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Die Wahrheit · 1905-05-12 · Heft 18 (12.5.1905) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 18 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18. Die Wahrheit Seite 9. körpörs und Vorstandes und ermahnte die Kinder, sich durch eifriges Lernen und noch eifrigeres Befolgen der empfangenen Lehren der vielen Opfer würdig zu zeigen. Die Frequenz beträgt 150 Zöglinge. Wien. Bekanntlich fanden in den Volksschulen anläßlich der Schillerseier interne Schulfeiern für die Schuljugend statt und eine solche wurde auch am Dienstag, den 9. d. M. in der Wasnerschule (20. Bezirk) im Turnsaal abgehalten. Nach Absingung einiger Lieder wurde vom Vertreter des Bürgermeisters ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht. Direktor Keindl hielt eine erhebende Ansprache und Lehrer Zeus trug die Biographie Schillers vor. Unter den Gedichten, welche die Schüler rezitierten, fiel besonders der Vortrag des Schülers der 5. Klasse, Paul Hornstein, „Die Sprüche des Konfuzius", durch vorzügliche Präzision und ausgezeichnetes Verständnis auf. Wien. Sonntag, den 7. d. M. fand die Beerdigung des Oberpost-Offizials Adolf Derner statt, der im 71. Lebensjahre verschieden ist. Er hinterläßt eine Tochter und drei Söhne, von denen einer, Dr. Josef Terner, Sekretär der Post-Direktion ist. Die liturgische Funktion im Trauer- Hause, wo die Amtskollegen des Verblichenen erschienen, und in der Zeremonienhalle hatte Kantor Blatt. Am Grabe sprachen Prediger Grün und Jur. Dr. Zipser, ein Freund des Verewigten, welche die wahrhafte Frönnnigkeit, die Berufstreue und Menschenfreundlichkeit des Verewigten rühmten. Ein Vertreter des Vereines „Oßeh Tow" vom 3. Bezirk, zu dessen Gründern der Verstorbene gehörte, rezitierte das Hl mole rachamim. Er ruhe in Frieden! Hermanmöstec. Unser beliebter Oberkantor, Herr Ignaz R o s n er, der im Jahre 1880 sein Amt bei der hiesigen Kultusgemeinde angetreten hat, feiert am 20. Mai d. I. in vollster Rüstigkeit sein 25 jähriges Dienstjubilüum. In Anbetracht der allgemeinen Achtung und Wertschätzung, bereu sich der Jubilar nicht nur hier, sondern auch in weitesten Kreisen seiner Kollegen erfreut, dürften ihm aus diesem Anlasse die mannigfachsten Sympathiebeweise bekundet werden. Kamionka. Die traurige Nachricht von dem Hinscheiden eines der edelsten Männer Brodys hat mich ' hier beim Aufenthalte bei meinem Sohne mit großer Bestürzung ereilt, und ich fühle mich verpflichtet dem Heimgegangen aufrichtige Worte dankbaren Gedenkens zu widmen. Sie gelten zwar einem katholischen Geistlichen, aber einem wahren Priester der Liebe, der als Perle und leuchtender Stern seines Berufes und Standes betrachtet werden konnte. Se. Hochwürden von Swistelnicki war Durch fast 18 Jahre Katechet der römisch-katholischen Religion am Brodyer Gymnasium und während dieser Zeit hat er das Wort Gottes in der wahren Bedeutung, durch sein edles Beispiel voranleuchtend, geübt. Er haßte und verabscheute den Antisemitismus, war ein wahrer aufrichtiger Judenfreund und beschützte jüdische Kinder und half ihnen, wo er nur konnteund wo sich nur Gelegenheit dazu darbot. Die jüdischen Gymnasiasten verehrten ihn auch wie einen Vater, der ihnen nie ein Leid zufügen ließ und selbst ihre jugendlichen Fehler stets mit Nachsicht behandelte; er unterstützte oft Schüler jüdischen Glaubens mit Geld, auch sonst fanden viele arme Juden in ihm ihren Wohltäter, Freund und Ratgeber. Es war ein herzerhebender Anblick, diese freundliche, liebegewinnende Gestalt im katholischen Priestergewande einherschreiten zu sehen, wie dieser wahre Gottesmann von allen Juden verehrt und geliebt, und wie ihm von jüdischen Kindern auf der Straße die Hände geküßt wurden. Erwachsene, selbst graubärtige Juden entblößten ihr Haupt zum ehrerbietigen Gruße und er hatte für jeden ein freundliches Wort, eine liebevolle Erwiderung. O, gäbe es viele solcher Priester, dann würde der Rassenhaß gewiß ganz schwinden. Friede und Ruhe sei seiner Asche, sein Andenken bleibe ein gesegnetes!! M. Markstein. Budapest Im festlich beleuchteten Tempel in der Tabakgaffe führte Sonntag, den 7. d. M. um die Mittagsstunde Herr Oskar Mühlberg, Oberbeamter der Großhandlungsfirma Jakob Fürst & Söhne, ein Neffe unseres Mitarbeiters D. H. Spitzer, das Fräulein Irene Freund, Tochter des Cafetiers Heinrich Freund, zum Traualtar. Unter den zahlreich Erschienenen bemerkten wir: die Reichtagsabgeordneten Paul Sä-ndor und Dr. Soma V i s o n t a i, den Kultuschef der Pester isr. Religionsgemeide Ludwig A d l e r, den serbischen Konsul Dr. Eugen S ch r e y e r. Berthold Fürst de Maroth, eine Abordnung der ungarischen Kaufmannshalle und des ungarischen Kreditorenvereines unter Führung des Dr. Jacob Schreher, die Doktoren Langer und Gerber, Dr. jur. Josef Spitzer, eine Abordnung der hauptstädtischen Kaffeesieder-Genossenschaft unter Führung ihres Präsidenten Anton Nemai und des Sekretärs Geza Kemeny u. A. Oberkantor Profeffor Adolf Lazarus besorgte den liturgischen Teil der Feier mit gewobnter Meisterschaft. Als besonders gelungen kann der herrliche Sologesang Lazarus' hervorgehoben werden. Die Weihe der Religion erteilte Rabbiner Dr. Samuel Kohn, wobei der gelehrte Kanzelredner eine vortreffliche Ansprache an die Neuvermählten richtete. Virovitica. Unser allgemein beliebter Oberkantor, Herr I. F r e u d e s, hat sich mit Frl. Äranka' H a n d l e r, Tochter des Herrn Rabbiners Marcus Händler aus Totis, verlobt. Triest. Bon der hiesigen Kultusgemeinde wurde Herr G. Rawner als I. Kantor akzeptiert und hat derselbe bereits sein Amt angetreten. Rawner war als junger Mann Meschorer in Preßburg und wurde dann über Verwendung des Oberkantor Bauer in Wien für den Tempelchor der türkischen Gemeinde akquiriert. Seine herrliche Tenorstimme erregte großes Aufsehen und Prof. Emerich bildete ihn für die Bühne aus. Hierauf machte Rawner durch viele Jahre große Tournes auf verschiedenen Bühnen des In- und Ausländes. Auch hier war er als ausgezeichneter Sänger bekannt, weshalb er nach Absolvierung eines Vortrages im Tempel sofort akzeptiert wurde. KtüHende Kohlen. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) „Ohne Beben? wers glaubt! Ich habe Sie genau beobachtet; Sie haben sehr bleich ausgesehen und sehr aufgeregt, mein Herr!" entgegnete Martha mit einem Anfluge von Schelmerei, die ihrem schönen Gesichtchen sehr gut stand und anmutige Grübchen in ihren rosigen Wangen bildete. „Also noch einmal, was geschieht jetzt, Martha?" ..Daß ich nach dem heutigen Ereignisse nicht hier bleiben kann, sehen Sie wohl selber ein. Ich nehme das Notwendigste mit mir und gehe von hier fort, direkt nach Prag, wo ich Bekannte aufsuchen werde, bei denen ich mich einquartiere. Von dort aus sende ich Ihnen meine Adresse. Mit dem Doktor soll sich mein Vater auseinandersetzen. Da es jener doch augenscheinlich nur auf meine Mitgift abgesehen hat, so wird die Sache bei einigem guten Willen von Seiten meines Vaters leicht zu arrangieren sein.". Hellmann verabschiedete sich von Martha. Der Vater Marthas, welcher es nicht erwarten konnte, das Resultat der Unterredung zwischen dem Rabbiner und seiner Tochter zu erfahren, war unbemerkt eingetreten und hatte den größten Teil der Unterhaltung mit angehört. Herr Hönig war außer sich und gab seiner Mißstimmung über den Rabbiner in nicht sehr ehrenvollen Worten Ausdruck. Der Rabbiner war totenbleich geworden. Keine noch so meisterhafte Rechtfertigung konnte den Verdacht entkräften, welchen Hönig soeben ausgesprochen. Alle, Alle würden ihm beistimmen. Der Schein war ja gegen ihn und nach dem Scheine richtet doch Alles. Auch Piesen konnte ja einem bloßen Scheine zum Opfer gefallen sein. Er verschmähte für den Augenblick jede Entgegnung und sagte blos: ..Bis Sie ihrer Erregung Herr geworden sein werden und kalten Blutes einer Erwägung fähig sind, dann werde ich Ihnen Rede stehen^ Herr Hönig!" Noch einen letzten Blick, einen Blick, in dem all seine Liebe, all sein Schmerz ausgedrückt war, auf Martha werfend, schritt Hellmanu würdevoll der Türe zu.- Doch Martha vertrat ihm den Weg. „Gehe nicht so fort von hier, Geliebter! Sage dem Vater, daß ich Dir das Bekenntnis Deiner Liebe erpreßt habe, daß ich Dich liebe mit allen Fasern meines Herzens, daß ich ohne Dich nicht leben kann, daß ich Dein bin für alle Zeit." 3. Der Bräutigam. Während sich die oben geschilderten Ereignisse im Hause Hönig abspielten, ging Dr. Piesen voll höchster Unruhe in seinem Zimmer umher. Seine Wohnung glich in nichts der freundlichen Junggesellenbehausung, wie er sie sich eingerichtet hatte. Denn da Piesen eine vierwöchentliche Hochzeitsreise geplant hatte, so war vor der Hochzeit schon alles zusammengepackt worden, um für seinen Kollegen, den er sich als Stellvertreter für die Zeit seiner Abwesenheit bestellt hatte, Platz zu machen. Während der Abwesenheit des jungen Ehepaares sollte Frau Louise, Marthas verheiratete Schwester, die Wohnung für dasselbe aufs eleganteste einrichten und in Stand setzen. Jetzt mußte sich der Doktor entschließen, wieder auszupacken, und so gut es ging, sich wieder einzurichten. Das alles aber mar Nebensache.-Aber was jetzt beginnen?-Unter den Hochzeitsgästen befanden sich mehrere, welche unter dem Mantel der Freund- oder Verwandtschaft gekommen waren, eigentlich in der Absicht, von der Mitgift gleich ihr Teil zu bekommen. Wie lange werden denn diese Gläubiger, welche er bisher geschickt mit dem Hinweis aur feine reiche Heirat, die er machen werde, hinzuhalten verstanden, wie lange werden diese Dränger noch warten? Und womit konnte er sie befriedigen? Und was das Allerschlimmste ist, der Wechsel, den er mit der Unterschrift seines künftigen Schwiegervaters versehen, ausgestellt hatte, in der festen Meinung, vor der Verfallzeit schon im Besitze der reichen Mitgift zu sein, wie war der aus der Welt zu schaffen? (Fortsetzung folgt.)

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