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Die Wahrheit · 1905-09-01 · Heft 34 (1.9.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 34 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34. Die Wahrheit Seite 7* icht 6egemg es ein der rd, enrng zuetzt degen en. P teil och;eln- Die ibt, für bis :fte;nrch )as ind mit che )en ach :cht mn;icr icht )en inren Zen che sen Sen Oie che!Wtes der rra tet, um )en lick sen se iß- )en W ren Ses laß itte -führen, die Gefahren eines Sonderabkommens verkennen sollten, j Sie werden sich sagen, daß bei dem heutigen Stande der ^russischen Entwicklung die Judenfrage nur gelöst werden kann im Zusammenhang mit der Gesamtheit der politischen Fragen in Rußland.. Eine freiheitliche Konstitution, die von her Zustimmung des russischen Volkes getragen wird, kann allein die Gewähr bieten, daß auch die staatsbürgerlichen Rechte der Juden im Zarenreich bleibend Anerkennung finden. Die Polen und Finnen wissen bereits, was Gnadenbeweise des heutigen Regiments in Rußland zu bedeuten haben. Man hat ihnen Erleichterungen gewährt, um sie .zu beruhigen, und die Administration hat diese Erleichterungen sogleich wieder vernichtet. Den Juden würde es schlimmer ergehen. Jede einseitige Besserung ihrer Lage würde den Haß bei den reaktionären Parteien in Rußland steigern und bei den -Oppositionsparteien eine Antipathie Hervorrufen, die jetzt nicht vorhanden ist. Bei einer solchen Stimmung des russischen Volkes wä''.'. es aber der zarischen Regierung alsdann ein Leichtes, jede gewährte Konzession ohne weiters wieder zurückzunehmen. Solche -Erwägungen werdeunalürlich so welterfahreneMännerwiedie Unterhändler in Amerika gleichfalls anstellen. Für jeden politischen .Kopf kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Judenfrage in Rußland sich nur als ein Teil der russisch-politischen Gefamt-Probleme darstellt, und daß die Judenfrage heute nicht -mehr isoliert, sondern nur im Zusammenhang mit der Versassungsfrage gelöst werden kann. Es mag sein, daß auch heute ein kleiner exklusiver jüdischer Kreis in Rußland, der die Fühlung mit der Müsse seiner Glaubensgenossen verloren hat, von einer anderen Lösung träumt. Dem gegenüber muß sestgest lltwerden, daß die Masse der Juden in Rußland sich mit der Masse des r u s s is ch e n Volkes solidarisch fühlt, und diese Elemente sind Politisch reif genug, um diese Solidarität nachdrücklich auch in der Oeffentlichkeit zu betonen. Das angesehene jüdische Organ „Der Fraind' in St. Petersburg schreibt bereits in seiner Nummer vom 14. August, daß Sonderbegünstigungen niemals in Frage -kommen könnten und daß es sich nicht um Einwirkungen auf diese oder jene Person handeln könne, sondern um die Ersetzung des jetzigen Systems durch ein anderes : „Ohne Rücksicht darauf, daß Ihr in dem freien Amerika lebt und wir hier in Rußland nur das Wort Freiheit zu hören bekommen, so haben wir dennoch bie Vorstellung, die Ihr von uns haben könntet, überlebt . . . Hunderttausende des jüdischen Volkes haben mit dem System des Fürbitteneinlegens gebrochen und wollen nicht mehr zu biesem System zurückkehreu". Solche interessanten Aeußerungen sind dazu angetan, der reaktionären „Nowoje Wremja" ihr Spiel zu verderben; sie möchte so gern \bie russischen Juden in den Augen der liberalen Westeuropäer als Fahnenflüchtlinge diskreditieren, die für kleine Sondervorteile sogleich bereit sind, die gemeinsame Sache des gesamten vorwärtsstrebenden russischen Volkes preiszugeben". Verschiedene Nachrichten. Ischl. Der zum Sommeraufenthalte hier weilende türkische Bankier Herr Henri Baron M e n a s a aus Kairo feierte am 30. August das Beschneidungsfest seines neugebornen Söhnchens und wurde zu diesem Zwecke der als Beschneidungsoperateur bestbekannte Herr Dr. Adolf Herz selb ans Wien hieher berufen. Prag. Die A l t n e u-S ynagoge und das jüdische Rathaus bleiben erhalten; es handelt sich um eine würdige Form, sie der modernen Umgebung anzupassen. In dieser Hinsicht hat, wie der „Stavebm Obzor" meldet, das Prager städtische Bauamt zwei Projekte ausgearbeitet, deren Urheber der Vorstand dieses Amtes, Baurat Baclavek und Ingenieur Hruby sind. Die größten Schwierigkeiten boten die Höhenverhältnisse, da die beiden Baudenkmale auf 1.4 Meter verschüttet sind und nach dem Assanierungsprojekte das Niveau der Niklas- und Rabbinergasse gehoben werden soll. Die eine Variante empfiehlt nun die Belastung des bisherigen Niveaus in der Rabbinergasse und eine Hebung des Niveaus der Niklasgasse, so daß durch Verbindung mit dem Kreuzungspunkte eine allmähliche Steigung erzielt wird. Der Raum vor der Nordseite der Synagoge soll in einen halbkreisförmigen Park umgewandelt werden, bei Belastung der gegenwärtigen Höhe der Synagoge. Den Ueber- -gang aus der Roten Gaste in die Niklasgasse soll eine Stiege vermitteln; in der Umgebung beider Gebäude sollen keine vierstöckigen Häuser gebaut werden dürfen. Die andere Variante empfiehlt die Hebung der Synagoge und des Rathauses um ungefähr 11j2 Meter. Diese Lösung hat auch Architekt Wiehl befürwortet, und eine Budapester Gesellschaft hat sich erbötig gemacht, die Hebung der beiden Gebäude um einen Betrag von 100.000 Kronen durchzuführen. Da die Stadtgemeinde Prag angeblich nicht die Mittel zur Deckung der Hebungskosten besitzt, appelliert das angeführte Blatt an die jüdischen Korporationen,- die nötigen Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Znaim. Anläßlich des 75. Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers fand im Tempel der hiesigen Kultusgemeinde ein Festgottesdienst statt, zu welchem der Gesamtvorstand mit dem Präses Hermann Steiner, der Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Dr. H o u r m a, ein Vertreter des Bezirkshauptmannes und zahlreiche Gememdemitglieder erschienen. Nachdem Kantor Handgriff unter Orgel- und Chorbegleitung das große Haleluja von Sulzer exakt vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. K a h a n eine patriotisch erhebende Rede. Mit Absingung der Kaiserhymne schloß die schöne Feier. Tyrnau. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr Lewi Rosenblatt, Bruder des Oberkantors Jos. Rosenblatt in Preßburg, als Oberkantor gewählt und wird derselbe am 1. September sein Amt cmtreten. Frcistadt. Am 20. August fand die feierliche Installierung des neugewählten Rabbiners Dr. G. M. Mehrer in der hiesigen Gemeinde statt, welche mit der Kaiserfeier verbunden wurde. Beim Eingänge des Tempels wurde der Rabbiner vom Kantor K o r n b l u m mit dem Chore „Borucb Habo" begrüßt, worauf Vorsteher Dr. Mayer denselben im Namen der Gemeinde begrüßte. Dr. Mehrer hielt seine Antrittsrede, welche allgemeinen Beifall fand. Lemberg. (U n w ü r d i g e Z u st ä n d e.) In den Gassen kleben jetzt schon Plakate, welche diejenigen, die Gottesdienste auf die hohen Feiertage arrangieren wollen, auffordern, beim Kultusvorsland um Bewilligung hierzu einzukommen. Bald werden wir auch Plakate der Unternehmer zu sehen bekommen, die sich ein Geschäft von der Einrichtung der Gottesdienste für die drei Tage machen. Das ganze Jahr hindurch haben tausende Juden nicht das Bedürfnis, in die Synagoge zu gehen, und dadurch sind die bestehenden Synagogen viel zu wenig und viel zu eng, um die Besucherzahl am Roschhaschonoh und Jomkippur aufuehmen zu können. Fast in jedem Hause ist an diesen Tagen ein Minjan; Kaffeehäuser, Tanzsäle, selbst Pferdeställe geniert man sich nicht, in Betlokale zu verwandeln. Wahrlich, etwas Aehnliches existiert nicht bei irgend emem Volke der Welt! Es ist endlich einmal Zeit, gegen diesen Chillul Haschem energisch zu protestieren! . Fünfkirchen. (Jubilierender Chordirigent.) Vor 30 Jahren kam ein junger Musiker nach Pecs, trat in Dienste der israelitischen Kultusgemeinde und dirigierte den Kirchenchor drei Jahrzehnte hindurch, so, daß heute in ganz Ungarn in keinem israelitischen Tempel ein solcher Chor zu hören ist. Wenn es notwendig war, versah er auch das Orgelspiel, welche er mit ebensolcher Kunst handhabt, wie das Cello, Violine, oder jedes andere Instrument. Denn der damals noch junge Musiker, Isidor G o l d st e i n, war ein universales Musikergenie, der, wenn es sich um einen wohltätigen Zweck handelte, nicht zurückscheute, auf Clownart die Violine mit den Füßen zu spielen. Er ließ sich in Pecs nieder und leistete dem Musikleben unserer Stadt seinerzeit große Dienste. Denn Goldsiein ist kein gewöhnlicher Musiker, wie viele andere. Aus Rußland gebürtig, absolvierte er das St. Petersburger Konservatorium. Das Klavierspielen lehrte ihn Rubinstein, die Violine Wieniawßky und er verließ das Konservatorium mit einem ausgezeichneten Zeugnis in der Hand. Bei einem Karlsbader Konzert wurde er mit den damals in der Kultusgemeinde Wortführenden bekannt. Sein Bruder H e r m a n n, der heute in New-Iork 13 eigene Häuser hat, war zu jener Zeit Oberkantor in Pecs. Er kam zu Besuch des Bruders nach Pecs und da ihn jene, die ihn konzertieren hörten, der Kultusgemeinde empfahlen, wurde er engagiert und er versah sein neues Amt mit staunenswertem Fleiße. Der junge Musiker wurde bald in Pecs allgemein beliebt und hatte in kurzer Zeit so viel Musikstunden, daß er kaum imstande war, überall zu entsprechen. Sein Unterricht war erfolgreich. Später gab er das Stundengeben auf und jetzt befaßt er sich außer dem Dirigentenstabe mit Klavierhandel. Er feierte sein Jubiläum im Kreise seiner Familie und wir dürfen sagen, daß ihn sein Unstern nach Pecs gebracht hat, denn er hat hier nur seinem Berufe gelebt. Wenn er in der Hauptstadt geblieben wäre, wäre er heute einer der bekanntesten Musiker und Komponisten, denn er ist im Komponieren ebenso bewandert, wie in der Handhabung der Instrumente. Mit einem Worte: er ist eine interessante Persönlichkeit, denn er hat dem Ruhm und Reichtum entsagt und widmete sich nur dem Musikleben einer Stadt. Wir freuen uns, daß ihn das Schicksal uns gesichert hat und wünschen ihm und seiner oft fehlgekannten, in ihren Resultaten erfolgreichen Tätigkeit viel Glück! Maramaros-Sziget (Eine Synagoge kann nicht exequiert werden.) Die hiesige orthodoxe Religionsgemeinde reichte beim Gerichtshöfe ein Gesuch ein, es möge zu ihren Gunsten auf das Grundstück der sephardischen Religionsgemeinde das exekutive Pfandrecht in der Höhe von X 5794 intabuliert werden. Der Gerichtshof gab diesem Begehren auch Folge, doch wurde der bezügliche Bescheid seitens der Debrecziner königlichen Tafel abgeändert und die Ausführung desselben untersagt, weil auf dem fraglichen Grundstücke mittlerweile ein Bethaus erbaut wurde, ein dem Gottesdienste gewidmetes Gebäude aber keiner Exekution unterzogen werden kann.

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