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Die Wahrheit · 1905-07-28 · Heft 29 (28.7.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 29 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JSdteJk Nr. 29. Die Wahrheit Wien Der Kultusvorstand - hat über Vorschlags der'Vertrauensmänner folgende Herren zu Mitglieder des Bethausvorstündes für die Bezirke XVI. und XVII. ernannt: Kultusvorsteher Solomon R o s n e r, Samuel Fischer, Leopold Kohn, Salomon K o h n, Wilhelm M a n d l, Eduard Politzer, Adolf Waringer und Sigmund Weiler. Die Konstituierung des Bethausvorftandes fand am 20. Juli l.-I. statt und wurde Herr Kultusvorsteher Salomon R o s n e r zum Obmann und zu dessen Stellvertreter Herr Eduard Politzer per Akklamation wiedergewählt. ' Nikolsburg. Herr Bernhard K r a k äue r, Lehrer an der fünfklasstgeu Volksschule der hicrvrtigen Jsraeliteugemeiude, ist mit dem Schluffe des verstrichenen Schuljahres nach 35jähriger, überaus erfolgreicher Tätigkeit über eigenes Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand persetzt worden. Herr Lehrer Krakauer, der sich nicht nur durch seine pädagogischen Fähigkeiten, sondern auch durch seine gediegenen Kenntnisse auf talmudischem Gebiete — er ist ein Schüler des berühmten Perboer Rabbiners Chaim Hirsch Mannheimer Vi — sowie nicht minder infolge seiner außerordentlichen Bescheidenheit, des größten Ansehens und der wärmsten Sympathien in der hiesigen Gemeinde und bei seiner Vorgesetzten Behörde zu erfreuen hat, lehnte es ganz entschieden ab, daß aus dem Anlässe seiner nunmehr erfolgten Pensionierung ihm zu Ehren irgendwelche Festivitäten veranstaltet würden. . Allein die Gemeindevertretung sowie der Ortsschulrat ließen es sich nicht nehmen, dem allseits verehrten Jubilar am verflossenen Sabbat eine prunkvoll ausgestattete Adresse zum dauernden Andenken in seiner Wohnung' zu überreichen. An der Spitze der Gemeindevertretung war Bürgermeister Herr Moriz A b e l e s erschieuen, die Mitglieder des Ortsschulrates hatten sich unter Führung des Obmannes Herrn Franz Deutsch eingefunden. Ehrwürden Rabbiner Dr. Lew in, sowie Kultusvorsteher Herr Philipp Kohn erwiesen dem Jubilar gleichfalls die Ehre ihrer Anwesenheit. In formvollendeten, vom Herzen kommenden Worten pries Herr Franz Deutsch die segensreiche Wirksamkeit des Jubilars, deffen Andenken stets in der dankbaren Erinnerung der Gemeinde fortleben werde. Schließlich brachte er den schwungvollen Inhalt der Adresse zur Verlesung. Herr Rabbiner Dr. Lew in beglückwünschte gleichfalls in warmer Weise den Jubilar zu seinem wohlverdienten Ruhestände, betonte jedoch gleichzeitig, daß die Gemeinde auf den ausgezeichneten Religionslehr«: nicht Verzicht leiste, vielmehr überzeugt sei, daß er nach wie vor den Samen echter Religiosität in die empfänglichen Herzen der israelitischen Jugend streuen werde. Mit tiefbewegten Worten dankte Herr Lehrer K r a k a u e r für die ihm zuteil ge-' wordene Ehrung und schloß mit dem Versprechen, nunmehr seine ganze Kraft der religiösen Erziehung der Schuljugend widmen zu wollen. Wir und mit uns alle Gemeindemitglieder wünschen, daß es dem verehrten Jubilar, der auch bereits seit Jahren als Kantor in der „Neuschul" wirkt, gegönnt sein möge, sich in voller körperlicher und geistiger Frische noch lange des Ruhestandes erfreuen zu dürfen. Budapest. Unter reger Teilnahme der Gemeindemitglieder fand vorige Woche im Gebäude der Kultusgemeinde in der Sipgasse die Wahl zweier Rabbiner statt. Die von der Repräsentanz der Kultusgemeinde kandidierten beiden Rabbiner Dr. Julius Fischer aus Prag und Doktor Simoy Händler aus Lugos wurden mit riesiger Majorität gewählt, lieber den Lebenslauf der beiden neugewählten Rabbiner liegen uns folgende Daten vor: Dr. Julius Fischer wurde im Jahre 1861 in Sürkereßtur, im Komitate Fehsr, geboren, absolvierte in Budapest die Mittelschule und wurde an der hiesigen Universität zum Doktor promoviert. Nachdem er das Rabbinerdiplom im Budapester Rabbinerseminar erlangt hatte, wurde er 1887 zum Oberrabbiner von Györ gewählt, welche Stelle er durch zwölf Jahre bekleidete. Als Györer Rabbiner trat er insbesondere für die ungarische Sprache ein und gründete eine Talmud-Thoraschule, in welcher nicht blos die biblischen, sondern auch die talmudischen Wissenschaften in ungarischer Sprache gelehrt wurden. Sein Name als Kanzelredner drang auch ins Ausland und 1898 folgte er einem Rufe der Kultusgemeiude von Prag, wo er acht Jahre hindurch als dortiger Rabbiner eine hervorragende Tätigkeit entfaltete. Von Prag wurde er direkt nach Budapest berufen. Der zweite neugewählte Rabbiner, Doktor Simon Händler, ist um'sieben Jahre jünger als sein Kollege Dr. Fischer und ist in Aßöd geboren. Er besuchte die Mittelschule in Tata und durch zehn Jahre das Rabbinerseminar, wo er das Rabbinerdiplom erhielt. An der hiesigen Universität hörte er Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte, Aesthetik und Philologie und erwarb sich das Doktorat der Philosophie. Während seiner Tätigkeit als Rabbiner in Kassa beschäftigte er sich außer mit der jüdischen Wissenschaft mit Rechtswissenschaft und Nationalökonomie, insbesondere aber mit Philosophie. Als Kanzelredner erzielte er große Erfolge. Seine Predigten zeichneten sich durch seltene Tiefe und Schönheit aus und umfassen die höchsten ethischen und philosophischen Probleme der Menschheit. Dr. Händler war auch auf literarischem Gebiete tätig und schrieb unter dem Namen Simon H e v e s i einen Band Gedichte und prosaischer Arbeiten. An zahlreichen Orten des Landes hielt er wissenschaftliche Vorlesungen und seine kleineren literarischen Arbeiten sind Legion. Nachdem er von 1894 bis 1697 in Kassa als Prediger gewirkt hatte, wurde er nach Lugos als Oberrabbiner berufen. Er war Direktionsmitglied mehrerer Kulturvereine und trat in den nationalistischen Gegenden für die ungarische Sache in Wort und Tat mit wahrem Feuereifer ein. Siklos. Herr Isidor Glück, der seit ungefähr zwei Monaten in unserer Gemeinde die Oberkantorstelle bekleidet, hat schon während dieser kurzen Zeit eklatante Beweise seiner gediegenen Fachkenntnisse geliefert und seine schönen Leistungen, sowie seine tadellose Führung finden allgemeine Zuftiedenheit und Anerkennung. Ktützende Kohlen. - . Novelle von Babette Fried, Prag. ■ - (Fortsetzung.) - „Genau dasselbe dachte auch ich mir. Nur kann ich mich' nicht zu ihm begeben. ' Wir beide sind uns niemals grün gewesen. Erstlich sind wir einmal Konkurrenten gewesen, dann kaüir er es mir nicht vergeben, daß ich zum Kultusvorsteher gewählt wurde, während er vergeblich eine geringe Ehrenstelle anstrebt';: ich fürchte sehr, daß er sich einer Gemeinde zu Liebe, die sich behätrüch von. ihm wegwendet/ zu keinerlei Opfer entschließen wird;"' ks rüüßte ihm dies denn von einem beredteren Munde, als dem nreiüenj. empfohlen sein, von Ihnen zum Beispiel." „Herr'Vorsteher! Das, was Sie mir da ansinneu, muß. ich rundweg ab lestnem Die patriarchalischen Zeiten sind vorbei, wo der Rabbiner, der.Vertraute seiner Gemeinde war, welche ihn nicht nur als ihreü Lehrer und Seelsorger, sondern auch als ihren Ratgeber' in schwierigen, ihren Friedensstifter in strittigen Fällen betrachtet. Auch mir hat eine solche erhabene Stellung vorgeschwebt, als ich den Posten hier antrat, und ich war bestrebt, sie zu erreichen, aber all mein bestes Wollen und- Streben scheiterte an einem, ernsten Münnern gänzlich unwürdigen Dinge, dem ganz gemeinen Klatsch. Die Aufnahme meiner letzten Predigt hat meine schon früher gemachte Vermutung bestätigt, und als Urheber des mein Ansehen und meine Ehre /schädigenden Gerüchtes habe ich -alle Ursache, die Beiden anzuseheu: Honig und Piesen." „Herr Rabbiner, Sie mögen Recht haben in allem, wie immer. Ich sehe ein, daß Ihnen Unrecht geschehen ist, und Sie sollen volle Genugtuung haben. Aber zeigen Sie jetzt, daß sich Ihr Charakter über den der Menge erheben kann, daß Sie, den eigenen Beleidigung nicht achtend, Ihre Handzu einem guten Werke bieten, und gehen Sie noch heute zu Hönig. Wie mir Max sagte, hat nur der Umstand, daß er den Seder noch ab-- warten wollte, seinen Vater vermocht, seinen Weg zur Staatsanwaltschaft auf heute zu verschieben. Sie müssen daher noch heute zu ihm gehen." „Ich muß? Wo steckt da das „Muß", Herr Vorsteher?" „Ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt. Ich nahm an, daß Ihnen die Pflichterfüllung vor jeder persönlichen. Empfindung geht; in diesem Sinn war das „Muß" gemeint." „So ist es auch. Dasjenige, was ich für meine Pflicht, ansehe, geht mir wirklich über alles andere. Aber das Einmengen in die Privatangelegenheit Honigs betrachte ich nicht als eine Handlung, welche zu meinem Pflichtenkreise gehört." „Doch, doch, Herr Rabbiner! Wegen des Piesen und- Hönig hätte ich kein Wort verloren. Es steht hier mehr auf dem Spiele, die Ehre unserer Gemeinde, und was bei Ihnen vielleicht schwerer in die Wage fällt: die öffentliche Beschimpfung eines Juden, mithin in den Augen Andersgläubiger, des ganzen Judentums." Rabbiner Hellmann kämpfte einen schweren Kampf mit sich selber. Er konnte sich nicht verhehlen, daß der Vorsteher im Grunde Recht habe, daß es seine Pflicht sei, an Hönig die Macht seiner Beredsamkeit zu erproben, und daß man seine Weigerung als Racheakt betrachten könnte. Andererseits aber kostete es ihn einen schweren Entschluß, das Hönigsche Hauswieder zu betreten, welches .er unter solch eigentümlichen Umständen verlassen hatte. Daß er bei dieser Gelegenheit seinem Feinde das Wort reden sollte, kam ihm nicht einen Augenblick in den Sinn, dazu war er zu edel veranlagt. Und so, wie immer in seinem Leben und Berufe, hatte auch diesmal bei Julius Hellmann das Pflichtgefühl den Sieg über sein individuelles Empfinden davongetragen. Er willigte ein und führte seinen Entschluß sofort aus. (Fortsetzung folgt.) Woll-u.Seidenkleider reinigt man am besten mit Schicht's Schwanseife |(feste Kali seife) schönste* WEISSY/ÄSCHE

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