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Die Wahrheit · 1905-06-02 · Heft 21 (2.6.1905) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 21 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Sette 5. Nr. 21. Es wurde diesfalls an sämtliche Kultusgemeinden ein j Rundschreiben erlassen, welches zum geringen Teile mit dankeswerten Anregungen, zu einem nicht großen Teile mit Zustimmungserklärungen, zum weitaus größten Teile aber gar nicht beantwortet wurde. Der Vorstand hält diese Angelegenheit noch in weiterer Behandlung und wird in seinen Bemühungen nicht erlahmen. Die Einheitlichkeit des Lehrplanes sowie die Schaffung von geeigneten einheitlichen Lehrbüchern ist durch die Autonomie auch kleinster Gemeinden sehr erschwert und die Besprechungen mit dem Ministerium haben gezeigt, daß im Unterrichts-Ministerium Geneigtheit für die Realisierung dieser wichtigen Angelegenheit vorhanden ist, daß aber zuvor die Schwierigkeit der verschiedenen Ansichten der einzelnen Kultusgemeinden überwunden werden muß. Am wichtigsten erscheint die Schaffung einer Lehrerbildungs-Anstalt für jüdische Religionslehrer, da insbesondere in der Provinz großer Mangel an zu diesem Zwecke ausgebildeten Personen besteht. Die Wiener Kultusgemeinde will sich gerne an die Spitze stellen, doch sei die Mitwirkung zumindest der anderen großen Gemeinden erforderlich, in deren Interesse diese Anstalt ganz besonders gelegen sei. Ein Hauptinteresse haben aber diejenigen Gemeinden, wo derzeit noch konfessionelle Schulen bestehen. Leider fehlt es der Mehrzahl dieser Gemeinden an der richtigen Würdigung dieser Angelegenheit. 4. Die Kultusgemeinde Neu-Sandez berichtete, daß die Schechita als Objekt der Erwerbsteuer seitens der staatlichen Steuerbehörden geplant sei und diesfalls bereits Erlässe der Steuerbehörden vorliegen. Sie berichtete weiters, daß ähnliches auch bei andern Gemeinden in der Bukowina und Galizien in Aussicht stehe und bittet um Vorkehrungen. Es wurden die geeigneten Schritte eingeleitet, deren Resultat vorläufig nur damit bezeichnet werden kann, daß die bisherigen Borschreivungen sistiert und seither neue Verfügungen seitens der Steuerbehörden nicht getroffen wurden, nachdem dem Finanzminister die Natur der Schechita-Gebühr genau auseinandergesetzt worden war. 5. Der Vorstand hat sich auch mit der Frage, betreffend Pensionierung und Altersversorgung für Funktionäre und Angestellte der kleineren Gemeinden eingehend beschäftigt, nachdem insbesondere in den kleineren Gemeinden für die Versorgung der Funktionäre und Angestellten in keiner oder unzureichender Weise Vorkehrungen getroffen sind. Es erging diesfalls ein Zirkular mit entsprechenden Anfragen an sämtliche 540 Kultusgemeinden Oesterreichs, worauf 41 Antworten einliefen. Die mährischen Kultusgemeinden lehnten die Beteiligung ab, weil sie im Wege des mährischen Landesmassafonds ein Abkommen getroffen haben. In der Vorstandssitzung vom 9. April d. I. wurde nichtsdestoweniger beschlossen, diese Angelegenheit noch nicht als erledigt zu betrachten und sie weiter im Auge zu behalten. 6. Die Schechita-Angelegenheit in Niederösterreich hat den Vorstand des „Bundes" vielfach beschäftigt. Es fanden mehrere Sitzungen statt, zu welchen sämtliche Kultusgemeinden Niederösterreichs mit ihren Rabbinen geladen waren und es hat in dieser für alle Juden hochwichtigen religiösen Angelegenheit eine Einigung stattgefunden; die entsprechenden Gutachten wurden möglichst einheitlich an die niederösterreichische Statthalterei geleitet und es wurde mit Beihilfe der Wiener Kultusgemeinde auch die Verfassung eines ausführlichen Werkes zur Widerlegung der in letzter Zeit erschienenen gehässigen Publikationen initiiert. 7. Herr Dr. Arnold Rosenbacher, Präsident der Kultusgemeinde Prag, hat anläßlich der angeregten Reform des bürgerlichen Gesetzbuches den Antrag gestellt, daß insonderheit die §§ 126 und 129 des bürgerlichen Gesetzbuches abänderungsfähig erscheinen und daß § 129 eliminiert und § 126 bei dem Zitate der §§ 70 — 78 auch noch der § 74 mitzitiert werden sollte. Der Vorstand konnte sich über diesen Antrag nicht einigen und legt denselben dem Bundestage behufs Aeußerung vor. Der erstattete Bericht wird zur Kenntnis genommen. Herr Dr. Schanzer. Pilsen, legt das Hauptgewicht auf die Religionslehrer-Frage, da in den 197 Kultusgemeinden in Böhmen sehr viele Religionslehrer wenig gebildet siud; er hält die Frage der Errichtung einer Anstalt zur Heranbildung von Religionslehrern umso dringender, als in Böhmen und Mähren auch konfessionelle Schulen bestehen, au welchen ein ziemlicher Bedarf an Lehrern vorhanden ist; er bittet diese Frage nicht aus dem Auge zu lassen, und sich mit derselben dringendst zu beschäftigen. Abgeordneter Dr. Byk, Lemberg, hält eine Organisation der jüdischen Gemeinden durch Schaffung von Landes- und Reichsverdänden für unbedingt notwendig und begmragt, daß sich der Vorstand mit dieser Frage eingehend beschäftigen solle. Ebenso hält er es für besonders dringend nötig, daß insbesondere für Galizien etwas geschehen müsse, damit die Matriken in Bezug auf die Vornamen in Ordnung gebracht werden, da in Galizien die Juden mit teils ganz unaussprechlichen Namen in die Matriken eingetragen werden, diese Namen in die Geburtsscheine übergehen und dann große Schwierigkeiten entstehen, wenn dieselben mit ihren Nusnamen in die Schule, zu Militär, in das Verkehrsleben eintreten. Anschließend daran macht Oberrabbiner Dr. Güdemann aus seiner Praxis mehrere interessante Mitteilungen über die nachteiligen Folgen der mangelnden Matrikensührung. Zum Anträge des Herrn Dr. Rosenbacher sprechen die Herren Dr. Sonnenschein, Abgeordneter Dr. Byk, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Dr. Arnold Ascher, W. Pappenheim und Dr. Schauzer teils pro, teils kontra. Sodann wurde beschlossen, daß alle diese Anträge, insonderheit der Antrag der Organisation der Judengemeinden zu größeren Verbänden, die Frage der jüdischen Namen, die Anregung der Aenderung der Ehegesetzgebung, endlich die Bildung einer Lehrer-Präparandie für Religionslehrer dem neuzuwählenden Vorstande zur weiteren Erwägung und Beschlußfassung dringendst empfohlen werden. Kassa-Bericht. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn verliest als Kassaverwalter den Kassabericht, wonach bis 31. Dezember 1904 inklusive des Jahresbeitrages der Wiener Kultusgemeinde per 800 K, 2169-40 K eingegangen waren, die Ausgaben in der Zeit der Berichtsdauer 3720-09 K ausmachen, so daß das Jahr 1904 mit dem Passiv-Saldo 1550-69 K abschließt, welchem Passiv-Saldo die im Jahre 1902 gemachte Widmung des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern per 2000 K österr. Kronen-Rente gegenüber steht. Der Kaffaverwalter bemerkt hiezu, daß viele Gemeinden, darunter auch größere, mit ihren Jahresbeiträgen im Rückstände sind. Der Kaffabericht wird genehmigt und beschlossen, die Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, diesfalls zu mahnen. Festsetzung der Jahresbeiträge. Es wird der Antrag gestellt und zum Beschlüsse erhoben, daß pro 1905 der Jahresbeitrag der Einzel-Mitglieder mit mindestens 10 X pro Jahrj festgesetzt wird und daß die Einzel-Mitglieder um Einsendung ihrer Jahresbeiträge unter Anschluß von Postsparkassenscheinen ersucht werden. Ueber Anfrage wird berichtet, daß der Bund derzeit aus mehr als 200 Gemeinden und 64 Einzelpersonen besteht. Zur Vermehrung der Mitgliederzahl wird eine größere Aktion geplant. Wahlen. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes, u. zw. die Herren Dr. Alfred Stern, Wien; Dr. Arnold Rosenbacher, Prag; Dr. Emil Byk, Lemberg; Dr. Gustav Kohn, Wien; Dr. Moriz Güdemann, Wien; Bernhard Biller, Graz; I. Ph. Glesinger, Teschen; Jgn. Hahn, Linz; Wilhelm Pappenheim, Wien; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; Dr. Benno Straucher. Czernowitz; Dr. Alois Hilf, Mähr.-Ostrau und Dr. Hieronymus Fialla, Brünn, werden per Akklamation neuerlich gewählt und werden an der Stelle der ausgeschiedenen fünf Herren, Herr Dr. Tilles, Präsident der Kultusgemeinde Krakau; Herr Dr. Alfred Berger, Vorstands-Mitglied der Wiener Kultusgemeinde; Herr Dr. Joses Schanzer, Präsident

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