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Die Wahrheit · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 15. und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens 50 Mitglieder zählt, wenigstens durch 10 Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlosien. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" in Wien, L, Eßlinggaffe 7, zu übersenden. Wien. (Museum für jüdische Altertümer.) Das der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" unterstehende Museum für jüdische Altertümer, II., Praterstraße 23, bleibt bis auf weiteres geschlossen. Wien. (Erster Wiener jüdischer Turn v er ei n.) Der I. Wiener jüdische Turnverein veranstaltet Sonntag den 16. April d. I. zugunsten seines Turnhallen-Baufonds eine Nachmittags-Vorstellung im Deutschen Volkstheater. Zur Aufführung gelangt mit den ersten Kräften dieser Bühne das Lustspiel „Unser Käthchen" von Theodor Herzl. Zentralstelle für den Kartenverkauf Siegfried Beer, I., Zelinkagasse 3. Der eminent gemeinnützige Zweck dieser Vorstellung läßt eine rege Beteiligung aller Wiener jüdischen Kreise gewärtigen. Die Wahl des Stückes ist ein Akt besonderer Pietät des Vereines, bei dessen vorjährigem Schauturnen Theodor Herzl zum letzten Male in der Oeffentlichkeit erschien. Die Matinee wird die erste Aufführung eines Herzlichen Stückes seit Herzls Tode bringen. Wien. (T o y n b e e - H a l le.) Mit dem Samstag den 8. d. M. startgehabten Konzert fand das heurige Wintersemester einen solennen Abschluß. Herr Dr. Samuely leitete den Abend mit einer Ansprache ein, in welcher er u. A. jagte: „Nach einer mehrmonatlichen Wanderung durch die Gefilde der Kunst und Wissenschaft sind wir an einem Ruhepunkt angelangt. Rückblickend aus die Darbietungen in der letzten Periode muß Lmstatiert werden, daß in 149 Vorträgen aus allen Gebieten des sozialen Lebens, Kunst und Wissenschaft, reiche Belehrung und Anregung geschöpft werden konnte; wie nicht minder durch 23 Voll- und einer Anzahl Halbkonzerte künstlerische Genüsse und Zerstreuung in ausgiebiger Weise geboten wurde. Der Dank hiefür gebührt Jenen, die sich mit ihrem Wissen und Können in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Wir aber sind beglückt in dem Bewußffein, das Schöne und Nützliche intendiert zu haben." Ein wahrhaft exquisit künstlerisches Programm gelangte hierauf zur Durchführung. Fräulein Engels bot die Deklamationen: „Das sonnige Märchen vom Glück" und „Die Thomas-Nacht"; hierauf spielten Herr Prof. Mittelmann (Violine) und Frau Dr. Stern (Klavier), zwei Sätze aus dem Mendelssohn-Konzert; Herr Oberkantor Josef Basier, von Frau Dr. Werner begleitet, sang zunächst eine italienische Arie, daun aus dem Mendelssohn'fchen Oratorium „Elias", „So ihr mich vom ganzen Herzen sucht" und als Zugabe „Zions Klagelied"; schließlich kamen Klaviervorträge der Frau Dr. ,Stern aus den Werken Schuberts und Brahms, und deutsche Lieder gesungen von Fräulein Fichtenholz. Das zahlreiche Publikum zollte sämmtlichen künstlerischen Darbietungen stürmischen Beifall. Mit dem lautgeäußerten Wunsche: „Auf Wiedersehen im Herbst!", verließen die zahlreichen Teilnehmer in gehobener Stimmung die Toynbee-Halle. Wien. Der Verein „Dsülas Haneorim" veranstaltet am Pestachfeste im Bet-Hamidrasch, II., Tempelgasse Nr. 3,. einen Gottesdienst ausschließlich für die Jugend. Beginn des Gottesdienstes: Abends um 61/* Uhr, morgens um 8*/, Uhr. Wien. Samstag den 8. d. M. feierte Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Eduard Thaler im Tempel der türkischen Gemeinde das Barmizwahfest seines Sohnes Heinrich. Dr. Thaler, der an den traditionellen Gebräuchen des Judentumes strenge festhält, erfteut sich nicht nur in der genannten Gemeinde sondern auch in weiteren Kreisen großer Beliebtheit uud hatten sich sowohl im Tempel, als auch in der Wohnung desselben zahlreiche Gäste eingefunden. Der Konfirmand las die Hastorah mit vieler Präzision. Wien. Fast zum Schlüsse der Saison stellte sich in einem ohne jede Prätension angekündigten Konzerte der Geiger Gustav Maeurer dem Wiener Publikum vor. Er kam vom Rheine, eine sympathische Persönlichkeit. und wie bereits der Vortrag der ersten Nummer (ein Andante und eine Gavotte von Bach), der ihm sofort stürmischen Beifall der fast den ganzen Saal füllenden Zuhörerschaft einbrachte, zeigte, ein ganzer Künstler! Daß sich der Beifall von Nummer zu Nummer steigerte und Herr Maeurer nach der Chaconne wohl ein halbes Dutzendmal und nach dem Paganini-Konzerte immer und immer wieder gerufen wurde, hatte seine volle Berechtigung. Das Publikum befand sich einer ganz eigenartigen Künstlerpersönlichkeit gegenüber, deren männlich-energische und durchgeistigte Art der Tonbildung eine ungewohnte Klangfülle hervorbrachte. Dies sowohl in dem markigen Oktavenspiel und den schwierigsten, mit tadelloser Reinheit zu Gehör gebrachten Doppelgriffen der Bach'schen Kompositionen, in der wirbelnden Technik des Paganini-Konzertes, wie in der Kantilene des Mendelssohn-Andantes, dessen Vortrag, wie derjenige des träumerischen Ernstschen Stückes und der Zugabe, Abendlied von Schuumnn, tiefstes Seelenempfinden bekundet. Seinem herrlichen Instrumente gewinnt der Künstler auf der 6-Saite einen Ton ab, welcher den Wettstreit mit einem Cello nicht zu fürchten hat — er mag wieder kommen! Klosterneuburg. Am verflossenen Purimfeste veranstaltete unser Kantor, Herr Max Friedl, in den Saallokalitäten zur Schießstätte eine Purimfeier, welche trotz ihrer kurzen Voranzeige zahlreiche Gäste aufzuweisen hatte. Besonders wurde der Unterhaltungsabend durch das Erscheinen unseres neugewählten hochverehrten Kultusvorstehers Herrn Alois Fischt, Weingroßhändler, sowie des verehrten Herrn Med. Dr. Alois Tramer und vieler anderer ausgezeichnet. Bet dieser Feier ernteten Herr Kantor Max Friedl, dessen Bruder Herr Julius Friedl, Buchhalter, und Frau Elisabeth Erber durch ihren gelungenen komischen Vortrag allgemeinen Beifall. Jung und Alt huldigte dann dem Tanze bis in den frühen Morgenstunden und schieden mit dem Wunsche, so animierte Abende mögen sich recht bald wiederholen. Marienbad. Im „Hotel Leipzig" fand Dienstag, den 21. v. M. eine Theatervorstellung statt, die. sich eines ausgezeichneten Erfolges erfreute. ' Im Lustspiel mit Gesang „Das Bombenattentat" boten die Damen Frl. Elsa Baruch, Erna Srrauß, Helene Schneider, Anna Lapper, Frida Gutwillig, Elsa Steiner, Frida Kauders und die Herren Max Stingl, Max Blau, Emil Horowitz, Henri Feri und Ernst Löwenthal sehr schöne Leistungen. Die Regie führte Herr Paul Löwenthal vortrefflich, den musikalischen Teil hatte Frau^Oberantor Goldenberg bestens einstudiert. Auch das folgende Liederspiel „Singvögelchen," von Herrn Oberkantor Goldenberg einstudiert, wurde vortrefflich gespielt, und der stürmische Beifall, den die Aufführungen insgesamt und die einzelnen Darbletungen hervorriefen,! war wohlverdient. Die Zwischenpaufenmusik und nach dem Theater die i Tanzmusik besorgte die Kapelle Schmutzer in gewohnt vorzüglicher Weise und das Tanzkränzchen, das sich animiert gestaltete, hielt die fröhliche Gesellschaft bis in die Morgenstunden beisammen. 1 Bagujhely. Ort und Umgebung vermissen mit Bedauern den ' Herrn Dr. Ludwig B o r t st i e b e r. Er war nach Wien gereist, um i Linderung seines Leidens zu suchen. Er hat dort Heilung gefunden — für t immer. Der Verblichene war als Arzt beliebt und angesehen, unvergeßlich bleibt er als Schulmann. Seine Lebensgeschichte ist die Geschichte der i hiesigen Lehranstalten, die Kulturgeschichte der Gemeinde. In den sechziger Jahren noch war die Schule tief drinnen im Mittelalter. Die Schüler , hatten wohl die Samtkäppchen schon abgelegt. Die wöchentlichen Unterrichts- , stunden waren 35. Die Kinder der I. Klasse saßen im Winter bei Lampenlicht auf der Schulbank. Das Schuljahr dauerte das ganze Jahr lang. < Die Feiertage teilten es in ein Winter- und Sommersemester. Zweimal 1 im Jahre wurden öffentliche Prüfungen abgehalten, bei denen Probeschriften und Kataloge figurierten. Der Lehrer als solcher war vogelfrei, . eitler Willkühr preisgegeben. Der Präses, Herr Dr. Bortsiieber, wußte die besseren Elemente um sich zu scharen. So führte er die Neuzeit herbei. } Die Schulprotokolle von 40 Jahren künden alle Phasen der Reformen — j sie künden die Errichtung der Mädchen-Bürgerschule, sie künden die vollj ständige Scheidung der drei Anstalten: Volks-, Bürger- und Realschule. : Der erste Kindergarten ist sein Werk, seine würdige Gattin warb die Zöglinge hinein. Die Turnanstalt gründete er ebenfalls. Zum Ankäufe der Geräte besteuerte er seine Bekannten. Wer kennt nicht die Hindernisse, die 3 jedem Fortschritte in den Weg gelegt werden? Wer kennt nicht die Verdächtigungen, gegen die jede Neuerung anzukämpfen hat? Der weise Rabbiner Herr Josef Weiße schätzte in ihm hoch den Menschen. Er hat auch nie ärztliches Honorar von einem Armen genommen. Jetzt erst erfährt 1 man nach und nach, was er im Vereine mit seiner Gattin an Notleidende l geräuschlos in echt frommer Weise aus eigener Tasche geleistet hat. Er j ging vom Krankenbette weg, und sie kam mit Erfrischung, Wäsche und Geld. Zu Beginn seiner Praxis fuhren die Kollegen, ältere Herren, nicht an Samstagen und Feiertagen, zumindest nicht durch die Stadt. Er machte keine Ausnahme. Er war es auch nicht, der den Anfang gemacht hat. An jedem Feiertage präsidierte er dem Tische, an dem der Lehrkörper, die Intelligenz, im Betlokale der Schule saßen. In Karlsbad war ec fleißiger Tempelbesucher — er erzählte mit Begeisterung vom dortigen Gottes-! dienste und von dem dort herrschenden jüdischen Sinne. Die neueste Zeit * mit ihrem jähen Wandel traf ihn nervös und müde. Wenn ihm die Leute l hier ein Andenken stiften, so werden sie sich selbst nur ehren. \ Klühende Kohlen. \ Novelle von B «bette Fried, Prag. t (Fortsetzung.) Das übliche tägliche Gebet mar zu Ende. Von den Unterführern bezw. Unterführerinnen begleitet, begab sich das Brautpaar unter den indessen aufgestellten rotsamtenen Trauhimmel. Die hohe, schlanke Gestalt Marthas reichte fast bis an die c herabschlagenden goldenen Fransen, welche den Tranhimmel umgaben. Nachdem das vom Oberkantor angestimmte und vom Chor r begleitete, kunstvolle Miadir ausgeklungen, begann der Rabbiner seine Traurede zu halten, welche merkwürdig kurz und trocken ■ ausfiel, trotzdem Dr. Hellmann als . ein guter Prediger und be-! sonders brillanter Gelegenheitsredner bekannt war. Die Zuhörer glaubten nicht anders, als habe der Brautc Vater, der alles nach modernstem Schnitte eingerichtet haben wollte, den Rabbiner zu dieser kurzen Rede veranlaßt. Jetzt begann die Zeremonie. Die Brautleute hatte von dem ihnen dargereichten Weinbecher genippt, und der Rabbiner j richtete darauf an den Bräutigam die Frage, ob er aus freier t Neigung, ohne Zwang, gewillt sei, die ihm verlobte Braut, j Fräulein Martha Hönig, aus M., zu seinem ehelichen Gemahl

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