Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 27 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeit Redaktion u. Slbuiiniftiatiou: Wien, II/, Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei! I53U2.! I Illsrraie | sät» HeN. per Nonpareille-Zeile.! AvonuementSn. Jnsertions»! betrüge sind in Wien zahlbar i! und klagbar. mHängige Heitfchrist für Mische Intere^en. Erscheint jeden Kreilag. Uoito: „Das 8iegel Gottes ist Wahrheit!“ ij I Berugsinreis; j Kanzjäbrig ... ft. i*.— j Halbjährig ... ft. 6.— Für Cilltnsveamte: '»lnnzjalirig . ft. io Für Ausland: Äanzjälirig . . . s Mark. l> Rubel oder >6 Fcs! Kr. 27. Wien, 14. Iutt Inhalt: Aus der Woche. — Die Führerfrage im Zionismus — Stirnschlag und Schächten. — Reminiszenzen an I. H. Weiß. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Ein bevollmächtigter Briesschreiber. — Luxus-Kantoren. — 25 jähriges Amtsjubiläum. Iie geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Juli begonnene 3. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Uierteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, Probenummern stehen zur Verfügung. Die Medaktion. Ans der Mache. Das unvermutet jähe Hinscheiden Professor Nothnag e ls, der als Mensch, Gelehrter und Arzt gleich hoch stand, hat in den weitesten Kreisen das Gefühl tiefer, herzbeklemmender Trauer erweckt. Ungewöhnliche Gaben des Geistes und des Herzens vereinigten sich in diesem seltenen Manne, dessen ganzes Leben von aufrichtigem Streben nach Wahrheit und unendlicher Menschenliebe erfüllt war. Wie er mit sicherem Blicke den tiefsten Ursachen der menschlichen Krankheiten nachging, so forschte er auch mit offenem Auge nach den letzten Gründen der betrübenden sozialen Erscheinungen unserer Zeit, und fein unbeugsamer Rechtssinn und sein warmfühlendes, liebevolles Herz mußten ihn zum Kampfe gegen alles Niedrige und Gemeine führen, an die Seite jener Auserwählten, unter denen der Bedeutendsten einer, der große Historiker M omms en, das treffende historische Wort geprägt hat: ..Der Antisemitismus ist die Ges i n n u n g d e r K a n a i l l e." 4r * * Wie skrupellos die bildungsfeindlichen Kreise in der Wahl der Mittel sind, wenn es gilt ihre Zwecke zu erreichen, das zeigte sich erst jüngst wieder in einer Gerichtsverhandlung, die das Bezirksgericht Neubau beschäftigte. Der Milchmeier Josef Pantlitschko verlangte im Wege einer durch Dr. Herzberg-Fränkl vertretenen Klage vom Katholischen Verein zur Förderung von Handels- und Fortbildungsschulen die Rückerstattung eines Betrages von 600 X, den er durch einen fatalen Irrtum seiner Frau dem Vereine als Spende geschickt hatte. Der beklagte Verein, dessen Obmann Pfarrer Margold ist, hatte Anfang Mai Herrn Pantlitschko brieflich um einen Beitrag für Vereinszwecke ersucht. Dem Briefe lag ein Posterlagschein des Vereines bei. Am 18. Mai erhielt Frau Pantlitschko von ihrem Manne den Auftrag, auf sein Scheckkonto bei der Post einen Betrag von 600 Iv zu erlegen, von welchem Betrage drei Lieferanten befriedigt werden sollten. Frau Pantlitschko füllte, ohne daß sie es merkte, statt des Erlagscheines den von dem Vereine geschickten Scheck aus, so daß die 600 X bei der Post auf Konto des Vereines gebucht wurden. Von diesem Irrtum erfuhr das Ehepaar Pantlitschko erst zwei Tage später, als der Obmann des Vereines, Pfarrer Margold, festlich gekleidet, in ihrer Wohnung erschien und sich in wohlgesetzter Rede ftir die bedeutende hochherzige Spende von 600 X bedankte. Herr und Frau Pantlitschko sahen sich gegenseitig erstaunt an, der Mann fragte die Frau: Hast du was dem Vereine gespendet? Ich nicht! lautete die Antwort der Frau, die nun ihrerseits den Mann fragte: Hast du vielleicht was gespendet? Keine Spur! erwiderte Herr Pantlitschko. Im weiteren Gespräche mit dem Pfarrer klärte sich der Irrtum auf und der Pfarrer erklärte, daß er nach Einholung eines Beschlusses des Vereinsvorstandes die 600 X binnen acht Tagen zurückgeben werde. Der Verein weigerte sich jedoch, den irrtümlich erhaltenen Betrag zurückzugeben, so daß Herr Pantlitschko, der ein kleiner Milchhändler ist und die 600 X nicht leicht verschmerzen kann, sich zur Klage gezwungen sah, die auch Erfolg hatte, indem der Verein zur Rückgabe der 600 X verurteilt wurde. Da sieht man, wie jene Leute, die stets so viel von den jüdischen Ausbeutern zu erzählen wissen, gegen die eigenen Volksgenossen handeln. Nicht einmal der blutig verdiente Kreuzer des armen Mannes ist ihnen heilig, wenn sie ihn zur Förderung ihrer trüben Zwecke ergattern können. Und an der Spitze eines solchen Vereines steht ein Priester der „Nächstenliebe!" Eine evangelische Provinzial-Synode hat sich jüngst mit dem Kapitel der Iudentaufen beschäftigt und dahin ausgesprochen, daß es nötig sei, die evangelische Kirche gegen Eindringlinge zu verbarrikadieren, welche nur materielle Rücksichten im Auge haben. Das Judentum, dem jede Proselytenmacherei ferne liegt, hat am meisten Anrecht, das Feilschen mit der Religion, mit dem Heiligsten im Menschen öffentlich an den Pranger zu stellen. Aber wenn die Synode den Ursachen dieser bedauernswerten Erscheinungen rücksichtslos nachgeht, so wird sie zu der