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Die Wahrheit · 1905-05-26 · Heft 20 (26.5.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 20 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Nr. 20. . -a':,'.3VA Seite 8. Die Wahrheit Vor der Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in pietätvollen Worten der Verdienste des vor kurzem verstorbenen Rabbiners Doktor M. Kayserling, dessen Hinscheiden nicht nur für die Pester Religionsgemeinde, sondern auch für die Judenschaft der ganzen Welt einen schweren Verlust bedeutet. Die Generalversammlung hörte den Nachruf stehend an und beschloß, das Andenken Kayserlings protokollarisch zu verewigen. Der sodann zur Verlesung gelangte ausführliche Jahresbericht wirft ein helles Licht auf die segensreiche Tätigkeit der Religionsgemeinde im Vorjahre. Der Bericht gibt ferner noch Aufschluß über die Organisierung der neuen Rabbinerstelle, den Bau des neuen Tempels, das aus dem Wechselmannschen Fond zu errichtende Blindeninstitut, ferner über die Pensionsstistungen für Lehrer, den allgemeinen Religionsunterricht, die Schulen der Gemeinden rc. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens ist ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Fortschritte weist auch der Gottesdienst auf, indem nun auch die Zöglinge der IV. Klasse der Elementarschulen am samstägigen Gottesdienste teilnehmen. In dem Spital derPester israel i t i s ch e n G e m e i n d e, wo 3 Primär-, 4 ordinierende, 5 Assistenzärzte und 2 besoldete Praktikanten den Dienst versehen, wurden im verflossenen Jahre 2141 Kranke verpflegt, und zwar auf der internen Abteilung 1220, auf der chirurgischen 618 mit 357 Operationen, auf der okulischen 303 mit 257 Operationen Die 2141 Kranken, unter denen 327 Christen waren, nahmen 47.125 Verpflegstage in Anspruch; die Verpflegsdauer der einzelnen Kranken betrug durchschnittlich 22 Tage. Das Sterblichkeitsverhältnis betrug 8-9%- Die Zahl der ambulanten Kranken erreichte die bis jetzt höchste Ziffer von 26.079 mit 129.677 Ordinationen. Die einzelnen Fächer ergaben an Ambulanten: Interne 7262 mit 8562 Ordinationen; chirurgische 4070 mit 20.312 Ordinationen und 998 Operationen; Augenkranke 8558 mit 47.838 Ordinationen und 1273 Operationen; Kehlkopf-, Nasen- und Rachenkranke 1167 mit 11.037 Ordinationen und 189 Operationen; Ohrenkranke 1526 mit 11.808 Ordinationen und 181 Operationen; Frauenkranke 1464 mit 5815 Ordinationen und 87 Operationen; Hautkranke 2032 mit 24.305 Ordinationen. Unter den ambulanten Kranken, die sämtlich gratis behandelt wurden, waren 16.170 oder 62% christlicher Religion. Die Gesamtzahl der Spitals- und ambulanten Kranken betrug 28.220. Von den Armenärzten wurden 1851 Haus- und 5087 ambulante Kranke behandelt, in Sunime 6937. Die Gesamtzahl der Spitals- und von den Armenärzten Behandelten erreichte die Höhe von 35.175. Die Gesamtausgaben des Spitals betrugen X 176.890. Mit Einrechnung der Gesamtausgaben kostete ein Berpflegstag K 3 76, die ausschließlich den Kranken betreffenden Kosten, nämlich für Verpflegung, Medikamente und Verbandstoffe betrugen per Berpflegstag X 1-77, die Verpflegung allein X 0-973 per Berpflegstag. Endlich betrugen die Kosten des außerhalb des Rahmens des Spitals stehenden armenärztlichen Instituts X 16.417. Im Adele Brödy-Kinderspital erhielten im Vorjahre 17.701 kranke Kinder ärztliche Hilfe, und zwar 15.041 Budapester, 2659 aus der Provinz und aus dem Auslande, davon waren 5485 ----- 31% jüdischer, 12.216 — 69% anderer Konfession. Von den Kranken waren 15.889 ambulante. Im Spitale wurden 1357 liegende Kranke behandelt, von denen 708 jüdischer, 649 anderer Konfession waren. Von den 1357 bettlägerigen Kranken waren 523 ---- 38% zahlende (294 israelitischer, 229 anderer Konfession) und 834 — 62% Gratiskranke (414 israelitischer, 420 anderer Konfession). An Krankenpflegegeldern wurden X 25.913-10 eingenommen. Die liegenden Kranken nahmen insgesamt 31-593 Pflegetage in Anspruch. Es entfielen durchschnittlich auf einen Kranken 23 Tage. Sterbefälle kamen insgesamt 118 — 8%% vor. Die Gesamtausgaben des Spitals betrugen X 112.425 53, d. i. per Kopf X 8140 und per Tag und Kopf X 3'32. Die Wohltätigkeitssektion hat im Berichtsjahre an 6313 Personen, in Posten von X4—950, insgesamt X 111.114-70, ferner 160.900 kg Kohlen und 49.585 kg Osterbrod zur Verteilung gebracht. Die unbemittelten Schüler wurden in den Wintermonaten gratis verköstigt und 723 Knaben- und Mädchenzöglinge mit Winterkleidern versehen. Das Knabenwaisenhaus zählt 200 Zöglinge und beanspruchte einen Kostenaufwand von X 109.707-07. Im Taudstummeninstitut sind 89 Zöglinge untergebracht, und zwar 53 Knaben, 36 Mädchen; unter den Zöglingen sind 5 nichtjüdischer Konfession. Das Pensionsinstitut hatte X 58.346-11 Einnahmen, X 38.11312 Ausgaben. Die Zahl der Geburten betrug 3508 (1851 Knaben, 1657 Mädchen, der Todesfälle 2483 (1340 Männer, 1143 Frauen); getraut wurden 984 Paare. Der Gesamtbedarf belief sich auf X 1,428.632-04, welchem X 1,364.615-50 an Einnahmen gegenüberstanden; es ergibt sich somit ein Defizit von X 64.016-54. Zum Bericht nahm MinisterialratDr. Ludwig Ballai als Erster das Wort; er wünscht, daß auf die Institutionen, welche zur Stärkung des inneren konfessionellen Lebens der Gemeinde dienen, besonderes Gewicht gelegt werde; es sollen, von der Zentrale entfernt, ständige Gebethäuser errichtet und die Privatunternehmungen eingeschränkt werden; ferner empfiehlt er. die Gemeinde möge Frauenbildungs-Anstalten ins Leben rufen. Zum Austritte Dr. Wilhelm Bäzsonyis aus der Repräsentanz sprachen Dr. Salomon Eulenburg, Paul Sandor, Dr. Josef B 6 ß i und Dr. Adolf L e i t n e r; hierauf erklärte die Generalversammlung, sie würde es mit Vergnügen sehen, wenn Dr. Vazsonyi seinen Austtitt zurückziehen würde. Zu Rechnungsrevisoren wurden gewählt: Ferdinand Beck de Madaras, Edmund v. Domony, Sigmund Horvath, Wilhelm Fuchs, Jacques Simon, Franz S z 6 k e l y und Ferdinand Straffer.. An Stelle der verstorbenen Ausschußmitglieder- Paul Tencer und Ludwig Krauß de Megyer wurden einhellig Dr. Böla v. Bamberg er und Moriz Lin den bäum gewählt. Hiemit erreichtedie Generalversammlung ihr Ende. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Die 32. ordentliche Generalversammlung der Israel Litis chen Allianz zu Wien findet am Dienstag den 6. Juni 1905, um 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seiten- ' stettengasse 4, 2 Stock, statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1904; 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1904; 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer (ß 6 der Statuten); 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Wien. lieber Einladung des Tempelvereines für den 19. Bezirk wird Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang bei dem Freitag, 26. Mai, um 7 Uhr abends, stattfindenden Gottesdienste im israelitischen Blinden- Jnstitute, Hohe Warte, eine Predigt halten. Wien. (50jährig es Jubiläum.) Die renommierte Firma Jacob Rothherger, f.. und k. Hoflieferant, Wien I.,'Stefansplatz, feierte am verflossenen Samstag den 50jährigen ehrenvollen Bestand des Hauses und wurde aus diesem Anlaffe jedem Käufer eine gutgehende amerikanische Uhr gratis zur Erinnerung eingehändigt. Die Firma Jacob Rothberger hat es verstanden, von kleinen Anfängen ein Riesenetablissement der Kleiderbranche zu schaffen und zeichnete sich stets dadurch ans, daß sie nur solide dauerhafte Ware bei mäßigen Preisen abgab. Auch heute wird der Firma, welche zahlreiche Filialen unterhält, das größte Vertrauen allseittg entgegengebracht. Floridsdorf. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr S. Rosenberg aus Ung.-Brod zum Oberkantor gewählt und wird derselbe demnächst sein Amt antreten. Neu-Rauffnitz. Unserem allverehrten Oberkantor und Gemeindesekretär Herrn Leopold Stößler wurde in Anerkennung seiner mehr als vierzigjährigen treuen und zufriedenstellenden Verwendung in einem und demselben Dienste, die von Sr. k. u. k. apostolischen Majestät aus Anlaß der Feier Allerhöchstdero 50jährigen Regierungsjubiläum allergnädigst gestiftete Ehrenmedaille für vierzigjährige treue Dienste verliehen. Hohenems. (Rabbiner Dr. Tänzer.) Aus Hohenems in Vorarlberg geht uns folgender, einen wahren „Xidusch Haschern" bedeutender Bericht zu. Am 20. d. M. schied Herr Rabbiner Dr. Tänzer aus unserer Gemeinde, um nach Meran, woselbst seitens der hiesigen Kultusgemeinde der Rabbinatssprengel „Südtirol" errichtet wurde, zu übersiedeln. Die Kultusgemeinde, sowohl wie die Ortsgemeinde wetteiferten in Beweisen der Liebe und Verehrung, um den scheidenden Gelehrten für seine reichen Verdienste ihre Anerkennung zu zollen. Am Samstag Vormittag hielt Herr Dr. Tänzer seine Abschiedspredigt, zu der auch die beiden Bürgermeister erschienen waren. Kein Auge blieb bei der herrlichen Predigt des glänzenden Redners trocken. Am Abende desselben Tages veranstaltete der hiesige „Werkmeister- und Jndustriebeamten-Verein" eine großartige Abschiedsfeier in den Sälen des „Hotel Post", zu der sich ein überaus zahlreiches Publikum, mit Bürgermeistern und Gemeinderat an der Spitze, alle Vereinsvorstände u. s. w. eingefunden hatte. Herr Direktor Wenzel begrüßte den Gefeierten und hob dessen enorme Verdienste um den Ort Hohenenls und um die Hebung der Volksbildung durch zahlreiche populär-wissenschaftliche und literarisch-historische Borträge hervor. Sodann hielt Herr Dr. Tänzer einen einstündigen glänzenden Bortrag über „Friedrich v. Schiller", wobei er die Entwicklung des Schiller'schen Idealismus an Hand von fünf Dramen (Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Wallenstein, Tell) zeichnete. Und nun folgten in langer Reihe die Toaste, die Herrn Dr. Tänzer's vielseitige gemeinnützige Verdienste feierten. Bürgermeister Alois Peter toastierte auf Herrn Dr. Tänzer als hochverdienten ersten Lokalhistoriker und Förderer aller fortschrittlichen Bestrebungen; Herr Adolf Reis als Präsident des „Berschönerungsvereines" desgleichen auf die erfolgreiche Tätigkeit des Gefeierten im Vereine, für den er auch eine Broschüre „Hohenems und Umgebung" verfaßt hatte; Herr Oberlehrer Federmann feierte dessen Idealismus in treuer Förderung aller gemeinnützigen Bestrebungen; Direktor Wenzel ließ Frau Dr. Tänzer hochleben u. s. w. Bis in später Nachtstunde ein Fest, einzigartig nach jeder Richtung hin, ganz den Verdiensten des Gefeierten entsprechend. Ueberaus zahlreiche Geschenke werden Herrn Dr. Tänzer eine dauernde Erinnerung an die Verehrung bilden, die er sich hier durch sein allseittg anerkanntes Wirken erworben hat. Durch sein monumentales Werk „Geschichte der Juden .in Tirol und Vorarlberg", dessen beide ersten Bände Vorarlberg behandeln, hat er sich in unserer Kultusgemeinde verewigt. Nur mit tiefster Wehmut sehen wir ihn von hier scheiden. Möge ihm in aller Zukunft Gottes reichster Segen beschicken sein! Budapest. (Ovation.) Am 11. d. M. machten die Zöglinge des Landes-Rabbinerseminars unter Führung des Rabbmatskandidaten Dr. Josef Borsodi ihre Aufwartung -beim Universitätsprofessor und Professor des Seminars, Dr. Ignaz Goldzih er, um /ihn anläßlich seiner Wahl zum Präsidenten der I. Klasse der Akademie zu beglückt wünschen. Budapest. (P e st e r i s r a e l. R e l i g i o n s g e m e i n d e.) Das- Pensionsinstitut der Pester israel. Religionsgemeinde, der Chewra-Kadischa.

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