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Die Wahrheit · 1905-05-19 · Heft 19 (19.5.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 19 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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n Die Wahrheit Seite 9. -auf dem Altar des Vaterlandes mehr, als unser Eid verlangt." Als Belohnung dafür> daß er mehr gebracht hat, - als man 'verlangte, erhielt er mehr, als ein Jude erhalten darf, selbst wenn er außergewöhnliche Heldentaten verübt. Er wurde zum jüngeren Unteroffizier ernannt. Die ganze Pyramide unerschütterlicher Gründe beruhigte aber den Verfasser des fraglichen Regimentsbefehles nicht, er dachte wohl, wie die Schwester des Generals Stöffel, die ausrief, als eine Zeitung die Nachricht brachte, daß sie von Juden abstamme: „Unsere Ahnen würden sich im Grabe umdrehen, ivenn diese gemeine Verleumdung bis zu ihnen dringen könnte", denn er ruft pathetisch aus: „Ich befördere Trumpeldor zum jüngeren Unteroffizier für seine Verdienste und Unerschrockenheit, die er oft bewiesen hat. Seine gute Bildung (er ist Zahnarzt) gibt mir Grund zur Ueberzeugung, daß er als Vorgesetzter nicht -weniger Nutzen bringen wird, denn als Gemeiner, und daß er -andererseits feine Untergebenen nicht fühlen lassen wird, daß er Andersgläubiger ist, daß er im Gegenteil als Vorgesetzter sich ihre herzliche, nicht nur äußerliche Achtung gewinnen wird. Und wie soll man einen Menschen nicht achten, insbesondere einen andersgläubigen, der im Dienste des Vaterlandes sein Leben -aufs Spiel setzt, wenn er hierzu nicht mehr verpflichtet ist!" Diese Begründung müßte selbst auf die empfindlichen Ahnen des Generals Stöffel beruhigend wirken.... Trumpeldor aber kämpfte tapfer mit seinen Soldaten ans den Wüllen, bis sich die Festung ergab und er mit der übrigen Garnison „glücklicherweise" in Gefangenschaft und nicht ins Vaterland zurück ging, für das er mehr getan, als sein Eid ihn verpflichtet. Wir sagen glücklicherweise, weil wir seine Geschichte mit der eines anderen Helden vergleichen, der das Unglück hatte, in das Vaterland zurückkehren zu müssen, für das er, ohne zu murren, sein Blut vergossen hat. Folgendes ist die Geschichte: Ein gewisser Wainer, Reservist, der im Dorfe Rachmanow, Kreis Kremenctz, beheimatet ist, diente in Odessa in einem Geschäft. Zum Dienst einberufen, nahm er an den Kämpfen am Schaho Teil und erlitt Verwundungen an der Hand und an der Seite. Drei Monate lag er im Charbiner Hospital und wurde als Invalide nach seinem Domizil Rachmanow abgeschickt. Mit 4 Rnbel in der Tasche wandte sich Wainer an den Kleinbürgerältesten mit der Bitte um einen Paß, ohne welchen er nicht nach Odessa gehen tonnte. In seinem Paß war trotz des kaiserlichen M a n i f e st e s, wonach sämtlichen Teilnehmern des jetzigen Feldzuges freier Aufenthalt ohne Beschränkung gewährt worden war, der Vermerk enthalten: „Inhaber darf sich nur imAnsiedlungsrayon auf halte n." Wainer kam schließlich bis zur Kreisstadt Kremenetz, wo er bei seiner militärischen Behörde um Beförderung zu seiner Familie nach Odessa bat. Man verweigerte es ihm mit der Antwort : „Ich kann nichts machen, gehe zu Deinen Juden, sie sollen Dir helfen." Einen ganzen Tag irrt nun.der Arme bettelnd in den Straßen umher, sein leidendes Aussehen, sein zerrissener Mantel lenkten die Aufmerksamkeit auf ihn und zum Glück fanden sich noch mildtätige Menschen, die es ermöglichten, daß er zu den Seinigen nach Odessa kam. So empfängt das Vaterland seine Heldenverteidiger, wenn 'sie — Juden sind. Hat Trumpeldor es in seiner Gefangenschaft nicht besser? Jedenfalls gibt es dort keine Aeltesten, die es sich erlauben dürfen, ungestraft den kaiserlichen Manifesten Hohn zu sprechen, und er braucht dort wohl auch die eine Hand, die ihm geblieben ist, nicht bettelnd nach Almosen ausstrecken. Und dann spricht man von Grausamkeit in der japanischen Gefangenschaft. Welche Heuchelei! Uerschiedene Nachrichten. Wien. Die Mädchenkonfirmation im Tempel, XV., Turnergasse 22, findet am Sonntag, den 28. d. M., um 10 Uhr vormittags, statt. Wien. Samstag, den 13. d. M., */,7 Uhr abends, hielt der „Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" im Sitzungssaale der Kultusgemeinde seine leider nur sehr spärlich besuchte ordentliche Generalversammlung ab. Den Vorsitz führte an Stelle des rekonvaleszenten Präsidenten Baurat W. S t i a ß n y der Vizepräsident Hofrat Sigm. T a u s s i g. Nach Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch den Vorsitzenden, der auch einen kurzen Ueberblick über die wesentlichen Vorkommnisse des abgelaufenen Jahres gab. verlas Schriftführer Dr. B. T a u s s i g den beifällig ausgenommenen Bericht pro 1904, demzufolge sich die Tätigkeit des Vereines ungefähr auf gleichem Niveau wie bisher bewegte. Nach Erstattung des Zensorenberichtes durch Herrn Steiner und Erteilung des Absolutoriums wurde zur Neuwahl geschritten, bei welcher sämtliche laut § 8 der Statuten ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder wiedergewählt wurden. Hierauf hielt kais. Rat Johann Lichtensta-dr einen sehr anregenden Vortrag über die „Arbeitsverhältmsse der Juden in Rumänien". Wien. (Verein der Hörer au der isr. theologischen Lehranstalt.) Bei der am 11. d. M. starrgefundenen Neuwahl wurden folgende. Herren in den Ausschuß gewählt: H. Schwengel, Präses; G. Sicher, Vizepräses; H. Alperin, Kassier; M. Kohn, I. Schriftführer; E. Deutsch, H. Schriftführer. Wien Letzten Samstag fand die Barmizwah-Feier des Realschülers Fritz K o y n, Sohn des Herrn Jakob Kohn, im Brigittenauer Tempel start. Der Konfirmand trug die letzte Parascha der Sidra, ebenso die Haftora höchst ausdrucksvoll vor und Rabbiner Dr. David hielt an ihn eine erhebende Ansprache. Im Elternhause hielt der Barmizwah eine gehaltvolle Rede, in der er das Gelöbnis ablegte, dem väterlichen Glauben treu zu bleiben. Die Familie Kohn erfteut sich allgemeiner Beliebtheit und gab es daher auch viele Gratulanten. Baden. Dienstag, den 23. Mai, findet im hiesigen Tempel, die Trauung des Fräulein Gisela Schäfer, Tochter unseres langjährigen und allgemein beliebten Kantors. Herrn Jakob Schäfer, mit Herrn Geza Br einer statt. Oberhollabrunu. Bei der am 11. d. M. stattgefundenen Borstandswahl wurde Herr Max Wallisch in Anerkennung seiner Verdienste um die Gemeinde zum Vorsteher wieder- und Herr Dr. Em. Ritter, Besitzer des goldenen Berdienstkreuzes, zu dessen Stellvertreter neugewählt. Ferner wurden gewählt: zu Beiräten Johann Ranzenhoser in Oberhollabrunn und Theodor König in Retz; zu Ausschußmitgliedern Max Herzog, Herm. Wechsler, Tierarzt, Wilhelm Hauser in Oberhollabrunn, Hermann Seidl in Alberndorf und Josef Neuspiel in Jmmendorf; als Ersatzmänner Mathias Pöschl in Oberhollabrunn, Julius Spitzer in Retz und Alois Wallisch in Oberhollabrunn. Graz. Am 6. d. M. fand hier eine sehr gut besuchte Versammlung zur Gründung eines jüdischen Damen-Turnvereines statt. Es ist sehr erfreulich, daß es auch zwischen den mächtigen Bergen der Alpen zu dämmern beginnt und daß auch hier die Juden zu erkennen anfangen, wie notwendig es ist, ihre Kräfte für die eigene Sache zu entfalten. Noch erfreulicher ist es aber, daß der Gedanke zur Gründung dieses Vereines nur von der Jugend ausging, die noch einen schweren Kampf gegen manche geblendete, sogenannte Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde zu führen hat. Der Verlauf der Versammlung war recht interessant, da eine rege Beteiligung an den Debatten, besonders vonseiten der Damen stattfand. Herr stud. med. Leicht hielt die Eröffnungsrede, in welcher er den Wert des Damenturnens von verschiedenen Seilen eingehend schilderte. Nachdem noch über manche Angelegenheiten in der Turnsache gesprochen wurde, schritt man zur Wahl der leitenden Personen. Einstimmig wurde die in Graz sehr geachtetete und allgemein beliebte, äußerst tüchtige Lehrerin Emma Muschel als Präsidentin gewählt. In einer längeren, sehr interessanten Rede beleuchtete sie sodann die Schattenseiten der Grazer Juden und die mißlichen jüdischen Verhältnisse hier. Sie beglückwünschte das Wiedererwachen des jüdischen Geistes, die Sehnsucht nach einem brüderlichen und schwesterlichen jüdischen Zusammenleben und forderte mit zündenden Worten die jüdische Jugend auf, mutig den Kampf gegen unsere nichtjüdischen und jüdischen Neider und Hasser aufzunehmen und so lange auszuharren, bis sich auch die wankelmütigen Juden der jüdischen Sache mit Leib und Seele anschließen. Die Rednerin, die aus der Seele der hiesigen Juden sprach, wurde von der sehr aufmerksam lauschenden Versammlung mehrmals durch Bravorufe unterbrochen und als sie zu Ende war, schien es, als wollten die Beifallsbezeugungen fast gar kein Ende nehmen. Das Ergebnis der Wahl war folgendes: Präsidentin Frl. Emma Muschel, Kassierin Frl. Elsa Leicht, Schriftführerin Frl. Hilda Schreiber. Jesaias. Ledec. Infolge Ablebens des Kantors und Rabbiners S. Schüller in Svetla wurde Herr Kantor Rudolf Blau, Sohn des Wittingauer Rabbiners und Schüler des Oberkantors Kläger in Wien, zu einem Probevortrage für Samstag, den 30. v. M., eingeladen. Herr Blau verfügt über eine kräftige, sehr sympathische Stimme und besitzt bemerkenswertes musikalisches Wiffen, so daß sein Probevortrag mit großem Beifall ausgenommen wurde. Am Sonntag, den 1. Mai, wurde Herr Kantor Blau hierauf einstimmig aheptiert und verblieb sogleich auf seinem neuen Posten; auch wurde ihm das Amt des Religionslehrers und Matrikenführers übertragen. M. M. Budapest. Oberkantor Professor Adolf Lazarus hielt an der Bahre Bachmanns folgenden Nachruf: „Schmerzlich ergriffen, tief bewegt und erschüttert, umstehen wir die Bahre eines Mannes, der eine Größe, ein hellleuchtender Stern auf dem Gebiete seines Berufes war. Der Name Jakob Bachmann war berühmt unter den Berufsgenossen und annerkannt bei den Glaubensbrüdern. Und wahrlich, dieser Ruf und diese Anerkennung sie waren wohlberdient und berechtigt; denn es gibt wenige seinesgleichen, die es in der Kunst des Gesanges bis zur Vollendung gebracht; er war nicht nur in den Disziplinen der Musik wohlunterrichtet» er beherrschte nicht nur das Gebiet des weltlichen Gesanges, sondern er war vor allem, und dies in vorzüglichster und ausgezeichneter Weise, ein hervorragender Interpret des Synagogengesanges. ein Meister und Künstler seiner Art. Seine Charaktereigenschaften prädestinierten ihn für den heiligen Beruf eines „Scheliach zibbur", wobei ihm die Kenntnis der hebräischen Sprache zu statten kam. Er mar ein musterhafter Mann in seiner Lebensführung, der seine Freude in der Erfüllung und in der Ausübung seiner hehren Aufgabe fand; musterhaft als Gatte, ein zärtlicher, fürsorglicher, hingebungsvoller und aufopfernder Vater und in dieser wechselseitigen

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