Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 30 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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WWW Die Wahrheit. Serie 6. fähig ist, einen blühenden eigenen Staat zn bilden. Sind wir denn weniger geschickt als die Leute, welche in Sumpf und Wüste Venedig oder Australien oder Neu-England oder sogar die Salzsee-Stadt gründeten? Daß diese Schöpfung die Erwerbung Palästinas verzögern kann, ist möglich, aber die andern Methoden sind nicht schneller und wir hätten nicht den Trost der Selbständigkeit. 4. Im jüdischen Staate werden wir ungestört für den Zionismus arbeiten, nicht nur direkt sondern auch indirekt, weil wir das bäuerliche und Hirtenelement ausbilden werden, das uns in Palästina nötig sein wird. In unserem Staate werden wir auch wieder lernen, uns selbst zu regieren. 5. Weil Sie, wenn Sie dem Sultan sagen, daß wir nur auf türkischem Boden arbeiten wollen, jeden Wettbewerb, jede Rivalität ausschalten und den politischen Preis Palästinas zu einer ungeheueren Höhe emporschrauben. 6. Mein letzter Grund ist der einfachste und der kürzeste, nämlich der, daß uns Uganda angeboten wurde und Palästina verweigert wird. (Großer Beifall.) Der Kongreß hat also eigentlich jetzt keinen praktischen rivalisierenden Plan. Wenn Sie das Ostafrika-Projekt ablehnen, so werden Sie sich freuen gerade so, als wenn Sie sich einen schlechten Zahn hätten ziehen lassen; zu spät werden Sie sich erinnern, daß dies unser einziger Zahn war! Die englische Regierung ist die einzige in der Welt, mit der wir diplomatische Beziehungen haben. Wenn diese abgeschnitten sind, sind wir wirklich arm. Lassen Sie, beschloß Zangwill seine Rede, die Möglichkeit bestehen, daß Sie, wenn alle anderen Mittel sich als nutzlos erwiesen haben, zu diesem Fels zurückkehren können, weil möglicherweise der Stein des Anstoßes zum Grundstein werden wird. Even moassu habaunim hojsso lerosch. pinoh. Freitag Nachmittag und in einer Nachtsitznng von Samstag auf Sonntag wurde die überaus erregte Debatte über das Ostafrika-Projekr fortgeführt. Gewichtige Stimmen erhoben sich für und wider, doch die letzteren überwogen. In der Nachtsitzung kam es zu solch turbulenten Szenen, daß das Präsidium beschloß, die Abstimmung erst in der nächsten Sitzung, Sonntag, den 30. Juli vormittags vorzunehmen. Dieselbe entschied mit großer Majorität gegen Ostafrika, indem die Mehrheit des Kongresses folgenden Antrag des Aktionskomitees annahm: I. Der VII. Zionistenkongreß erklärt: Die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programms, das „die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. TL Der Kongreß beschließt: Der Regierung Seiner britischen Majestät für das Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke der Etablierung einer jüdischen Siedelung mit autonomen Rechten den tiefgefühlten Dank auszusprechen. Nachdem eine Kommission zur Erforschung des Territoriums ausgesendet wurde und Bericht erstattet hat, beschließt der Kongreß, daß sich die zionistische Organisation mit dem Vorschläge nicht weiter befassen kann. Der Kongreß nimmt mit großer Genugtuung die Anerkennung zur Kenntnis, welche die britische Regierung in ihrem Streben, eine Lösung der jüdischen Frage herbeizuführen, der zionistischen Bewegung zu Teil werden ließ, und spricht die Hoffnung aus, daß ihr die guten Dienste der britischen Regierung auch dort zu Teil werden, wo zugleich eine Uebereinstimmung mit dem Baseler Programm erzielt werden könnte. III. Der VII. Zionistenkongreß bringt in Erinnerung und betont, daß laut Z I des zionistischen Organisationsstatutes die zionistische Organisation diejenigen Juden umfaßt, welche sich mit dem Baseler Programm einverstanden erklären. Die Territorialisten verließen nach Ablehnung des Ostafrika-Projektes unter Führung Zangwills den Kongreß, nachdem dieser darauf hingewiesen hatte, daß die Entscheidung über kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas eigentlich der anglojüdischen Kolonialbank zustehe. Diese Minorität, welche zirka 150 Delegierte zählte, gründete sofort eine eigene Organisation und wählte Israel Zangwill zum Führer. Zangwill richtete namens seiner Partei an den englischen Ministerpräsidenten eine Depesche, in welcher er der englischen Regierung Dank sagt für die durch das Anbot in Ostafrika dem Zionismus Nr. 30. erwiesene Unterstützung, jedoch das Bedauern darüber ausspricht, daß das den Zionisten zur Verfügung gestellte Ugandagebiet sich so ungeeignet zur Kolonisation erwiesen hat, und der, Hoffnung Ausdruck gibt, daß die englische Regierung auch weiterhin den auf Erwerb eines geeigneten Territoriums gerichteten Bestrebungen der politischen Zionisten ihre wertvolle und wirksame Sympathie angedeihen lasse. Nachmittags wurde in der Tagesordnung weiter fortgeschritten, und zwar gab es zwei Referate über die Organisation von Dr. Kokesch (Wien) und Dr. Bodenheimer (Köln) und ein Referat über die Propaganda von Dr. Gronemann (Hannover). Der Witwe des amerikanischen Staatssekretärs Ha y wurde die Kondolenz des Kongresses und der Dank für Hays Freundlichkeit für das jüdische Volk votiert. Montag waren zwei Sitzungen, vormittags die Referate des Professors Marburg und Dr. Soskins über 8 die Arbeit in Palästina und die Organisationsdebatte, nach- B mittags wurde stellenweise heftige Kritik an der zionistischen 8 Palästinakommission und der zionistischen Nationalbank in London 8 geübt. Das Schlußreferat war das Kremenezkys (Wien) über den jüdischen Nationalfond, der auf mehr als eine Million Kronen angewachsen ist. Schluß des Kongresses. In der Schlußsitzung vom 2. August wählte die Kongreßmajorität ein Komitee bestehend aus den Herren W o! f s s o h n, Kann, Kohan, Bernstein, Ussischkin, Greenberg und Dr. Alexander Marmorek, welchem die Führung der Partei obliegen wird. Nach Erledigung der Tagesordnung erhob sich der Vorsitzende, Bankier Wolffsohn (Köln), und erklärte den Kongreß für geschlossen. Wolffsohn resümierte in kurzen Worten die Arbeit, welche der Kongreß geleistet hat, und betonte insbesondere, daß nunmehr die Krise, welche eine gedeihliche « Tätigkeit der Partei verhinderte, gelöst sei. Dadurch, daß der 1 Kongreß sich dafür entschied, jedes andere Projekt als das der I Besiedlung Palästinas abzulehnen, sei derselbe dem reinen Pro- B gramm, das auf dem ersten Baseler Kongreß aufgestellt wurde, I treu geblieben. Brausende Beifallsrufe folgten den Worten I Wolffsohns, zu dessen Häupten die blau-weiße zionistische Fahne I entfaltet wurde. Die Delegierten stimmten die jüdische Nationali Hymne an und verließen sodann unter Hochrufen auf die zioni- I stische Idee den Saal. | Nach Schluß des Kongresses versammelte sich das Komitee j zu einer Sitzung, in welcher die Wahl des Vorsitzenden vorge- I nommen wurde. Wie vorausgesehen wurde, fiel die einstimmige k Wahl auf den Bankier Wolffsohn aus Köln, der daher im 1 kommenden Jahre die Funktionen eines ersten Präsidenten der! Partei zu erfüllen haben wird. Gleichzeitig wurde beschlossen,! den Sitz des großen Aktionskomitees von Wien nach Berlin I zu verlegen.! Das Wesen des Indentmns. Eine Zeitstimme von Dr. D. Leimdörfer-Hamburg. (Schluß.) Diesen gegenüber, die in den Tiefen der realen Naturwissenschaft oder den Gründen der idealen Geistesforschung mit der Axt der Vernunft graben, stehen die Vierten wieder, die sich zu Tod und Unterwelt begeben, die die Religion suchen in der Abgeschiedenheit vom Leben, in einer anderen Welt, in einer Welt nicht des Geistes aber der Geister, in einem Verkehr mit außer- und übersinnlichen Wesen oder Unwesen. Beschaulich, weltflüchtig suchen sie ihr Heil bei den Toten oder den Seligen der jenseitigen Welt, völlig vergessend um dessentwillen das Diesseits und seine Pflichten. Die. Welt der Mystik, das Zauberreich des Aberglaubens, das ist ihre Welt, ihr Reich, ihr Wesen der Religion. Geschüttelt während des Erdendaseins von den tragischen Schauern der Höllenqualen und der Unterwelt, flüchten Viele dann in die Gemeinschaft derer, die in allem