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Die Wahrheit · 1905-07-14 · Heft 27 (14.7.1905) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 27 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Leite 4. Die Wahrheit Nr. 27. Ueberzeugung gelangen, daß gerade der christliche Staat, und ganz besonders in dem evangelischen Deutschland, diesen ekligen Religionsschacher protegiert, indem dem Juden, so lange er an seinem Glauben sesthält, der Weg zur militärischen Karriere und zum Staatsdienst versperrt ist. Wie er sich aber entschließt, das christliche Bekenntnis, wenn auch ohne innere Ueberzeugung, anzunehmen, dann steht ihm der Weg zu allen Ehren und Aemtern offen. Mit dieser Gepflogenheit, die leider auch bei uns in Oesterreich sich einbürgert, wird geradezu eine Prämie aus die religiöse Gesinnungslosigkeit und auf das widerlichste, rücksichtsloseste Strebertum gesetzt. Hier also, an diesem wunden. Punkte möge die evangelische Provinzial-Synode einsetzen. Möge sie dafür eintreten, daß der volle Genuß der staatsbürgerlichen Rechte nicht an eine bestimmte Konfession gebunden sei, dann wird gewiß auch gesinnugsloser Glaubensschacher, den wir Juden zu allererst und unter allen Umständen verurteilen, von selbst abnehmen. * * * Blutvergießen. Brand und Verwüstung nehmen in Rußland immer mehr überhand und wieder hat die Revolution ein neues Opfer unter den Mächtigen des Reiches, den Stadthauptmann von. Moskau Grafen Schuwalow, sich ausgesucht. Jeder unbefangene Beobachter sieht in diesem athembeklemmenden Schauspiele den Kampf des Volkes gegen die übermächtige Bureaukratie und bedauert es aufrichtig, daß dem Zar kein Berater ersteht, der ihm den inneren Frieden seines Reiches bringt. Das „Deutsche Volksblatt", aber in seinem wütigen Judenhasse, hat für die grausigen Ereignisse in Rußland eine ganz eigene Erklärung, indem es unter dem Titel „Juda ander Arbeit" folgendes schreibt: „Alle großen Revolutionen, mögen sie in welchem Lande und aus welcher Nation immer entsprungen sein, zeigen, daß sie von Juden, wenn' nicht angezettelt, so doch geschürt wurden und daß die gesamte Judenheit dabei den Versuch machte, für ihre Sonderinteressen aus den angezettelten Unruhen Kapital zu schlagen. Dabei schreckte Juda vor den grausamsten. Mordtaten, vor dem Vergießen von Strömen von Blut niemals zurück, und bei allen Revolutionen sind die meisten Menschenleben auf Rechnung jüdischer Rachgier und jüdisch-fanatischer Mordlust zu setzen gewesen.. . . Von dieser Regel macht die russische Revolution nur insoferne eine Ausnahme, als die Juden diesmal ihren Anteil an den blutigen Metzeleien nicht wie sonst zu verhüllen für nötig halten." Fürwahr lügenhafter ist wohl nie Geschichte geschrieben worden. Die russische Intelligenz, an deren Spitze ausschließlich Christen stehen, hat ihren Sympathien für die Märtyrer einer freiheitlichen Bewegung Ausdruck verliehen. Tolstoj hat erklärt, er könne es nicht über sein Gewissen bringen, den Aufftand zu verdammen, er wolle vielmehr ein Brief veröffentlichen, in welchem er für die Familien der im Kampfe gegen die Bureaukratie Gefallenen eintritt. Fürst Trubetzkoi — auch kein Jude — hatte in freier, offener Aussprache dem Zaren erklärt, daß das geknechtete russische Volk nach einem Strahl von Licht lechze, der die Finsternis, in dem es lebt, erhelle; werde ihm dies verweigert, so sei die Revolution unvermeidlich. . . . Der Zar hat, durch seine Ratgeber betört, das Volk, welches sich vertrauensvoll an ihn wendete und von seinem väterlichen Herzen Schutz gegen eine willkürliche, bestechliche, grausame'Beamtenschaft erflehen wollte, von sich gewiesen. Die Männer, denen er sein Vertrauen und damit die unbegrenzte Macht schenkte, ließen das arme, geknechtete, verzweifelte Volk niederkartätschen.. . Die gesittete Welt kann das Gefühl des grenzenlosen Staunens nicht unterdrücken, wie es denn möglich sei, daß der Zar auch heute noch die Lügen seiner Ratgeber nicht erkannt habe. Dieses mit Geringschätzung gepaarte Staunen ist unberechtigt. Man belügt nicht nur die Fürsten) die abgeschlossen leben. M a n lese die antisemitischen Blätter in Wien, die ihren Lesern die infame, niederträchtige Lüge erzählen, die Revolution in Rußland sei das Werk der Juden, und man wird die Macht der verwegenen, vor nichts zurückschreckenden Lüge richtiger zu schätzen wissen. Die Führerfrage im Zionismus. Der VII. Baseler Kongreß steht vor der Türe, aber über die Führerfrage im Zionismus ist noch immer keine Einigkeit erzielt worden. In der „Hazefirah" schreibt N. Sokolow über diese gewiß weitere Kreise interessierende Frage Folgendes: „Bon zuverlässiger Seite wird mir berichtet, Max Nordau habe nach Wien und London mitgeteilt, daß er aus Gesundheitsrücksichten das Amt eines A. - C. -Präsidenten nicht an nehmen könne, auch nicht unter den Bedingungen, mit denen er in Karlsbad sich ein verstanden.er klärt hatte. Dies ist ein schwerwiegendes Ereignis für unsere Bewegung. Wenn es auch wahr ist, daß unsere Größe nicht von Einzelnen abhängen darf und wir stets darauf gefaßt sein müssen, der Platz von diesem oder jenem könnte leer werden; — doch wird jeder eingestehen müssen, daß das Fehlen Nordaus in der Oberleitung einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Es stimmt, der Gesundheitszustand Nordaus war in letzter Zeit schwankend, — aber wir glauben, diese Ursache allein hätte nicht vermocht, diesen Entschluß zu bewirken. Vielmehr will es uns dünken, daß unterirdische Wühlereien und Machenschaften, wie sie die Erregung und die Agitation solcher Kreise, die teils vom Starrsinn, teils gar von Nebenabsichten geleitet werden, Hervorbringen mochten, hie eigentlichen Ursachen für Max Nordaus Rücktritt gewesen sind. . Es liegt die Notwendigkeit zu Heimlichkeiten gar nicht vor. Vielmehr sei es offen gesagt: ich bin ein entschiedener Gegner des Territorialismus und des Ugandismus, und wenn Nordau zu einer dieser Richtungen hinneigen sollte, so werde ich ihm mit der größten Nachdrücklichkeit Opposition machen; aber dies hindert mich nicht, einzusehen, daß es absolut notwendig sei, ihn an der Spitze unserer Bewegung zu haben. Auch aus dem Privatleben Nordaus ist es nicht nötig, ein Geheimnis zu machen. Es wäre auch übertriebene Naivität, wollten wir darüber, was allerorten an die große Glocke gehängt wird, schweigen: es gibt eine Seite in seinem Privatleben, die — eine Tragödie ist! Aber es ist Nordau, der sich durch das Feuer seiner Beredsamkeit, durch hingebende Arbeit und flammende Begeisterung und seinen großen Einfluß auf andere, als echter Zionist dokumentiert hat, der überdies so viel, insbesondere auf dem Gebiete des politischen Zionismus, zu leisten fähig wäre, daß wir, nachdem wir Herzl nicht mehr haben, unmöglich auf ihn verzichten können! Dies waren auch die Erwägungen, von denen die in Wien versammelten Männer sich haben leiten lassen und welche sie bewogen, in Nordau zu dringen, daß er diese Arbeit, auf sich nehme. Aber in letzter Zeit machte sich wieder.der alte Geist des Golus und. der Verwesung, der Satan, der' von jeher jede nationale Tat und jede Initiative zum allgemeinen Besten unmöglich machte, bemerkbar. Der böse Geist der Starrköpfigkeit und des Rechthabertums, der Schleichwege wandelt, die Herrschsucht einzelner und ganzer Kliquen. Dazu die Eifersucht einer Zentrale gegen die andere; obendrein kommen noch die Organisations-Vorschläge, die dazu angetan scheinen, den Führern die Hände zu binden und ihnen die Möglichkeit des Handelns zu nehmen, ohne daß man bedenken will, daß die Folgen — Tatenlosigkeit sein müssen. Denn wenn die Führer nicht handeln können, so kann es die Masse noch weniger. Ist unsere Annahme, daß diese Auswüchse und Treibereien die Schuld am Verzichte Nordaus tragen, wahr, so laden diese Menschen eine große Verantwortung auf sich, indem sie dem Zionismus eine solche Kraft rauben, während wir an solchen Kräften wahrlich keinen Ueberfluß haben. . Und mehr noch, als dem Zionismus, rauben sie dem Kongreß, denn Nordau ist die h e r v o r r a g e n d st e Gestalt des Kongresses. Die Herren scheinen vergessen zu haben, daß es — abgesehen von Ost und West, Zione- Zion und Territorialismus — einen allgemeinen Zionismus gibt, den auf der Höhe zu erhalten, unsere Pflicht ist. Wir dürfen auch für keinen Moment vergessen, daß der Zionismus, wie ihn Herzl geschaffen, eine Bewegung ist, die im Mittelpunkt der Welt und des Weltintereffes steht, offen und unter der Kontrolle von aller Welt sich befindet, aber nicht für Krähwinkel und Bierbankpolitiker berechnet ist. Wir brauchen Männer, die nach außen wirken! Wenn der Kongreß zu einer Versammlung von Kliquen herabsinken soll, so haben wir ihn.nicht nötig, weil er dann nutzlos wäre. Die Gefahr, welche uns aus den neuesteu Bestrebungen und Quertreibereien im zionistischen Lager entgegentritt, ist — „Die Verkleinerung". Ich fürchte, man will das Ziel verkleinern und zu den kleinen und kleinlichen Methoden der Chowewe-Zion zurückkehren, wie sie vor Herzl bestanden; ich fürchte, sie wollen den Kongreß verkleinern, dadurch, daß sie alles, was groß denkt und einen weiten Blick hat, fern halten. Den Männern, denen Nordau auf ihr Drängen sein Versprechen gab, obliegt es, hier sofort Wahrheit zu schaffen." Stirnschlag and Schachten. Im Wiener Stadtrate wurde seinerzeit, unter Hinweis auf ähnliche Beispiele in der Schweiz und in Sachsen, einstimmig beschlossen, es seien sämtliche in den städtischen Schlachthäusern zurTötung kommenden Schlachttiere, bevor ihnen das Blut entzogen wird, zu betäuben, und die Majorität des Gemeinderates trat in der

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