Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 30 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheil. Seile 7. Nr. 30. Irdischen Sünde und Jammer Unreinheit und Ekel erblicken, und. es erfolgt die Wellflucht, die H i mme l füih't... „D e r Himmel allein hegt die Religion, du Gott allein bist, im Besitze der Thora! Auf Erden ist sie nicht, nie und nimmer zu finden; meinem sie./ .. , : : Siehe, da. schüttelt — wenn man so sagen dürfte — der ewige Gott sein Haupt... Nein, nein, irregeleitete Menschheit in -deiner Kurzsichtigleit, partikularen 'Einseitigkeit, nein, -nicht -in irdischen Interessen, nicht in Arbeit und Benutz, nicht in Handel. Verkehr und Sucht nach irdischer Größe und Herrlichkeit, nicht in den Abgründen und Tiefen der Wissenschaft, die heute so und morgen anders sich gestaltet; nicht in den Ausgeburten der geheimnisvollen mystischen Phantasie, im Zauberspuk der Dämonen und Geister der Unterwelt, im Verkehr mit Grabesschatten und Friedhofsmoder; auch nicht in der lichtdurstenden seligkeitschmachtenden Himmelsüchtelei ist , die Thora, die ich ja nicht Engeln, sondern Menschen aus Fleisch und Blut gegeben. Engeln, die keine Triebe und Leidenschaften haben, konnte ich ja nicht sagen: du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen! Nein, nein: Lechezel ben Amram. Einem Menschen gab ich sie, Moses, dem Sohne Amrams, dem Getreuesten meines ganzen Hauses, dem göttlichen Menschen, der mit der Sinai-Offenbarung der Menschheit das Wesen der Religion überbracht hat: die Einheit der wahren Gotteserkenntnis mit der sittlich guten, ethischen Willensbildung des einen und reinen Mens chen tnms. Das sei die Frucht meiner heutigen Geistessaat, Lech ezel Mosche ben Amram! Israeliten, vertrauet euch der Führerschaft des unsterblichen Gottesmannes, Moses ben Amram an, dessen Wort bewiesen hat. ..Li os lelokim, daß des ewigen Gottes allein dieMacht und die Majestät innewohne, en os ela thora — daß es keine größere Macht gibt, als die Thora, wenn es gilt, den Geist zu läutern, das Herz zu veredeln, das Gemüt zu bilden, die Triebe zü zügeln,' die Leidenschäften zu bannen, Frieden zu pflanzen auf Erden. Diese Macht der Thora hat aber Gottes Majestät geknüpft an den Hauch unserer Jugend, an den Mund unserer Kinder. Zu Mose, dem Sohne Amrams, müßt ihr eure Kinder, eure Söhne und Töchter führen, daß sie sich die Geistesmacht und Schutzwehr holen gegen die geschlossene Phalanx ihrer inneren und äußeren Feinde in unserer trübseligen Zeit. Es schaudert mich, sehe ich unsere Jugend heranwachsen, ohne jegliche Bildung des Gemütes, ohne Religion und Pietät, ohne Ahnung von dem, was göttlich und heilig ist! Es schaudert mich, denke ich an die täglich überhandnehmende Abtrünnigkeit und Fahnenflucht im Lager Israels, besonders in den Haupt- und Weltstädten, sehe ich aus Motiven der rohsten Selbstsucht, ans der Sucht nach Genuß die Treue brechen und die altehrwürdige Fahne vom Sinai besudeln, sehe ich Väter und Mütter ihre unmündigen, unschuldigen Kinder dem Moloch des Abfalls von der Väterreligion in die Arme führen, damit sie durch diese Ehrlosigkeit, für die Zukunft die Ehren erhandeln, die die sogenannte „Gesellschaft" bietet. Sie sprechen zu dem Gott vom Sinai etwa folgendes: „Du alter Gott hast einst gesagt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir wohlergehe auf Erden", du hast unsere Väter belogen, alter Gott, denn ich beweise dir: Damit es mir und meinen Kindern wohlergehe auf Erden, bedarf es gerade des Gegenteils: „Ehre nicht deinen Vater und deine Mutter!' Nein, schmähe ihr Andenken, beschimpfe sie im Leben und im Tode! Entehre und verachte das, was ihnen hoch und heilig galt. Siehe, seit ich mich losgesagt von diesem Moses ben Amram, von diesen ersten fünf Sinaigeboten, erfreue ich mich der Achtung, der Liebe und des Wohlergehens in den angesehenen Kreisen und Schichten der „besseren Gesellschaft," Israeliten, schlimmer als die Wucht des Judenhasses ist das Renegatentum, sind die gewissenlosen Ueberläufer, die die Scharen unserer Widersacher durch unser eigenes Fleisch und Blut vermehren, und die durch Zuführung ihrer Kinder, der Schößlinge unseres gotterkorenen, uralten Stammes, die. Hasser Israels - in ihrem Werk, unterstützen und fördern helfen/ büß dieser Stamm, der der Welt die zehn Gebote gegeben, einen Gott und die Lehre von Zucht und Recht, verachtet, verfolgt, ja, um- und abgehauen werde. v" Es schaudert mich, wenn ich bedenke,. wie in den letzten Jahren viele aus unserer Mitte, ja, selbst Kinder ehrwürdiger Führer,. Seelsorger, Vorsteher ihre Lieblinge zu den Kirchen?- altären der herrschenden Konfession führen. Israeliten! Ein ernstes Wort — in ernster Zeit! Was ist zu tun? Israeliten von Ehre! Meidet die Ehrlosen! Saget Euch los von ihrer Gemeinschaft, los vom Wandel und Handel und Verkehr mit ihnen! Ihr, die ihr gewohnt seid, einen..Menschen, der sich sittlich vergangen, der sich rechtlich verschuldet hat, zn meiden, weil Euch die Vornehmheit des Seelenadels solches anbefiehlt. haltet rein Eure Familien und Gemeinschaften, haltet fern alle und alles, was der Ehre Eurer göttlichen Religion des geheiligten israelitischen Namens und Eurer Glaubensgenossenschaft zuwider ist! Bedenkt: die Treue ist kein leerer Wahn, die Wahrheit kein Phantom, Familieninnigkeit, Ehrfurcht vor Vater und Mutter, unveräußerlicher Idealismus gewähren höhere Schätze, beseligendere Freuden und Genüsse und Ehren als alle irdischen Erdengüter, um derentwillen Gott, Gewissen, Charakterund Ehre vielfach preisgegeben werden! Amerikanischer Brief. Es ist an dieser Stelle schon einmal bemerkt worden, daß aus Anlaß des vierteltausendjährigen Jubiläums der jüdischen Einwanderung in Amerika die amerikanische Judenschaft eifrig Reminiszenzen feiert. Besonders interessant ist der Nachweis, daß mit Ausnahme der von Briten Abstammenden kein Volksstamm so viel Recht habe, Amerika als sein Vaterland zu betrachten als gerade die Juden, und daß die Amerikaner am allerwenigsten das Recht haben, den Juden Vaterlandslosigkeit und Mangel an Patriotismus vorzuwerfen, die sozusagen mit zu den Vätern des Vaterlandes im wörtlichen Sinne, nämlich zu den ersten Begründern der freien amerikanischen Republik gehören. Zur Zeit der Unabhängigkeitserklürung dürfte die Bevölkerung Amerikas etwa zwei und eine halbe Million Seelen gezählt haben, darunter etwa dreitausend Juden. Von diesen dreitausend hatten die meisten sich der dem Anschein nach doch wenig aussichtsvollen amerikanischen Revolution angeschlossen. Alle nicht, wie auch nicht alle von britischer Abstammung einer Parteirichtung angehört haben, ein Beweis beiläufig für die gleichfalls lächerliche und durch einen bloßen Umblick in jedem Lande zu widerlegende antisemitische Behauptung, daß die Juden solidarisch sind und nicht wie andere Leute auf verschiedenen politischen Standpunkten stehen. So ist ein gewisser Pollak, ein Jude, wiederholt vertrieben worden, weil er zum König von England hielt, und kein Geringerer als Burke trat später im englischen Parlament für seine Schadloshaltung ein. Ein gewisser Jsaac Hart hat sogar den Tod erlitten für seine treue Anhänglichkeit an England. Der weitaus größte Teil der Juden aber war ebenso wie der überwiegende Teil der übrigen Bevölkerung von der Notwendigkeit einer Trennung von England überzeugt und trat für diese ihre Ueberzeugnng mit Gut und Blut ein. In der „New Era" zählt Eugene Johnson eine ganze Reihe von Juden auf, die sich in der Revolution gegen England im Felde, zum Teil als Offiziere, hervorgetan haben. Durch Geldunterstützung und finanzielle Operationen hat sich in hohem Grade Haym Salomon um die junge Republik verdient gemacht. Noch andere Juden hatten Geldmittel vorgestreckt, die ihnen erst viele Jahre später mehr oder weniger zurückgezahlt wurden. In Charleston, damals die größte jüdische Gemeinde in Nordamerika, wohnten kaum fünfhundert Juden, Frauen und Kinder mitgerechnet. Dennoch stellte sich eine ganze Kompagn i