Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 26 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063265-3063291--03746-3070529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 7 Nr. 26 Die Wahrheit. iört wurden. Nach Prüfung des Rechenschaftsberichtes und des Kassaserichtes wurde dem Vorstände das Absolutorinm erteilt und sodann erfolgte die Neuwahl von Ausschußmitgliedern. In den Ausschuß wurden hie Herren Isidor Werner, Leon Hacker, Max K r a m m und S.. lsafran neugewählt, die im Laufe des Jahres kooptiert und bestätigt wurden. Eine gänzlich neue Wahl des Ausschusses findet im heurigen Jahre, gemäß. den Statuten, nicht statt. Ueber Antrag des Ausschuß- Mitgliedes Herrn Max St amm wurde beschlossen, jeden Samstag Abend, 1/28 Uhr, zur Hebung der Geselligkeit unter den Bereinsmirgliedern und zur Stärkung des Vereines mährend der Sommermonate iur I. Kaffeehause, Prater, gesellige Zusammenkünfte abzuhalten. Die P. T. Mitglieder werden daher auch gebeten, mit ihren Verwandten und Bekannten zu diesen Abenden zahlreich zu erscheinen. Wien. Am 28. v. M. verschied hier Frau Rachel Lustig, die treue Lebensgefährtin des in konservativ jüdischen Kreisen wohlbekannten Herrn Abraham Lustigs im 67. Lebensjahre. Die Verblichene, eine lschoh chaschuwoli im wahrsten Sinne des Wortes, war seit 20 Jahren herzleideud und da sie im Bewußtsein ihres Zustandes täglich und stündlich dem Tode entgeqensah, bereitete sie sich aus denselben durch Gottcrgebeuheit und Wohltun vor. Zu der am vergangenen Freitag stattgefundenen Beerdigung entsandten die Schiff-Synagoge, die Rembrandt- Schule, der Brigittenauer Tempelverein und der Brigittenauer Frauen- Wohltätigkeitsverein Abordnungen. Frau Rachel Lustig hiuterläßt vier Söhne und eine Tochter, sowie eine Anzahl Enkelkinder, die alle in streng jüdischem Geiste leben. Ihr Andenken ger.iche zum Segen, sie ruhe in Frieden! , Wien. Unter überaus zahlreicher Beteiligung des Personales der Firma A. & B. Hofbauer fand Sonntag, den 2. d. M., das Leichenbegängnis des Angestellten dieses Hauses, Herrn Adolf Mayer, statt. Nach Vortrag des Hazur tomim durch den Funktionär Kantor L ö w y. trat der Firmenchef, Herr Bernard H o s b a u e r. an die Bahre und rühmte in ergreifenden Worten den frommen Leben-wandel und die Pflichttreue des Verblichenen. Am Grabe sprach Herr Pollitzer namens der Kollegen tiefempfundene Abschiedsworte. rechtlerinnen" einerseits sowie der biblischen und natürlichen Bestimmung des Weibes andererseits." Dies- Programm macht neugierig, wenn auch die Hoffnung auf eine befriedigende Erfüllung nur so schwach aufkeimen will wie ein Hälmchen bei Frühjahrskülte. Daß die Frau kein Untermensch ist im Sinne Nietzsches, der das Prinzip des Willens zur Macht als ein Naturgesetz proklamiert, das hier die Sklaverei, die Unterjochung des Weibes durch die Uebermacht des Uebermeuschen zur Folge hat, will die Autorin durch den Hinweis auf das biblische Wort von der „Gehilfin", der „Männin" - Genesis 2, 28 — noch weiter dadurch entkräften, daß sie den Satz: „Er hängt an seinem Weib und sie werden zu einem Fleische" mit der Frage beantwortet: Tut das wohl ein Uebermann, der die Männin beherrschen wollte? Wenn ich di? Autorin richtig verstanden habe, will sie durch das Handeln ihrer Heldin der Ueberzeugung Ansdruck geben, daß d i e Frau masculini generis ist, die ernst und tapfer, mit kraftvollen Willen, richtig zu arbeiten weiß. d. h. voll und ganz den E r n st erkennt, der hinter dem Begriff „Arbeit" steckt. iJm Gegensatz zum geschäftigen Müßiggang so vieler Frauen.) Daß sie aus diese Art auch in Kunst und Wissenschaft gezeigt, „daß der Dienst nicht feminin, die Herrschaft nicht nur nmsculin". Daß ferner die in Schmerzen und Stürmen starke Mutterliebe auch miede, stark macht, masculin, wie auch die richtige barmherzige Schwester durch die weibliche Schwäche bezwingende Kraft ihres selbstlosen Tuns masculini generis ist. „Daß die Liebe männlich der Kraft helfe, daß sie ein edles, starkes Geschlecht erziehe." bleibt das Endziel, dennnur da, „wo reiner Liebe Harmonie erblüht", gibt das Weib willig seine Herrschaft hin. bleibt nur in der Liebe feminin. Auch philosophisch wird der Entschluß zur Ehe akademisch gerechtfertigt, ans eme sehr hübsche und geistvolle Weise. In literarischer Hinsicht wäre mancherlei zu beanstanden. Es weht aber ein so reiner, selbstloser Hauch durch diese Blätter, ein Zug jenes Weibtums, das sich durchsetzt, ohne an Weiblichkeit zu verlieren, daß man dies eigenartige Buch nur empfehlen kann. — a— Wien. Ueber Einladung des Vorstandes des Betbausvereines > ^,Bne Brith" hielt Herr Jos. Grob, Kantor-Stellvertreter im Josefstädter! Tempel, am vergangenen Freitag-Abend und Samstag Früh im genannten! Bethause, XX., Trauenselsgasse, einen Probevortrag ab, wobei sein j chasanisches Können und seine sympathische, geschulte Teuorstimme zahlreiche! Anerkennung fand. Gewitsch. Am 24. Juni hielt in unserer Gemeinde Herr Armin s W i l k o w i t s ch, Kantor in Elbenschitz, einen Probevortrag und fand derj selbe einen außerordentlichen Beifall mit seiner Vortragsweise. Herr > Wilkowitsch wurde als erster Kandidat akzeptiert und tritt bereits am ] 15. d. M. seine Stelle an. Wisowitz. Herr Kantor Bernhard B o ch n e r aus G.-Jenikau ist | nach einstimmig erfolgter Wahl hieher berufen worden. Bayreuth. Zu Ehren des bairischeu Thronfolgers veranstaltete Iran Cosima Wagner in Bayreuth am 19. Juni ein Festkonzert. Zur Mitwirkung waren Frau Fl eischer-Edel und Max D a w i s o n auserwählt. Nach Schluß des Konzertes beichied der Thronfolger den Künstler -in die Loge, beehrte ihn mir einer längeren Ansprache und versicherte D a w i s o n unter wiederholtem Händedruck in Worten der Allerhöchsten Anerkennung des ganz besonderen Dankes für den herrlichen Genuß! — (Ob in der bescheidenen Wohnstube des Beuthner Kantors einst dem Kinde solche Zukunftsmusik vorgeiungen wurde? Die Red.) Berlin. Am 28. Juni wurde hier eine Versammlung polizeilich aufgelöst, in welcher der Antisemitenführer Graf Pückler die Berliner aufforderte, S t u r m k o l o n n e n zu bilden und noch in dieser Nacht die Juden aus den Cafes und Restaurants h e r a u sH u p r ü g e l n. Literatur. Deutsch-österreichischer Bürgerschullehrer-Bund, Verlagsubteilung, Wien, II/1, Pillersdorsgaffe 10, II/9. Um Mitte Juli l. I. erscheint unsere lehrreiche Broschüre „Was soll ich werden?" (Praktischer Führer durch verschiedene männliche und weibliche Berufsgebiete: Militär. Marine, Handel, Land-, Forst- und Hauswirtschaft. Bergbau, Maschinen- und Baugewerbe, Elektrotechnik. Künstgewerbe, Lehrberuf u. s. w) in fünfter umfangreicher Auflage. Großoktav, Ladenpreis X 1.20, Porto besonders. Bei Bestellung vor dein 15. Juli l. I. mit Berufung auf dieses Blatt gegen Voreinsendung von 1 X postfceie Zusendung. Nach Mitte Juli nur im Buchhandel erhältlich. Mascu iui generis. Ein Lebensbild von Sela Lintorf. Braunschweig. Richard Sattler. Dieses vor kurzem erschienene Werk der Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Leimdörfer in Hamburg erregt allgemeines Aufsehen. Der „Hamburgische Correspendent" schreibt darüber folgendes: Bon diesem Buche wird viel geredet. Der Titel sticht in die Augen. Und dann: Wer ist Sela Lintorf? Die verschiedensten Vermutungen wurden laut Man sagte mir u. a. auch einmal, die Autorin soll eine Hamburgerin sein. Da darf denn wohl die Mitteilung des Verlags, daß sich unter dem Pseudonym „Sela Lintorf" die Tochter eines bedeutenden Gelehrten verberge, der nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa als hervorragender Kanzelredner und Bibelforscher bekannt sei, auf ein weitgehendes Interesse rechnen. Zumal noch im vorgenannten Buche „die Frauenbewegung in weiblich idealem Licht dargestellt werden soll, um dadurch einen Ausgleich herbeizuführen zwischen den heutigen „Frauen¬ Feuilleton. Km öerwDnächligler Mriefschreiöer. Humoreske von Adolf Steinschneider. Albert Sperling war ein Leinenwarenfabrikant in einer mährischen Provinzstadt. Reich, unabhängig, ein junger schöner Mann, war er unstreitig berechtigt, unter den vornehmen Töchtern des Landes sich eine Lebensgefährtin zu wählen, und viele Familien, welche mit solchen Kandidatinnen gesegnet waren, streckten ihre Fangarme nach ihm aus und seine Türe stand nicht stille vor Schadchouim, welche mit Lobpreisungen der Engel, die sie ihm zu seinem Lebensglücke antrugen, ihm unausgesetzt in den Ohren lagen. Doch er war teils zu sehr von seinen Geschäften in Anspruch genommen, teils war er zu scheu oder zu ungeschickt, um sich dem steifen Zeremoniell bei Vor-! stellungen und Zusammenkünften zu unterziehen, und so blieben I alle diese Verlockungen erfolglos.! Da nahmen endlich seine Verwandten die Sorge ans sich,! um ihn an Mann, d. h. an Weib zu bringen und ihm die Qual der Wahl zu ersparen. Sie fanden in einer Stadt in Böhmen eine reichbegüterte Familie, welche eine Tochter zu verheiraten hatten. Sie verhandelten mit derselben, schlossen die Präliminare ab, besprachen die Mitgift und sonstige Aussteuer und als sie ohne Vorwissen des Hauptbeteiligten Handeleins geworden waren, erst dann veranlaßten sie ihn, wollend oder nicht wollend, mit ihnen hinzureisen, sich zusammenznpacken, und als in zweiter Linie kommende Formalität, die Ware zu besichtigen, d. h. sich gegenseitig kennen zu lernen. Er zitterte vor Aufregung, Angstschweiß stand ihm auf der Stirne. Doch die Sache war nicht so gefährlich. Sie waren kaum einige Stunden beisammen, hatten sich kaum flüchtig gesehen, fast gar nicht gesprochen; die Verwandten hatten es sehr eilig, und so nahmen sie das Gefallen an einander als selbstverständlich an. Die Mitgift des Mädchens, das Vermögen des Mannes wurden feierlich mit einander verlobt, und Albert kam als glücklicher Bräutigam wieder heim. Zu Hause angelangt, trat an ihn die Pflicht heran, an seine so im Fluge gewonnene Braut zu schreiben, um seinen zärtlichen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Aber ach! Albert war nicht mit hoher Bildung begabt. Er hatte, nachdem er die Volksschule verlassen, sich dem Geschäfte gewidmet, das Lesen von Büchern war nie sein Fach gewesen, auch hatte er nie