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Die Wahrheit · 1905-04-21 · Heft 16 (21.4.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Nr. 16. i-’iXßC&Jtw:L: ^»LMLÄWLL'^?L»7.. &».l ^Die Wahrheit „Gnädige Frau! Ertaube mir beifolgend ein bescheidenes Andenken mit dem besten Danke für das ausgezeichnete Bild auszudrücken. Es gefällt nicht nur meiner Frau, sondern auch allen anderen, welche es bisher gesehen haben. Sollten Sie die Absicht haben, es im Herbste auszustellen, so steht es selbstverständlich zur Disposition. Nochmals herzlichsten Dank mit der Bitte das Andenken freundlichste anzunehmen, verbleibe ich Ihr stets ergebener Graf Rosenberg." Dem schmeichelhaften Schreiben lag ein prachtvolles, mit Edelsteinen besetztes Armband bei. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Samstag, den 29. d. M., präzise a/28 Uhr abends, findet in Kuhners Restaurant, 1., Adlergafie 6, die XV. ordentliche Generalversammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verteilung at von 10 Prämien, bestehend in Sparkafia-Büchern ä 20 Kronen an Lehrlinge, die ob ihres Betragens eine Auszeichnung verdienen; d) Verteilung von 10 Prämien, bestehend in Sparkafia-Büchern ä 40—50 Kronen an Gehilfen, die mehrere Jahre mit gutem Erfolge tätig gewesen. 2. Jahresbericht erstattet vom Präsidenten. 3. Kafiabericht. 4. Bericht der Revisoren. 5. Wahl des Präsidenten. 6. Wahl der 12 Vorstandsmitglieder. 7. Wahl der Revisoren. 8. Wahl der Schiedsrichter. 9.' Aenderung des ß 10 der Vereinsstatuten. 10. Anträge und Interpellationen. Nach § 16 der Statuten müssen selbstständige Anträge, sowie Anmeldungen von Kandidaturen für den Vorstand fünf Tage vor der Generalversammlung schriftlich eingebracht werden. Wien. (C h e w r a - K a d i s ch a.) Im abgelaufenen ersten Quartale 1905 wurden seitens der Chewra-Kadischa Unterstützungen und Kurbeiträge im Gesamtbeträge von X 9010 bewilligt; weiters wurden 303 Bandagen, orthopädische Behelfe, Augengläser rc. verabfolgt und 5332 Rezepte unentgeltlich angewiesen. Wien. Die vom „Jüdischen Turnverein" Sonntag, den 16. d. M., nachmittags, im Deutschen Volkstheater veranstaltete Matinee, bei welcher „Unser K ä t h ch e n" von Dr. Theodor Herzlzur Aufführung gelangte, erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches. In den lauten Beifall, den das Publikum der trefflichen Darstellung des Lustspieles, besonders dem Fräulein Wallentin und Herrn Kramer spendete, mischte sich auch pietätvolles Gedenken an den unvergeßlichen Autor, der leider dem Judentume allzufrüh entrissen wurde. Wien. Sonntag, den 16. d. M., fand im türkischen Tempel in Anwesenheit zahlreicher distinguierter Hochzeitsgäste die Trauung des Herrn Dr. Moriz A s r i e l mit Fräulein Regine E n r i q u e z statt. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner P a p o und Oberkantor Bauer. Der Chor stand unter Leitung des Dirigenten Kantor L ö w i t. Etsdorf a. Kamp. Samstag, den 8. April, beging der Sohn des hier und in der Umgebung allgemein geachteten Herrn Simon Schafrane k, Jakob Schafranek, im Tempel zu Wölkersdorf sein Barmizwa-Fest. Der Konfirmand trug die Haftora korrekt und verständnisvoll vor. Am Nachmittage versammelten sich die Familien der Brüder Moriz, Adolf und Simon Schafranek, sowie zahlreiche Gäste aus der Ferne zu einem opulenten Barmizwa-Mahle, und der Konfirmand hielt eine Ansprache, die vielen Beifall fand. Stuhlwerstenburg. Die Vertretung des XI. israelitischen Distrikts hielt am 4. d. M. im Beratungssaale der Kultusgemeinde unter dem Präsidium des Distrikts Präsidenten Armin W e r t h e i m ihre Generalversammlung. Der Präsidialbericht gedenkt pietätvoll des Hinscheidens des Notärs des Distrikts, Prof. Adolf Hahn; er konstatiert, daß die Dotation zwar erhöht wurde aber noch immer in keinem Verhältnisse zur Billigkeit steht; die Zahl derjenigen, die sich zum israelitischen Glauben bekennen, hat im Distrikt zugenommen. Der Bericht wird einhellig zur Kenntnis genommen. Es wurden gewählt: zum Präsidenten Armin Wertheim (Szekesfehervar^, zum Vizepräsidenten Oberphysikus Dr. B. Pillitz (Beßprem), zum Notär Moriz F o d o r (Szekesfehervar): zum Präsidenten des Ausgleichskomitees wurde Dr. Karl L ö w y (Szekesfehervar), zum Vizepräsidenten Dr. Max Sandorfy (Veßprem) gewählt. Galatz. (M a s s e n a u s w a n d e r u n g russischer Juden.) In Galatz traf der Dampfer „Bulgarie" aus Odessa mit der ersten Gruppe jüdischer Auswanderer ein. Diese machen — wie man aus Bukarest berichtet — einen nichts weniger denn günstigen Eindruck. Sie erzählen, die Furcht vor Maffakres während der herannabenden Ostern, sowie die Revolution habe sie fortgetrieben. Die russischen Behörden sind überaus streng gegen die Juden und fordern von ihnen Mittel zur Deckung der inneren Kriegsanleihe. Die russische Schiffahrtsagcntur in Galatz verständigte das Hafenkapitanat, daß bald noch 5000 Auswanderer auf russischen Dampfern anlangen, welche nach Wien befördert werden, um über Hamburg sich nach Amerika zu begeben. Stuttgart. (Jüdische Krankenschwestern.) Seit April besteht hier eine Niederlafiung jüdischer Krankenschwestern, welche sich die Pflege von Kranken aller Konfessionen zur Aufgabe gemacht haben und sich Armen unentgeltlich zur Verfügung stellen. Das hiesige jüdische Schwesternheim har sein Mutterhaus in Berlin. Hamburg. Der Verein ehemaliger Schüler der Talmud-Thora-Realschule veranstaltete am 3. d. M. als Abschluß der Zentennarfeier bei Sagebiel einen F e st k o m m e r s, der von etwa 400 ehemaligen Schülern besucht war. Die Logen waren von den Damen bis auf den letzten Platz besetzt. An der Ehrentafel saß außer den Vertretern des Gemeindevorstandes, des Schulvorstandes u. s. w. neben dem Direktor der Schule auch der Senior des Lehrerkollegiums, der noch jetzt amtierende 85jährige Herr Dr. S. P. Nathan. Herr Dr. jur. R. Cohen eröffnete den Kommers mit einem Hoch auf den Kaiser und den Senat. Die Festrede hielt Herr Dr. med. Lanzkron; die Rede klang in ein Hoch auf die Schule aus. Weitere Toaste, ein hübsches Festspiel von S. Goldschmidt, zahlreiche Festlieder folgten. Die Jubiläumsspende früherer Schüler zum Bau eines neuen Schulhauses ergab die- Summe von zirka 50.000 Mark; dieser Betrag würde dem Schulvorstand überreicht. Paris. (Einwanderung russischer Juden nach- Kuba.r Der kubanische Konsul in Nürnberg, Herr Max Lehmann, ist soeben aus der Durchreise aus Kuba in Paris angelangt und teilt hier interessante Details über die Rolle mit, welche das nunmehr befreite Kuba in der Frage der Plazierung der russischen und rumänischen Auswanderer jüdischen Glaubens spielen könnte und welche die Regierung dieser jungen ausblühenden Republik zu übernehmen bereit ist. Konsul Lehmann hat in Regierungskreisen von Kuba die Idee angeregt, dem Mangel an Arbeitskräften, der in Kuba herrscht, durch die Begünstigung der Einwanderung, von Juden aus Rußland und Rumänien abzuhelfen. Der Krieg hat die Zahl der ihr Vaterland verlassenden Juden aus Rußland vermehrt, das strenge Judengesetz in Rumänien vertreibt die Juden aus der alten, immer ungastlicher werdenden Heimat. Die russischen Juden, welche ihre Heimat und in vielen Fällen auch die russischen Waffen verlassen, sind zumeist landwirtschaftliche Arbeiter, und die aus Südrußland stammenden Juden sind Zuckerfabriksarbeiter, die rumänischen Juden sind Handwerker. Die kubanische Regierung hat rasch die angeregte Frage aufgegriffen und sich überzeugt, daß die Einwanderung dieser arbeitsamen Elemente von Nutzen für Kuba seinkönnte. Die Bevölkerung des Landes ist kaum F/2 Millionen. Seelen auf einer Bodenfläche, mehr als genügend, um 20 Millionen. Menschen zu ernähren. Seit der Befreiung von dem spanischen Stiefmutterlande hat die Produktion auf Kuba einen enormen Aufschwung genommen. Derselbe wird in seiner weiteren Entwicklung durch den Arbeitermangel gehemmt. Die kubanische Regierung hat sich deshalb bereit erklärt, die Einwanderung der. russischen und rumänischen Juden nach Kuba zu begünstigen und dafür auch materielle Opfer zu bringen. Das neue Einwanderungsgesetz, welches das Parlament soeben berät, wird die gesetzliche Basis für die Immigration schaffen. Es sollen zunächst 10.000 Juden aus Rußland und Rumänien nach Kuba gebracht werden. In St. Jago, wo die jüdischen Arbeiter in Minen arbeiten sollen — es sind keine tiefliegenden Bergwerke — sind Häuser für 1500 Familien bereit. Die kubanische Regierung verspricht sich große wirtschaftliche Erfolge von dem neuen Einwanderungsgesetze und.der Einführung der jüdischen Arbeiter. Bei der Organisierung der Einwanderung soll hauptsächlich auf geschulte Arbeiter und Handwerker Gewicht gelegt werden, da nur die Einführung dieser Elemente von Nutzen für die Insel ist. B. F. Literatur. Theodor Gomperz: Essays und Erinnerungen. Mit dem Bildnis des Verfassers von Franz v. Len b ach. Stuttgart und Leipzig. Deutsche Verlagsanstalt. Preis Mk. 7. Der Name des großen Gelehrten, dessen neuestes Buch uns vorliegt, ist den Lesern dieses Blattes ja längst nicht mehr unbekannt. Mehr als 70 Jahre lasten auf dem grauen Scheitel dieses bedeutenden Philologen. Um so erstaunlicher ist die geistige Frische und Regsamkeit des nie rastenden Mannes, der es in hohem Alter unternommen hat, nicht nur sein Ltauckarä Work, die „Geschichte der griechischen Denker" zu schreiben, sondern gleichsam sich selbst Rechenschaft abzulegen über die üors ä'osuvrss seines eigentlichen Lebenszweckes. In einer größeren Anzahl von Aufsätzen, die in dem vorliegenden Bande gesammelt sind, gibt uns Gomperz „Lebenserinnerungen", Nekrologe großer Gelehrter, Dichter und Philosophen und behandelt er die brennendste Frage des Judentums der Gegenwart, den Zionismus u. s. w. Allerdings ist es nur eine Sammlung, von Aufsätzen, die im Laufe der Jahre in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind. Aber die Stimme dieses Mannes kanu noch einmal gehört werden, und das umsomehr, als sie reife Früchte einer reichen Lebenserfahrung, eines klaren Geistes, einer tiefen Gelehrsamkeit bietet. Die Aufmerksamkeit der Leser dieses Blattes dürften vor allem seine „Lebenserinnerungen" erregen. In denselben gedenkt Gomperz seines Werdeganges in einer Weise, wie kein Zweiter dem Erzähler es nacherzählen wird. Die Vorgeschichte seines auch sonst in der deutschen und englischen Literatur wohlberufenen Geschlechtes (mütterlicherseits der Familie Auspitz m Brünn) bucht er genau und liebreich. Die Frauen seiner Familie, zumal die Mutter Henriette und die Schwester Josefine v. Wertheimstein, malt er so treu und glaubhaft, daß Lenbachs auf dieselbe Leinwand nebeneinander gesetzte Köpfe dieser seltenen Damen von Gomperz' Federzeichnung, verdunkelt werden. Seine geistige Entwicklung, die ihn vom Brünner Gymnasium durch die Zeitungsstube des „Grenzboten" von Gustav Freytag und Julian Schmidt nach England zu persönlichem Verkehr mit seinen Lieblingen Grote und John Stuart Mill führte, zeigen einige Kapitel, die anregend auf jedem Blatt absichtslos die Bescheidenheit des Erzählers auf das gewinnendste offenbaren. Die Kraft, mit der Gomperz außer den englischen auch deutsche und deutsch-österreichische Freunde, Führer und Fachgenossen (Mommsen, Wessel, Bauernfeld, Bratranek, Eitelberger, Adolf Exner) charakterisiert, überrascht bei dem Biographen und Kritiker der griechischen Denker nicht weiter. Ein Meisterstück feinster Charakteristik ist der Nekrolog auf den Sohn des Chacham der jüdischen Gemeinde in Hamburg, Jsak Bernays, den „ebenso geist- und geschmackvollen als eigenartigsten Altertumsforscher unserer Tage", den Lehrer an dem jüdisch-theologischen Seminar Frankelscher Stiftung und späteren Nachfolger Ritschls^ den Professor und Oberbibliothekar an der Bonner Universität Jakob Bernays. Die griechische Prosa beherrschte Bernays wie vielleicht kein zweiter. Als Mensch war er

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