ist. Dem Mann ist es nur mit knapper Not gelungen, seine Bilder vor den Angriffen zu retten. Auch die liebe Jugend beteiligte man nach eigentümlichen Erziehungsgrundsätzen an der Aktton! Wir, als Kurgäste von Borkum, protestieren gegen dieses ungezogene Vorgehen der hiesigen Antisemiten. Wenn die nach der Insel kommenden Fremden nicht genug Anstand kennen, um sich an einem Ort, wo sie die Gastfreundschaft genießen, den Verhältnissen angemessen zu verhalten, so wäre es die Pflicht der Behörden, diesen Ausschreitungen ein Ende zu machen. Das öffentliche Singen des Spottliedes dürften die Gasthofbesitzer nicht dulden, und Gäste, die sich den Vorschriften widersetzen, müßten ersucht werden, die Insel zu

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