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Die Wahrheit · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 14. Beifalluud fesselten alleAnwesenden bis"zur dritten Morgenstunde. Dank sei den aufopfernden Vorstehern Herren Karl Steinschneider, Moritz Feuereifen und Jakob Tutsch, besonderer Dank dem biedern Arrangeur Herrn Emil Steinschneider. Gott lob!/In den 'Herzen unserer .Juden sind noch kräftige Keime vorhanden. Möge sich doch aus ihnen ein neues, ftifdj pulsierendes jüdisches Leben entwickeln! r'-V.'IV Prag. (Zur Erhaltung b ex A l t u e u f y n agog eünd des jüd i s ch eit' Rathauses.) In der Sitzung der ' städtischen Assanierungskommission wies Stadtrat Dr. Ppdlipny 'büräus.hm^.MA I ijt der Oeffentlichkeit die Aufforderung an den Stadträt gerichtet wurde, die Altncusynagoge und das alte jüdische Rathaus zu erhalten.' Der Rednet erklärte, es sei notwendig, darauf hinzuweisen, daß an die Demoherüng der Altneusynagoge niemals gedacht wurde und daß der Stadrrat beschlosten habe, mit der israelitischen Kultusgemeinde auch bezüglich der Erhaltung des jüdischen Rathauses Verhandlungen einzuleiten. Bereits am 13. Jänner d. I. habe der Stadtrat beschlossen, von der israelitischen Kultusgemeinde bezüglich der Regulierung der Umgebung des Rathauses einen Plan abzufordern und diesen dann einer Kommission von Sachverständigen vorzulegen. Auch bei Offertverhandlungen über den Verkauf von Bauplätzen in dieser Gegend werde Rücksicht auf die Umgebung des Rathauses genommen. Jungbuuzlau. Herr Joachim Hoffmann, Lehrer in Jungbunzlau, beging am Sabbat NvL? das Fest seiner 40 jährigen Dienfttätigkeit als Lehrer an der hiesigen Talmud-Thora-Schule. Der Kultusvorstand arrangierte aus diesem Anlaffe einen Festgottesdienst mit Predigt. Als der Jubilar zur Thora gerufen wurde, sprach Herr Oberkantor Singer einen aufdiese Feier bezughabenden Segensspruch, worauf vom Chor das Sulzerische Leb hajom exekutiert wurde. Herr Rabbiner Dr. Hoch feierte den greisen Jubilar als Muster eines pädagogisch gebildeten Lehrers und würdigen Familienvaters, welcher seine eigenen, wie auch die ihm anvertrauten Kinder zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft herangezogen. Dem Festgottesdienste ging eine Schulfeier voran, bei welcher ein Knabe und ein Mädchen Blumenspenden überreichend den verehrten Lehrer in sinnreichen. Gedichten feierten. In diesen Räumen nahm auch Herr Rabbiner Dr. Hoch Gelegenheit, eine Lanze für die oft verfolgte jüdische Schule zu brechen, indem er diese für das jüdische Wohl so hochwichtige Institution mit der Insel Helgoland verglich, die umtost von den Wellen der Nordsee sich in der oberen Schichte wohl ablöst, der Felsen selbst aber allen Brandungen Stand hält. — Am Abend fand eine zwanglose Unterhaltung im Hotel Lamm statt, woselbst Mitglieder des Vereines „Harmonia" Vorträge zum Besten gaben und mehrere Redner den gefeierten Jubilar bei edlem Rebensaft hochleben ließen. Dieser stattete mit bewegten Worten seinen Dank ab und bot gleichzeitig eine kurze Schilderung seines Lebens- und Leidensganges als isr. Lehrer. Ein gemütliches Tänzchen beschloß diesen schönen und denkwürdigen Tag. Marieubad (Ortsgruppe Marienbad des galizischen Hilfsvereines.) Am 19. März fand in Leitners Haus die ordentliche Generalversammlung der Ortsgruppe Marienbad des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Der Obmann Herr I. U. Dr. Josef Steiner, Advokat hierfelbst, erstartete den Jahresbericht, der einen erfreulichen Ueberblick über die Tätigkeit der Ortsgruppe im abgelaufenen Jahre bot. Im Laufe des Winters fanden zwei Vortragsabende statt. Am 26. November 1904 sprach der Vereinssekretär Herr Dr. Wilhelm Löwy, Magistratssekretär i. R. aus Wien, über „Ziele und Zwecke des galizischen Hilfsvereines", am 5. Jänner 1905 Herr Rabbiner Dr. Ziegler aus Karlsbad über „Jüdische Propaganda im griechischrömischen Reiche". Beide Vorträge waren sehr gut besucht und erfreuten sich eines lebhaften Beifalls. Die Anzahl der Mitglieder ist auf 77 gestiegen; insbesondere haben mehrere Frauen ihren Beitritt angemeldet. Auch die israelitische Kultusgemeinde Marienbad ist der Ortsgruppe als Mitglied beigetreten. Aus dem Kaffabericht des Kaffiers Herrn Siegmund Schneider, Obmann des Handelsgremiums hierfelbst, geht hervor, daß in diesem Jahre 225 K an die Zentrale in Wien abgesührt wurden und daß der derzeitige Kaffastand 134 K 22 h beträgt. Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Goldberger bringt die Protokolle der letzten Generalversammlung, sowie der stattgefundenen Bereinsabende zur Verlesung und verweist darauf, daß durch die Diskuffion nach dem Vortrage des Herrn Dr. Löwy, an welcher Herr Dr. Lang nnd der Schriftführer sich beteiligten, der Antrag der letzten Generalversammlung betreffend die Heranbildung von Dienstboten durch den galizischen Hilfsverein, gegenstandslos, und diesbezügliche Anfragen in diesem Sinne beantwortet worden sind. Sämmtliche Berichte werden mit Beifall genehmigt; ebenso wird der Rechnungsausweis der Zentrale zur Kenntnis genommen. Zum Delegierten für die Generalversammlung des Hauptvereincs in Wien wird der Obmann-Stellvertreter Herr Emil Baruch, Vorsteher der Kultusgemeinde Marienbad, vorgeschlagen und gewählt. Die Wahlen in die Ortsgruppe werden auf Vorschlag des Mitgliedes Herrn Adolf Steiner per Akklamation vorgenommen. Dieselben ergaben folgendes Resultat: Obmann: 1.11. Dr. Josef Steiner, Advokat. Obmann-Stellvertreter: Emil Baruch, Hotelbesitzer, Vorsteher der Kultusgemeinde. Schriftführer: Phil. Dr. Philipp Goldberger, Rabbiner. Schriftführer-Stellvertreter: Heinrich Goldmann, Kaufmann, Kaffier: Siegmund Schneider, Kaufmann, Obmann des Handelsgremiums. Kassier-Stellvertreter: Siegfried Fischl, Hausbesitzer. Auf Antrag des Vorstandes wird die Anzahl der Beiräte mit Rücksicht auf die gesteigerte Mitgliederzahl um einen männlichen und zwei weibliche Beiräte vermehrt. Zu Beiräten wurden gewählt: 1. für Marienbad: Franz Beck, Kaufmann, Hugo Fleischner, Fleischhauer, Paul Löwenthal, Weinhändler, Max Stingl, Kaufmann, Frau Jda Beck und Frau Rosa Stingl; 2. für Königswart: Wilhelm Löwy, Kaufmann, Vorsteher der Kultusgemeinde Königswart; 3. für Dürrmaul : Siegmund^ Doktor, Kaufmann,' Vorsteher. ' . v Brody Am 22, März veranstalteten die hiesigen polnisch-natioyal. 'zjMstffch^n'Akfloemiker'einleuMrim'bäll,' dessen Erträgnis sie zur.Gründung, hes vors mchJchon. erwähnten Studentenheims für - jüdische Gymnasiasten WtiMmteni Aber ich 'wiederhole es jetzt nochmals, daß dieses.Institut Htzre^ebeysfäUßkeftHabe«^kartn. Wer soll denn dieses Institut erhalten?' Die hiesigen Philanthropen," von denen keine Spur vorhanden ist; die chenigen Reichen, , die jetzt.andere Sorgen , haben; das arme Proletariats .das »ft: HM,!niff/ dieHwohlWöllenden' Akademiker, die heute da, morgeu Hort.,sind;.pder etwa die. Städtgem'einde, etwa aus Dankbarkeit für das Einstimmen der Juden in den Ruf nach Polonisierung des hiesigen deutschen Gymnasiums? Da müssen noch viele Gewässer verfließen, bis sich Christ, und Jude gleicht. Auch ist nach meiner Ueberzeugung bei der bevorstehenden. Polonisierung dieses Gymnasiums dieses Studentenheim ganz überflüssig, da unsere armen jüdischen Kinder ein polnisches Gymnasium nur wenig werden besuchen können. Ich, der ich Jahrzehnte den polnischen Unterricht an der hiesigen Volksschule erteilte, weiß was die polnische Vortragssprache für Brodyer jüdische Knaben bedeutet. Die Muttermilch muß ihnen erst eine polnische Zunge verleihen, was vielleicht erst nach Jahren der Fall sein wird. Um der gesetzlichen Schulpflicht nachzukommen, werden gewiß, die armen jüdischen Kinder der hiesigen polnischen Bürgerschule eher zueilen, wo sie die paar Jahre werden aussüllen können, ohne sich mit dem Lernen anzustrengen, und von jeglichem Schulgelde befreit sind, da die dortigen Lehrer zufrieden sind, wenn sie eine angemessene Schüleranzahl aufweisen können. Der Ball fiel glänzend aus, das Erträgnis war ein schönes, trotzdem er von den edeldenkenden christlichen Mitbrüdern nicht besucht war. Die reizenden Esters in ihren herrlichen Ballkostümen waren zu bewundern, und es wurde bis zum frühen Morgen lustig getanzt. Schade nur, daß kein einziger Haman zugegen war. Wie anders war's, als unlängst die Christen ein Kränzchen zur Unterstützung des christlichen Studentenheims veranstalteten, floß jüdisches Geld ein, auch fehlte es nicht an jüdischen Besuchern. Der Jude als solcher soll daher, wie er auch sei, in erster Reihe an sein reines Judentum denken, konservativ bleiben und nicht mit den Wölfen mitheulen, wenn sie auch die verlockendsten Töne anstimmen. O, Ihr Brodyer zionistischen Akademiker, Ihr werdet gewiß, den Berg Zion besteigen, dort auch ein polnisches Gymnasium errichten,, vielleicht sogar eine polnische Universität, die Euch Lehrkanzeln einräumen könnte! 34. 34. Czernotvitz. In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde fand eine Versammlung von jüdischen Gemeinde-, Handelskammer- und Kultusräten, sowie Kaufleuten und Gewerbetreibenden statt, in der zum Erlasse der Regierung betreffend' die sutzessive Abschaffung der russischen Emigranten aus der Bukowina Stellung genommen wurde. Nach einer überaus lebhaften mehrstündigen Debatte wurde ein 12gliedriges Komitee gewählt, dem die Aufgabe zufällt, für die sich aufhaltenden russischen Emigranten Arbeitsgelegenheit zu suchen, respektive sie mit Reisegeld zu versehen und über die Landesgrenze zu schaffen. Holicz Am 2. April fand hier das Leichenbegängnis der im 85. Lebensjahre verschiedenen Frau Rosa Geiduschek unter riesiger Teilnahnie der Bewohner ohne Unterschied der Konfession statt. Im Trauer- Hause rezitierte Kantor Dawid Grünfeld das Dl mole rachamim und am Friedhofe das Hazur Tomim iit ergreifender Weise und während Herr Rabbiner Pollach die Trauerrede hielt, blieb kein Auge tränenleer. Hamburg. „Die Entwicklung der Synagogenmusik" lautete das Thema eines Vortrages, den der bekannte hiesige Musikschriftsteller und Oberkantor am israelitischen Tempel, M. H e n l e, im Logenheim, Hartungstraße, hielt. Auch in dem synagogalen Gesang pulsiert seit Jahrzehnten neues Leben. In einem Rückblick auf die Entwicklung des Synagogengesanges muß der Redner bekennen, daß die Musik der Juden des Altertums, trotz aller Bemühungen der Musikforscher, in tiefes Dunkel gehüllt ist. Wir wissen nicht, wie diese Musik, insbesondere die des Tempels geklungen hat, und auch die Bibel erzählt nichts von der Art der Musik.. Die traditionellen Gesänge der Synagoge sind zusammengesetzt aus Musikstylarten, die von unserem modernen Musikstyl zurückreichen bis in das graue Altertum. Es lassen sich hauptsächlich drei Gruppen unterscheiden: 1. die Melodien des Sprechgesanges, 2. die Steigerweisen und 3. die Melodien mit modernem Charakter. Diese drei Gattungen wurden von dem Vortragenden durch zahlreiche Beispiele illustriert; insbesondere wurde auf die von Oberkantor Singer in Wien herausgearbeiteten „Steiger" hingewiesen, die dem Synagogengesang ein eigenartiges Gepräge verleihen- Mit der Neuordnung des jüdischen Gottesdienstes im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts — ausgehend vom Hamburger Tempel — wurde auch eine Reorganisation des synagogalen Gesanges angestrebt, die bis heute noch zu keiner Klärung geführt hat. Die Hauptschwierigkeit hiefür liegt nach Ansicht des Redners in der Herausbildung eines synagogalen Musikstyls, der der Tradition gerecht werden könne und dabei das moderne Musikempfinden befriedige. Der Vortragende zeigt an Beispielen aus den. Klassikern, insbesondere Mendelssohns, wie die traditionellen Melodien in unsere moderne Harmonik eingeführt werden können, und zeigt damit einen Weg, den die Synagogenmusik für die Zukunft einschlagen könne. Bukarest. Bei hiesigen Behörden eingetroffene Berichte melden bevorstehende Massenauswanderungen von Juden aus Südrußland. Aus Odeffa allein haben 1000 Juden ihre Auswanderungspapiere geregelt und begeben sich über Rumänien nach Amerika mit Unterstützung ausländischen Geldes. Die erste Gruppe ist bereits am 31. März d. I. in Galatz. eingetroffen.

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