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Die Wahrheit · 1905-08-25 · Heft 33 (25.8.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 33 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33. Die Wahrheit Sette 7. nvurde sofort von der Tuzlaer Jsraelitengemeinde zu ihrem Rabbiner berufen. Urbach war einer der begabtesten und allerbesten Hörer der obenerwähnten Hochschule und verspricht dereinst aus seinem Gebiete Hervorragendes zu leisten. Budapest. Mit aufrichtigem Bedauern bringen wir die Trauerckunde von dem am 13. d. M. in Trencsin-Teplitz nach längerem Leiden erfolgten Ableben der Frau Lazar Eppinger geb. Karoline Lall mann. Die Seligentschlafene, welche ein Alter von 67 Jahren erreichte, war die treffliche Stammesmutter eines hochachtbaren Hauses, eines weitausgedehnten, hochangesehenen Familienkreises. Sie war eine jüdische Frau in des Wortes schönster Bedeutung. Ihre anmutige Erscheinung ließ schon auf ihre seltenen Herzens- und Charaktereigenschaften schließen. Sie war reich an edlen Frauentugenden und war eine Priesterin der Wohltätigkeit. Ihr Gatte, der hochbetagte Lnzar Eppinger, der Begründer und Seniorchef des hauptstädtischen Großhandlungshauses Läzar Eppinger & Söhne, klagt schwer und schmerzlich über den Heimgang seines chm durch 46 Jahren in Liebe und Treue ergebenen Weibes. Sie war ihm Trost und Freude, sein Stolz und seine Begeisterung. Und was sie ihren Kindern und- Kindeskindern gewesen? Die zärtlichste, fürsorgendste und aufopferungsfähigste Mutter! Sie hatte aber auch das hohe Glück und die reine Freude, zu sehen, daß ihre Kinder in geachteten Lebensstellungen sich befinden und ehrenvoll durchs Leben schreiten. Sie lebte nur für ihr Haus und ihre Familie. Dabei vergaß sie auch derjenigen üicht, die hilfesuchend sich ihr nahten. Mit einem Worte: sie war recht .find gerecht vor Gott und der Welt. Die Verklärte zählte aber auch zu finstren frommgläubigen Frauen, welche streng alle vorgeschriebenen Observanzen beobachtete. Am Sterbetage dieser edlen Frau fügte es ein merkwürdiger Zufall, daß um die Mittagszeit alle ihre Kinder zum Besuche der heißgeliebten Mutter sich in Trencsin-Teplitz einfanden. Zu dieser .Z^it hatte noch kein Mensch eine Ahnung davon, daß der Tod so bald dieses schöne Leben vernichten werde. Groß war die Freude des Wiedersehens — leider aber kam der Abend und mit ihm das unerwartete Hinscheiden dieser herzensguten Frau. Ihr Sterbelager umstanden der greise Gatte und die schmerzerfüllten Kinder. Die Leiche wurde nach Budapest gebracht und daselbst im Trauerhause (Bathorygasst 19) aufgebahrt. Von hier aus ging die Leichenfeier unter imposanter Beteiligung eifies großen Trauerpublikums am 15. d. M. vor sich. Man sah daselbst ds'e vornehmsten Repräsentanten der Kaufmannschaft, der Industrie, des Äbvokaten- und Aerztestandes, Abordnungen und Vertreter humanitärer .Institutionen, philanthropische Vereinigungen in corpore u. s. w. Die Pester israelitische Religionsgemeinde war durch den Gemeindevorsteher Sigmund L. Breitner und den Tempelvorsteher Abraham Nagler, die Chewra Kadischa durch den Vizepräsidenten Eduard Fleischmann vertreten, öie Deputation der Ofner israelitischen Kultusgemeinde und der Ofner Chewra Kadischa wurde von den Präsidenten Dr. jur. Isidor Szabolcsi und Moriz Stern, sowie vom Oberabbiner Dr. Arnold Kiss geführt. Nachdem Oberkantor Professor Adolf Lazarus, vom vollzähligen Tempelchor assistirt, in ergreifender Weise die Trauergesänge zu Gehör gebracht hatte, würdigte Rabbiner Dr. Samuel Kohn in einem gedankenreichen, zu .Herzen gebenden Nachrufe das an guten Werken so reiche Leben der Verstorbenen. Dann setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung; an der Tete schritten die Wohltätigkeitsvereine, die mit ihren Fahnen ausgerückt waren. Die Beisetzung erfolgte im Kerepeser Friedhofe. D. H. S. Stomfa. Am 15. d. M., abends, verschied hier Emanuel Justh infolge Herzschlages im 51. Lebensjahre. Er war langjähriger Kultusworsteher der hiesigen, unter seiner Amtstätigkeit reorganisierten israelitischen .Kultusgemeinde, Präses des hiesigen israelitischen Armen-Unterstützungsvereines Chessed Neurim, der Majordomus des hiesigen Kasino, und begabt mit besonders reicher Berstandesklarheit und tatkräftiger Energie wirkte er segensreich in allen diesen Korporationen und unterstützte auch sämtliche hiesigen gemeinnützigen Institutionen. Sein Hinscheiden hat eine hier schwer auszufüllende Lücke hinterlassen. Seinen Tod beweinen eine von Trauer und Schmerz gebrochene Witwe nebst sieben teils noch im .zarten Alter stehenden Kindern. Unter allgemeiner Teilnahme der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession, in Anwesenheit des Ortsvorstandes, des hochwürdigen Ortsdechant Ignaz G o m d und vieler von auswärts erschienener Trauergäste fand am 17. d. M. vormittags das Leichenbegängnis statt. Die an der Bahre vom Oberrabbiner Ehrwürden Moriz Herzog gesprochene Trauerrede, die dem allgemeinen Schmerze beredten Ausdruck gab, war tiefergreifend. P. Szabadka. In der Generalversammlung der hiesigen israelitischen .Kultusgemeinde wurde unser allgemein beliebter Oberkantor Herr Gaspar L i f s ch i tz definitiv und der Kantor Lajos Berger aus Amerika zum .zweiten Kantor gewählt. Durch die definitive Wahl des Herrn Lifschitz zum Oberkantor hat unsere Kultusgemeinde den Beweis erbracht, wie sehr auch sie das hervorragende Talent dieses allgemein hochgeschätzten Funktionärs anzuerkennen " vermag. In derselben Sitzung wurde auch der Notär Singer definitiv ernannt. Bukovar. Eine überaus glänzende Trauung fand am 15. d. M. in unserem schönen festlich geschmückten Gotteshause statt, das nur einen Teil der Erschienenen fassen konnte, während Hunderte im Tempelhofe stehen mußten. Der Budapester Arzt, Redakteur der „Pester medizinischchirurgischen Presse", Dr. Desider Hahn, führte Fräulein Kamilla L ö w y, die Nichte unseres ob seiner seltenen Wohltätigkeit allgemein hochverehrten, verdienstvollen Gemeindepräsidenten, Herrn Viktor Baum, unter den Trauhimmel. Der Ehrentag des glücklichen Paares war aucd einFreudenlag für die hiesigen und auswärtigen Armen. Unter den feierlichen Klängen des Mendelssohnschen Hochzeitsmarsches nahm der imposante Zug die Plätze im Gotteshause ein. Mit einer zündenden Ansprache segnete Ober- Rabbiner Dr. Diamant den Herzensbund des Brautpaares, und nach dem feierlichen Akte wurde vom Oberkantor A. Schwarcz und dem Chore das Grünzweigsche „Brautlied" (Mög' der Segen) weihevoll vorgetragen. Viele Hunderte von Nah und Fern beglückwünschten die Neuvermählten im gastlichen Hause unseres Präsidenten und seiner trefflichen Gemalin Jsabella Baum, der hochverehrten Präsidentin unseres Frauenvereines. 8. Kopenhagen. Herr Dr. S ch o r st e i n, Rabbiner in Leitmeritz, ist einstimmig als Nachfolger des unvergeßlichen Dr. G o i t e i n zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Paris. Der bekannte Orientalist Jules O p p e r t, Profeffor der Assyriologie am College de France und des Instituts, der erst vor einigen Wochen anläßlich seines 80. Geburtstages so vielfach und glänzend gefeiert wurde und trotz eines schweren Leidens bis vor kurzem seine Vorlesungen regelmäßig abhielt, ist am 20. d. M. gestorben. Der nun verblichene Gelehrte war 1825 in Hamburg vou jüdischen Eltern geboren, studierte erst Jura in Heidelberg, dann orientalische Sprachen in Bonn. Da es für Juden zu jener Zeit in Deutschland nicht möglich war, die akademische Laufbahn einzuschlagen, suchte Ovpert ein neues Vaterland in Frankreich. Im Jahre 1847 ging er nach Paris, erhielt dann eine Anstellung als Lehrer des Deutschen am Lyceum zu Laval und später am Lyceum in Reims. 1851 wurde er mit anderen Gelehrten zur Erforschung der Ruinenhügel nach Mesopotamien geschickt, wo er die Stätte des alten Babylon gründlich durchforschte. Nach seiner Rückkehr widmete er sich der Entzifferung und Erklärung der assyrischen Keilschrist. Seit 1857 war er Professor des Sanskrits an der kaiserlichen Bibliothek zu Paris und 1869 wurde er mit dem Lehrfach der Assyriologie am College de France betraut, welche Stellung später zur ordentlichen Professur erhoben wurde. 1863 erhielt er den Nationalpreis von 20.000 Francs; im Jahre 1881 wurde er zum Mitglied der Academie des Inscriptions gewählt. Die Zahl der von Oppert verfaßten Werke ist sehr bedeutend. Öppert hinterläßt einen Sohn, der Arzt ist, und mehrere Töchter, deren eine gleichfalls an einen Pariser Arzt, Dr. H i r s ch b e r g, verheiratet ist. Petersburg. Immer größer wird die Zahl ehemaliger Juden, die von dem Toleranz-Erlaß Gebrauch machen, um reumüthig zu dem von ihnen verladenen Judenthum zurückzukehren. Unter denselben befindet sich auch der bekannte Kiewer Rechtsanwalt Knpernik, dessen Ruhm weit über die Grenzen Rußlands hinausstrahlt. Das jüdische Volk kann auf diesen reuigen Sohn stolz sein. Während seiner vierzigjährigen Angehörigkeit zum Chrisienthum war er stets bemüht, den Juden nach Kräften zu dienen und in zahlreichen die jüdische Gesamtheit angehenden Prozessen, zuletzt auch beim Krawall-Prozeß in Homel, die Interessen des jüdischen Volkes zu vertreten. Auch Rechtsanwalt Bernstein in Jelisawetgrad, Mitglied der Odessaer Anwaltskammer, der vor einigen Jahren zum Protestantismus übergetreten war, hat dem Kronsrabbiner die Mitteilung zugehen lagen, daß er wieder Jude geworden ist. Er schreibt: „Niemals habe ich die von der protestantischen Kirche vorgeschriebenen Ceremonien beobachtet. Dagegen habe ich nicht einen Moment aufgehört, mich als Jude zu fühlen und am geistigen Leben meines schwer geprüften Volkes teilzunehmen." Sehr intereffant ist auch, daß Hunderte von Sabbathianern (Sabbath-Beobachtern) sowie andere judaisierende Sekten den Czar-Erlaß benutzen, um offiziell zum Judenthum überzutreten. Die Bauern ganzer Dörfer im Gouvernement Astrachan nehmen das Judenthum an, und viele von ihnen wandern nach Palästina aus, wo sie in den jüdischen Kolonien als Taglöhner zu arbeiten gedenken. Briefe eines Unglücklichen. Von Iba Börk. I. Mein geliebtester Freund! Schreiben will ich Dir, schreiben und all den unaussprechlichen Schmerz, von dem meine Seele in tausend Stücke gerissen wird, vor Dich hinschütten. O, könnte ich ihn in einem einzigen gellenden Schrei in die Welt hinausschicken, auf daß er sie dnrchzitterte, jedes Herz in ihr erbeben machte! Ich glaube, dieses Beben müßte sie reinigen, ihr den entsetzlichen Schleier von den geblendeten Augen reißen! Gütiger Himmel! Wie ist es nur möglich, daß täglich, stündlich zahllose Wesen hinsiechen, ohne daß sich die Erkenntnis der furchtbaren Ursache Bahn bräche? Löst sich keine Zunge, öffnet sich kein Mund, kein Ohr? Fragt niemand, will keiner gehorchen? Doch, Du weißt ja nicht, wovon ich spreche. Habe ich doch selbst Dir verborgen, was mir bevorsteht. Freund, ich werde alle meine Tage krank sein! Vermagst Du es zu fassen? Kannst Du diese Worte voll begreifen? Und ich bin zwanzig Jahre alt! Zwanzig Jahre! Lachend, lockend stellt sich die Fülle des Lebens vor mich hin. Grau und düster tritt mir mein eigenes gramvolles Ich entgegen. Hörst Du sie jubeln und jauchzen? Es sind meine Altersgenossen, die sich ihrer gottbegnadeten Jugend freuen. Wenn ich nur arbeiten könnte, rüstig schaffen, ich wollte in Ergebung mein Schicksal tragen. Aber ich fühle mich müde, sterbensmüde. Und doch, und doch! Alfted, wie gerne möchte ich leben! Wie klammert sich jede Faser meines

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