Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 29 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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A. Nr. 29 Die Wahrheit. Seite 7. aber ichte impe rden Er- Besich seit reifchen ichtvermer jetzt geeutiten Mordes ollben 'nis iert der lks- :ion mit lich iehi iche « )ige i hen! lng , Seten - tie für utt tie hrsigals :ine ter vo-;en, hre ter icke irt eilrrn berte ms chten te. len ist che )er »en es, ng ^ur tbe rs, Harte Arbeit verrichtend, aber im Geiste bei ihren Brütern Weilend. Unt noch mehr Existenzen werten vernichtet werten, ausgelöscht turch einen Spruch ter allmächtigen Polizei. Unt hoch wirt alles vergeblich gewesen sein, ter Jute wird gedrückt bleiben, er wirt, weiter als ter Parias ter russischen Gesellschaft gelten. Das zeigt schon ter Verlauf von Volksbewegungen nnt Revolutionen in anteren Läntern, in deren Verlauf ter Jute, oft an erster Stelle stehent, tie meisten unt größten Opfer bringend,. auch immer bei Gelingen ter Bewegung leer ausging, um das Ziel betrogen wurde. Wohl wirt einmal tie .Zeit anbrechen, wo politische Reife unt Erkenntnis Gemeingut wenigstens des größten Teiles tes russischen Volkes geworden 4st unt tem Juten als ten Opferlamm aller bisherigen Regierungen Genugtuung bereitet wirt, indem man ihn allen Änderen gleich stellt. Bis dahin aber mögen unsere Glaubensgenossen im Zarenreiche fest zusammenhalten, sich nicht einander befehdend unt bekriegend in feintliche Lager scheiten, denn nur in ter 'Einigkeit sehen ihre Brüter in anteren Läntern tas Zeichen, unter hem sie ten kommenten Ereignissen mit Ruhe entgegensehen können. Wilhelm Neumann. Das Wesen -es In-entnms. Eine Zeitstimme von Dr. D. Leimdörfer-Hamburg. (Forsetznng.) So hat tie zweite Sinaitafel einen Protest erhoben gegen rohe Willkür, gesetzeslose Gewalt, gegen Anarchie unt tierische Wollust unt gegen tie sessellosen Instinkte tierischer Seelen, in denen Heimtücke, List, Groll, Haß unt Rache toben, so tie Begierden nicht befrietigt werten. Man hat gesagt: Religion haben, heißt ein ..guter Mensch" sein. Gewiß, tas ist auch Religion. Aber man hat vergessen, taß tas „Gutsein" auf Gott .zurückgeführt werten muß, taß ter erste, taß ter Urheber tes „guten Menschentums" Gott gewesen. Wohl gab es einzelne -sittliche Charaktere auch schon bei ten Fetischanbetern im Heidentume, tie Gesamtheit tes Volkes warte pon ihrer Sittlichkeit nicht beeinflußt. Das Sitrengebot vom Sinai aber ist ein Gebot an tie Gesamtheit ter Menschen. Es will alle zu guten Menschen erziehen, unt tarum kann es nicht losgelöst werten von tem Vater Aller. Das Göttliche ist hier ter Keim tes Menschlichen, „Anociii Adonai". Ich bin ter Ewige, ist tie Wurzel von: „tu sollst nicht!" Unt tarin erweist sich uns unser Lehrer M o s e s als ein etles Vorbilt fi'rr tie Aufnahme ter Einheit des Göttlichen unt tes Menschlichen, als der lebente Träger tes Wesens unserer Religion. Moses wirft nach ter Sünte tes goltenen Kalbes in heiliger Entrüstung nicht nur tie Tafel von sich, tie ten Götzentienst verbietet, sondern zugleich auch tie andere mit ten Geboten sittlichen Hantelns, tenn nie unt nimmer kann es gute Menschen geben, tie sich so vergessen konnten, taß sie kurz nach ter Empfängnis tes reinen Monotheismus unt nach tem feierlichen Versprechen „naa88e wenischma — wir wollen tun unt gehorchen", in ten egyptischen Tierdienst verfallen konnten. Nicht Kant hat ten kategorischen Imperativ im Gewissen entteckt, sontern Moses am Sinai, aber nicht aus sich selbst, sontern turch Gott. Erst retete Gott unt dann erwachte tas Gewissen. Der Fehler liegt an ter Kurzsichtigkeit ter Menschen, tie, wenn sie tie Blume sehen, an ihren Keim vergessen, wenn sie ten Baum mit seinem Stamm, seinen Aesten, Laubkronen unt Früchten gewahren, ter Wurzel vergessen. Die Wurzel aller Ethik, t. h. aller praktischen Religion unt tes sittlichen Hantelns, ist ter unsichtbare, ewige Gott, ter einst sprach: „Heilig sollt ihr sein, tenn heilig bin ich, Euer Gott! Eine ethische Gesellschaft ohne Gott ist aber nicht nur teshalb ein Phantom, weil ihr tie Lebensbetingung fehlt, sontern auch, weil es ihr an Pflege unt Obhut mangelt. Nur wer Gottes allsehentes, heiliges Auge fürchtet, schrickt zurück vor Sünte unt Schult, daher ist Gottesfurcht zugleich Tug ent unt „Jirat schamajim" tie Furcht tes H. rmmels zugleich ..Jirat Chet" Furcht unt Scheu vor Sünte unt Verbrechen. In Mose erblicken wir tie Harmonie von Religion unt Moral, tie Einheit tes Göttlichen unt Menschlichen. Er ist kem Gottme-.sch und kein menschlicher Gott, er ist nur ein Mensch, aber ein göttlicher Mensch, aus beffen Kehle tie unsichtbare, einzige, ewige Gottheit in ber Sprache ter Menschenkinder geretH ohne Phrase, ohne Bilt, ohne Geheimnis, ohne mystische Rätzel, knapp, klar, schlicht, offen, lichtvoll in lapidarer Kürze, in nu'r zehn Worten — das Wesen ter Religion, aller Religion. Im Talmud (Traktat Sabbat 89) wird uns ein sinniges Märchen über die Suche nach dem Fundort der Thora oder der geoffenbarten Gptteslehre vom Sinai erzählt: Satanas, der Machthaber im Reiche der Finsternis, der Engel des bösen Triebes und Hinterer ter Tugend, vernahms mit Entsetzen, daß des Ewigen Majestät ihre Tochter, die wahrheitgekrönte Thora, herniedergesandt hat vom Himmel zur Erde. Unter dem Deckmantel geschäftiger Frömmigkeit begibt sich der Dämon der Versuchung auf die Suche. Er redet zuerst die Erde an: hatora hechan hl, Erde, wo ist die Thora? Die Erde antwortet ihm: „Gott allein kennt ihren Weg." Dann wendet er sich an das Meer, aber das Meer entgegnet: „en imadi, bei mir ist sie nicht zu finden." Er geht zum Abgrund, durchwühlt die Tiefen und ruft: Tehom, Verborgenheit, wo ist die Thora? Aus den verborgenen Schlünden und Gründen erichallts: „Io bihi, in mir ist sie nicht." Er fragt den Tod und die Unterwelt, und aus den Stätten der Verwesung tönt es hohl und dumpf : „Mit unseren Ohren vernahmen wir ihren Ruf, Kunde haben wir wohl von ihr, aber ihren Wohnsitz kennt Gott allein." (Hiob 28.) Nach vergeblichem Umherstreifen wagt Satan die Fiage an den Herrn: „Herr, ich suche deine Lehre auf dem ganzen Erdball und finde sie nicht. Bei dir allein muß sie sein." Der Herr aber spricht: „Nein, einem Sterblichen habe ich sie gegeben „lech ezel ben Amram, gehe hin zum Sohne Amrams, zu Moses, feiner Hand habe ich die Himmelstochter Thora anvertraut und übergeben." Was wohl die Bildersprache unserer alten Weisen mit diesem poetischen Gemälde will? Nun, ich möchte das folgende darin lesen: Irrend streift der Pärtikulargeist des Weltmenschentums umher und sucht das Wesen der Religion meist dort, wo es nicht zu finden ist. Die Einen, ausgehend in irdischen Interessen, erblicken Religion und Heil im Materialismus der Arbeit und der sinnlichen Genüsse. Die Anteren, ebenso irdisch, aber tiefer, weithin ausschauend, erblicken ihre Religion in der Erweiterung und Ausbreitung ihrer Beziehungen zu Welt und Menschen, um zu großen Schätzen, Reichtümern, Ehren und Namen zu gelangen. Das Meer trügt Güter, Völker und Ideen, seine Schiffe sind schwimmende Paläste, die den Orient im Occident heimisch machen und umgekehrt, das ist eine Welt, ein Streben, ein Jagen ins Weite, über dem alles Nahe vergessen wird. Die Dritten begeben sich zu den Grünten und Abgrünten, zu ten unsichtbaren Tiefen der Welt; das sind die Forscher, die ihre Religion in den verschiedenen dunklen, verborgenen Schachten der Wissenschaft, der Erkundung der Natur, der intellektuellen Kräfte des Geistes suchen und finden wollen, denen das fahle Licht der Studienlampe größere Schätze zu Tage fördert als der feurige Sonnenglobus droben am Firmamente. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Der Zionistenkongreß in Basel.) Aus Basel, 26. d. M., wird telegraphiert: Die zum Kongreß bereits eingetrosfenen Delegierten verteilen sich auf die einzelnen Länder wie folgt: auf Rußland mehr als 500, auf Deutschland 32, Oesterreich-Ungarn 41, England 40, Frankreich 5, Italien und die Schweiz je 6. Rumänien 24, Holland, Belgien, Serbien und Bulgarien je 4, Nordamerika 40, Südafrika 40, Palästina 8, Argentinien. China, Australien, Neuseeland je einer. Die Sozialisten beschlossen, mit allen ihnen zu Gebote steheudenM'tteln in den Kongreß einzudringen. Gestern fand in der zweitgrößten Hülle des Kasinos eine russische Borkonferenz statt. Die russischen Delegierten teilen sich in „reine Palästinenser" und in solche, die auch die Erwerbung eines anderen, außerhalb Palästinas liegenden Territoriums für die Besiedelung der Juden befürworten, in die sogenannten „Territorialisten". Da erstere in der Mehrheit sind und die ansehnliche Minorität vergewaltigen wollten, kam es zu lärmeuden Szenen und einer regelrechten Obstruktion seitens der Minderheit. Die fünfhundertköpfige Versammlung konnte zu keinem Resultat gelangen und ging unverrichteter Dinge auseinander. Max Nordau, Zangwill, Jasinowsky uud Mandel st amm sind ebenfalls „Territorialisten".