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Die Wahrheit · 1905-07-14 · Heft 27 (14.7.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 27 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27. Die Wahrheit. Seite 7. -atmenden Ton Ziele, Mittel und Wege anzugeben und, obgleich er selbst nicht auf Rosen gebettet, oft mit Entbehrungen ringend, manches Mißgeschick Gott ergeben mit seiner frommen und weisen Gattin, der Tochter des Oberrabbiners Ber Oppenheim in Eibcnschütz und Schwester des gelehrten sel. Thorner Rabbiners, in der Familie unv im Leben geteilt ertragen hat: half er doch mit Rat und Tat, wo und wie er nur konnte, erwies er den Söhnen der Armen, von denen er annahm, daß von ihnen einst Tora ausgehen werde, viele Wohltaten. Er zog fast alle seine Jünger, von denen etliche ansehnliche Rabbinerämter bekleiden, in sein bescheidenes Hans, um ihnen zu beweisen, daß der anregende Umgang „Schimusck talmide chachamim“ bei weitem fördernder wirkt als Studium und Vortrag. Unvergeßlich bleiben uns die bei dieser Gelegenheit vorgenommenen Uebungen in der halachischen und auch agadischen Exegese, besonders vor und nach der altherkömmlichen Behandlung eines Talmudthemas am Sabbat hagadol und Sabbat .Tschuba, die Weiß vor einem Gelehrtenpnbliknm alljährlich meisterhaft durch- und ausführte. Aber auch dem großen Seiten» Publikum imponierten seine wissenschaftlichen Vorträge über die Propheten und die tiefsinnigen Reden bei Jahrzeitsfeiern im großen Wiener Lehrhause. Wie als Gelehrter und Lehrer, so wirkte Weiß als Mensch erhebend und veredelnd auf seine Mitmenschen, und seine offene, schlichte, etwas schroff erscheinende, aber in Wirklichkeit milde und warm teilnehmende Persönlichkeit hat ihm, wie die Verehrung also auch die Liebe seiner Kollegen im Lehramt — zu denen einst Güdemann, Jellinek, Schmie dl und Szünto, später P. F. Frankl und I. Müller, und von Anfang an bis vor kurzem M. Friedmann gehört — und vieler weiter Kreise von Gelehrten und Laien in und außer Wien erworben. Im November 1895, zu seinem 80. Geburtstage, widmeten wir dem großen Meister eine Broschüre, „Ein Gaon unserer Zeit" (Mosse, Berlin), aus der wir nur den einen Satz wiederholen: „Seit dem XI. Jahrhundert hat der im Reiche des Islam den gelehrten Führern und Leitern der israelitischen Hochschulen erteilte Titel „Gaon", Hoheit, seine Bedeutung verloren, aber das Epitheton ornans „Gaon" hat sich bis heute erhalten und wird angewendet, wenn es gilt, eine Größe auf dem Gebiete unserer Theologie zu feiern." Ein solcher Gaon . und Heros der Tora ist Israel wieder abgestorben, in der ernsten Zeit d.er „Sefira", der Zählung unserer Tage vor dem Feste der Offenbarung. Wir trauern um einen Meister der Wissenschaft, um einen bedeutenden Lehrer unseres Volkes, der selber ein Sinai gewesen, auf dessen Haupt die Gottheit — Schechina — sich niederließ, um die Feuersglut der erhabensten religiösen Offenbarung uns zu erteilen. _ernn msa rrrns inatM tun_ Verschiedene Nachrichten. Klosterneuburg Bei der am 15. v. M. stattgefundenen Kultuswahl wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Alois Fischl, Weingroßhändler; Emanuel Luftschitz, Kaufmann; Ignaz Ehre n f e st, Weingroßhändler; Josef Weiner, Bäcker; Ludwig Gabriel Fleischm a n n, Pretiosenhändler; Hugo Kafka, Weingroßhändler, sämtlich in Klosterneuburg; Elieser Schlesinger, Kaufmann in Kirchberg; Bernhard Spitz, Kaufmann in Tulln. Ferner wurden gewählt als Ersatzmänner : Herr Med. Dr. Alois T r a m e r in Klosterneuburg und Herr Karl Popper, Weinhändler in Klosterneuburg. Bei der darauffolgenden , Vorstandswahl wurden die Herren Alois Fischl zum Kultus-Vorsteher, Josef Weiner zum Vorsteher-Stellvertreter, Emanuel L u f t s ch i tz, Ludwig Gabriel F l e i s ch m a n n, Ignatz E h r e n f e st zu Beiräten gewählt. Oderfurt. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr L. I l m e r, Schwiegersohn des Herrn Kantor Smotritzky in Wien, nach einem mit außerordentlichem Beifalle aufgenommenen Probevortrage einstimmig als I. Kantor gewählt und wird derselbe sein Amt am 1. August antreten. Brünn. Das von Herrn Oberkantor Josef Heller in Brünn komponierte und herausgegebene synagogale Musikwerk „Xöl T’hilloh", I. Teil, wurde vom k. k. Universitätsprofessor Herrn Guido Adler für das Musikhistorische Institut der k. k. Universität in Wien angenommen. Karlsbad. (KaiserFranzJosef-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten.) Ein Humanitätsinstitut ersten Ranges ist das Hospiz für arme Kranke jüdischer Konfession, um dessen Errichtung sich Herr Rabbiner Dr. Ziegler in Karlsbad ganz außerordentliche Verdienste erworben hat. Der Ausspruch Heines, als man einst ein Spita für arme Juden einweihte: „dreifach elend, arm, krank und Jude fein", hat in diesem Musterinstitute, das nach den Plänen des k. k. Baurates Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut wurde, eine glückliche Lösung gefunden. Die Heilkräfte der Karlsbader Quellen vereinigen sich da mit allen Errungenschaften der modernen Hygiene, um den armen Kranken Genesung oder zumindest Linderung ihrer Leiden zu verschaffen. Das Krankenhaus, welches auf eine«r herrlichen Anhöhe liegt und unter Leitung eines würdigen Verwalters und seiner edlen Gattin sieht, bedarf großer Geldmittel, um den an ihn gestellten Anforderungen zu genügen. Wohl fließen diesem Zwecke seitens der glaubensgenossischen Kurgäste reichliche Mittel zu, jedoch ist es auch nötig, daß sich das bekannte goldene Wienerherz hier betätige, auf daß die im Geiste wahrer Humanität waltende Anstalt blühe und geoeihe, zum Wohle der Kranken und zur Ehre der Wohltäter. Spenden sind zu senden an den von der Karlsbader Kultusgememde bevollmächtigten f* issier, Herrn Leopold L ö w y, Morgenzeile, Haus Tristan in Karlsbad. IV. 8. Budapest. Sonntag, den 7. d. M., hielt der Repräsentantenkörper der Pester israelitischen Religionsgemeinde im großen Sitzungssaale unter Vorsitz des Vizepräsidenten, Hosrat Dr. Philipp W e i n m a n n, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen, entschuldigte das Fernbleiben des Präsidenten, Hosrat Sigmund K o h n e r. welcher fern von Budapest — in Ischl — sich befindet, und widmete dem am 5. d. M. im hohen Alter von 63 Jahren verschiedenen Rabbiner an der Rombach-Synagoge, Ehrwürden Herrn Lazar Pollak, einen tiefempfundenen Nachruf, den die Anwesenden stehend anhörten. Hofrat W e i n m a n u beantragte für den Dahingejchiedenen in der Synagoge das Seelenl.cht zu zünden, das ganze Jahr Kaddisch verrichten zu lassen und demnächst einen Tranergottesdienst zu veranstalten. Ferner soll der Trauer ob dieses Verlustes im heutigen Protokolle Ausdruck verliehen werden, was von der Versammlung mit Stimmeneinhelligkeit angenommen wurde. Hierauf ging der Vorsitzende zur Tagesordnung über, deren einziger Gegenstand die Wahl zweier Rabbiner bildete. Er bemerkte, daß diese Stellen mit je X 11.000 per anno dotiert sind, daß die Gewählten ungarische Staatsbürger sein müssen und ihr Amt am 1. September a. c. anzutreten haben. Nachdem die zur Probe berufenen vier Rabbiner, und zwar: Dr. Julius Fischer aus Prag, Dr. Max Po llak aus Oedenburg, Dr. Simon Händler aus Lugos und Dr. Leopold Kecskemeti aus Großwardein vollkommen entsprochen haben und würdig sind, Pester Rabbiner zu werden, hat der Vorstand von einem bestimmten Vorschlag Abstand genommen und überläßt es der Generalversammlung, frei zu wählen. Die absolute Majorität werde entscheiden. Nach einer kurzen, aber sehr erregten Debatte erfolgte die Wahl. Es wurden unter Stimmenthaltung des Vorsitzenden 103 Stimmen abgegeben, und entfielen aus Dr. Händler 83, aus Dr. Fischer 74, auf Dr. Keeskemeti 45 und aus Dr. P o l lsa k 4 Stimmen. Demnach enunzierte Hosrat W e i nm a n n die Herren Rabbiner Dr. Simon Händler und Dr. Julius Fischer als gewählt. Das Wahlresultat wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Dienstag, den 18. d. M.. treten die inkorporierten Gemeindemitglieder, welche keinen Rückstand haben, zur Urne; diese haben blos mit „Ja", oder mit „Nein" zu stimmen, d. h. die bereits erfolgte Wahl gutzuheißen oder zu verwerfen. Voraussichtlich werden die Gemeindemitglieder die Wahl der Repräsentanz ratifizieren. D. H. Spitzer. London. lieber die Juden in Bombay teilt eine Korrespondenz der Londoner „Jewish Chronicle" nachstehende noch sehr wenig bekannte Einzelheiten mit. Darnach gibt es in Bombay drei Arten von Juden, welche durch Ursprung, Aussehen, Sitten und Gewohnheiten sich streng von einander unterscheiden. Am interessantesten sind die schwarzen Beni Israel, die zurzeit in einer Anzahl von einigen Hunderten Familien in Cochin wohnen und von denen 25 gegenwärtig als Köche in Bombay beschäftigt sind. Die zweite Kategorie von Juden bilden die weißen Beni Israel, die fast sämtliche in Bombay wohnen, wo sie eigene Synagogen besitzen. Ihre Vorfahren waren schiffbrüchige Juden, welche nach ihrer Landung sich einheimyche Frauen nahmen. Ursprünglich widmeten sie sich in so großer Anzahl dem Militärdienst, daß sie ehemals bei der Ostindischen Compagnie eigene Regimenter bildeten und in den früheren Kriegen mit den Eingeborenen eine hervorragende Rolle spielten. Nach erfolgter Verstaatlichung der Gesellschaft und der hiermit verbundenen Reorganisation der Militär- und Zivilverwaltungen in Indien wurden diese Regimenter ausgelöst und die einzelnen jüdischen Soldaten über die ganze Armee verteilt. Dieses har im Verein mit der Tatsache, daß die Offiziersstellen in Indien fast ausschließlich an Engländern vergeben werden uud die Juden sehr geringe Chancen zur Beförderung haben, bewirkt, daß die Beni Israel nach und nach die Militä.karriere gänzlich aufgegeben haben und zum Handwerk und Handel übergegangen sind. Obwohl sie sich im Laufe der Jahrhunderte den Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen völlig angepaßt haben, halten sie sich von diesen streng abgesondert. Der Grund für diese Erscheinung ist nebst ihrer Religion auch die Tatsache, daß sie stark die Schulen frequentieren und der überwiegenden einheimischen Bevölkerung geistig sehr überlegen sind. Außer diesen alteingesessenen Juden, welche mehr oder weniger heidnisches Blut in ihren Adern haben, leben noch in Bombay 500 Familien rein jüdischen Ursprungs. Dieselben treiben meist Handel und zählen viele reiche Familien in ihrer Mitte. Sie sind fast alle sephardischen Ursprungs und meist über Bagdad in Indien eingewandert. Der Korrespondent weiß auch einiges über die Afghanen mitzuteilen, die von vielen für jüdische Abkömmlinge angesehen werden. Sie selber wollen Nachkommen der zehn Stämme sein und nennen sich mit Stolz Jehudim. Bekanntlich behauptet die afghanische Aristokratie, von einem Enkel des Königs Saul namens

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