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Die Wahrheit · 1905-09-01 · Heft 34 (1.9.1905) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 34 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 34. ahnen nicht, daß sie einen echt jüdischen Namen führen: Jochanan. Dasselbe gilt von der weiblichen Form Johanna oder Hannchen (Channa). Uns schwebt aber eine ganz andere, zum mindesten gesagt, Unart, vor, die nicht etwa der gedankenlosen Menge zur Last fällt, sondern den führenden geistigen und wissenschaftlichen Männern des Judentums. Wir meinen die Spre'ch- und Schreibweise der biblischen Eigennamen. Unbewußt bilden Rabbiner und Lehrer die Form der Männer- und Frauennamen der heiligen Schrift um, nach der Weise, wie die Septuaginta, wie Luther sie schreiben. Mit welchem Rechte neunen wir Risko: Rebeka, Mauscheh: Moses, Schlaumoh: Salomo? Am allerwenigsten sollten in den Religionsschulen oder gar auf der Kanzel diese fremden Formen gewählt werden. Habe ich doch selbst in einer jüdischen Religionsschule der Reichshauptstadt gehört, daß man den Kindern die Geschichten von Jsa-ak (genau so gesprochen!) erzählte. Welche Berechtigung hat etwa die Schreibweise Aaron statt Ahron, > oder Juda statt Jehuda u. s. w. l? Nur. eine einzige Ausnahme fand ich unter allen den zahlreichen Religions- und Geschichtsbüchern der letzten Jahrzehnte, wo die Eigennamen die einzige, richtige Schreibweise: Mosche, Rifka, Schelomo u. s. w. haben, in denen Jacobsohns, die doch sonst in vieler Beziehung meines Erachtens manchen Tadel verdienen. Leider hat auch Herr Dr. H offmann in dem oben erwähnten exegetischen Werke die falsche Schreibweise gewählt. Er schreibt stets Moses und Aaron. Also fort mit diesen »«jüdischer Namen aus dem jüdischen Unterricht, aus den jüdischen Unterrichtsbüchern, vor allem von der Kanzel. Unser hier sehr berechtigtes Selbstbewußtsein befiehlt uns, unsere schönen jüdischen biblischen Namen in Ehren zu halten und von willkürlicher Entstellung abzulassen. Das rassische Dolksverlretangsgesetz «ad die Jade«. Als man zum ersten Mal während der revolutionären Bewegung in Rußland davon munkelte, daß dem Volke eine Verfassung gegeben worden solle, hieß es gleichzeitig, die Juden sollten von dem Wahlrecht ausgeschlossen werden. Die „Verfassung" ist da, wie es aber mit dem Wahlrecht der fünf Millionen und noch mehr Juden steht, das wird man authentisch vielleicht erst erfahren, wenn es an die Wahlen geht. In dem Verfassungsbezw. Volksduma-Gesetz ist von Juden nirgends die Rede, wenn man sie nicht unter den „fremden Untertanen" verstehen will, für die wie für die Nomaden, Polen, Finländer u. s. w. noch ein besonderes Gesetz in Aussicht gestellt ist. Lassen wtr aber die „fremden Untertanen" als unverständlich ganz bei Seite und nehmen wir an, daß, da von den Juden nicht ausdrücklich die Rede ist, sie auch als mit inbegriffen unter die Wähler anzusehen sind, so sind die Juden doch stiefmütterlich genug bedacht. Sie sind nicht nur aus freier Wahl, sondern gezwungen in Rußland Städtebewohner. Die Städte aber haben nur wenige Vertreter in die Duma zu entsenden, und die großen Städte, in welchen die Juden vorzugsweise wohnen, also Odessa, Riga, Kiew, nur je einen Abgeordneten, genau so wie viel kleinere Städte, in denen fast gar keine Juden wohnen. Dazu kommt, daß das von Juden dicht bewohnte Polen überhaupt erst noch mit einem Wahlgesetz beglückt werden soll. Indessen auch in den Städten sind nur vergleichsweise wohlhabende Leute wahlberechtigt. Die Armut der Juden in Rußland aber ist bekannt. Es sind nicht viele Juden, die Immobilien im Werte von mindestens 1500, in Petersburg von 3000 Rubel besitzen; jedenfalls ist ihre Zahl im Vergleich zu den 5 bis 6 Millionen russischer Juden eine verschwindend kleine. Mit der Wahlberechtigung der Juden,» selbst wenn sie nicht, wie ursprünglich, beabsichtigt war, ganz entrechtet sein oder als „fremde Untertanen" ein besonderes Wahlrecht erhalten sollten, ist es also im günstigsten Falle nicht weit her.z Die Juden brauchen es nicht zu bedauern, von der Berechtigung, in eine solche Volksvertretung zu wählen oder gewählt zu werden, ausgeschlossen zu sein. Diese Volksvertretung ist keine Volksvertretung, soll es nicht sein und wird es nicht sein, wenn sie überhaupt sein wird. Denn es wird ein sehr zweifelhaftes Glück sein, Mitglied der Duma zu sein, der schon jetzt die Umstellung mit Kosaken in Aussicht gestellt wird, deren Kompetenzen sehr beschränkt sind und der jeden Augenblick bald vom Präsidenten, der eine Kreatur der Regierung sein kann und voraussichtlich sein wird, vom Minister, und zuletzt auch noch vom Zaren Zügel angelegt und Schranken gesetzt werden können, deren Mitglieder trotz der zugesicherten Redefreiheit, da diese nur auf im Grunde untergeordnete Fragen beschränkt ist, jederzeit in Gefahr sitid, aufgehoben zu werden. Diese russische Verfassung hat für das russische Volk r'cht den Wert des Papiers, auf dem sie steht, sie kann im Gegenteil dazu dienen und hat schon jetzt bogu gedient, das Volk noch weiter zu knebeln. Die russische Presse, die zu loben gezwungen ist, lobt die Verfassung derartig, daß jeder die Unzufriedenheit, die bittere Enttäuschung herauslesen kann. Die ganz und gar verblendete russische Bureaukratie hat geglaubt, dem Volke wie hungrigen Wölfen etwas hinwerfen, es so für den Augenblick befriedigen und bis auf bessere Zeiten, d. h. bis sie kecker auftreten kann, Hinhalten zu können. Aber sie dürfte sich sehr getäuscht haben. Das russische Volk, die russische Intelligenz lassen sich nicht so betrügen, wie die Zaren sich durch die Bureaukratie bis jetzt noch immer haben betrügen lassen. Das ist eine Verfassung, eine Volksvertretung ä la Potemkim, und die Juden brauchen sich nicht sonderlich zu grämen, daß sie mit ihr nichts oder doch nicht viel zu tun haben dürfen. Das russische Volk wird mehr, bald mehr haben wollen und mehr haben müssen, und dann wird man nicht umhin können, auch den. Juden gerecht , zu werden. Man wird ihnen auch, gerecht werden wollen. Denn ein Volk, das selbst frei sein will, kann nicht die Knechtung anderer Mitbürger wünschen. Je freier ein Land, desto besser stehen sich auch in politischer Hinsicht die Juden. * * , * Dte „Frankfurter Zeitung" erhält von einer hervorragenden Persönlichkeit in Rußland folgende Zuschrift: „Sie brachten jüngst ein New-Iorker Telegramm, das anknüpfend an die Besprechungen Wittes mit hervorragenden amerikanischen Bankiers bemerkt: Es hätten diese Erörterungen zu einem greifbaren Resultat im Hinblick auf die russische Judenfrage noch nicht geführt. Die Kürze einer solchen Depesche kann zu Mißverständnissen führen, und tatsächlich haben ähnliche Nachrichten der vorhergehenden Tage schon unerfreuliche Erscheinungen in Rußland gezeitigt. Die „Nowoje Wremja", deren reaktionäre und antisemitische Tendenzen hinlänglich bekannt sind, weist darauf hin, wie New- Iorker jüdische Organe die Frage erörtern, ob man Wittes Fürsprache in der Judenfrage in Anspruch nehmen sollte oder nicht, und die Ausstreuungen reaktionärer Kreise in Petersburg gehen, wie ich weiß, noch einen Schritt weiter. Man behauptet, daß seitens der Juden Anstrengungen gewacht werden, um durch die Hergabe von Geld Rußland einen schimpflichen Frieden annehmbarer zu machen und um im selben Augenblick sich in Rußland selbst alsdann Sondervorteile zu sichern. Die Wirkung, die durch solche Darstellung erzielt werden soll, ist offensichtlich. Der Haß der reaktionären Kreise gegen die Juden soll vermehrt werden und das Mißtrauen jener oppositionellen russischen Kreise, die keine Juden sind und die mit der Verfassungsfrage zugleich die Judenfrage lösen wollen, soll gegen die Juden rege gemacht werden, denen unterstellt wird, eigenmächtig und losgelöst von der Masse , des russischen Volkes Sondervorteile zu suchen. .; Nun ist meiner Ansicht nach nicht zu fürchten, daß jene hervorragenden Männer, die die Verhandlungen mit Witte

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