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Die Wahrheit · 1905-07-07 · Heft 26 (7.7.1905) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 26 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»iebaftio» ». Slbminiftratiou: Wien, Jl/, Siovaragasse 27. STiiepljuit Nr. der Druckerei 15302. Inserate 20 Hell', per Nonpareille-Zeile. Abouiieiiieulsu. JusertiouSbeträge siub in Wie» zahlbar uiib klagbar.' Unabhängige Heitfchrift für Mische Intere^ KrscheinL jeden Areitag. lilotto: „I)rrs 8i6»ei Gottes ist Wahrheit!“ Verngsp^eis: i Ganzjährig ... ft. >2 | Halbjährig ... ft. ü— Für (Sultuebemiite: Ganzjährig . ft io - Für Ausland:;j Ganzjährig . . . s Mark. « 6 Nnbel aber i« gcs.! Wien. 7. Inli Ur. 26. Inhalt: Aus der Woche. — Forni und Wesen der jüdischen Religion — Die Schreckenstage von Lodz. — verschiedene Rachrichtei«. — Literatur. . Feuilleton: Ein bevollmächtigter Briefschreiber. — Glühende Kohlen. — Zum Kapitel Kantorenschule. — Der Sulzerismns und die moderne synagogale Liturgie. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Juli begonnene 3. Auartat ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Malles keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: vierteljährig Kr. 3.—, halbjährig Kr. 6.—, Probenummern stehen zur Verfügung. Die Wsöaktion. Ans der Woche. Der arme Dr. Porz er kann nicht znr Ruhe kommen, immer und immer wieder muß er an seine jüdische Abstammung gemahnt werden. Da wurde in der jüngsten Sitzung des Wiener Gemeinderates seitens der Vertreter des neugeschaffenen 21. Bezirkes der Antrag gestellt, zur dauernden Erinnerung an die Vereinigung der linksseitigen Donaugemeinden mit der Wiener Großgemeinde einen Monumentalbrunnen mit dem plastisch ausgeführlen Bilde des Bürgermeisters Dr. Lueger zu errichten. Doch kaum war dieser Antrag eingebracht, da erhoben sich schon die schlimmen Liberalen, die auch den Vizebürgermeister Doktor Po rzer nicht zu kurz kommen lassen wollten, und beantragten, unter Hinweis auf seine nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem verewigten Dichter und langjährigen Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Ludwig August Frankl, das Andenken an das verdienstvolle Wirken des letzteren im Gedächtnisse der Nachwelt dadurch zu erhalten, daß der Sladtrat ersucht werde, eine Gasse nach demselben zu benennen. Ob dieser Antrag, gleich wie der erste, der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugesührt wurde, darüber schweigt der Sitzungsbericht', das eine ist aber gewiß, daß Dr. Porzer von der ihm, resp. seinem Blutsverwandten seitens des Antragstellers zugedachten Ehrung nicht sehr erbaut war. Zn derselben Gemeinderatssitzung, die unter anderem den allmächtigen Herrn von Wien in einer sonderbaren Pose, nämlich für die Freiheit und gegen den Terrorismus kämpfen sah — natürlich predigte er dabei den Gegnern und nicht der eigenen Partei — siel noch eine bemerkenswerte Aeußerung des Herrn Bürgermeisters, die für ewige Zeiten festgehalten zu werden verdient. Bei Erstattung des Referates bezüglich Ueberlassung der alten katholischen Friedhöfe an die Gemeinde rühmte Dr. Lueger die Pietät, mit welcher die Inden die Gräber ihrer Vorfahren pflegen, und sagte zum Schlüsse: „Ich bin der Meinung, was die Inden treffen, das sollen auch die Katholiken treffen." Es ist wohl sehr schmeichelhaft für uns, daß der Herr Bürgermeister eine spezifisch jüdische Tugend zur allgemeinen Nachahmung empfiehlt, aber wir können dabei die Frage nicht unterdrücken, warum er denn nur bei der Fürsorge für die Toten und nicht auch in der Rücksichtnahme auf die Lebenden jüdischen Beispielen folgen will. Eine der vornehmsten und erhabensten Satzungen der jüdischen Religion ist das Gebot der Nächstenliebe. Hütte Dr. Lueger jemals in seinem ausgedehnten Wirkungskreise den Versuch gemacht, dieses schöne Gebot im jüdischen Sinne und auch in dem Sinne, wie es von dem Stifter der christlichen Religion gefordert wird, allen seinen Mitbürgern gegenüber voll zur Geltung zu bringen, dann wäre so manches Unrecht ungeschehen geblieben und manche bedauernswerte Erscheinung unseres öffentlichen Lebens verhütet worden. Freilich, von einem Manne, der einen Schneider und Bielohlawek zu seinen Gesinnungsgenossen zählt, läßt sich das kaum erwarten. Im praktischen Leben gilt fiir die gegenwärtige Majorität im Wiener Gemeinderale einzig und allein die Lehre vom „praktischen Antisemitismus." Das Schlagwort ist eigentlich falsch, nur zur Täuschung der dummen Massen berechnet, denn es handelt sich dabei den Herren Antisemiten nicht so sehr darum, den Inden zu schaden, als vielmehr der eigenen Tasche zu nützen. Für Leute, wie Bergani, der auf diesem Wege zu Ehren und Reichtum gelangt ist, aber von beiden noch immer zu wenig hat, hat sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit dieses Standpunktes leider noch nicht überall genug durchgerungen und in einem ..Wo bleibt der praktische Antisemitismus?" betitelten Artikel klagt er, ..daß jene Kreise, die vermöge des Geldes, über das sie verfügen, den praktischen Antisemitismus am wirksamsten znr Geltung bringen könnten, unser Adel und unsere Geistlichkeit, sich in dieser Beziehung nur zu oft versündigen und die Inden unterstützen, wiewohl es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit wäre, den eigenen Volksgenossen hilfsbereit zur Seite zu stehen." Der Vizebürgermeister Dr. Porzer beeilte sich natürlich, dem

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