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Die Wahrheit · 1905-05-26 · Heft 20 (26.5.1905) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 20 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20. Die Wahrheit Lette ö. vissenheit und der Finsternis, die in den allen jüdischen Gettos .errschen. Sie hütet voll Liebe die Unantastbarkeit,, die Orthodoxie der Rabbiner. Sie gibt acht, damit nicht unter den Juden Irrlehren entstehen, daß die Juden vom Glauben der Väter nicht abfallen und zu einem neuen, reformierten Bekenntnis übergehen. Der Jude kann getauft werden oder ein orthodoxer Talmudist bleiben. Einen anderen Ausweg gibt es für ihn nicht. Ich habe die jüdischen Schulen gesehen, wo die unglücklichen jüdischen.Kinder eingepfercht werden. Ohne Luft und Licht, ohne Bewegung, im widerlichen, stinkenden Schmutz werden die Köpfe der Kinder mit sinnlosem Auswendiglernen des alten Gesetzes vollgepfropft, und man schlägt, schlägt ohne Ende die Kinder. Das ist ' eine Schule für Halbverrückte und Idioten; in ihr erhält man weder die Kenntnis der staatlichen Sprache, noch der weltlichen Schrift, noch des elementarsten Wissens. Diese Schule drückt jedem, der durch sie gegangen, ihren Stempel auf, sie lehrt aber nichts. Sie entläßt verkrüppelte, zerfallene, mit einem scharfen äußerlichen Kennzeichen versehene Menschen, aber keine Bürger. Die Inden werden absichtlich so erzogen, damit aus ihnen Ausländer, Fremdlinge, Wilde und Eindringlinge werden, die Rußland und dem russischen Volk'immer fremd bleiben. Die Regierung hat für die Juden ein künstliches Milieu und ein Ausnahmerecht geschaffen. Aus einigen Gouvernements ist ein Zuchthaus für ein sechs Millionen zählendes Volk gemacht worden. Der Jude darf dort nicht leben, wo der Heide, der Buddhist, der Mohammedaner lebt; er besitzt nicht die Bewegungsfreiheit eines gewöhnlichen Haustiers, geschweige der Menschen; er ist von seiner Geburt bis zum Tod ein Verbrecher, ein verworfener Paria, ein verfluchter Fremdling, der von der russischen Regierung erzogen, von ihr unter dem Schutz des staatlichen Rabbinertums, der jüdischen Kommission des Ministeriums des Innern und der Beamten in den Gouvernements und den Kuratorien der Lehrbezirke für die jüdische Abteilung großgezogen worden ist ..." In den für sie bestimmten Gebieten sind die Juden, wie in Ghettos, in Städten und Flecken eingeschlossen, ohne das Recht, auf dem Lande zu leben. Sie sind da in besondere religiöse Steuergemeinden eingeteilt, unterliegen besonders schweren Steuern und werden mit Hilfe von Leuten verwaltet, die der Behörde besonders gefallen haben. Der offiziell abgeschaffte Kahal existiert äs facto, mit der russischen Polizei an der Spitze, und man kann sich schwer die Schrecken der Sklaverei, des Hungers, der Not und des Siechtums vorstellen, denen Millionen jüdischer Proletarier zum Opfer fallen. Ich habe diese Not mit eigenen Augen gesehen und muß bezeugen, die Qualen, die auf die Juden in Rußland gehäuft werden, sind keiner Steigerung fähig, und kein Nero könnte Grausameres ersinnen als diese langsame Erdrosselung eines ganzen Volkes, das man in Schmutz. Gestank und grenzenloser Armut verkommen läßt. Die russische Regierung ist übrigens nach Nikolaus I. liberaler geworden. Sie entreißt den Müttern nicht mehr mit Gewalt ihre minderjährigen Kinder, um sie zu dem orthodoxen russischen Glauben zu bekehren und aus ihnen ein Heer von Janitscharen zu bilden; sie verfolgt nicht mehr die Juden wegen ihres Nationalkostüms und die Frauen wegen ihrer Perücken, sie zahlt getauften Juden und religiösen Spionen keine Prämien aus. Mehr noch. Sie hat geruht, den Juden einige Gnaden zu schenken und in ewigen Fällen Zuttitt in Zentralrußland, den Kaukasus und sogar in das den Verbrechern überlassene Sibirien zu gewähren. Das russische Polizeigesetz rechnet alle Juden zu den ehrlosen, unsittlichen und verbrecherischen Elementen; aber es kennt auch Ausnahmen. Eine besondere Tugend kann einen Juden sogar zu einem „nützlichen" Bürger machen, und dann werden ihm die Fesseln des Pferchs genommen. Der Name dieser Tugend ist Reichtum. Es braucht blos ein reicher Jude den Titel eines Kaufmannes erster Gilde zu kaufen und dafür jährliche Abgaben zu leisten, so erhält er die Bewegungsfreiheit, die in Rußland Pferden und Hunden ohne Gegenleistung geschenkt ist; es braucht weiter ein Jude ein Diplom von einem Gymnasium oder einer Universität zu kaufen, und er kann den jüdischen Massenkerker verlassen. Sogar einem Handwerker gestattet das Gesetz, die Grenzen der Ansässigkeit zu verlassen und im großen russischen Reich sich anzusiedeln; aber es versteht sich von selbst, daß alle diese Privilegien gut bezahlt werden müssen. Mit einer wunderbar fein nuancierten Gehässigkeit zählt das Gesetz die Berufe auf, die den Juden außerhalb ihres erlaubten Aufenthaltes und teilweise auch in ihren Mauern erlaubt sind. In mittlere und höhere Lehranstalten werden im ganzen 3^ oder 50/0 Juden ausgenommen. Der Jude kann nicht vereidigter Rechtsanwalt oder Verteidiger Kurator eines eröffneten Konkursverfahrens fein. Als Jurist kann der Jude blos Gehilfe eines Advokaten sein, und dabei ausschließlich für Kriminalsachen. Den Juden ist es überall verboten, sich mit Ackerbau und Landwirtschaft zu beschäftigen; es ist ihnen verboten, sich am Bergbau auf fremdem Grund und Boden zu beteiligen und sich mit Naphthaproduktion im Kaukasus zu beschäftigen. Sie dürfen außerhalb der Grenzen der Ansässigkeit keinen Handel mit ausländischen Waren betreiben, wenn sie innerhalb der Grenzen leben. Außerhalb des Pferchs werden Juden zur Uebernabme von Lieferungen und allerhand Unternehmungen, zum Engroshandel mit eigenen und fremden Erzeugnissen, zur Uebernahme von Poststationen nur zugelafsen, wenn diese Unternehmungen von Christen verwaltet werden, und zwar bei sehr beschränkter Beteiligung von Juden an der Administration des Unternehmens. Jüdische Handwerker werden auch außerhalb der Grenzen nicht bedingungslos zugelassen; sie müssen in Rußland ein nochmaliges Examen ablegen; den Erfolg ihrer Beschäftigungen kontrolliert die Polizei, und nur durch Schmiergelder an die Beamten retten sie sich vor der Eintragung als „falsche Handwerker" und vor der Rückverweisung in das Ghetto. Der Staatsdienst ist den Juden selbstverständlich ganz verschlossen. Es sind ihnen alle öffentlichen Rechte genommen, und vor Verlust dieser Rechte retten sie weder Reichtum noch Diplome. Es gibt nur ein Mittel, alle diese Rechte zu erhalten, und das ist — Renegat zu werden und sich taufen zu lassen. Dann fallen alle Beschränkungen. Der Liberalismus der russischen Regierung ist aber noch freigebiger. In einigen Fällen erlangen die Juden nicht allein vollkommene Gleichstellung, sondern sie werden sogar vor der übrigen Bevölkerung des Landes bevorzugt. Und das geschieht in den Fällen, wo es sich um Erfüllung der ehrenvollsten Pflichten des Bürgers handelt. Und wenn bei Zahlung von Steuern die Juden mit den übrigen Untertanen nicht blos gleichgestellt sind, sondern noch durch eine speziell jüdische Abgabe bevorzugt werden, so stehen sie auch in den ersten Reihen dort, wo es sich um die Blutsteuer handelt, um die Pflicht, für den russischen Zaren und das Vaterland zu sterben. 15.000 Juden liegen regungslos in der Mandschurei, zu der ihnen der Zutritt sonst ausdrücklich verbotenist; 15.000 Juden liegen verwundet und krank in den Militärhospitälern, zum Ruhm der russischen Waffen. Mehr als 30.000 Juden haben ihr Leben und ihre Gesundheit für die Unantastbarkeit des Landes hingegeben, in das ihnen der Zutritt verboten ist. Tausende jüdischer Aerzte wurden zur Rettung des russischen Soldaten gebraucht, verließen ihre Frauen und Kinder und gaben sich dem aufopfernden Dienst eines Militärchirurgen hin. Und nicht blos im Kriege sind die Juden in den ersten Reihen zu brauchen, sie lassen sich auch in den von Epidemien heimgesuchten Gebieten verwenden, ferner in den Polargegenden Sibiriens, im Transkaukasus u. s. f. Diese Milde der russischen Regierung geht aber über ein bestimmtes Maß nicht hinaus. Der Jude kann als Soldat, als Handwerker, als Arzt nötig sein, und man führt ihn notwendigenfalls sogar mit Gewalt auf den ihm zugedachten Posten. Sobald es sich aber herausstellt, daß die Dienste des Juden entbehrlich sind, wird er hinausgeworfen und wieder unter die verachteten Parias des russischen Reiches eingereiht. In Ussurien hört die Epidemie auf, und die dorthin berufenen jüdischen Aerzte werden durch die Polizei aus Port-Arthur ausgewiesen. Ein jüdischer Soldat ist bei Mukden verwundet m sa

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