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Die Wahrheit · 1905-08-11 · Heft 31 (11.8.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 31 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31. Die Wahrheil. Seite 7. Kerschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des diesjährigen Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Freitag, den 18. August 1905, um 9 Uhr vormittags, im Tempel der Inneren Stadt, .um 10 Uhr vormittags im Leopoldstädter Tempel feierliche Gottesdienste statt. In den übrigen Gemeindebethänsern werden dieselben im Anschlüsse an den Morgengottesdienst (7 Uhr früh) abgehalten werden. Wien. Freitag den 18. August l. I., um 9 Uhr vormittags, findet in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Bethausverein des VIII. Bezirkeso Am 18. August, 1/27 Uhr abends, findet im israelitischen Tempel, VIII., Neudeggergasse 12, ein besonderer Gottesdienst zur Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers statt. Wien. Die Generalversammlung des Krankenuntecstützungs-Bereines Bnai Berith fand am 26. v. M. bei zahlreicher Beteiligung statt. Das Ergebnis der Neuwahl ist folgendes: Als Obmann wurde gewählt Herr Beruh. Ober, zum Präsesstellvertreter Herr Mich. C h a m e i d e s, als Schriftführer Herr Adolf Deutsch, als Kassier M. G o l d st e i n. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren: L. H o j d i, M. P o dh o r z e r, S. Miller, S. K o h a n e, L. Brock, Chajm Hirsch Courier, M. Edel. Nt Rothmann, dl. Sonn und Jak. Münz. Zugleich fand die Neuwahl für den Bethansverein gleichen Namens statt, und zwar erscheinen als gewühlt die Herren: Beruh. Ober, Obmann, Obmannstellvertreter S. Miller, Kassier Jsak Hirsch Wetter, Schriftführer L. Kuperstein. Als Verwalter wurden gewählt die Herren: Jak. M ü n z, L. H o j d i, M. Schleier und N. Nachbar; als Ausschußmitglieder die Herren: L: F e l d s ch uh, Jos. Stapler, M. G o löst e i n, M. P o d h o r z e r. Königgrätz. Das Leichenbegängnis des greisen Rabbiners und Religionsprosessors an den Mittelschulen, Herrn Abraham K o h n, fand unter außerordentlicher Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung am 31. Juli statt. Im schwarzdrapierten Tempel, wo die Leiche aufgebahrt war, hatten sich außer zahlreichen Schülern und Verehrern eingefunden: Reichsratsabgeordneter F o r m a n e k, Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. U l r i ch, mehrere Gemeinderüte, Hofrat und Kreisgerichtsprüsident v. K o s ch i n, Statthaltereirat S t e i n f e l d t, Abordnungen der Professorenkollegien, Vertreter der Geistlichkeit der übrigen Konfessionell und aller staatlichen und Privatbehörden, sowie Abordnungen vieler Kultusgemeinden., Die, Trauerfeier . begann mit eurem vom. .S^hne. des. Verstorbenen, Herrn 'JöM'K'o h n, Chormeister in Jglau, komponierten Psälme, vorgetragen von Herrn Oskar E i s n e r, Kantor der israelitischen Knltusgemeinde in Königgrätz. Anwesend waren: die Herren Rabbiner Kraus (Adlerkostelec), G o l d st e i n (Niniburk), Nähnadel (Pardubitz), P o l l a ck (Königinhof,, S ch r e ck e r (Neubydschov). Der ältere Sohn des Verstorbenen, Herr phil. Dr. Rabbiner Karl Kohn in Pribram, widmete seinem Vater warme Abschiedswortc. Vor dem neuen Tempel widmete Herr jur. Dr. Josef T a n s s i g, Vorsteher der israelitischen Knitusgemeinde in Königgrätz, dem 41 Jahre im Amte tätig gewesenen Seelsorger und Priester Worte der Anerkennung und des Dankes. Am offenen Grabe sprach stud. med. Hugo Gans im Namen aller Schüler in kurzen und gefühlvollen Worten dem gewissenhaften Lehrer das letzte Lebewohl. Eine Zierde des Judentums, ein Mann der Gelehrsamkeit, ein Muster von Sanftmut und Geduld, ein nachahmungswürdiges Beispiel von Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, dies wäre die kurz skizzierte Biographie des beliebten Seelenhirten und Gottesmannes, der seine Familie und Gemeinde in-tiefster Trauer zurückließ. Sa.-Ujhely. Am 26. Juli verschied hier Herr Abraham Friedlieber im Alter von 87 Jahren. Der Verblichene hat sich um die kultuellen und knlturen Zustände der hiesigen Gemeinde, wie auch im ganzen Zempliner Komitate, bleibende Verdienste erworben. Die Anerkennung zeigte sich auch bei seinem imposanten Leichenbegängnis, an welchem auch hervorragende Komitatsbeamre teilnahmeu. Er nahm auch tätigen Anteil am Befreiungskriege 1848. Zur Zeit des ungarisch-israelitischen Landeskongresses, 1868, war er Deputierter der hiesigen Gemeinde, in der er sich als vieljähriger Schul- und Gemeindepräses überhauvt unsterbliche Verdienste erworben hat: indem er gegen religiösen Jndifferentismns und Fanatismus erfolgreich kämpfte. Sein ältester Sohn Doktor Ignaz F r i e d l i e der, Religionsprofessor in Budapest, hielt an seiner Bahre eine rührende Leichenrede. Sein jüngerer Sohn ist k. k. Oberarzt und bekundet eine seines frommen Vaters würdige streng religiöse Lebensweise. Das Andenken des Verblichenen wird hier lange Jahre in frischem Andenken bleiben: Secher Ziadik librochoh! Jsr. Singer. Berlin. Ans New-Iork wird dem „Berliner Tageblatt" berichtet: Witte äußert sich ganz enthusiastisch über R o o s e v e l t. Er begriffe nunmehr, weshalb die Nation ihn erwählt habe. Herr Witte erteilte bereitwilligst die Zusage, eine Abordnung der amerikanischen Juden anzuhören, die eine bessere Behandlung der russischen Juden verlangt. Warschau. (Die Jud en Massaker in Ts ch er ka fsy.) lieber die Judenmassaker, die in den ersten Tagen des Juli in Tscherkassy (Gouvernement Kiew) stattgefunden haben, erhält die „Rufs. Korr." jetzt einen genauen Bericht von dort: Zur Beförderung auf den Kriegsschauplatz sollten das 173. und 177. Infanterieregiment formiert werden. Die Zusammenstellung der Reservisten gab dem „Schwarzen Hundert", das sich vor einigen Monaten bei uns organisierte, willkommene Gelegenheit,, um, unterstützt durch den Pöbel, eine Judenhetze ins Werk zn setzen. Man begann den ärnlsten Teil unserer Stadt, den alten Markt, die Ufer und die anliegenden Straßen zu zerstören. Die Polizei ergriff zwar ihre Maßnahmen, jedoch in der bekannten Art. Sie ließ die zur Verteidigung herbeierlenden Leute nicht zn dem Schauplatz der Zerstörung gelangen, der Pöbel und betrunkene Reservisten konnten ungehindert ihr Werk fortsetzen. Dem Gehilfen des Jsprawnik (Kreischef) Koltschewski har die Jndenschaft Tscherkassy» diese neuen Ausschreitungen zu verdanken. Eine elende Rolle spielte auch der Pcistaw des zweiten Bezirkes. Dieser Wächter der Ordnung befand sich im Mittelpunkt der Greueltaten und äußerte schadeilfroh zn den mißhandelten Juden: „Das ist für die Schwefelsäure, für die Demokratie" u. s. w. Vor kurzem wurde nämlich im Stadtgarten der Pristawgehilfe mit Schwefelsäure begossen und der Attentäter nicht entdeckt. Infolge der polizeilichen Fernhaltung der „Selbstverteidiger" konnte der Pöbel in den ersten drei bis vier Stunden ungehindert sich ansroben. Erst nach dieser Zeit, und nachdem sich die Selbstverteidiger durch Ueberspringen von Gartenzüunen und Durchschreiten von Seitengüßchen Bahn zu dem Ort der Zerstörung gebrochen hatten und einige Schüsse abfeuerten, wurde dem Krawall ein Ende gemacht. Am 23., 5 Uhr morgens, langte eine Schwadron Dragoner an, trotzdem ging ein voller Tag darüber, bis die Ruhe wieder hergestellt war. Frauen und Kinder schlossen sich eifrig den Zerstörern an, ebenso waren die Polizeipatromllen tätige Mithelfer. Der Pöbel mißhandelte seine Opfer unter den Augen der Polizei und unterwarf sie einer Leibesvisitation. Wenn er hiebei Waffen vorfand, übergab er diese und die Besitzer der Waffen triumphierend der Polizeipatrouille, die unter Puffen und Schlagen die Verhafteten zur Wache transportierte. Hier erging es den Unglücklichen nicht besser, Allen verhafteten Juden ist das Geld aus den Taschen verschivunden. Es sind im ganzen ungefähr 200 Häuser und zirka 150 kleine Läden und Berkaufsstände zerstört worden; 300 Familien sind dadurch ins Elend gestürzt worden. Man schätzt den Schaden auf 30.000 bis 40.000 Rubel. Da nur die Armen betroffen sind, ist die Not furchtbar und der Jammer der Aermsten nicht zn beschreiben. — So arbeiten die bewußten und unbewußten Hilfstrnpven der Reaktion. Literatur. „Kaiser Tituö und der Jüdische Krieg." (Brunn W o l f f- B eckh. Berlin-Sieglitz, 1905. Verlag von Friedrich G. B. Wolff-Beckh.) Vorliegende Abhandlung ist bereits in den „Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur" Verlag von B. G. Teubner in Leipzig) erschienen. Um sie jedoch einem größeren Kreise zugänglich zu machen, hac sie der Verfasser in Buchform herausgegeben. Unter Benützung der historischen Quellen (Josephus Flavius, Sueron, Taeitus u. a., wie des vorzüglichen Werkes von Beule, „Titus und seine Dynastie" (deutsch von Doehler, Halle, 1875 , schildert der Verfasser den jüdischen Krieg (66 p bis 70 p.) und setzc hiebei die Tätigkeit des nachmaligen römischen Kaisers, auf dessen Genealogie er des näheren eingeht, ins rechte Licht. Der Widerspruch zwischen dem Charakter desTirns als.Kronprinzen und dem als Kaiser bildet heute noch ein schwer lösendes Problem. Als Kronprinz war Titus blutdürstig, habgierig und wollüstig, als Kaiser von solcher Milde und Wohltätigkeit, daß sie Beule „eine fortwährende Orgie von Munifizenz und Gütigkeit" nennt. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Beule meint: „Die Annehmlichkeit, angebetet zn werden, nachdem er gehaßt morden war. überstieg seine Erwartung. Seine Narur, der er so lange Gewalt angetan hatte, rächte sich; die übergroße Anspannung wurde durch ein zu großes Nachgeben ansgeglichen und was Berechnung war, wurde ein wahrer Herzensdrang." Wolff-Beckh fühlt sich von dieser Erklärung nicht befriedigt und meint, daß die Reue über irgend ein Verbrechen Titus dem Wahnsinn langsam zugeführt habe. Das Vorhandensein einer geistigen Erkrankung bei Titus sei unzweifelhaft; denn „Titus, der genaue Rechner warf seit dieser Zeit in einem solchen Maße Geld um sich, daß er bei gesundem Verstände hätte sehen müssen, wie das Ende seiner Mittel früher oder sväter verhängnisvoll hereinbrechen würde." Ob der Verfasser damit da» Problem in Der richtigen Weise gelöst hat, wagen wir nicht zu entscheiden; wie dem aber auct» sein mag, wird die Schrift ob ihrer klaren populär-wiffenschaftlichen Darstellung dem gebildeten Leser Interessantes bringen. Die in dem Vorworte angegebene Tendenz, seine Ausführungen mögen „alle diejenigen, die es vergessen haben, daß auch das hart geprüfte Volk der Inden eine ruhmvolle Vergangenheit und mutige Freiheitskämpfe aufzuweiien hat, eindringlich daran erinnern und sie zu duldsamer Liebe führen," drängt sich in der Schrift selbst nirgends auf. Professor Tr. B i a ch - Brüx. KtMende KoUen. Novelle von Babctte Fried, Prag.! Fortsetzung.) Unfähig, seine Rührung länger zu beherrschen, reichte Honig dem Rabbiner die Hand und sprach: „Ihr Glaube soll Sie nicht betrogen haben. Ihre Handlungsweise hat mich belehrt, daß meine Tochter keinen edleren, besseren Mann als Sie bekommen kann. Nehmen Sie Martha aus der Hand eines

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